Test
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04.08.2016

Praxis

Sound

Erstmal ein paar Presets durchhören! Das geschieht per Dreh am Encoder. Das Resultat ist ein sofortiger Flashback in selige Arcadegame-Zeiten: Der AY3-8912-Chip war verantwortlich für den trashigen Sound der Spielkonsolen der späten siebziger und frühen achtziger Jahre, er steckte aber auch in frühen Heimcomputern wie dem Sinclair ZX Spectrum 128/+2/+3 und der Mockingboard Sound Card für den Apple II. Dementsprechend schräg und spröde zirpt und zwitschert der AY3 auch.

Mit dem Data-Encoder können die jeweils acht Sounds einer Bank aufgerufen werden. Nicht jeder Klick ruft dabei einen Sound auf, sondern die LEDs indizieren, ob eine Soundlocation aufgerufen wurde. Beim Durchwählen sind deutliche Klicks zu hören. Auch rumpelt hier immer ein gewisses leichtes Rauschen mit, wie die Soundbeispiele zeigen.

Überhaupt ist der AY3 sehr viel komplizierter und spröder als der große Bruder Acid8, produziert gern mal MIDI-Notenhänger und klingt weniger vorhersehbar. Allein der Dreh am Detune/Chord-Regler kann den Sound komplett verändern. Aber genau das macht neben dem genial kompakten Formfaktor den Reiz des AY3 aus, solche unüblichen Klänge fehlen den meisten Producern in der Soundpalette und hier sind sie im Gegensatz zu einem Plug-in oder einer Library sehr direkt erstellbar und beeinflussbar.

Die Videospielästhetik macht natürlich einen besonderen Reiz des kleinen Franzosen aus. Aber den AY3 allein auf Super Mario zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht. Beim Programmieren wie beim Parameterschrauben ist zwar Kollege Zufall ständiger Begleiter, aber wenn man sich auf den Synthesizer einlässt, bekommt man schnell ein Gefühl dafür, wie man ihn zum Klingen bringt.

Da der AY3 einfach per MIDI in die Produktionsumgebung eingebunden werden kann, bietet er sich als hervorragender Stichwortgeber für durchsetzungsfähige Sequenzen zwischen Effekt, Trash, dreckigem Bass und fettem Lead geradezu an. Alle Funktionen können über MIDI-CC gesteuert werden. Mit dem Acid8 gibt der AY3 ein echtes Traumpaar ab, klanglich ergänzen sich beide ideal.

Mijk van Dijk improvisiert für Bonedo eine kleine Jam-Session. Der Acid8 steuert per MIDI den AY3 an.

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