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11.08.2020

Mapex Black Panther Wasp 10“ x 5,5“ Snare Test

Effekt-Snare aus Stahl

Vom Stachel zur Wespe

Mapex hat dieses Jahr eine Vielzahl an neuen, bzw. überarbeiteten Black Panther Snares herausgebracht, ein interessantes Modell dürfte die hier getestete „Wasp“ Snare in 10“ x 5,5“ für all jene Drummer sein, die neben ihrer Hauptsnare auf der Suche nach einem weiteren interessanten Effektsound sind. Die Trommel gibt es in der grundlegenden Konstruktion schon länger im Mapex-Programm, bis vor kurzem fungierte sie mit leicht veränderter Optik unter dem Namen „Stinger“.

Mit einem Anschaffungspreis von aktuell knapp 300 Euro fällt die kleine Snare allerdings nicht in die Rubrik „Portokasse“, ob sich die Trommel trotzdem lohnt, erfahrt ihr hier.

Details & Praxis

Die Wespe kommt samtig verpackt

Die „Wasp“ Snare ist, wie alle neuen Black Panther Modelle, in einem doppelten Karton verpackt, darin findet sich eine samtig-schwarze Stoffhülle mit zweifachen Kordelzügen, die die Trommel vor den Strapazen der Reise beschützen soll – vom Produktionsort in China bis ins Testlabor nach Deutschland ist es ja auch eine halbe Weltreise. Außerdem ist noch ein Stimmschlüssel als Zubehör im Karton enthalten.

Der außen verchromte und innen gebürstete Kessel ist aus einem Millimeter starken, gezogenen Stahlblech gefertigt, eine gut sichtbare und sauber gezogene Naht lässt dies auf der Innenseite des Kessels erkennen. Auch die Metallsnares aus Mapex’ Black Panther Serie sind mittlerweile mit der Sonic Clear Gratung ausgestattet, die von außen verrundet ist und somit eine größere Fellauflagefläche bietet. Die Folge ist eine Reduzierung der Obertöne, zudem sollen sich die Trommeln laut Mapex aufgrund der besonderen Gratungsform auch leichter feinstimmen lassen. Der Kessel hat genügend Untermaß, sodass das montierte Remo Ambassador Coated Schlagfell schwimmend auf der Gratung aufliegt.

Klotzen, nicht kleckern - die verbaute Hardware fällt üppig aus

Was für eine so kleine Snare recht untypisch erscheint, ist die Masse an Hardware, die an dem kleinen Stahlzylinder verbaut ist, satte 3,6 Kilogramm sind für eine Side Snare nicht gerade wenig. 

Ins Auge stechen die nach innen geflanschten, 2.3 Millimeter starken Sonic Saver Hoops, die oben verrundet sind und so eine satte Auflagefläche für den Trommelstock bieten. Die Snare hat die Cylinder Drive Teppichabhebung mit seitlich abklappbarem Abwurfhebel verbaut, die Teppichspannung kann an zwei Rädchen am Strainer und am Butt End eingestellt werden, die jeweils mit einer feinen Rasterung aufwarten. Beim Anlegen des Teppichs rastet die Halterung mit einem gut hörbaren Geräusch satt und sicher ein. 

An der Trommel  sind gleich zwei Luftausgleichslöcher montiert, auf der Unterseite sorgt ein Snareteppich mit 16 Spiralen aus Edelstahl für den charakteristischen Klang. Der Teppich liegt in breit gestalteten, zwei Millimeter tiefen Snarebeds. Beim Resonanzfell setzt Mapex mit einem Ambassador Snare Side auf Markenware aus dem Hause Remo USA.

Die Snare wird mit sechs Doppelspannböcken auf Spannung gebracht, die Stimmschrauben aus Stahl sind mit weißen Plastikunterlegscheiben einfach unterlegt und laufen weich und gleichmäßig in den Inlays der Spannböckchen. Hebt man das Schlagfell ab, sticht einem die Befestigung der Lugs ins Auge, die auf den ersten Blick etwas eigentümlich erscheint. Pro Böckchen sind drei Löcher im Kessel gebohrt, aber nur das mittlere Loch wird mit einer Schraube im Black Nickel Finish befestigt. In die beiden äußeren Löcher ragen von außen je zwei Stifte, die am Böckchen angebracht sind. Dies sorgt dafür, dass das Böckchen trotz nur einer Befestigungsschraube stets in Position bleibt. Bei der Ausstattung der Trommel wird offensichtlich nicht gespart, was angesichts des Anschaffungspreise aber auch nur gerechtfertigt ist. Die Verchromung aller Teile ist gut, aber in meinem Augen nicht auf dem Niveau von Top-Serien wie Tama Starphonic oder Pearl Sensitone.

Falls kein passender Snareständer vorhanden ist, lässt sich die Snare auch mit einem Tomhalter (nicht im Lieferumfang) an der installierten Halterung montieren, was aber zu mehr Bewegung im Spielbetrieb führt. Für den Klangtest entscheide ich mich daher für einen Snareständer aus meinem Fundus.  

Hohe und mittelhohe Stimmung

Die Trommel lässt sich sehr leicht stimmen und ich bin überrascht, dass sie wesentlich größer klingt als sie aussieht. Mit ordentlich Spannung auf dem Resonanzfell ist die Teppichansprache äußerst fein und crisp. In mittelhoher und sehr hoher Stimmung bekomme ich so sehr leicht die stereotypischen Funk- oder Drum’n Bass-Sounds realisiert. Die Sonic Saver Hoops spielen sich dabei sehr angenehm und sorgen gleichzeitig für eine Fokussierung des Klangs, somit knallt die Snare, ohne dabei allzu scharf oder schrill zu wirken. Ohne Teppich erklingen Timbale-artige, perkussive Sounds. Mit Besen oder Mallets gespielt, kann die Trommel in dynamischer gespielten Settings glänzen, trotz des Stahlkessels ist sie also nicht nur für laute Einsatzgebiete prädestiniert. 

Mittlere und tiefe Stimmung

In der mittleren Stimmung tritt der etwas „dreckiger“ klingende, typische Stahlkesselton stärker hervor, auch hier zeigt die Trommel keine Schwächen – auch wenn sie mir ab der mittelhohen Stimmung wesentlich mehr zusagt. Für die tiefe Stimmung bringe ich etwas Dämpfung aufs Schlagfell und verstimme das Resonanzfell bewusst. Die Durchsetzungskraft geht dadurch etwas verloren, aber gerade für Studiosituationen lassen sich mit etwas Experimentierfreude zahlreiche Kombinationen abseits der alltäglichen Snaresounds realisieren. 

Die leichtgängige und praxistaugliche Hardwarebestückung der Trommel erleichtert die Arbeit ungemein. Das wird für den einen oder anderen auf Dauer auch den nicht ganz so günstigen Anschaffungspreis rechtfertigen – denn wenn es mal schnell gehen soll, nervt wohl im Trommleralltag kaum etwas mehr als kompromissbehaftete und störrische Hardware-Lösungen.

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