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29.07.2021

Plattenspieler für Vinyl und DJ Einsteiger kaufen

Den richtigen Einsteiger-Turntable zum Auflegen und/oder Vinylhören finden

Günstige Schallplattenspieler für Einsteiger finden

Die Schallplatte galt bis Anfang der 2000er-Jahre als das Nonplusultra-Handwerkszeug unter den DJs, mit der man als authentisch galt und sich auch den Respekt der Kollegen verdiente. Doch ausgereiftere Standalone-DJ-Player und DJ-Controller, die die Vorzüge von MP3-Datein - wie die schnellere beziehungsweise billigere Musikbeschaffung und Verwaltung - untermauerten, läuteten einen Wandel ein.

Und selbst einige hartgesottene Vinyl-Fans ergaben sich gezwungenermaßen spätestens mit der Einstellung der Produktion des legendären Technics-Turntables SL-1200 bzw. 1210 MK2 und einhergehend fehlender Alternativen beziehungsweise schlecht gewarteter Plattenspieler in den Clubs (Schon gewusst? Die Farbe macht den Unterschied! Der 1200er ist silber, der 1210er ist schwarz. Im deutschsprachigen Raum benutzt man heute meist die Bezeichnung 1210er).

Dennoch ist Vinyl nie komplett verschwunden und erlebt in den letzten Jahren sogar eine wahre Renaissance. Die Vinyl-Verkäufe überschlugen sich regelrecht, da vor allem „Otto Normalverbraucher“ das Plattenabspielen erneut für sich entdeckte. Klang, Haptik oder Coolness von Vinyl - es entscheiden sich auch wieder zunehmend mehr DJs für das Auflegen mit dem schwarzen Gold.

Plattenspieler für Vinyl und DJ Einsteiger kaufen

Kein Wunder, dass der Markt auf die erhöhte Nachfrage mit einem erweiterten Angebot von Plattenspieler-Modellen (zum Testmarathon) antwortet. Glücklicherweise gibt es mittlerweile für fast jeden Geldbeutel das passendende Modell, wobei ein günstigerer Preis nicht zwangsläufig einen Kompromiss in Sachen Qualität darstellt. Also Augen auf beim Einstiegs-Plattenspieler-Kauf! Auf welche Funktionen ihr besonders achten solltet und welche Modelle zur Preis-Leistungsverhältnis-Kaufempfehlung avancieren, verrät euch dieser Artikel. Doch zunächst ein paar wichtige Infos…

Hi-Fi Plattenspieler versus DJ Turntable

Antrieb und Drehmoment

Das A und O eines DJ-Plattenspielers ist sein Antrieb, mit dem der Plattenteller dank Drehmoment, der Zugkraft, aus dem Stand schnellstmöglich seine Originalgeschwindigkeit erreicht und dreht. Es gilt, je schwerer der Plattenteller, desto mehr Kraft benötige ich, um den Teller in Schwung und damit Bewegung zu setzen. Generell unterscheidet man zwischen dem Direkt- und Riemenantrieb, je nachdem, wie die Übertragung der Zugkraft auf den Motor erfolgt.

Beim Riemenantrieb sitzt der Motor dezentral vom Teller, ist mit ihm per Riemen verbunden, um störende Laufgeräusche und einhergehendes Rumpeln nicht auf die Nadel zu übertragen und somit zu entkoppeln. Für eine audiophilere Abtastung ist bei den meisten Hi-Fi-Plattenspielern dieser indirekte Antrieb verbaut, dazu findet man ihn aus Preisgründen vereinzelt bei DJ-Laufwerken. DJ-Anwendungen erschwert allerdings die entstehende Flucht, mit der einiges der Zugkraft auf dem Riemen und damit auf der Strecke bleibt. Ein Schnellstart wird förmlich ausgebremst. Mit zunehmendem Verschleiß des Riemens braucht der Teller zudem länger, um seine Endgeschwindigkeit zu erreichen. Der Plattenteller stoppt schon bei sanfteren Berührungen mit der bloßen Hand, da der Riemen zu schnell rutscht.

Bei sogenannten Drops, dem manuellen Start der Platte durch die Hand, braucht der Plattenteller zu lang, um auf Hochtouren zu kommen. Auch beim Korrigieren der Phase gemixter Platten am Plattenteller, dem Pitch-Bending, kommt ihr recht schnell ins Straucheln, denn ihr müsst ständig beschleunigen und bremsen und kommt nur schlecht zum perfekten Ergebnis. Es erfordert sehr viel Feingefühl, sodass Grobmotoriker besser ihre Finger von dieser Art des Antriebs lassen sollten.

Aber: Wenn ihr auf einem riemenangetriebenen Plattenspieler euer Handwerk beherrscht, gelingt es euch erst recht auf einem Standard-DJ-Plattenspieler mit Direktantrieb. Allerdings benötigt ihr deutlich mehr Zeit und Geduld, um euch die Skills anzutrainieren. Der Frust wächst! Daher lasst lieber die Finger davon, denn letztlich landet ihr eh beim direktangetriebenen Laufwerk.

Entsprechend gilt: Wer billig kauft, kauft zweimal.

Besagter Direktantrieb profitiert von der zentralen Position des Motors unterhalb des Plattentellers. Allerdings sind Motor und Teller nicht per Getriebe verbunden, sondern bilden gar eine Einheit, ein Prinzip, das Technics mit dem 1972 gelaunchten SL-1200, dem Vorreiter des 1979 auf den Markt gebrachten legendären SL-1210 MK2, perfektionierte.

Unterhalb des Plattentellers befindet sich ein Magnetring als Rotor, der sich im Stator, einem Spulenkranz aus zwölf Polschuhen, befindet und sich durch Stromzufuhr in Bewegung setzt. Das daraus resultierende Drehmoment, auch Torque genannt, von 1,5 Kg / cm gilt noch heute als Maßstab. Damit erreicht der Plattenteller aus dem Stand seine Originalgeschwindigkeit innerhalb einer Viertelumdrehung. Mit sanft aufgedrückter Hand die Platte gestoppt, rotiert der Plattenteller dennoch weiter. Auch das sogenannte Droppen der Platte gelingt nach etwas Übung ohne Anlaufverzögerungen des Plattentellers, um die Platte ohne Verzögerung beatgenau auf einen Track zu mixen.

Auf diesem Antriebsprinzip basieren die meisten DJ-Schallplattenspieler, wobei Technics mit den neuen Modellen SL-1210 GR/MK7 die Technologie nochmals verbesserte, in dem die Polschuhe durch eine Platine mit hunderten Frames für einen gleichmäßigeren Lauf des Motors ersetzt wurden.

Einige Modell verfügen auch über einen High-Torque-Antrieb mit einem Wert zwischen 4,5 und 5,0 kg / cm. Damit legt der Plattenteller einen Schnellstart hin, sodass die Originalgeschwindigkeit innerhalb von weniger als 0,3 Sekunden erreicht wird. Vor allem Turntablisten, also Scratch- und Beatjuggling-DJs, schwören auf dieses erhöhte Drehmoment, da der Plattenteller selbst bei mehr ausgeübtem Druck ordentlich zieht.

Allerdings kontert der High-Torque-Antrieb den Kraftaufwand beim Pitch-Bending. Den Mix in Phase zu halten, fällt damit deutlich schwerer. Die Lösung für spezifische DJ-Anwendungen ist daher das einstellbare Drehmoment, von Low auf High Torque.

Pitch Control

Um die Geschwindigkeit zweier Tracks aufeinander abzustimmen, bedarf es eines Geschwindigkeitsflachbahnfader, auch Pitch Control genannt, dem Must-have für jeden DJ-Plattenspieler. In der Regel misst er zehn Zentimeter und umfasst einen Umfang von +/-8 %. Dank der langen Bahn lässt sich das Tempo recht filigran, allerdings durch die verbauten digitalen Fader nur in 0,2-Prozent-Schritten einstellen.

Plattenspieler der neueren Generation erweitern den Regelbereich auf +/-16 % wodurch sich das Verhältnis von Prozent zu Millimeter allerdings verkleinert und die Einstellung grober wird. Der umschaltbare Pitch-Umfang auf 50 Prozent, der sogenannte Ultra-Pitch, von Scratch-DJs geliebt, dient für das Mixing nur als Effekt oder für sogenannte Transitions.  Ältere Modelle bieten auch zehn Prozent Geschwindigkeitsvarianz, für Turntablism-DJs ein Handicap.

Routinen studiert man gewöhnlich an Plattenspielern mit standardisierten 8 % ein, entsprechend merkt man sich für jeden Track auch die Pitch-Einstellung. Soll man ad hoc diese Routine an einem Plattenspieler mit 10 % Pitch-Umfang performen, geht die Rechnung mit den gemerkten Fader-Positionen nicht mehr auf.

Die Null-Position und damit das Original-Tempo einer Schallplatte, per Fader und Reset-Knopfdruck einstellbar, bestätigt eine aufleuchtende LED. Im Reset schaltet sich zudem ein Quarz zur Stabilisierung der Gleichlaufschwankung ein.

Gleichlauf(schwankung)

Der Motor eines Plattenspielers unterliegt aufgrund seiner Technologie einer gewissen Gleichlaufschwankung, damit driften selbst gematchte Tracks nach einer gewissen Zeit auseinander. Die Schwankung des Gleichlaufs beträgt bei den meisten direktangetriebenen DJ-Laufwerken weniger als 0,01 Prozent. Bei einem an ein DVS angeschlossenen Plattenspieler visualisiert die ständig schwankende BPM-Zahl um +/-0,1 BPM dieses Phänomen.

Sind die zu mixenden Platten so gut wie möglich vom Tempo angeglichen, ist dennoch hin und wieder Mal eine Phasenkorrektur des Mixes erforderlich ist, bei DJ-Plattenspielern mit Riemenantrieb noch häufiger. 

Gewicht

Störende Vibrationen durch Bass oder Trittschall und stoßartige Erschütterungen, die vom Tonabnehmer mit übertragen werden können und gar zu Nadelsprüngen führen, minimiert ein solides und schockabsorbierendes Chassis Geläufige DJ-Plattenspieler sind aus Aluminium-Druckguss oder Hartplastik gefertigt und wiegen circa zehn Kilogramm, vereinzelte auch deutlich mehr. Allerdings sollte man auch immer bedenken, dass man diese auch mal schleppen muss. Neben dem Chassis spielen auch die gedämpften Füße eine wesentliche Rolle, die besagte Störungen abfedern sollen.

Wenn ihr einen Plattenspieler ausschließlich für zu Hause sucht, spielen beim Kauf die schockabsorbierenden Eigenschaften eine eher untergeordnete Rolle. Solltet ihr dennoch mit euren Wheels Of Steel auf Reisen gehen, dann pimpt sie mit aufsteck- oder anschraubbaren Absorptionsfüßen und baut sie auf einer Steinplatte mit darunter gelagerten Squash-Bällen auf (zum Artikel: Turntables auf der Bühne verwenden).

Tonarm

Gerader oder S-förmig? Über die Vor- und Nachteile streiten sich die audiophilen Plattenhörer wie auch die DJs. Letztlich setzte sich der S-förmige aufgrund der etlichen Kopien des Technics SL-1210 MK2 durch. Zudem ist auch Ortofons Plug-and-Play-Concorde-Serie mit ihrem Nadelüberhang von 52 Millimetern auf sie zugeschnitten.

Dagegen favorisieren Scratch-DJs den geraden Tonarm, da ihn Scratches nicht so schnell aus der Rille bringen. Allerdings spricht man von einer leicht zur Innenseite tendierenden Nadelposition und damit einer weniger treuen Wiedergabe, von der man wiederum beim S-förmigen Tonarm profitiert.

Abgesehen vom verfügbaren Budget stellt euch die Frage, möchte ich nur mixen oder auch scratchen oder lediglich Musik hören? Entsprechend differenziert die Auswahl.

Plattenspieler zum Vinylhören

Wer auf Pitch Control, Direktantrieb und Co. verzichten kann und einen Turntable ausschließlich zum Abspielen seiner Plattensammlung bevorzugt, der stößt früher oder später auf Marken wie Thorens oder Pro-Ject. Preislich lautet in dieser Kategorie das Motto „Sky is the Limit“, dennoch bietet der Markt auch empfehlenswerte Modelle zum Einstiegspreis. Wollt ihr eure Vinyl-Scheiben auch Digitalisieren, haben wir hier einen interessanten Workshop dazu (zum Artikel: Vinyl richtig digitalisieren).

Tonabnehmer inklusive

Bei den meisten Hi-Fi-Einstiegsmodellen gehört ein vormontierter Tonabnehmer quasi zum guten Ton. Wer dennoch seinem Plattenspieler ein klangliches Upgrade gönnen möchte, der sollte beachten, dass einige Tonarme keinen standardisierten SME-Verschluss bieten und somit einen direkt an den Tonarm zu schraubenden Unterdeck-Tonabnehmer voraussetzen, wie beispielsweise mit der bereits getesteten Ortofon 2M-Serie, die für jeden klanglichen Anspruch, aber auch verfügbares Budget das passende Pendant bietet.

Pro-Ject Debut RecordMaster II

Das österreichische Traditionsunternehmen geht mit der Zeit und verknüpft seinen analogen Anspruch mit digitalen Tugenden. Schließlich bietet der äußerst schicke Debut RecordMaster II nicht nur einen hervorragenden Klang, wie man es von Pro-Ject kennt, sondern auch einen USB-Anschluss zum direkten Einspielen und damit zum Digitalisieren der Schallplatten. Um einen passenden Tonabnehmer muss man sich keine Gedanken machen, da ein Ortofon OM5e zur Ausstattung gehört.

Pro-Ject Debut III Matt Black Test

Pro-Ject Audio Primary E Phono & Debut RecordMaster Test

Thorens TD 202

Wer preislich etwas tiefer in die Tasche greifen möchte, der ist mit diesem Vinylplayer sehr gut beraten. Thorens gilt seit Jahrzehnten als einer der weltweit führenden Plattenspieler-Hersteller. Selbst im legendären Frankfurter Dorian Gray legten die DJs mit Thorens-Laufwerken auf.

Der TD 202 besticht durch sehr hochwertige Verarbeitung, edles Design und ein hervorragendes Klangbild. Für den ruhigen Gleichlauf sorgt ein Riemenantrieb. Zu seinen weiteren Besonderheiten zählen der abschaltbare Phono-Vorverstärker, ein USB-Anschluss zum digitalen Einspielen der Platten auf den Rechner und das vorinstallierte Audio Technica AT 95 E. Unser Test folgt in Kürze.

Thorens TD 402 DD black Test

Reloop Turn 2

Auch die Münsteraner DJ-Schmiede Reloop erweiterte jüngst mit der Turn-Serie ihr Portfolio um Hi-Fi-Plattenspieler. Der Turn 2 als Einstiegsmodell prädestiniert sich nicht nur optisch als edles Wohnzimmer-Accessoire, sondern auch als qualifiziertes Abspielgerät mit laufruhigem Motor dank Riemenantrieb und vormontierten Ortofon OM10-Tonabnehmer.

Reloop Turn 2 Test

Produktempfehlungen DJ-Plattenspieler

Audio-Technica AT-LP140XP und AT-LP120X

Dieses optisch sehr ansprechende Modell huscht noch kurz vor dem mir gesetzten 400-Euro-Limit in die Empfehlungsliste. Es wäre allerdings auch ein Frevel, ihn unter den Tisch fallen zu lassen. Denn für den Plattenspieler sprechen neben seiner sehr guten Verarbeitung sein Direktantrieb mit 2,2 kg / cm Drehmoment, der in drei Prozent-Stufen (8, 16 und 24) einstellbare Pitch-Umfang und das Reverse-Play. Einsteigern ist auch der kleine Bruder Audio-Technica AT-LP120X zu empfehlen.

DUAL DTJ 303 USB

Ein Neuankömmling ist der DUAL DTJ 303 USB. Er verfügt über einen vollkardanischen gewichtsbalancierten S-Shaped Tonarm und wird mit einem montierten Tonabnehmer von Audio-Technica ausgeliefert, dem AT-3600. Der Hersteller Dual verbaut zudem eine schaltbare Vorstufe, sodass sich das Gerät an Phono- oder Line-Eingänge anschließen lässt. Auch ein USB-Port ist an Bord. Kostenpunkt: 299,- Euro, Test folgt.

Pioneer DJ PLX-500

In der gleichen Preisliga des Reloop (Straßenpreis knapp 300,00 Euro) spielt der kleine Bruder des Pioneer DJ PLX-1000. Der 500er ist ihm zum Verwechseln ähnlich, kostet weniger als die Hälfte und weiß trotz abgespeckter Ausstattung zu überzeugen. Mit seinen 1,6 kg / cm zieht der Plattenteller recht ordentlich, sodass nach etwas Eingrooven sowohl Mixing als auch Scratching recht gut gelingen. Zudem schlummert in dem über zehn Kilogramm schweren Chassis noch eine Soundkarte zum Digitalisieren von Vinyl beziehungsweise für DVS-Betrieb. 

Reloop RP-2000/4000 MK2

Beide Modelle unterschreiten die 300- Euro-Marke, unterscheiden sich preislich je nach Händler nicht einmal um 40,00 Euro, aber dafür wesentlich von der Ausstattung. Der RP-2000 MK2 bietet zwar schon einen Direktantrieb, aber mit 1,0 Kg/cm ist dieser recht schwach auf der Brust, zumal das größere Modell 1,8 kg/cm leistet. Der RP-4000 MK2 wiegt knapp zehn Kilogramm und damit fast ein Drittel mehr. Zumal punktet er mit einer von acht auf 16 Prozent wechselbaren Pitch-Range und Reverse-Spielbetrieb.

Zum Auflegen sind beide Modelle akzeptabel, wobei das Dropping der Platte mit dem RP-4000 MK2 besser gelingt, und da er die deutlich bessere Ausstattung besitzt, sollte man diesen bevorzugen.

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