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23.05.2008

Technics SL-1210 Test

DJ-Plattenspieler

Es soll DJs geben, die auf dem Absatz wieder kehrt machen, wenn ein Club statt der üblichen "Technics" irgendwelche Imitate oder bunt blinkende und mit zahllosen Sondersuperfunktionen ausgestattete Alleskönnerplattenspieler in der Booth stehen hat. Der 1210 ist - natürlich im Regelfall als Paar - der absolute und unangefochtene Standardplattenspieler für alle, die mit dem "Auflegen" zu tun haben. Einen ähnlichen Status genießen in den verschiedenen Bereichen der Musik und Tontechnik mehrere Geräte. So zählen etwa die 1176- und LA2A-Monokompressoren von Universal Audio, das U87-Kondensatormikrofon von Neumann oder die NS10-Lautsprecher von Yamaha zu diesem erlesenen Kreis der nahezu unverzichtbaren Urzeitviecher. Die Klärung der Frage, ob die aktuell erhältlichen Geräte-Versionen sich auf dem exzellenten Ruf ihrer Stammväter ausruhen, oder ob -schlimmer noch- diese Position nunmehr nur noch des hohen Verbreitungsgrades geschuldet ist, ist der Grund, weshalb wir es uns zur Aufgabe gemacht haben – sozusagen stellvertretend für alle Evergreens am Markt - dem legendären 1210 etwas genauer unter die Haube zu schauen.

 

Die Tage, in denen Plattenspieler integraler Bestandteil einer HiFi-Anlage waren, sind schon lange Geschichte. Heute, wo Fernbedienungen und Apple Music Store üblich sind, mag sich kaum noch jemand aus seinem Sessel erheben, um die Schallplatte auf die B-Seite zu drehen und den Arm wieder auf die Rille zu setzen. Irgendwie schade, denn nicht zuletzt auch dadurch hat sich das Musikhören für viele mittlerweile zur Nebenbeschäftigung entwickelt! Dennoch: Vinyl ist nicht totzukriegen: Trotz der Konkurrenz durch Technikneulinge wie USB-Player/Mixer finden sich in vielen Clubs weiterhin zwei Plattenspieler. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: Das Handling mit Schallplatten bereitet um einiges mehr Spaß, als das Herumfummeln an kleinen Knöpfchen oder gar einer Maus und das Starren auf Displays. Außerdem: Computer und ähnliche Systeme können abstürzen oder den Benutzer und das Publikum mit Fehlfunktionen ärgern, Schallplattenspieler nicht. Außerdem ist DJing mit Vinyl noch echtes Handwerk. Dies wird sicher Musik in den Ohren all jener sein, die sich auf dieses Handwerk verstehen und gegen die MP3-Generation wettern. Zwar sind die Möglichkeiten eines Vinyl-DJs im Vergleich zu einem bis an die Zähne bewaffneten Computer-DJ eingeschränkt, doch auch das muss kein Nachteil sein. Tatsächlich ist der Unterschied zwischen Scratching mit Vinyl und Scratching mit neuartigen Computersystemen für viele DJs vergleichbar mit dem Unterschied zwischen einem vor der irischen Küste wild gefangenen Hummer und Surimi, dem aromatisierten und gepresste Eiweiß zweifelhafter Herkunft.

 


Und ein weiteres Argument ist schlichtweg der Klang! Eine vollständig analoge Übertragungskette von der Rille bis zu den Ohren der Tanzenden ist trotz -oder dank- der dabei auftretenden Effekte (z.B. gewisse Verzerrungen!) durchaus angenehm. Angenehme Verzerrungen? Ja, tatsächlich! Was im Gegensatz dazu die psychoakustisch reduzierenden Digitalformate mit der schönen Musik anrichten, ist oftmals eine Zumutung. Nicht immer werden Auflösungen schlau gewählt und hochwertige Encoder eingesetzt. Selbst den Laien auf diesem Gebiet fallen vermehrt die schwimmenden Hi-Hats, klingelnden Höhen, unsauberen Obertonstrukturen, undifferenzierten Attacks und löchrigen Spektren auf, die in den Clubs auf sie warten. Plattenspieler waren, sind und werden sein. Und auch für den 1210 kann man ähnliches behaupten. Zwar gibt es eine Vielzahl sehr guter anderer Plattenspieler, die in einigen Werten sogar besser, preiswerter oder  flexibler sind und dazu noch mit Zusatzfunktionen aufwarten können - doch nur ein Original ist ein Original!

Der Technics ist für viele eben der Technics. Nothing more, nothing less. Im Guiness Buch der Rekorde ist er als Consumergerät mit der bislang längsten Produktlaufzeit verzeichnet, man findet in manchen Diskotheken Geräte, die seit einem Vierteljahrhundert ihren Dienst tun. Aber dennoch gibt es Unterschiede: Derzeit bietet der deutsche Vertrieb fünf Modelle an, die sich in einigen wenigen Features unterscheiden. Zuallererst wäre da die Farbe. SL-1200 steht für Silber-Champagner, SA-1200 für Schwarz-Anthrazit. Versionsnummern werden im angloamerikanischen Raum (und offensichtlich auch in Japan) als MK (sprich: Mark) angegeben. Momentan auf dem Markt befindlich sind MK2 (mit der aktuellen Erweiterung XG) und MK5. Diese sind als MK5E und MK5GE erhältlich, welche zusätzlich zur Bremsgeschwindigkeitskontrolle und Pitch-Reset, über eine blaue Beleuchtung und einen alternativen Pitch-Bereich von ±16 statt der üblichen ±8% verfügt. Wir haben uns den Klassiker unter den Klassikern zur Brust genommen, also den seit 1979 fast unverändert hergestellten MK2.

Auch im HiFi-Bereich ist der 1210/1200 eine hervorragende Wahl, allerdings ist dort die Konkurrenzlage eine andere. Die Designsprache behagt vielen nicht, außerdem lässt der Technics eine in diesem Segment oft gewünschte Extravaganz gänzlich vermissen. Das fängt schon beim Firmennamen an. Dazu kommt noch, dass im Consumer-Bereich noch häufig ein Vollautomat gewünscht wird. Denn gerade die an CD und MP3 Gewohnten vergessen schnell mal das Abschalten.

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