Hersteller_Roland
Test
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04.02.2020

Praxis

Handhabung

Wie mit jedem komplexeren Gerät muss man sich auch beim Jupiter-Xm einarbeiten. Die Bedienungsanleitung ist eher kurzatmig verfasst und beschränkt sich auf die wesentlichen Funktionen. Blutige Anfänger dürften leicht ins Schleudern kommen. Selbst die simple Anwahl der einzelnen Patches für den Part einer Scene will erst einmal gewusst sein. Vielleicht folgen Tutorials? Auch der ungeduldige Profi würde es begrüßen. Die allermeisten Basisschritte lassen sich zwar mit den Knöpfen und Reglern erledigen, zur weitgehenden Programmierung der Sounds und Effekte führt allerdings kein Weg an der Arbeit mit dem Display (Grafik-LCD mit 128 x 64 Punkten) vorbei, das jedoch gut lesbar ist. Nur für manche Erledigungen wünscht man sich einen größeren Bildschirm, so zum Beispiel zum Bearbeiten einzelner Schritte des Arpeggiators.

Insgesamt ist die ansprechende Oberfläche haptisch einladend. Zur besseren Orientierung wünscht man sich, dass bestimmte Drehregler farblich markiert und vielleicht anders positioniert wären. Leider wird man zur Anwahl der Scenes erst einmal versehentlich auf den Type-Regler des Filters tippen, der direkt linksseitig des Displays liegt. Nun gut, man kann und wird sich daran gewöhnen.

Arpeggiator

Die Arbeit mit dem i-Arpeggio inspiriert. Er kann parallel alle fünf Parts des Jupiter-Xm steuern. Im Wesentlichen dreht es sich um zwei Regler „Type“ (für einen Synth-Part, Part 1 bis 4) und „Rhythm“ (für das Drum Kit, Part 5), wobei natürlich auch das Tempo spontan veränderbar und eine Hold-Funktion („Latch“) aktivierbar ist. Einige der werkseitigen Scenes auswählen, an den beiden Arpeggiator-Reglern drehen und verschiedene Akkorde spielen – was herauskommt, dokumentieren diese Hörbeispiele.

Anders als bei einem gewöhnlichen Arpeggiator gibt es einen „Play Detector“ - jeweils für Keys und Beat. Er analysiert das Spiel auf der Tastatur und bietet passende Muster an: Drumgrooves, Basslinien, Begleitakkorde und natürlich auch typische Arpeggios. Hauptsächlich spürt der Detector die Rhythmik der gespielten Phrasen auf. Simples Beispiel: Bei einem Wechsel von langen Noten auf schnelle Achtel erzeugt i-Arpeggio entsprechend mehr Töne mit kürzeren Notenwerten. Das Playback aus Synths und Drums verändert sich viel dynamischer als bei der Begleitautomatik eines Arranger-Keyboards. Wer sich nicht auf diese variablen Arpeggio-Playbacks einlassen möchte, kann den Detector einfach abschalten. Dieses Audio-Demo zeigt, wie sich das Arpeggiator-System des Jupiter-Xm an die jeweilige Spielweise anpasst:

Der Jupiter-Xm zeichnet die erzeugten Arpeggio-Daten automatisch auf. Per Step-Edit-Funktion lassen sie sich nachträglich verändern und als User-Pattern verwenden. Es ist gut, dass sich die per Arpeggiator entstandenen Noten in der DAW weiterverarbeiten lassen, was sogar für alle fünf Parts einer Scene direkt über den MIDI-Ausgang und auch indirekt über einen Export via MIDI-Datei auf dem USB-Speichermedium möglich ist. 

Sound

Der Sound ist das wichtigste Kriterium neben einer einfachen Handhabung. Hier trumpft der Jupiter-Xm sehr selbstbewusst auf. Generell lässt sich der Sound mit den vier Attributen „warm“, „druckvoll“, „präzise“ und „transparent“ beschreiben. Die Hörbeispiele sprechen eigentlich für sich. Selbst bei einem Arrangement aus mehreren Parts bleibt das Gesamtbild transparent. Das wundert eigentlich kaum, lassen sich doch bei den vier Tone-Parts jeweils ein EQ und Multi-FX verwenden. Über 4.000 Tones sowie 90 Drum Kits mit den Sounds von TR-909, TR-808, CR-78 und weiteren Drummachines sind an Bord. Im Bereich der Scenes kommen übrigens die fast 900 Tones des XV-5080 kaum zur Geltung. Das hat wohl konzeptionelle Gründe – Roland sieht den Jupiter-Xm überwiegend als klassischen Synth und weniger als Workstation.

Es lohnt sich aber selber auf Entdeckungstour zu gehen. Beim Durchstöbern der zahlreichen XV-Tones ähnelt der Synthesizer immer mehr einem klanglich flexiblen Sample-ROM-Player. Aber, dass Soundtauchen eine Pflicht wird, ist doch schon im Vorfeld klar. Schließlich ist der erhabene und flexible Sound das Kaufargument schlechthin – und er will vom Anwender individuell erforscht werden. Es geht beim Jupiter-Xm noch deutlich mehr, als man beim Anspielen der geschmackvoll erstellten Scenes vermutet. Insbesondere die Kombination aus Natursounds (Klavier, Gitarre, Streicher, Mallets, etc.) und Synthklängen wird so manchen kreativen Sounddesigner beschäftigen.

Alle Audiobeispiele zu Roland Jupiter Xm:

Roland Jupiter-Xm Sound Demo (no talking)

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