Bass Workshop_Folge
Workshop
7
06.08.2013

Soulkonzepte Part 1

Ok, das war die Vorarbeit. Jetzt kümmern wir uns um die Soulkonzepte:

Beispiel 3 zeigt einen Basic-Groove, der ausschließlich Töne des Dur-Dreiklangs benutzt. Viele Soulsongs basieren auf solchen oder ähnlichen Grooves - und das macht das Ganze zu einer guten Ausgangsbasis. Das übergeordnete Konzept dieses Workshops ist das Spielen der Akzente auf den Zählzeiten „1“ und „2+“ synchron zur Bassdrum. Wir werden dieses „Haupt-Konzept“ auch konsequent verfolgen, aber dennoch Möglichkeiten finden, den Beat so zu „manipulieren“, dass er sich immer anders anfühlt und andere Zählzeiten zu Akzenten werden.

Achtung: Das Beispiel setzt sich aus zwei Basis-Übungen zusammen. Im Audio spiele ich zunächst eine Zeit lang die ersten beiden Takte (Beispiel 3/1), dann die letzten beiden (Beispiel 3/2).

Zum Jammen hier ein Beat, den ich für alle Grooves mit den Startnummern 1-8 gecuttet habe. Das Tempo ist 100bpm. Falls du Software wie z. B. Ableton Live verwendest, macht es für den Anfang sicherlich Sinn, den Beat zu importieren und langsamer zu rechnen.

Ich habe für alle Beispiele die Akkordfolge C7-F7 verwendet, die in der Soulmusik sehr häufig benutzt wird. Spiele Beispiel 3/1 zunächst so wie notiert und konzentriere dich auf das Einloggen im Drumloop. Mit wachsender Sicherheit solltest du einmal ausprobieren, wie der andere Fingersatz (in zweiter Reihe) klingt.

Bei diesem musst du mit der linken Hand größere Wege gehen und auch schon mal Slides verwenden. Versuche diese Sounds (Griffgeräusche beim Sliden etc.) als Stilmittel einzusetzen, um dem Groove so den nötigen Schmutz zu verpassen.

Wie du in Beispiel 3/2 siehst, kann man ohne weiteres auch Töne oktavieren. Dies ist durchaus erwünscht und lässt sich sehr effektiv als Stilmittel einsetzen. In Beispiel 3/2 bleibt dein Groove eher in einer kleinen tonalen Bandbreite und sorgt so dafür, dass dein Bass bei jedem Ton den gleichen Druck hat. Ob das gefragt ist oder nicht, hängt natürlich von deinem Geschmack und der musikalischen Situation ab, in der du dich gerade bewegst. Probiere auf jeden Fall, alle Lines auch nach unten zu spielen, sodass du nach dem Grundton auf der Zählzeit „1“ die Folgetöne in der tieferen Oktave spielst (wie im 2. Takt in Bsp. 3/2).

Das im nächsten Beispiel vorgestellte Konzept  fußt auf dem vorherigen Beispiel. Allerdings bauen wir hier einen Extraton auf der Zählzeit 4+ ein und erhalten so statt der Viertelnote auf der 4, zwei Achtel. Das übergeordnete Konzept (auf Zählzeit 1 und auf 2+) bleibt dabei aber erhalten.

Durch die zweite Achtel auf Zählzeit 4 bekommt der Beat ein anderes Feeling. Die lange Note auf Zählzeit 1 steht jetzt im Kontrast zu den beiden schnellen Noten auf der 4 und wirkt  so viel länger und auch „größer“. Experimentiere mit der Phrasierung und versuche, den Effekt der langen „1“ noch zu verstärken indem du den zweiten Ton der Line (die Terz auf „2+“) schön laid back spielst.

Beispiel 5 versetzt die Achtelbewegung an eine andere Stelle und kreiert so einen unterschiedlichen Effekt. Die Offbeats (2+ und 3+) lösen sich rhythmisch zur Zählzeit 4 hin auf, was zur Folge hat, dass die 4 "größer" erscheint. Probiere genau zu timen und konzentriere dich darauf, den Unterschied wahrzunehmen.

Das Beispiel hat jetzt auch nicht mehr einen bloßen Dreiklangscharakter, sondern klingt durch die große Sexte (der Ton auf Zählzeit 4) schon richtig nach Durpentatonik im Soulstyle. Teste auch hier, wie es sich anfühlt, wenn du alle Töne außer dem Grundton nach unten oktavierst.

Achtung: Das Audio repräsentiert die Besipiele 5 und 6

Im Gegensatz zu unserem Urgroove habe ich dem nächsten Beispiel (6) zusätzliche Noten auf der 3+ und der 4+ verpasst. Ich finde, dieser Groove fühlt sich so gespielt leichter an, da die Achtelkette an den Taktenden die Schwere der einzelnen Noten etwas abmildert. Wie immer: „Feel The Difference“. Bitte probiere auch hier die beiden unterschiedlichen Fingersätze aus. Eher akkurat mit 2-1-4-1-4 oder bluesy mit 1-3-1-3-1. Wahrscheinlich wirst du feststellen, dass du mit Fingersatz 1 eine andere Mikrotime hast also mit Fingersatz 2. Nutze dies als Stilmittel. Wenn du eine Bassline gefunden hast, deren Töne und Grundrhythmus dir gefallen, die aber noch nicht richtig sauber sitzt, kann es durchaus einen Versuch wert sein, einen anderen Fingersatz auszuprobieren,um zu sehen, ob die Noten so besser im Beat liegen. 

Beispiel 7 zeigt einen Groove der rhythmisch identisch mit Beispiel 6 ist. Der Unterschied hier liegt darin, dass wir die Melodie verändert haben. Waren unsere beiden konstanten Töne bei allen bisherigen Konzepten der Grundton auf Zählzeit 1 und die Terz auf Zählzeit 2+, gehen wir diesmal auf der 2+ nicht zur Terz, sondern wiederholen den Grundton. Mit dieser einfachen Änderung bekommt der Groove einen Vibe, der nicht mehr ganz so „happy“ wie mit der Terz rüberkommt.

Wie vorhin bist du auch hier eingeladen, die Melodie zu oktavieren (wie im Soundfile). Solange klar ist, auf welcher Zählzeit welches Intervall gespielt werden muss, sind wir unserem Konzept nach wie vor treu.

Als letze Groove-Variante unseres die Zählzeiten 1 und 2+ betonenden Konzepts habe ich mir Folgendes ausgedacht:

Dieser Groove geht schon mehr in Richtung James Brown (siehe der erste Takt von „cold sweat“). Wenn man die Töne lang spielt, bewegen wir uns nach wie vor in der Soul-Ära. Sobald man allerdings anfängt, die Töne auf den geraden Zählzeiten (2, 3, 4) abzustoppen, wird es zunehmend mehr funky. Kleiner Tipp: Der einzige Ton auf dem Downbeat ist der Grundton auf der 1. Achte dabei darauf, dass die Achteloffbeats nicht zu weit vorne, sondern eher laid back fallen. Dies wird dem Onbeat „1“ noch mehr Pfund geben. Probiere aus, wie die unterschiedlichen Phrasierungen das Feel ändern.

HALBZEIT. Chillen. Energydrinks. Zucker, Herrengedeck, etc.

Es geht an´s Eingemachte. Nachdem du jetzt erfolgreich die verschiedenen Konzepte über (oder besser unter) die C7-F7 Chordprogression spielen kannst, ist der nächste Schritt zum  Souldiplom, die Konzepte auf andere Chords zu übertragen. Zu diesem Zweck schnappen wir uns wieder unseren geliebten Quartenzirkel.

Nimm dir Takt 1 aus Beispiel 3/1 und spiele im darauf folgenden Takt eine ganze Note C. Dann wieder Takt 1 aus Beispiel 3/1, allerdings jetzt in F mit der anschließenden ganzen Note F. Dann zu Bb, Eb usw. Die ganzen Noten im jeweils zweiten Takt dienen als Vorbereitungszeit für den Chordwechsel. Es macht Sinn, sich schon während des „Takts mit der ganzen Note“ gedanklich klar zu machen, wie man den nächsten Takt spielen möchte - und das, bevor man den ersten Ton der neuen Tonart gespielt hat. Wenn das flüssig läuft, kann man anstelle der ganzen Note im zweiten Takt  einfach den ersten Takt wiederholen und so flüssig in die neue Harmonie rüberspielen.

Mach dir bewusst, welche Intervalle du zum jeweiligen Grundton spielst, damit die Funktion deutlich wird. Wenn auch das gut läuft, nimm dir das Konzept von Beispiel 3/2 vor und verfahre identisch. Wer viel auf diese Art und Weise übt, kann eine Verbindung zwischen Klang und Fingersatz herstellen und dies wird im Endeffekt dafür sorgen, dass es immer leichter wird, zu „spielen, was man fühlt“. Bitte gehe kreativ mit den Beispielen um. Wenn es Lines gibt, für die du eine andere Idee hast oder in denen du Töne tauschen möchtest (oder was auch immer) –nimm dir die Freiheit. Du wirst selbst am besten einschätzen können, was dich weiterbringt und wie du klingen möchtest.

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