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11.08.2021

Visafreie Tourneen in EU wieder möglich, dennoch große Kritik von britischen Musikern

Nach VISA-Streitigkeiten haben sich 19 Länder aus der EU mit Großbritannien einigen können

Britische Kreative standen vor einem großen Problem. Aufgrund der BREXIT-Vereinbarungen warteten komplizierte und teils teure Visa- und Zollbestimmungen auf sie. Vor allem der Touring-Bereich war betroffen, weshalb es nach einem mittelfristigen Aus für britische Künstler in der EU aussah. Jetzt heißt es erstmals aufatmen, aber ganz so rosig sieht die Zukunft dennoch nicht aus.

Bisher sahen die Bestimmung sehr kompliziert aus. Künstler benötigten ein separates Arbeitsvisum für jedes einzelne Land, die Grenzübergänge innerhalb der EU waren eingeschränkt und das Touring-Equipment musste mittels aufwendiger Zollerklärungen eingetragen werden. Das ganze kostete neben vielen Lebensstunden auch Geld, eine Zollerklärung war ab 325 Pfund erhältlich. 

Spätestens als die ersten Festivals im Sommer wieder ihre Pforten öffneten, wurde die Kulturbranche nervös. Statt dem großen Restart fürchteten britische Musiker Flaute. Daher wurde stark an die Politik appelliert, die jetzt eine Ankündigung veröffentlichte. Demnach habe die britische Regierung mit allen EU-Mitgliedsstaaten gesprochen, um eine vernünftige Lösung für die Kunst- und Kulturbranche zu finden.

Mit 19 Ländern gibt es eine Vereinbarung

Es konnte eine Einigung mit 19 Ländern getroffen werden. Für kurzfristige Tourneen ist daher kein Visum und keine Arbeitserlaubnis mehr notwendig. Folgende Länder können daher wieder relativ unbürokratisch bereist werden: Österreich, Belgien, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Polen, Slowakei, Slowenien und Schweden.

Das 'Department for Digital, Culture, Media and Sport (DCMS)' sagte in einem Statement, dass sie Tourneen und Reisen ohne große Einschränkungen weiter verfolgen wird. Dazu müssten die Corona-Restriktionen aber auch aufgehoben werden, damit das "beste der britischen Kreativität" der Welt gezeigt werden kann. Deshalb rede die Regierung auch mit den acht weiteren EU-Staaten, um eine Lösung zu finden. 

Noch viel Unklarheit vorhanden

Ganz zufrieden zeigen sich Musiker und Vereinigungen mit der Abmachung aber nicht. Laut David Martin, Geschäftsführer der Featured Artists Coaltion, habe sich nicht viel geändert: "Wir wussten das alles schon im Januar. Die Vorstellung, dass die Regierung etwas Fantastisches getan hat oder dass sie einige Zugeständnisse erreicht hat, ist nicht richtig. Die Ankündigung ist keine neue Information für die Musikindustrie". Demnach gebe es weitere "Schwierigkeiten abseits von Visa und Arbeitsgenehmigungen". Dabei sind unter anderem unterschiedliche Regeln gemeint, die nach vor in den 19 Ländern gelten. 

Laut dem Generalsekretär der Musikergewerkschaft, Horace Trubridge, werden nur alte Vereinbarungen neu präsentiert: "Das erscheint etwas seltsam. Es scheint eher eine politische Geste zu sein als eine solide neue Entwicklung". Auch ein prominenter Musiker namens Elton John hat sich via Twitter zu Wort gemeldet. Demnach hat sich die "Freude über die Ankündigung" schnell zur "Enttäuschung" entwickelt, da es keine großen Neuerungen gebe. 

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