Test
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18.07.2019

Mixvibes Cross 4 Test

DJ-Software

Mixvibes Cross hat sich in den letzten Jahren gut im Schatten der „großen“ Digital-DJ-Lösungen behaupten können. Schon vor 10 Jahren erlaubte Cross 1 DVS-Betrieb mit einem beliebigen Audiointerface und punktete als unkomplizierte DJ-Controller-Software mit Sample-Decks, Effekten und vielen Kontrollmöglichkeiten via MIDI-Controllern, DVS und HID und sogar Video-Mixing.

Cross DJ 4 Pro ist nun das neue große Update, mit dem sich Mixvibes geschickt zwischen Pioneer Rekordbox und Traktor/Serato positionieren möchte. Stichworte: Traktor/Serato/Rekordbox-Import/ Rekordbox-Export. Kompatibilität zu vielen Controllern. DVS und HID. Und sogar Video-Mixing. Könnte Cross DJ 4 Pro damit das Missing Link zwischen den Platzhirschen sein?

Details

Was als erstes auffällt: Cross DJ hat ein dickes optisches Makeover erhalten. Sah Cross DJ 3 noch eher wie ein alter Traktor aus, so hat Version 4 mittlerweile die Anmutung eines schicken Elektroauto-Cockpits: großzügige, stylische Halbkreise im Neon-Look statt winziger fotorealistischer Potis. Knackige Nutzer-definierte Farben. Klare monochrome Symbol-Icons. Hat sich DJ daran erst mal gewöhnt, fällt der grobe optische Überblick einfach leichter. Der Look ist „darker“, was sich im Club gut macht, weil der Kontrast zwischen dem Laptop-Screen und der dunklen Umgebung entspannter für die Augen ist.

Es gibt – Nomen est Omen –vier Decks. Die Wellenformfenster können nebeneinander oder übereinander liegen, dafür gibt es einen dedizierten Schalter. In der vorliegenden Testversion 4.0.0 lassen sich die Waveforms noch nicht zoomen, mit dem nächsten Update soll dies aber der Fall sein.

Gut gefällt mir auch das runde „Auge“ zwischen den Deck-Fenstern, in denen die Aktivität und Synchronität der vier Decks intuitiv verständlich dargestellt wird. Neben Beat-Sync gibt es eine Key-Match-Funktion, die ziemlich gut funktioniert. Die Decks weisen das übliche Setup mit Dreiband-Equalizer und Tief- und-Hochpassfilter mit einem mittenzentrierten Regler auf. Dazu kommen nun drei synchronisierte Effekteinheiten pro Deck, jede mit einem Ein/Aus-Schalter und einem einzigen Regler.

Unter der Haube ist aber – zumindest bei der Pro-Version – sehr viel mehr möglich. Im „FX Tweaker“ in den Einstellungen kann DJ pro Effekttyp eine Vielzahl an Parametern verändern, entweder einzeln oder aber alle einmal über eine Kaoss-Pad-mäßige Matrix. Darüber hinaus soll die Pro-Version demnächst auch VSTs unterstützen, was in der Geschichte der DJ-Software zwar kein Novum wäre (das mittlerweile verflossene Torq von M-Audio konnte das auch schon), aber derzeit zumindest ein Alleinstellungsmerkmal. User der „nicht-Pro“-Version müssen sich jedoch mit den voreingestellten Effekten begnügen.

Kontrolle

Ein weiteres exklusives Feature der Pro-Version ist die Unterstützung für digitale Vinyl-Systeme. Hierzu benötigt DJ die Mixvibes Control Vinyls. Wer lieber mit Pioneers als mit Turntables mixt: Auch HID-fähige Pioneer CDJs können als Controller und Soundkarte für Cross DJ dienen. Dafür gibt es im Hilfe-Menü eine kurze Anleitung, die sofort zur Hand ist und das Prozedere Schritt für Schritt erklärt. In den Preferences zeigen sehr viele smarte Einstellungen, dass die Mixvibes-Programmierer gut aufgepasst haben, wo es bei anderen DJ-Apps hakt.

Über ein modernes graphisches Menü kann die App den persönlichen Vorlieben angepasst werden.  Hier werden auch die Controller direkt gewählt, von denen die meisten ohne Mapping oder Hilfsdatei-Kopiererei direkt „out of the Schublade“ funktionieren.

Unterstützte Controller

Vor allem aber glänzt Cross DJ 4 mit der direkten Unterstützung von über 80 Controllern. Im Bundle mit den Mixvibes-Controllern U-Mix Control 2 und U-Mix Control Pro erhältlich, wird natürlich die Mixvibes-eigene Hardware (Control, Control 2, Control Pro, Control Pro2, VFX Control) eingebunden, aber auch eine beeindruckend komplette Liste anderer möglicher Controller.

Die Liste enthält Modelle von so ziemlich allen wichtigen Herstellern wie Allen & Heath, Denon, DJ-Tech, Gemini, Hercules, Numark, Pioneer, Reloop und Vestax sowie vereinzelte Exemplare von anderen größeren Herstellern wie American Audio, Behringer und Stanton.

Und selbst Exoten wie der EKS Otus, Novation Dicer, IK Multimedia iRig Pads, Ion Discover DJ und Silver Crest SDJ 100 A1 finden Anschluss. Native Instruments ist übrigens derzeit nur mit den betagten Kontrol S4 und dem Kontrol X1 MK1 vertreten. Für meinen X1 musste ich dann auch ein entsprechendes Template laden und installieren.

Meine Vestax VCI-300 und Reloop Mixtour funktionierten sofort einwandfrei. Darüber hinaus kann aber auch jedes Controller-Mapping bearbeitet und in einer sehr übersichtlichen einheitlichen Maske per MIDI-Learn den individuellen Wünschen angepasst werden.

Innovatives

Zum Glück ist aber Cross DJ kein Gnadenhof für all die vergessenen Controller dieser Welt, die von ihren früheren Host-Applikationen nicht mehr supportet werden und nun in den Schubladen verstauben, sondern eine moderne DJ-Software. Essentials wie Beatsync, Hotcues, Loop, Beatjump und Slip-Mode sind natürlich mit an Bord.

Cross DJ 4 hat  auch Cover-View, smarterweise etwas weitergedacht. Wie bei der Konkurrenz sieht DJ links vom Titel im Browser den obersten Teil des Covers. Für den aktuell gerade ausgewählten Track wird das Cover jedoch komplett gezeigt. Klein, aber fein und für mich definitiv hilfreich.

Auch schön: Mixvibes unterstützt auf der Oberfläche mit Deutsch, English, Französisch, Italienisch und Spanisch gleich fünf europäische Sprachen. Des Weiteren gibt es ein ausgefuchstes Autoplay. Taktile Steuerung mit Touch Displays wie z. B. dem Windows Surface Pro soll möglich sein.

Ebenso war ich auf die Möglichkeit gespannt, die Benutzeroberfläche mit der angekündigten Skripttechnologie namens „Maquillage“ zu bearbeiten. Auf Anfrage teilte mir Mixvibes mit, dass dies ein kompliziertes Verfahren sei, bei dem der Anwender Erfahrung im Scripting haben muss. Dann kann man das vorhandene GUI duplizieren und nach eigenem Gusto verändern. Beide Features konnte ich leider nicht testen und freue mich über Erfahrungsberichte in den Kommentaren.

Klang- und Bildfutter

Hier bietet Cross DJ 4 sehr hohe Flexibilität: Neben Playlisten von Mixvibes und iTunes importiert die Software vorhandene Librarys von Rekordbox, Traktor und Serato für den direkten Zugriff, natürlich mit den bereits vorhandenen Grid- und-Cue-Informationen. Und Cross DJ 4 kann Streaming: Nach dem neuen Traktor DJ bietet nun auch Cross DJ 4 SoundCloud Go+ Support. Anwender können ihre SoundCloud-Playlisten direkt aus Cross DJ 4 aufrufen.  

Dazu kommt bei der Pro-Version die bereits von Cross 3 bekannte Videomix-Funktion: Videos vom Rechner wie von angeschlossenen Kameras können beatsynchron gemischt und der Mix über externe Ausgänge ausgeben werden. 

TooManyMenues

Weil Cross DJ 4 uns DJs solch eine Flut von Funktionen an die Hand gibt, lässt sich das alles natürlich unmöglich auf einem Laptop-Screen darstellen. Mixvibes hat sich daher ähnlich wie die Konkurrenz dazu entschieden, Funktionen wie Hotcue, Grid oder Loop in verschiedenen Fenstern unterzubringen, die per Dropdown-Menü angewählt werden. Wo Rekordbox zwei Ebenen hat (Hotcue und Grid) und Traktor drei (Hotcue, Grid, Loop/Move) kommt Cross DJ 4 gleich mit fünf Ebenen daher: gleich zwei für Hotcues und je eine für Grid, Loop und Torque.

Letztere ist lustig, denn so kann auch der Computer-Jockey den Stopptasten-Effekt eines Turntables nachvollziehen. Die Aufteilung in zwei Ebenen für die acht Hotcues empfinde ich allerdings als hinderlich. Wer jedoch mit Controllern spielt, kann sich die acht Hotcues ja auf entsprechende Buttons mappen.

Access All Areas

Cross DJ ist für alle wichtigen Plattformen wie macOS, Windows, iOS und Android erhältlich. Natürlich ist der Leistungsumfang der mobilen Apps nicht vergleichbar mit den Desktop-Versionen, aber vom Look und Feel ist der Spagat gut gelungen. Vor allem: Auch mit Cross DJ auf meinem iPhone hatte ich Zugriff auf SoundCloud. Genial für die nächste Home-Party.

Die App mit SoundCloud-Zugriff und Basic Funktionen wie Sync, Loop und Hotcues ist umsonst. Weitere Features wie Sampler, Automix, Record & Share, Effekte und Harmonic Mixing und externe Audioverbindung müssen dazugekauft werden. Das Value Pack mit allen Extras kostet derzeit nur 8,99 Euro. Trotzdem würde ich hier nicht von Plattform-Kompatibilität sprechen, denn hierzu fehlt der Austausch der Librarys untereinander.

Eine angekündigte Remote-App soll die Desktop-Version von einem mobilen Device steuern können. Bislang gibt es jedoch keinen Download und kein Tutorial und Mixvibes teilte uns auf Anfrage mit, dass die Entwicklung daran erst einmal auf „Stand-by“ ist – wie so manch andere angekündigte Funktion, wie wir gleich noch im Praxisteil sehen werden ...

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