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29.06.2015

Vintage Drum Machine: Korg KPR-77

Analoger Drum Computer

Die Korg KPR-77 Drum Machine erschien 1983 als Konkurrenz zur Roland TR-606. Der Drum Computer erzeugt seine Klänge analog, erreichte aber nie den Kultstatus der TR-Serie. Das mag an den Sounds der KPR-77 liegen, die im Vergleich etwas matter erscheinen, oder an ihrer nicht besonders intuitiven Bedienung. Bevor wir uns hier in Spekulationen versteigen, stellen wir euch die Korg KPR-77 Vintage Drum Machine aber am besten im Detail vor. Hier findet ihr auch Korg KPR-77 Samples und Loops zum Download.

Details

Überblick

Die Korg KPR-77 ist eine analoge Drum Machine mit acht Sounds und einem programmierbaren Akzent. Sie kann 48 Patterns speichern, die (mit gewissen Einschränkungen) zu längeren Patterns kombiniert und zu sechs Songs verkettet werden können. Die Maschine ist über DIN-Sync im Korg-Format (48 ppqn) synchronisierbar und bietet zwei Trigger-Outputs, die die Signale der beiden Tom-Spuren ausgeben. Der Akzent und die wichtigsten Instrumentengruppen lassen sich in der Lautstärke regeln, für Snare und Clap steht ein Einzelausgang zur Verfügung. Auch an das damals übliche Tape-Interface zum Sichern des Speicherinhalts auf einem Kassettenrecorder wurde gedacht.

Bedienfeld

Grau und nüchtern sieht die Korg KPR-77 in ihrem Plastikgehäuse aus. Links oben findet man ein Display, das leider nicht so komfortabel ist wie die Gitterdisplays der Roland TR-Serie, aber trotzdem bei der Programmierung und Bedienung hilft. Auf Knopfdruck wird das Display beleuchtet, sodass man es auch im Dunkeln ablesen kann. Rechts daneben liegen zwei Schiebeschalter: WRITE/TRAINING / PLAY schaltet zwischen Programmier- bzw. Live-Spiel-Modus und Pattern-/Song-Abspielmodus um. Mit dem Schalter CHAIN END kann bestimmt werden, ob die Drum Machine am Ende einer CHAIN (Song) aufhört zu spielen oder zu einer einstellbaren Marke (Segno) zurück springt. Es folgt ein Drehregler für das Tempo, das von einer blinkenden LED angezeigt wird, aber nicht als BPM-Wert ablesbar ist. Sieben Fader für die Lautstärken des Metronoms, des Akzents und der verschiedenen Instrumentengruppen sowie ein Drehregler für die Lautstärke (mit integriertem Netzschalter) schließen den oberen Bereich ab.

Die untere Hälfte wird von 16 Tastern dominiert, die zur Auswahl von Patterns, zur Programmierung der Instrumente und über Tastenkombinationen zur Einstellung verschiedener Optionen wie Patternlänge und Auflösung dienen. Rechts davon findet man verschiedene Funktionstasten zur Auswahl von Patterns und Songs und zur Programmierung, sowie den orange hervorgehobenen Button START/STOP.

Die Programmierung der KPR-77 ist etwas hakelig und erklärt sich nicht unbedingt von selbst. Korg war sich dessen wohl bewusst und legte der Drum Machine eine Kurzanleitung aus drei Overlay-Karten für die verschiedenen Betriebsmodi bei. Man legt sie auf die Maschine und bekommt so Auskunft über die jeweilige Belegung der Taster. Bei unserer KPR lagen diese tatsächlich noch dabei – siehe letztes Foto:

Anschlüsse

Rückseitig besitzt die Korg KPR-77 einen Stereoausgang (2x Klinke), der bei Nichtbelegung der Buchse L als Mono-Ausgang (MIX) arbeitet. Daneben gibt es einen Einzelausgang für die Snare und den Clap – weitere Einzel-Outputs bietet die KPR-77 leider nicht. Es folgen ein Kopfhörerausgang und ein Fußtasteranschluss für START/STOP. Die beiden Trigger-Outputs TOM-L und TOM-H geben Triggersignale auf Basis der beiden Tom-Spuren aus, hiermit kann man also programmierbare Trigger-Impulse senden und externes analoges Equipment synchronisieren. Zu anderen Instrumenten lässt sich die KPR-77 per DIN-Sync synchronisieren, die entsprechende Buchse lässt sich zwischen Senden und Empfangen des Signals umschalten. Die KPR-77 arbeitet mit Korgs DIN-Sync-Format (48 ppqn), läuft also in Kombination beispielsweise mit einer Roland-Maschine (24 ppqn) mit halber Geschwindigkeit. Zwei Miniklinkenbuchsen IN und OUT für das Tape-Interface (mit Schalter zur Aktivierung) und ein Anschluss für ein 9V DC Netzteil bilden den Abschluss.

Sounds

Die Korg KPR-77 bietet acht analoge Drumsounds: Bassdrum, Snaredrum (in der deutschen Bedienungsanleitung konsequent als „Wirbeltrommel“ bezeichnet), Hi-Hat geschlossen und offen, hohes und tiefes Tom, Becken und Clap. Zusätzlich gibt es einen programmierbaren und in der Stärke regelbaren Akzent. Die Sounds lassen sich nicht bearbeiten, aber mit Akzent versehen klingen einige Sounds nicht nur lauter, sondern auch etwas anders. Auf dem Stereoausgang sind die Instrumente in einem festen Stereobild platziert, das man nicht verändern kann (Hi-Hat leicht rechts, Cymbal links, Toms links/rechts verteilt).

Für meinen Geschmack lassen die Sounds der KPR-77 gerade im Vergleich mit den Roland-Maschinen aus jener Zeit etwas Punch vermissen, insbesondere der Bass Drum fehlt es einfach an Druck und auch der Clap wirkt etwas müde. Auffällig ist auch, dass der Kanal für Cymbal und Clap stark rauscht – ob das eine Eigenheit dieses speziellen Exemplars oder ein generelles Problem ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber Charme hat die KPR-77 schon und in einem passenden Zusammenhang können ihre Sounds auch heute noch eine schöne Farbe in einen Track bringen. Meine Favoriten sind die Toms – trockener geht es nicht!

Hier hört ihr die einzelnen Klänge der KPR-77:

Praxis

Patterns programmieren (Basic)

Ein einzelnes Pattern heißt in der Nomenklatur der KPR-77 „Basic“. Die drei Bänke A, B und C können jeweils 16 Patterns aufnehmen, sodass insgesamt 48 Basic-Patterns zur Verfügung stehen. Zum Wechsel in den Programmiermodus hält man den Taster für das zu programmierende Pattern gedrückt, und schiebt gleichzeitig den Schiebeschalter in die Stellung WRITE/TRAINING. Daraufhin leuchtet die WRITE-LED auf, und es kann los gehen (ohne Anleitung kommt man da nicht unbedingt drauf...). Wenn das Pattern zunächst komplett gelöscht werden soll, drückt man ERASE und ALL INST gleichzeitig.

Dann werden Auflösung und Länge des Patterns eingestellt. Bei der Auflösung kann zwischen 16tel-Noten, 16tel-Triolen, 32tel-Noten und 32tel-Triolen gewählt werden, wovon die maximal mögliche Länge eines Patterns abhängt. In der Stellung 16tel-Noten kann ein Pattern maximal zwei Takte lang sein, in der Stellung 32tel-Triolen nur zwei Viertelschläge. Außerdem muss man sich noch überlegen, ob in dem Pattern Cymbal oder Clap verwendet werden sollen (beides zusammen geht nicht) und ob die Toms normal oder als Flam (Doppelschlag) gespielt werden sollen.

Die Echtzeit-Programmierung bei laufendem Sequencer ist leicht – man startet die Maschine mit START/STOP, ein Metronom erklingt (sogar in der Lautstärke regelbar!) und man kann auf den Step-Tastern das Pattern eintrommeln. Auch der Akzent lässt sich live einspielen. Zum Löschen eines Instruments hält man ERASE und den Taster für das Instrument gedrückt, wodurch die bereits gesetzten Steps „überschrieben“ und gelöscht werden.

Bei gestopptem Sequencer lassen sich Patterns per Step-Eingabe programmieren. Mit den Tastern STEP UP / DOWN kann man sich durch das Pattern bewegen (die Balkendarstellung im Display zeigt, wo man sich befindet) und Instrumente bzw. Akzente durch Druck auf die jeweiligen Taster eingeben. Nach der Programmierung wechselt man mit dem Schiebeschalter zurück in den PLAY-Modus.

Combine

Bei der Wiedergabe kann man nebeneinander im Speicher liegende Patterns ähnlich wie bei einigen Roland TR-Maschinen schnell und einfach kombinieren, indem man die Taster für das erste und das letzte abzuspielende Pattern gleichzeitig drückt. Das funktioniert sowohl bei laufendem als auch bei gestopptem Sequencer. Drückt man beispielsweise die Taster 3 und 6, so durchläuft die KPR-77 die Patterns 3, 4, 5 und 6 nacheinander und wiederholt diese Sequenz, bis man ein anderes Pattern oder eine andere Kombination auswählt. Dadurch kann man spontan komplexere Abfolgen realisieren, ohne umständlich einen Song (CHAIN) programmieren zu müssen.

COMBINE funktioniert auch im Schreibmodus, sodass man Rhythmen, die länger als ein Takt bzw. ein Pattern sind, in einem Rutsch programmieren kann. Dafür hält man beide Pattern-Taster gedrückt, während man den Schiebeschalter auf WRITE/TRAINING schiebt.

Song-Modus (Chain)

Der Song-Modus der KPR-77 heißt CHAIN und ermöglicht Pattern-Verkettungen von bis zu 256 Takten Länge. Pro Bank stehen zwei CHAINs zur Verfügung, die leider nur aus den Patterns der jeweiligen Bank bestehen können. Es ist also nicht möglich, Patterns aus den Bänken A, B und C gleichzeitig in einem Song zu verwenden – innerhalb eines Songs hat man nur Zugriff auf die maximal 16 Patterns der Bank. Chain 1 kann bis zu 256 Takte lang sein (die 128 Takte von Chain 2 werden dann mitbenutzt), Chain 2 ist auf 128 Takte begrenzt.

Zur Programmierung hält man einen der beiden CHAIN-Taster gedrückt und schiebt den Schalter auf WRITE. Dann kann man Patterns eingeben, indem man den Taster für das gewünschte Pattern gedrückt hält und CHAIN WRITE betätigt. Mit den Tastern STEP UP / DOWN kann man sich durch den Song bewegen, alternativ können Taktnummern mit der Funktion BAR SELECT direkt "angefahren" werden. Auch eine bis zu neunmalige Wiederholung eines bestimmten Abschnitts einer Chain ist möglich.

Synchronisation

Dank DIN-Sync lässt sich die Korg KPR-77 zu anderem Equipment synchronisieren und kann auch als Master arbeiten. Mit einem MIDI-to-DIN-Sync-Converter (z.B. Kenton D-Sync, Roland SBX-1 Sync Box) kann die Maschine in einen MIDI- bzw. DAW-Verbund integriert werden. Beachten muss man dabei allerdings, dass Korgs Sync-Signal mit 48 ppqn arbeitet, während der gängige DIN-Sync-Standard mit 24 ppqn läuft. Die KPR-77 spielt also mit halber Geschwindigkeit, wenn sie ein solches Signal bekommt – das muss man bei der Programmierung dann entsprechend berücksichtigen.

Hier hört ihr die Korg KPR-77 zusammen mit der Roland TR-8, in den ersten zwei Takten nur die KPR - dann kommt die TR-8 mit 808 Kick, Hat und Percussion dazu:

Fazit

Mit der analogen Drum Machine KPR-77 versuchte Korg im Jahr 1983, der Roland TR-606 Konkurrenz zu machen, was nur ansatzweise gelang. Und auch heute, unter Vintage-Aspekten, erscheint die KPR-77 nicht ganz so attraktiv wie ihre Zeitgenossen. Zwar hat sie durchaus einen eigenständigen Analog-Sound mit Retro-Charme und lässt sich per DIN-Sync synchronisieren, aber im Vergleich wirken die (nicht veränderbaren) Sounds der KPR-77 etwas zu lasch für moderne Produktionen. Auch die Bedienung und Programmierung der Drum Machine sind anfangs nicht ganz ohne – wer eine Bedienungsanleitung und/oder die originalen Overlay-Karten zur Hand hat, ist klar im Vorteil. Die Korg KPR-77 ist eine schöne Erweiterung, wenn man eine zusätzliche Analog-Farbe im Maschinenpark sucht – als erste oder gar einzige Drum Machine würde ich sie aber nicht unbedingt empfehlen.

Korg KPR-77 Samples

Unser Sample-Paket zur Korg KPR-77 Vintage Drum Machine enthält die Einzelsounds mit und ohne Akzent als WAV-Files. Außerdem findet ihr in der ZIP-Datei einige Loops in den Formaten WAV, Apple Loops (CAF) und REX. Viel Spaß damit!

  • PRO
  • 8 analoge Sounds
  • Lautstärkemischer für Sounds, Metronom und Akzent
  • 4 verschiedene Auflösungen, bei 16tel-Noten zweitaktige Patterns möglich
  • schnelle Kombination von Patterns mit COMBINE
  • Song-Modus mit bis zu 256 Takten
  • DIN Sync
  • 2 Trigger Outputs
  • Einzelausgang für Snare/Clap
  • CONTRA
  • Sounds nicht editierbar
  • Cymbal und Clap nur alternativ nutzbar
  • komplizierte Bedienung
  • Song-Modus auf Patterns der jeweiligen Bank beschränkt
  • FEATURES
  • Erscheinungsjahr: 1983
  • Klangerzeugung: analog
  • 8 Sounds: Bass Drum, Snare Drum, Hi-Hat closed / open, Tom Hi / Lo, Cymbal, Clap
  • programmierbarer Akzent (Stärke regelbar)
  • integriertes Metronom (Lautstärke regelbar)
  • Patterns: 48 (3 Bänke à 16)
  • Songs: 6 (2 pro Bank)
  • Anschlüsse: Stereo Out (L-R/MIX), Snare/Clap Output, Kopfhörerausgang, Fußschalter Start/Stop, 2 Trigger Outputs (Tom Hi / Lo), DIN Sync (In/Out umschaltbar), Tape In/Out, Netzteil

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