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Brexit – der Niedergang der britischen Musik?

rund 80 Euro. Solche Summen sind für große Bands und Künstler sicherlich kein Problem. Für nicht so bekannte Musiker die ihre Reichweite außerhalb des UK vergrößern wollen, können solche Visa-Gebühren aber schon ein Hindernis sein. Vor allem da diese Gebühren eben für jedes einzelne Land gezahlt werden müssen, egal ob man einen Tag oder 2 Monate in diesem Land verbringt. 

Komplizierte Zollerklärungen

Vor der Abreise müssen sich Musiker aus GB eine ATA Carnet Zollerklärung holen. Diese bestätigt, dass die benutzten Instrumente nicht zum Verkauf transportiert werden dürfen. Die Erklärung muss sowohl bei der Abreise als auch bei der Einreise gestempelt werden. Das ATA Carnet ist für ein Jahr gültig und ab 325 £ zu haben. Für Instrumente mit geschützten Materialien gibt es weitere Bedingungen. Alte Celli und Geigen sind oft mit Ebenholz und Elfenbein verziert. Für solche Fälle braucht man ein Musical Instrument Certificate. Dies erhält man durch CITES

Arctic Monkeys wird nicht die Probleme vieler Musiker haben © Shutterstock // Astrobobo
Arctic Monkeys wird nicht die Probleme vieler Musiker haben © Shutterstock // Astrobobo

Für jedes Land ein eigenes Visum?

Nach derzeitigem Stand müssten britische Künstler in jedem Land, in dem sie auftreten möchten, eine Arbeitserlaubnis einholen. Britische Musiker würden demnach genauso behandelt werden wie Musiker aus Drittstaaten. Das kann neben dem bürokratischen Aufwand auch eine teure Angelegenheit werden.  Gebühren für eine Person für ein Land liegen bei und folgt dem selben Ablauf wie für den Transport von (seltenen) Tieren und Pflanzen. Es gibt allerdings nur 29 Stellen in Großbritannien, die solche Zertifikate ausstellen, weshalb schon vor der Abreise die Instrumente gecheckt werden sollten. Auch muss bedacht werden, dass Fluggesellschaften oft ihre Bedingungen bzgl. der Mitnahme von Instrumenten ändern. 

Musiker protestieren regelmäßig gegen den Status Quo © Shutterstock // John Gomez
Musiker protestieren regelmäßig gegen den Status Quo © Shutterstock // John Gomez

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

  • Arbeitsvisa notwendig mit unterschiedlichen Bedingungen in den Ankunftsländern
  • Jedes Land kann die Einreise verweigern. Die Grenzen können nicht ohne Risiko überquert werden
  • Reiseversicherung ist für den Krankenfall notwendig
  • Verschiedene Steuermodelle in verschiedenen Ländern bzgl. Einkommen
  • Verschiedene Bedingungen für das Arbeitsverhältnis. Für einen Vertrag in Deutschland ist ein Pass notwendig. Mit dem englischen Pass kann es hier Komplikationen wegen der ID Nr. geben
  • Für das Equipment sind Zolldokumente (Carnet ATA) notwendig, kosten ab 325 £
  • Zolldokumente sind teuer (oft mittlerer dreistelliger Betrag) und nur für 12 Monate gültig

Musiker aus der EU die im UK spielen wollen

Personen aus der EU müssen für die Einreise in das Vereinigte Königreich kein Visum beantragen, solange die Aufenthaltsdauer nicht 6 Monate übersteigt. Daher sind EU-Bürger von nun an gleichgestellt mit US-Amerikanern oder Kanadiern. Für Künstler die in GB Geld verdienen wollen gibt es allerdings eine eigenes Visum: das Tier 5 Creative and Sporting Visa. Dieses muss drei Monate vor Einreise beantragt werden und kostet 244 £. Niedrigere Anmeldungsgebühren gibt es allerdings für einige Länder, darunter Deutschland und Österreich. Bürger dieser Länder müssen 55 £ zahlen. Außerdem fallen Kosten für die Krankenversicherung des NHS an, die sich auf 624 £ belaufen. Alle weiteren Informationen finden sich auf der Homepage der Regierung.

Tourismus aus Großbritannien

Touristische Ausflüge in EU Länder sind allerdings weiterhin ohne Visum möglich. Die maximale Aufenthaltsdauer liegt je nach Destination zwischen 90 und 180 Tagen. Für einen DJ der einen einzigen Gig in z.B. Tschechien spielen möchte, wäre der bürokratische Aufwand und die Visum-Gebühr wohl zu hoch, so dass sich dies nicht rentieren würde. Daher ist es vorstellbar, dass viele Künstler als Touristen einreisen werden, um die ganze Bürokratie zu umgehen. Das wird allerdings auch nicht im Interesse beider Parteien (EU und UK) sein, da dies zu mehr Schwarzarbeit führen würde.

Folgen für andere Branchen

Von den aktuellen Regelungen wären neben Musikern auch sonstige Künstler, Schauspieler, TV-Stars, etc. betroffen. Ob diese Regelungen auch so bleiben ist natürlich nicht sicher. Es könnte noch zu Einigungen zwischen der EU und der Regierung in Großbritannien kommen. Die EU bot sogar 90 Tage Aufenthalt ohne Visum für Kunstschaffende an, die Regierung in London wollte allerdings noch weitere Bereiche abgedeckt haben und lehnte das Angebot ab. 
Jetzt werden den Künstlern nach dem Jahr 2020, in dem schon praktisch keine Umsätze möglich waren, auch noch weitere Steine in den Weg gelegt. Die gebeutelte Musikindustrie bräuchte in der Zeit nach der Pandemie stattdessen viele Initiativen, welche Veranstaltungen und Künstler fördern. Daher ist es notwendig an die Politik zu appellieren.  
Erste Initiativen für eine Lösung des Problems sind im Gange. Eine Petition mit über 250.000 Unterschriften (Stand 13.1.2021) fordert Visa-freies Reisen für britische Künstler. 

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Arctic Monkeys wird nicht die Probleme vieler Musiker haben © Shutterstock // Astrobobo

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von Mathias Walter

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