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Country Gitarren-Workshop #5

Solo-Begleitung

Die bisher besprochenen Begleittechniken waren in erster Linie für den Einsatz in einer Band gedacht, wo wir als Gitarristen gewisse Freiheiten haben, die sich daraus ergeben, dass der Bass die Grundtöne spielt.

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Stellen wir uns jetzt einmal vor, wir sollen alleine auf der akustischen Gitarre eine Sängerin oder einen Sänger begleiten.
Nun haben wir in der Countrymusik gewisse Rahmenbedingungen oder Hörgewohnheiten des Zuhörers, die wir erfüllen sollten. Ich meine damit vor allem den Grundton, der auf die schweren Zählzeiten im Wechsel mit der Quinte oder auch mal mit der Terz gespielt wird. Wir sollten auch keine allzu abgefahrenen Akkorde verwenden, da diese nicht stilecht klängen. Ich würde deshalb, soweit möglich, die altbekannten offenen “Lagerfeuerakkorde” verwenden. Sie klingen voll und haben die Grundtöne auf den Basssaiten, sodass wir den fehlenden Bassisten vielleicht am ehesten verschmerzen können. Bei einzelnen Akkorden, die nicht mit offenen Griffen gespielt werden können, empfehlen sich die gängigen Barré-Akkorde (E- und A-Typ). Besteht ein Song aus sehr vielen Barré-Akkorden, könnte man versuchen, ihn mithilfe eines Kapodasters in eine “bequemere” Tonart zu transponieren.
Damit unsere Begleitung nun trotz der einfachen Akkorde nicht banal klingt, können wir zwischen den einzelnen Akkorden kleine Überleitungen einfügen.
Ich verwende heute zu Demonstrationszwecken einen Ausschnitt des Country-Klassikers “Stand By Your Man”. Diesen Song, von dem es unzählige Aufnahmen gibt, im Original gesungen von Tammy Wynette, kennt man in Deutschland z.B. als Titelmelodie der Comedy-Serie “Dittsche” oder aus dem Film “Männerpension”. Das erste Beispiel zeigt die ersten 16 Takte der Strophe, relativ schnörkellos gespielt ohne Verzierungen, ich betone auf “1” und “3” jeweils den Grundton, auf alle anderen Zählzeiten liegt der Schwerpunkt des Anschlags auf den unteren Saiten (Melodiesaiten).

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Beispiel 1

Und die Noten als PDF:

Als nächstes fügen wir einen Wechselbass hinzu und verbinden die Grundtöne der Akkorde mit kleinen Melodien. Dazu beenden wir die eigentliche Akkordbegleitung jeweils schon in der zweiten Takthälfte, bei mehrtaktigen Akkorden in der zweiten Takthälfte des zweiten Takts. Die so entstandene Lücke füllen wir in diesem Fall mit Tönen der G-Dur-Tonleiter (diatonische Überleitung), die eine Verbindung zwischen dem vorhergehenden und dem nachfolgenden Grundton herstellen.
Hierbei können wir sowohl einzelne Töne als auch Double Stops verwenden (vgl. Folge 3). Beim G-Dur-Akkord lasse ich das H auf der A-Saite teilweise weg, so ist der Zeigefinger frei für die Fill-Ins.

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Beispiel 2

In der dritten Version verwende ich neben den Tönen der G-Durtonleiter auch chromatische Zwischentöne. Am besten klingt es bei diesem Konzept, wenn der jeweils letzte Ton des alten Takts einen Halbton neben dem Grundton des neuen Takts liegt.

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Beispiel 3

Open String Scales

Kommen wir nun wieder zur Abteilung Solospiel, dafür wechsle ich wieder zur E-Gitarre. Hier zeige ich diesmal eine besondere Technik, mit der man Sounds erzeugen kann, die entfernt an eine Harfe erinnern und die von vielen Country-Gitarristen verwendet wird: Open String Scales. Hierfür nehmen wir uns jeweils einen normalen Durtonleiter-Fingersatz vor und verändern ihn so, dass wir einzelne, normalerweise gegriffene Töne durch Leersaiten ersetzen. Das folgende Beispiel zeigt einen konventionellen Fingersatz für die G-Dur-Tonleiter in der vierten/ fünften Lage:

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Nun ersetzen wir, wann immer möglich, gegriffene Töne durch Leersaiten. Das gerade verwendete A im fünften Bund auf der sechsten Saite ist z.B. identisch mit der leeren fünften Saite. Also tauschen wir die beiden aus. Das machen wir mit allen möglichen Tönen. Ein C beispielsweise ist nicht als Leersaite vorhanden, bleibt also, wie es ist. Das folgende Griffbild zeigt G-Dur in demselben Griffbrettausschnitt, bearbeitet mit dieser Technik:

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Die Griffbilddarstellung mag bei der Darstellung dieser Spielweise etwas verwirrend wirken, weil man jetzt nicht mehr auf den ersten Blick nachvollziehen kann, welcher Ton wann gespielt wird.
Schaut euch zum besseren Verständnis gleich das nächste Beispiel an, eine Übung, bei der wir einfach die Tonleiter einmal auf- und abwärts spielen. Klingt einfach, bedarf aber schon einiger Übezeit, bis man sich an die Saitensprünge gewöhnt hat. Ich würde wie immer empfehlen, erst einmal langsam jeden Takt einzeln zu üben und dann Schritt für Schritt alles wieder zusammenzufügen. 
Gegriffene Töne bleiben möglichst lange liegen und auch Leersaiten dürfen ruhig weiterklingen. Die rechte Hand kombiniert Plektrum- und Fingeranschlag mit Hammer On und Pull Off. Hat man erst einmal die Bewegungsabläufe verinnerlicht, ist das Tempo erfahrungsgemäß kein Problem mehr. Zur Erinnerung: Die Finger der rechten Hand werden mit p (Daumen), i (Zeigefinger), m (Mittelfinger) und a (Ringfinger) bezeichnet.

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Beispiel 4

Bevor wir zu einigen praktischen Anwendungsbeispielen und Licks kommen, schauen wir uns noch weitere Tonleitern an, die wir als „Open String Scales“ spielen können. Je mehr Leersaiten in einer Tonleiter möglich sind, desto besser eignet sie sich zur Bearbeitung als  „Open String Scale“. Die folgende C-Dur-Tonleiter wurde auf dieselbe Art und Weise bearbeitet.
Einmal das „normale“ Griffbild:

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…und dann als Open String Scale:

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Auch hier empfiehlt es sich, die Tonleiter zunächst eine Weile auf- und abwärts zu üben.

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Beispiel 5

Als dritte und letzte Tonleiter für heute wollen wir uns die D-Dur-Tonleiter vornehmen.
Erst einmal der gewöhnliche Tonleiterfingersatz für die fünfte Lage:

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Und so sähe ein möglicher Fingersatz mit Leersaiten aus:

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Zur besseren Übersicht und als Übung gibt es das Ganze hier wieder in Noten- und Tabulaturschreibweise.

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Beispiel 6

Zum Abschluss an dieser Stelle noch einige Licks, die sich der  Open-String-Scale-Technik bedienen. Natürlich sind wir beim Improvisieren mit Leersaiten nicht zwangsläufig an die Durtonleitern gebunden. Im Prinzip lässt sich das Konzept auch auf Pentatonik, Bluestonleiter und Arpeggien (Akkordbrechungen) anwenden. Einfach mal ein wenig experimentieren!
Die Licks verwenden größtenteils die gezeigten Griffbilder, hier zwei Beispiele in G-Dur:

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Beispiel 7
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Beispiel 8

Auch bei den Licks in C-Dur bleibe ich im Bereich 4./5. Lage.

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Beispiel 9
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Beispiel 10

Und zuletzt zwei Licks in D-Dur:

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Beispiel 11
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Beispiel 12

Mit der heutigen Folge beende ich vorerst meine Reihe zum Thema Country-Gitarre. Viel Spaß mit dem Material und meldet euch, wenn es Fragen, Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge gibt!
Christian

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von Christian Konrad

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