Software
Test
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02.02.2019

Nektar Bolt Test

Software-Synthesizer

Harmonics Synthesis im ersten Plugin-Instrument vom Controller-Hersteller

Es kommt nicht oft vor, dass es grundlegende Neuigkeiten an der Synthesizer-Front zu melden gibt. Umso mehr überrascht der innovative Synthese-Vorstoß von Nektar – einer Firma, die eigentlich für Controller-Keyboards bekannt ist – mit ihrem ersten Soft-Synth Bolt.

Die „neue“ Harmonics Synthesis ist eine Variante der Bandlimited Impulse Train Synthesis (BLIT), bei der eine Impulsfolge mittels Hammerich Pulse erzeugt wird und durch dessen zwei Parameter – Anzahl der Harmonischen und Roll-Off – definiert wird. Und das wiederum macht klassische Filterschaltungen überflüssig und erzeugt eine Vielzahl sehr organisch klingender Wellenformen direkt im Oszillator. Und wie man das musikalisch nutzen kann, das testen wir an Bolt!

Details

Allgemeines

Nektar Bolt ist ein Software-Synthesizer für die Formate VST/AU. Es ist das erste Instrument der recht jungen Controller-Keyboard Firma, die man vor allem für die Panorama Serie kennt. Bolt benötigt gerade einmal 15 MB auf der Platte, bedient sich aber recht üppig an der CPU.

Ein Software-Synth, was ganz Neues

Auf Bolt trifft das wirklich zu, vor allem seine Synthese-Art hat es bisher so nicht gegeben! Das mag auf den ersten Blick überraschen, da das klar strukturierte GUI und Controller-Layout bekannte Gefühle weckt. Aber halt, es gibt gar keine Filter-Sektion?!

Die braucht es hier auch nicht unbedingt, denn Bolt generiert seine Oberton-Struktur direkt im Oszillator. Das nennt sich Harmonics-Synthesis und lässt sich mit der subtraktiven Synthese nicht vergleichen. Es ist es also ein Art additiver Ansatz, aber keine FM-Synthese mit der klassischen Bank von vielen Oszillatoren. Vereinfacht gesagt generiert der Oszillator eine äußerst schnelle Impulsfolge, dessen Sequenzstruktur den entsprechenden Obertoncharakter bestimmt. Doch die graue Theorie ist langweilig, schauen und hören wir uns das doch einfach mal an einem simplen Beispiel an.

Zwei OSCs, drei LFOs, drei Envelopes

Es gibt insgesamt zwei Oszillatoren, beide mit den üblichen ADSR-Hüllkurven ausgestattet sowie mit folgenden sich selbsterklärenden Parameter versehen: Shift, Detune, Noise, Invert, Volume und Panorama. Und einen Sub-Oszillator gibt es außerdem.

Die beiden Parameter Harmonics und Roll-Off hingegen dürften ungewohnt anmuten, genau wie Odd und Deep. Grob gesagt liefert der Oszillator bei „Harmonics gleich Null“ einen Sinus und beim Maximum eine Art Rampe. Odd wiederum liefert ungerade Harmonische. Im Zusammenspiel und mit den entsprechenden Zwischenwerten jedenfalls lassen sich jede Menge Wellenformen generieren und vieles zwischen Sinus, Sägezahn und Rechteck ist möglich. Und das sieht man auch recht eindrucksvoll in dem Waveform/Spektral-Display über dem großen Lautstärkeregler.

Steuert man nun die Obertonstruktur mit dem zentralen Modulation EG kommt das im Ergebnis einem Filter-Evenlope recht nahe. Ein separates Filter gibt es jedoch nicht, was wohl auch eine philosophische Frage war. „Gespart“ wurde trotzdem nicht: Drei hochflexible LFOs mit der Fähigkeit zur Crossmodulation sowie zusätzliche Frequenz- und Crossmodulation für die beiden Oszis gibt es nämlich auch noch. Hinzu kommt ein DYNX-Effekt, der den Overall-Sound heller, lauter und etwas aggressiver macht. Key Follow, Velocity Control und Sync-Optionen stehen auch an allen weiteren wichtigen Stelle parat.

16 Stimmen, Voice Double und „xDrive“

Aber halt! Das ist immer noch nicht alles. Bolt ist bei Bedarf sogar 16-stimmig und einen eingebauten, modulierbaren Drive gibt es auch – pro Oszillator! Es wird also hier nicht nur einfach global gezerrt, sondern gleich mal pro Stimme UND Oszillator, was im Ergebnis noch mehr Obertonvariationen zulässt!

OSC-individueller Glide, Voice Doubling, Unisono und Detune/Width machen Bolt im Zweifelsfall aber auch noch „konventionell“ breiter. Ein CPU-Leichtgewicht wird er dadurch aber nicht immer!

Straight forward FX

Selbstverständlich hat Nektar auch an Effekte gedacht. Es gibt einen EQ, einen Chorus, ein Delay und auch einen Reverb. Abgesehen vom EQ kennen dabei alle Effekte zwei Parameter und lassen sich zusätzlich mit einen Mix-Regler hinzumischen. 

Ich verrate an dieser Stelle sicherlich nicht zu viel, wenn ich sage, dass es sich nach einer kurzen Eingewöhnung ziemlich schnell und vor allem effektiv an diesem Synth schraubt. Performen lässt sich der Bolt dank schneller Doppel-Mod-Wheel und Aftertouch-Zuweisungen aber auch.

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