Gitarre Workshop_Folge
Workshop
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07.03.2015

Play-Alike Nile Rodgers - Gitarren Workshop

Nile Rodgers beste Riffs und Licks in Noten und Tabs

Tutorial - Spielen wie die Stars

Nicht wenige Gitarristen beziehen ihre Reputation aus mehr oder weniger langen Listen von Künstlern, mit denen oder für die sie im Laufe ihrer Karriere bereits gespielt haben. Meist zu Recht, denn Referenzen sind dazu da, gezeigt zu werden und in der Regel sagen sie auch etwas über die Qualität der Protagonisten aus. Wer allerdings in diesem Zusammenhang den Namen Nile Rodgers in die Runde wirft, der liegt nicht ganz richtig. Sein Name findet sich nämlich vielfach auf der anderen Seite der Medaille und dient als Referenz für nicht wenige der Stars, die ihn engagierten. Zwar hat auch er auf Alben von Künstler wie Madonna, Chic, Sister Sledge, David Bowie, Jeff Beck und vielen anderen Gitarre gespielt - was in der Regel allein schon für ein Leben im Gitarristen-Hochadel ausreicht - aber darüber hinaus hat er viele Platten auch noch produziert und war maßgeblich am Songwriting beteiligt.

Dass es sich dabei sogar häufig um Debüt-Alben handelte, die einen Künstler erst groß machten, wie beispielsweise Madonnas Like A Virgin, setzt ein weiteres i-Tüpfelchen auf diese Karriere. Aber auch etablierten Musiker verhalf Nile mit seiner Arbeit immer wieder zu Karriere-Highlights. So zeichnete er beispielsweise für den größten kommerziellen Erfolg von Kultbarde David Bowie verantwortlich, dem Album Let's Dance. Und auch seine jüngste Arbeit läuft ständig im Radio, es ist der Song Get Lucky der französischen Electro-Meister Daft Punk. Nile Rodgers ist zweifelsohne ein Hitmaker.

Tatsache ist, dass er seine Karriere als Gitarrist der Sesame Street Tour Band begann und anschließend in der Hausband des New Yorker Apollo Theaters spielte. Den ersten Riesenhit landete er schließlich mit seiner Band Chic. Wer sich mit dem bewegten Leben dieses Ausnahmekünstlers beschäftigen möchte, dem sei seine Biografie wärmstens empfohlen. Wir wollen uns hier und heute mit dem Gitarristen Nile Rodgers und dem Gitarrenspiel dieses Ausnahmekünstlers beschäftigen. Also lockert eure Handgelenke und gönnt den Verzerrern mal ein paar Stunden Erholung - it's Funkytime.

Die Aufnahmen

Hier eine Auswahl aus den unzähligen Alben, an denen Nile Rodgers beteiligt war:

Mit Chic

  • Chic (1977) 
  • C'est Chic (1978) 
  • Risqué (1979)
  • Real People (1980)
  • Take It Off (1981)
  • Tongue in Chic (1982) 
  • Chic-Ism (1992)
  • Live at the Budokan (1999)

Solo

  • Adventures in the Land of the Good Groove (1983) 
  • B-Movie Matinee (1985) 
  • Outloud (1987)
  • Chic Freak and More Treats (1996)

 

Mit anderen Künstlern

  • We Are Family - Sister Sledge (1979)
  • Diana - Diana Ross (1980)
  • Let's Dance - David Bowie (1983)
  • Original Sin - INXS (1984) 
  • Like a Virgin - Madonna (1984)
  • The Reflex - Duran Duran (1984)
  • Flash - Jeff Beck (1985)
  • She's The Boss - Mick Jagger (1985)
  • Notorious - Duran Duran (1986) 
  • Inside Story - Grace Jones (1986)
  • Inside Out - Philip Bailey (1986)
  • L Is For Lover - Al Jarreau (1986)
  • Cosmic Thing - The B-52's (1989)
  • Slam - Dan Reed Network (1989)
  • Family Style - Vaughan Brothers (1990)
  • The Heat - Dan Reed Network (1991)
  • Black Tie White Noise - David Bowie (1993) 
  • Astronaut - Duran Duran (2004)
  • Random Access Memories - Daft Punk (2013)

 

Das Equipment

Gitarren:

Seine Hauptgitarre ist eine 1959er Strat mit einem 60er Hals, die mit Recht den Namen "The Hitmaker" trägt. Dieses Instrument hat er auf unzähligen Alben eingesetzt und natürlich wurden mit ihrer Hilfe auch einige Megahits geschrieben. Es kursieren seit längerer Zeit Gerüchte, Fender plane, ein Hitmaker-Signaturemodell anzufertigen. Ob man damit dann auch Hits schreiben kann, ist allerdings nicht gewährleistet. Prinzipiell ist Nile ein typischer Strat-Player, der überwiegend den Hals-Pickup zum Einsatz bringt. Es gibt natürlich auch ein paar (eher seltene) Gelegenheiten, bei denen er zu einer Tele oder Gibson Semi-Akustik greift. In den Achtzigern wurde er öfters mit einer Tokai Strat auf der Bühne gesehen. Die japanische Firma Tokai war bekannt für ihre sehr guten Strat-Kopien, die zum Teil die Fender Instrumente jener Zeit locker in den Schatten stellten.

Effektgeräte:

Nile benutzt eher selten Effekte. Ab und zu wird der Klang sehr dezent durch einen Chorus oder Compressor verändert, die Effekte werden meist erst nachträglich beim Abmischen hinzugefügt.

Verstärker:

Live verstärkt ein Fender Bassman oder ein Peavey Classic 50 seine Gitarre. Im Studio wird meist direkt ins Pult gespielt. Das ist auch das Geheimnis seines drahtigen Sounds. Zu Chic Zeiten spielte er direkt in ein Neve Pult, anschließend ging es noch in einen Kompressor. Manchmal mischte er zum Direktsignal zusätzlich einen dezenten Ampsound. Der

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Stilanalyse

Ein paar Kleinigkeiten sollten nicht unerwähnt bleiben, bevor wir ans Werk gehen. Niles Hauptgeschäft ist das Akkordspiel, und zwar primär auf den drei bis vier Saiten in Richtung Diskant. Die Inspiration für diesen Stil kommt vom Jazz, wo man auch gerne unterschiedliche Umkehrungen eines Akkords innerhalb eines Taktes spielt, um so für eine zusätzliche melodische Bewegung zu sorgen. Niles Markenzeichen ist seine unglaublich gute Synchronisation von rechter und linker Hand. Doch was so locker klingt und auch aussieht, ist das Resultat aus jeder Menge Praxiserfahrung, denn nur so ist man in der Lage, die Chord-Vamps so exakt auf den Punkt abzufeuern, wie er es tut. 

Anschlag

Bei den meisten Songs sind Sechzehntel-Grooves angesagt. Hierfür ist ein konstanter Auf- und Abschlag erforderlich, das Ganze locker aus dem Handgelenk und präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Prinzipiell kein Problem, aber wenn man einen bestimmten Groove wie den von Good Times über vier Minuten durchhalten muss, dann erfordert das Kraft, Ausdauer und Konzentration. Copy and Paste gab es zu dieser Zeit nämlich noch nicht. Die permanente Auf- und Abschlagsbewegung wird knallhart durchgezogen. Auch in Pausen bewegt sich die rechte Hand weiter. Diese Bewegung hilft, das Timing zu halten und somit einen "runden Anschlag" zu bewahren.

Daher ist es enorm wichtig, auch bei Grooves mit wenigen Noten pro Takt die richtige Anschlagsbewegung auszuführen. Die Downbeats (1,2,3,4) und die 'und' Zählzeiten (+) werden in der Regel mit Abschlägen ausgeführt, die Sechzehntel Off-Beats (E, D) sind mit Aufschlägen zu spielen. Im folgenden Notenbeispiel wird das noch einmal verdeutlicht. Im ersten Takt sind die durchgehenden Sechzehntelnoten mit dem entsprechenden Anschlag notiert, im zweiten Takt gibt es einen Groove mit fünf Noten pro Takt und den entsprechenden Anschlägen. In Klammern sind die Luftschläge notiert.

Generell ist bei den Grooves von Nile Rodgers ein harter Anschlag angesagt. Experimentiert auch mal mit Picks unterschiedlicher Stärken. Ich bevorzuge für diese Sounds übrigens ein eher weiches Pick (Dunlop Tortex 0.73 mm).

Angeschlagene Saiten

Nile greift oft die Standard-Voicings von moll7 oder Barre Dur-Akkorden, dennoch klingt es bei ihm wesentlich schlanker. Das Geheimnis ist recht simpel, denn er schlägt überwiegend die hohen Saiten (D, G, B, E) an. Der Vorteil bei dieser Greifweise ist, dass man auch dann einen richtigen Ton hört, wenn man mal nicht so zielsicher in die Saiten haut. Er variiert dabei auch sehr viel: Mal werden nur zwei Saiten angeschlagen, beim nächsten Durchgang dann drei oder vier. Dadurch bleibt ein permanent wiederkehrender Groove immer lebendig und erhält stetig eine andere Klangfarbe.

Ghostnotes

Ein ganz wichtiges Element für die Funky Nile Rodgers Grooves sind die sogenannten Ghostnotes, die er zwischen den konkret gespielten Tönen bzw. Akkorden zum Einsatz bringt. Die Saiten werden dabei mit der linken Hand abgedämpft, die rechte ist ja permanent mit dem Wechselschlag beschäftigt. Bei höheren Tempi kann das schon mal ein wenig schwierig werden, denn linke und rechte Hand müssen dabei komplett unabhängig agieren. Hier geht es einzig und allein darum, die linke Hand schnell von den Saiten zu nehmen (bzw. den Druck auf die Saiten zu vermindern, um sie so zu dämpfen) und sie im nächsten Moment wieder aufzulegen. Prinzipiell auch kein Problem, aber vier Minuten lang bei Tempo 116 ...

Shuffle Groove

Bei vielen Songs wird ein dezenter Sechzehntel-Shuffle Groove gespielt. Das hat nichts mit Triolen oder ternärem Feeling zu tun. Hierbei werden die beiden Off-Beats der Sechzehntelnoten, also unsere Aufschläge, leicht verzögert gespielt. Shuffle heißt weitläufig übersetzt ´hinken´ und genau das macht man mit den Sechzehntelnoten, jede Zweite wird etwas nachgezogen. In den Songbeispielen gibt es noch mal Hinweise dazu.

Sound nachbauen

Eine Sache muss immer klar bedacht werden: Die im Folgenden aufgeführten Gerätschaften, egal ob es sich dabei um das Original-Equipment handelt oder um ähnlich klingende Amps und Effekte, sind lediglich das Werkzeug zum Erzeugen des Sounds. Die eigentliche Musik kommt letztendlich vom Gitarristen, aus seinen Fingern und seiner Fähigkeit die Töne zu erzeugen und den Klang zu formen. Daher macht das Equipment lediglich 50% des Sounds aus, der Rest ist (zum Glück) Sache des Gitarristen. Um den Sound von Nile Rodgers nachzubasteln, braucht ihr nicht allzu viele Zutaten.

Gitarre

Eine Gitarre mit Single-Coils sollte es schon sein, am besten eine Strat mit knackiger Ansprache und einem transparent klingenden Halspickup.

Effekte

Ein Kompressorpedal macht auf jeden Fall Sinn, um die Ghostnotes etwas anzuheben. Für die achtziger Sounds wäre ein Choruseffekt nicht schlecht, den aber sehr, sehr dezent eingestellt mit wenig Effektanteil und vor allem geringen Depth- und Speed-Werten. Ein Wah-Pedal ist prinzipiell nicht verkehrt für Funky-Sounds, wird hier aber nicht so oft zum Einsatz kommen.

Verstärker

Der Amp sollte hohe Cleanreserven haben. Unverzerrter Ton ist angesagt. Dabei sind die fenderigen Cleansounds mit crispen Höhen der klare Favorit.

Kommen wir zu den Songs. Damit starten wir auf der nächsten Seite.

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