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Test
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22.07.2020

Moog Subharmonicon Test

Analoger, semi-modularer Desktop-Synthesizer mit polyrhythmischem Sequenzer

Untertöne aus der Unterwelt?

Der Moog Subharmonicon kombiniert einen Synthesizer mit einem polyrhythmischen Sequenzer. Von der DNA her haben wir es klar mit einem Moog zu tun, der mit einer Mischung aus subtraktiver Synthese und subharmonischen Untertönen arbeitet. Aufmerksame Beobachter der Szene werden wissen, dass der Moog Subharmonicon bereits 2018 auf dem alljährlich stattfindenden legendären Moog Synthfest vorgestellt wurde. Anfänglich war es nur eine Art DIY-Bausatz. Die Nachfrage hat aber scheinbar dafür gesorgt, dass das System in diesem Jahr in Serie ging. Im gleichen Atemzug wird auch immer auf das legendäre Trautonium verwiesen, dessen Tonerzeugung auch auf Untertöne baut. Trotzdem handelt es sich beim Subharmonicon um ein vollständig eigenständiges Gerät. Die Querverbindung zum Trautonium ist wohl auch ein Marketingtool. Und Moog selbst spricht nur von einem „inspiriert durch...“

Details

Erster Eindruck

Der Moog Subharmonicon wirkt auf den ersten Blick recht klein, hat aber die gleichen Maße und das gleiche Desktop-Gehäuse wie der Moog Mother-32 und der Moog DFAM. Moog sieht dabei die drei Geräte auch als Einheit oder Produktfamilie. Das ist nachvollziehbar, führt aber dazu, dass hier (fast zu) viele Bedienelemente auf engem Raum angeordnet werden mussten. Das ist manchmal halt ein Nachteil, wenn man einem bestimmten Formfaktor folgen will oder muss. Dass es ein wenig eng auf der Frontplatte wurde, hat wahrscheinlich dazu geführt, den MIDI-In Anschluss als Miniklinke auszulegen (Adapterkabel ist im Lieferumfang enthalten). Wie auch die beiden anderen genannten Systeme kann der Subharmonicon aus dem Chassis genommen und als „Modul“ ins Eurorack geschraubt werden.

Vorbemerkungen zu den Untertönen

Sind Obertöne mathematisch gesehen ein Vielfaches des Grundtons, so errechnet man Sub-Harmonische durch entsprechende Teilung. Dadurch entsteht folgende Unter/Obertonreihe bezogen auf den Grundton C.

Dabei lässt sich erkennen, dass wir aus den ersten Obertönen einen C-Dur Akkord formen können und aus den ersten Untertönen einen F-Moll Akkord. Dies hat Einfluss auf den Charakter des resultierenden Klanges.  

Subharmonische sind eigentlich nicht gänzlich neu für Syntheasten, denn viele Geräte verfügen über Sub-Oszillatoren, die meist eine Oktave unterhalb der Grundschwingung arbeiten. Auch das ist ein Unterton (Basisfrequenz geteilt durch zwei).

Moog Subharmonicon im Aufbau

Das Instrument lässt sich in zwei Bereiche aufteilen:

  • Synthesizer
  • Poly-rhythmischer Sequenzer

Beginnen wir mit der Tonerzeugung:

Die Oszillatoren

Überraschend wirkt erst einmal die Tatsache, dass so ein kleiner Synthie über nicht weniger als sechs (!) Oszillatoren verfügt, obwohl er doch „nur“ monophon (bzw. duophon) ausgelegt ist. Die sechs Oszillatoren verteilen sich auf zwei identische VCO-Sektionen. Jeder Bereich besteht aus einem Hauptoszillator und zwei Sub-Oszillatoren, die eng miteinander verbunden sind. Dies beginnt bei der Auswahl der Schwingungsformen, die dann für alle drei gilt. Wir haben die Wahl zwischen Rechteck, Sägezahn und einer Sonderform (Sägezahn moduliert Puls) Leider ist die Intensität dieser Modulation nicht regelbar. Da der Subharmonicon keine LFOs hat, müsste eine feinere PWM über das Patchbay und ggf. externe LFOs erfolgen. Jeder Sub-Oszillator vermag es, bis zu 16 Untertöne zu erzeugen.  Diese werden ganz einfach mit dem Tune-Regler bestimmt - über den wir dementsprechend nur 16 Stufen abrufen können.

Da die Grundstimmung der Subs immer der Stimmung des VCOs folgt, geht die Stimmung der Untertöne immer korrekt mit. Das damit verbundene Intervall zum VCO bleibt korrekt. Kompliment, das ist außerordentlich intelligent gelöst. Denn so geht die Einstellung der Untertöne relativ leicht von der Hand. Ein wenig trickreich sind allerdings die verschiedenen Tuning-Möglichkeiten. 

  • Version 1: Über den Tune-Regler wird der Oszillator stufenlos durchgestimmt.
  • Version 2: Über die Quantize-Funktion werden vier Varianten angeboten, über welche die Stimmung in verschiedenen Intervallen erfolgt: 12ET bedeutet chromatisch in der temperierten Stimmung, 8ET folgt einer diatonischen Skala, 12 JI ist wiederum chromatisch, jedoch in der reinen Stimmung, und JI 8 schließlich wieder diatonisch in der reinen Stimmung.

Und nochmals zur Verdeutlichung: Das gilt nur für die VCOs, die Subs verfügen wie gesagt nur über die 16 Steps, die den Untertönen entsprechen.

Das Filter

Hier haben wir es mit dem klassischen Moog-24dB-Filter zu tun und dies ausschließlich als LP-Variante. Dafür gibt’s dann die Regler für Cutoff, Resonance und EG Amount. Zu beachten gilt, dass der Bass abfällt, je stärker wir den Resonance-Regler aufdrehen. Das ist an sich normal. Es gibt allerdings Filter, die das ausgleichen.

VCA und EGs

Auch hier ist das Notwendigste vorhanden. Getrennt für Filter und VCA stehen jeweils zweistufige Hüllkurven-Generatoren mit Attack und Decay zur Verfügung. Das ist jetzt nicht gerade üppig.  Irgendwie scheint es, dass Moog es grundsätzlich vermeiden wollte, aus dem Subharmonicon einen „kompletten“ Synthesizer zu machen. 

Der Sequenzer

Das eigentliche Asset des Subharmonicon liegt im Zusammenspiel zwischen Tonerzeugung und Sequenzer. Bei einer oberflächlichen Betrachtung erscheinen 2 x 4 Steps für einen Sequenzer eher dürftig.  Besonders dann, wenn man weiß, dass aus 2 x 4 auch nicht so einfach 8 Steps werden können. Aber der Eindruck ist falsch. Die Eingabe der Tonhöhe je Step erfolgt über (eigentlich viel zu) kleine Drehregler. Dabei werden wie bei der Stimmung der VCOs zwei Möglichkeiten angeboten: Wir arbeiten mit der Quantisierung und wählen die Tonhöhe eines Steps entsprechend (s. o., chromatisch, diatonisch etc.). Dafür reicht der Regelweg der kleinen Potis sicherlich aus. Oder aber wir verwenden das freie Tuning und setzen die Tonhöhe stufenlos. Da braucht’s dann etwas feine Finger.

O.k., schließlich haben wir eine Vierer-Tonfolge gesetzt und drücken auf Play. Nichts passiert. Warum? Um den Sequenzer starten zu können, muss dieser mindestens einem der vier Rhythmusgeneratoren zugewiesen sein, die unterhalb der beiden Sequenzerlinien untergebracht sind. Die Rhythmusgeneratoren beziehen sich stets auf das Grundtempo, welches mittels des Temporeglers bestimmt wird. Ähnlich wie bei den Subharmonischen teilt ein Generator die Clock durch eine ganze Zahl. In Stufe 1 (ganz nach rechtes gedreht) teilt sich das Tempo durch 1. Sprich: Alles bleibt wie es ist. Dann folgt Clock geteilt durch 2, 3, 4 etc. Ergo haben wir es hier mit einem Clock-Divider zu tun. Einem? Falsch! Wir haben davon vier, die sich gegenseitig überlagern und summieren.

Nachvollziehbar ist, dass dabei auch ungerade und „schräge“ Rhythmen erzeugt werden können. Aber damit nicht genug: Die Rhythmusgeneratoren können alle einzeln oder in jeder beliebigen Kombination auf beide Sequenzerlinien wirken. 

In der Praxis bedeutet dies, dass beide Sequenzer nicht gleiches Tempo, den gleichen Startpunkt und Rhythmus haben (müssen). Ergebnis: Es entsteht ein Polyrhythmus. Der kann mal einfach sein, vertrackt, oder auch mal ziemlich chaotisch. Aber das ist genau das, was man will. Das Ergebnis ist halt schwer vorhersagbar, manche nennen es experimentell, manche auch Trial & Error und manche zufallsabhängig. Und manchmal wünscht man sich, man könnte die Sequenzen abspeichern, aber das geht leider nicht, nichts ist speicherbar. Wie früher hat Moog aber Overlays beigelegt, anhand derer man Patches nachbauen kann. Eben konsequent analog.

Aber wie gelangen die 2 x 4 Steps auf die Oszillatoren? Dies ist in der Tat auch ein wenig tricky. Die Zuweisung erfolgt über drei Taster unterhalb der Oszillatoren. Dort finden wir für Sequenzer 1 die Wahlmöglichkeiten: VCO1, Sub 1 und Sub 2 sowie für Sequenzer 2 VCO2, Sub1 und Sub2. Die Zuordnung auf die VCOs ist also fix, was aber nicht weiter schlimm ist.

Wir aktivieren zunächst einmal nur VCO1 und lassen die Sequenz laufen. Was passiert? Wir hören VCO1 plus (!) die Subharmonischen, auch wenn wir den Sequenzer gar nicht auf die Subs geroutet haben. Da die Subharmonischen stets vom Tuning des VCOs abhängig sind, gehen die Untertöne immer entsprechend mit. Es sei denn, der Volume-Regler steht auf Null. Das bedeutet aber auch, dass die Zuordnung Sequenzer/Oszillator diese nicht ein- oder ausschaltet. Aktiviert man den Sequenzer z. B. auch für Sub 1, dann werden die Untertöne vom Step-Regler bestimmt und nicht mehr von der Stimmung der Subs. Klingt ein wenig kompliziert, ist es aber eigentlich nicht. Im Ergebnis variieren wir damit auch die Untertöne innerhalb der vier Steps. Die Ausgänge des Sequenzers lassen sich nicht nur auf die Oszillatoren routen. Über das Patchbay kann man damit auch die Cutoff-Frequenz modulieren.

Anschlüsse des Moog Subharmonicon

Auf der Oberseite rechts befindet sich wie beim Mother-32 ein Steckfeld mit 32 Ein- und Ausgängen. Moog hat sich hierbei sehr stark auf den Kern des Subharminicon konzentriert. Die meisten Aus- und Eingänge beziehen sich auf Sequenzer und die Oszillatoren. Manches fiel – wahrscheinlich aus Platzgründen – durch den Rost. So könnte man einen „VCF In“ oder „Ext. In“ vermissen, um den Filter auch für externe Signale nutzen zu können. Rückseitig zeigt sich der Moog Subharmonicon in der Ausstattung sparsam: Ein Klinkenausgang, an den auch ein Kopfhörer angeschlossen werden kann und die Buchse zum Anschließen des 12 V-Netzteils nebst Kensington-Lock.

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