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19.10.2020

Live Performance Workshop: Elektronischer Liveact mit Ableton und Hardware-Equipment

Workshop Live Performance#1 - Strategien, Vorbereitung und die richtigen Geräte

So bereitest du deine Produktionen für den Live-Gig auf der Bühne vor

Aaaah! Live-Act! Die Champions-League unter den Techno-Gigs. Die meisten Producer elektronischer Tanzmusik bringen ihre Musik als DJs auf die Bühne. USB-Stick in die CDJs und ab dafür. Das ist alles gut und schön. Aber die eigenen Tracks mit den Maschinen live zu performen, Sounds und Loops neu zu gestalten und das Publikum mit einer einzigartigen Version zu überraschen, die nur hier und heute zu hören und zu befeiern ist, das ist der Kick, den sich nur Musiker und Producer geben können, die wissen, wie sie ihre Tracks live on Stage bringen.

Wie die Interaktion zwischen Studioarbeit und DJ-Gig funktionieren kann, haben wir auf Bonedo bereits besprochen.

Heute wollen wir weitergehen. Wie bereite ich meine Produktionen für den Live-Gig vor? Wie klingen meine Tracks fett und geben mir trotzdem die Möglichkeit, in die Strukturen einzugreifen, Parts länger zu gestalten und mein Publikum zu überraschen?

 „Welches Publikum?“ mag mancher fragen. „Ist doch Corona …“

Richtig. Aber gehen wir mal davon aus, dass auch diese Phase irgendwann überstanden sein wird. Nutzen wir also die Zeit, um ein rockendes Live-Programm vorzubereiten.

Im ersten Teil dieser dreiteiligen Workshop-Serie konzentrieren wir uns auf Ableton Live und seine Controller. Wie können wir unsere fertigen Ableton-Produktionen optimal in live spielbare Loops aufbrechen und welche Controller erlauben spielerischen Zugriff auf die Performance-Parameter?

Ein kleiner Exkurs in die jüngere DAW-Geschichte

Ableton Live wurde ursprünglich als reiner Audio-Sequencer mit Fokus auf Live-Acts konzipiert. Automatisches Time-Warping für Audiotracks war Anfang der Nuller Jahre ein Killer-Feature, das gab es nur bei Sony Acid, aber nicht im Rahmen einer vollfunktionalen DAW. Zu Anfang mussten Ableton Producer jedoch ohne Support für Synthesizer und VSTs auskommen: Die MIDI-Funktionalität kam erst mit Ableton Version 4.

Das Live-Performen mit Audioclips wurde Ableton also sozusagen in die Wiege gelegt.

Mittlerweile ist Ableton Live DIE Kreativ-DAW für sehr viele Producer weltweit geworden und dieser Workshop beschreibt, was es zu beachten gilt, wenn wir unsere Ableton Studio-Produktionen für die Live-Performance vorbereiten. Wer mit Logic, Cubase, Bitwig, Fruity Loops oder Reaper produziert, darf trotzdem dabei bleiben: Ableton Live kann auch mit WAV-Files bestückt werden, die aus diesen DAWs herausgerendert wurden und Ableton Live Lite bekommt man mit vielen Controllern mitgeliefert. Und das reicht für einige der hier besprochenen Live-Strategien schon aus.

Vorproduziert vs. live geschraubt

Manche Live-Performer machen es sich einfach: Sie legen ihren Live-Gig als vorproduziertes Arrangement in Ableton Live an und drücken auf Start. Die Mucke läuft von A bis Z durch, hier oder da wird ein Filter bemüht und schmerzverzerrt am Regler eines beliebigen Controllers gedreht, aber Ableton spielt alles genauso ab, wie im Studio vorgeplant. Kann man machen, macht aber keinen Spaß. Weder euch, noch den Zuhörern. Die Energie zwischen Performer und Publikum fließt, wenn Performer ins Risiko geht und Publikum das merkt. Es ist also sinnvoll, seinen Liveact mit haptischen Elementen anzureichern, die visuell nachvollziehbar sind.

Schlagzeuger sind physisch: Sie schlagen auf die Trommel und es macht „bumm“. Elektro-Musiker benötigen für die visuelle Nachvollziehbarkeit ihres Tuns andere optische Elemente, die sich am einfachsten über Controller, Drummachines und Keyboards darstellen lassen.

Live auf der Bühne lege ich Wert auf Flexibilität, um spontan das Arrangement zu beeinflussen. Andererseits möchte ich auch jene Stücke, die sich viele Fans bei meinen Live-Gigs erhoffen, möglichst wiedererkennbar darbieten. Für die Bassline von Marmions „Schöneberg“ muss es dann eben genau dieser FM-Bass-Sound sein und kein schlechterer Ersatz. Für solche Fälle arbeite ich mit Audioclips, die im Studio bereits vorprogrammiert und abgeschmeckt worden sind, so dass es einfach so fett wie möglich klingt. Andere Sounds machen erst richtig Spaß, wenn ich auf der Bühne direkten Einfluss auf den Sound habe. Typische Schraubgeräte sind natürlich die TB-303 oder auch eine Software-Variante wie die ABL3, die einem dedizierten Controller zugewiesen wird.

Aber auch Minimoogs, ob nun als Soft- oder Hardware, rocken live am meisten, wenn man das Publikum mit spontanem Echtzeit-Filtergeschraube und LFO-Gewobble wohldosiert abkochen kann. Auf die richtige Mischung aus charaktervollen Klangerzeugern mit Echtzeitkontrolle und vorprogrammierten Loops mit verlässlicher Soundqualität kommt es also an, denn auf der Bühne will ich nicht sämtliche Tracks neu abmischen müssen. Das Live-Set soll im Normalfall schon so fett klingen, dass ich mit wenigen Veränderungen an EQs und Effekten spektakuläre Soundveränderungen erzielen und mit gezielten Eingriffen in die Songstruktur letztlich einen spontanen Remix erzeugen kann.

Nonlineare Auftritte – ein Plädoyer für die Session-View

Controller wie Ableton Push oder die Novation Launchpads verfügen über eine 8x8-Clip-Matrix, die Akai APCs gar nur über eine 5x8-Matrix und das muss auch reichen.

In der Live-Situation ist es sinnvoll, sich auf wenige klar definierte Kanäle zu beschränken und diese auch auf einen Blick zu sehen, ohne durch mehrere vertikale Pages scrollen zu müssen. Das verwirrt in der Live-Situation nur.

Ich habe in den letzten Jahren mit verschiedensten Kombinationen experimentiert und für mich haben sich mehrere Aufteilungskonzepte bewährt, die ich hier kurz vorstellen möchte.

Die DJ/STEM-Variante

  • Kanal 1: Drums-STEM A
  • Kanal 2: Bass-STEM A
  • Kanal 3: Key-STEM A
  • Kanal 4: Vox+FX-STEM A
  • Kanal 5: Drums - STEM B
  • Kanal 6: Bass-STEM B
  • Kanal 7: Key-STEM B
  • Kanal 8: Vox+FX-STEM B

Hier teile ich die acht Kanäle in zwei identische Vierergruppen auf, so dass ich einen Song analog dem STEMS-Konzept von Native Instruments in vier Subgruppen aufbreche und quasi mit zwei „STEM-Decks“ in der Session View arbeiten kann. Die jeweils vier Stem-Tracks sind als „Deck A und B“ dem Ableton Crossfader zugeordnet. Anders als bei Traktor kann ich leider in Ableton Clips keine Hot-Cues setzen und so teile ich die vorher produzierten Stem-Files in logische Loops oder längere Phrasen, z. B. Intro, Steigerung, Main Hook, Break, Beat-Part, erneute Steigerung, Main Hook 2, Outro. Mit fünf bis acht solcher „Parts“ habe ich auf der Matrix von Controllern wie APC oder Launchpad eine logische Track-Einteilung, die viel Raum für spontane Eingriffe lässt.

So kann die Keyboard-Stem im Hook-Part womöglich eine 32 Takte lange ungeloopte Progression sein, während Bassline und Percussion oft nur eintaktige Loops sind. So stoppt der Keyboard-Teil automatisch, wenn der Clip durchlaufen wurde, während die Bassline noch etwas weiterläuft und dann heruntergefiltert wird, bevor ich die nächste Scene starte.

Um etwas Bewegung in einen Drumloop zu bekommen, kann man auch die ersten acht Takte mit verschiedenen Sounds aufbauen, um dann den neunten Takt zu loopen.

Auch kann ich die Drums oder die Bassline des nächsten Stücks bereits in das Outro des aktuellen Tracks einstarten und spannende Transitions erzeugen, die ein DJ so nicht hinbekommt.

Wie lang die Stems in den einzelnen Scenes sind, ist natürlich ganz der Sportlichkeit des Artists überlassen. Ob nun eine strikte Dreiteilung in Intro – Main – Outro oder möglichst viele Scenes für maximale Remixbarkeit on Stage, dieses Konzept lässt beides zu. Allerdings ist es sinnvoll, sich bereits vorher auf eine Setlist festzulegen, um nicht auf der Suche nach dem nächsten Track durch Hunderte von Scene-Reihen scrollen zu müssen.

Schließlich möchte ich noch auf die mächtigen „Follow Actions“ in den Clips hinweisen, mit denen sehr komplexe Automationen und Zufallsverläufe möglich sind.

In die jeweiligen Kanalzüge setzen wir natürlich die Filter, EQs und Prozessoren unserer Wahl, ebenso in die Send-Effekte. Als Send-Effekte nehme ich stets ein Reverb und ein Delay. Aber das ist natürlich Geschmackssache, ebenso wie deren Anzahl. Hauptsache, alles bleibt übersichtlich. Der Akai APC40-Controller bietet zum Beispiel drei Send-Effekt-Reglersätze und es wäre doch schade, diesen Umstand nicht auszunutzen.

Die DJ/Stem-Variante entspricht am ehesten einer DJ-Performance. Allerdings arbeiten wir hier nur mit starren Audiofiles und wenigen Effekten. Zumindest in der DAW wird an keinem Synthesizer oder Percussion-Instrument geschraubt. Daher hier eine sportlichere Variante.

Die STEMS & More Variante

Kanal 1: MIDI-Bassdrum (z. B. Simpler, Impulse, Drumrack, Maschine, BazzISM)

Kanal 2: MIDI-Drums (z. B. Impulse, Drumrack, Maschine)

Kanal 3: Drum-STEM

Kanal 4: Bass-STEM

Kanal 5: Key-STEM

Kanal 6: Vocal-und-FX-STEM

Kanal 7: MIDI-303-Emulation (z. B. ABL-3)

Kanal 8: MIDI-Synth (z.B. Mini V)

Vereinfacht gesagt liegen hier die oben beschriebenen STEMS alle nur auf einem „Deck“, aber das befindet sich mittig auf den Tracks 3 bis 6. Links und rechts werden die Stem-Tracks von jeweils zwei Tracks mit MIDI-Sounds flankiert. Auf Track 1 befindet sich ein Bassdrum-Plug-in, Track 2 beinhaltet ein Percussion-Instrument wie Maschine, Impulse oder ein Drumrack für weitere MIDI-Beats und Audioeffekte. Auf Track 3 schließlich folgt dann eine abgespeckte Drum-Stem-Spur, weil ja Bassdrum und andere Percussion bereits von den Kanälen 1 und 2 erzeugt werden. Dennoch gibt es in jeder meiner Produktionen perkussive Loops und Noises, die sich nur schwer mit Drummachines reproduzieren lassen. Diese werden dann ohne Bassdrum und MIDI-Percussion als Stems aufgenommen. Auf die Spuren 7 und 8 lege ich MIDI-Synth-Plug-ins, die expressiv spielbar sind, wie beispielsweise das 303-Emulations-Plug-in ABL-3 und den Minimoog als Mini V-Arturia-Plug-in.

Dieses Set ist bereits komplexer als das DJ/STEM-Set, weil wir bis zu acht Spuren im Auge und Ohr behalten müssen. Auch der Crossfader kann nicht zum Cutten zwischen zwei „Stem-Decks“ (aka Tracks 1-4 und 5-8) genutzt werden Andererseits haben wir direkten Zugriff auf die Parameter wichtiger Einzelsounds wie Bassdrum oder Bassline.

Das Drum- und Effekt-Rack

Sounds wie Swoops, Clonks und Drones, die stets wieder in den Tracks auftauchen sollen, gehören in ein Drumrack, das per MIDI getriggert wird, entweder per MIDI-Clip oder auch spontan per Tastatur. Natürlich wäre es auch möglich, Vocal-Samples aus einem Drumrack per MIDI zu triggern. Allerdings müssten wir dann auch alle Samples für unsere Songs in diesem Drumrack organisieren, was auf Dauer unübersichtlicher ist, als mit Audioclips in klar definierten Spuren zu arbeiten. Und wie wir noch später sehen, werden diese Spuren dann auch den Soundkarten oder Mixern so zugeordnet, dass alles schön übersichtlich bleibt und wir uns voll auf die Performance konzentrieren können.

Der Schwachpunkt des STEMS & More-Konzepts ist, dass man auch hier besser eine Set-List vorbereitet, um für die Scenes des nächsten Songs nicht durch Hunderte von Scenes scrollen muss. Und wenn der Laptop abstürzt, ist die Musik – weg. Oooops …

Die Soft & Hard (ware) Variante

Vor ein paar Jahren war mein Live-Setup sehr kompakt und komplett digital: Ableton wurde von einem Akai APC40 kontrolliert, die Native Instruments Maschine Mk.2 lief als unabhängiges Sequencer-Plug-in mit und der Maschine Hardware-Controller bot viele Optionen zur Beatgestaltung.

https://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/native-instruments-maschine-mk2.html

Das ging so lange gut, bis der Laptop bei einem großen Open-Air-Festival abstürzte. Seitdem habe ich immer eine Hardware-Drummachine dabei, die im MIDI-Sync mitläuft und sich um die Basic-Beats kümmert. Zurzeit ist das die Roland TR-8S.

Dazu gesellt sich dann ein kompakter Bass-Sequencer wie meine Roland TB-303 oder neuerdings die Erica Synths Bassline DB-01.

Der Vorteil: Selbst wenn Ableton mal abstürzt, ist noch immer ein Setup aus Klangmaschinen am Start, wenn Ableton nach einem Crash neu gestartet werden muss. On top kann man herrlich damit jammen und spannende Transitions zwischen einzelnen Stem-Sets kreieren.

Da die TR-8S für die „Main Drums“ sorgt, nutze ich als Drum-Stems die abgespeckten Versionen aus der STEMS & More-Variante, ohne Bassdrum, HiHat, Clap und Snare.

Bei dieser Variante haben wir natürlich schon einiges mehr an Technik auf dem Tisch stehen: Neben Laptop und Mixer die Drummachine(s), Bass-Synthesizer und natürlich den einen oder anderen Controller, mit denen wir Ableton auch ohne Maus dirigieren können.

Technik – der Controller

Die Wahl des richtigen Controllers entscheidet über die Qualität unserer Performance und ist wirklich Geschmackssache, denn hier gilt es, den richtigen Kompromiss zwischen direktem Zugriff und kompakter Größe zu finden. Für eine möglichst eng verzahnte Verbindung mit Ableton ist der hauseigene Push-2-Controller eine natürliche erste Wahl.

Ebenfalls von Akai kommt der APC40 Mk.2, der Nachfolger des ersten dedizierten all-in-one Ableton Controllers überhaupt, dem APC40

Die Mark 2-Version ist nicht unbedingt schöner als ihr Vorgänger, aber kompakter, hat RGB-Pads, welche die Clipfarben von Ableton Live wiedergeben und wird mit USB-Power des Computers betrieben. Netzteil vergessen ist kein Problem mehr. Auch praktisch: Mit „Device Lock“ werden die acht Endlosregler der „Device Control“ mit dem aktuell angewählten Plug-in verknüpft, sodass man auch weiter z. B. am Moog-Filter schrauben kann, obwohl bereits ein anderer Kanal angewählt ist. Vor allem aber haben die APC40-Controller Kanal- und Crossfader, was gerade in der Live-Situation im Vergleich zum Push ein echter Vorteil sein kann. Meine persönliche Faustregel lautet: Push zum Produzieren, APC zum Performen.

Soll es noch kompakter sein, bietet sich eine Kombinationslösung an. Zum Schrauben und Drücken beispielsweise die KORG NanoControl-Serie.

Und zum Anwählen der Clips und Scenes dann den Klassiker: das nach wie vor unverwüstliche Novation Launchpad.

Es ist flach, kompakt, kommt mittlerweile in verschiedenen Größen und Ausstattungen und ist ein absolutes Multifunktionstool für Ableton Live.

Etwas exotischer ist das Livid Instruments Base, ein kompakter Controller mit 4x8 Launchpads und neun Touchstrips für Kanallautstärke und mehr

Auf Bonedo findet ihr eine übersichtliche Auflistung der besten Controller für Ableton Live.

Das Audiointerface

Während die meisten Controller für DJ-Software gleich mit internem Audiointerface ausgestattet sind, ist bei Ableton Controllern das Gegenteil der Fall. Wir benötigen also eine externe Soundkarte.

Theoretisch könnten wir sämtliche externe Geräte direkt an die Soundkarte anschließen und „in-the-box“ mixen, wie das wohl die meisten auch tagtäglich im Studio praktizieren.

Allerdings schwebt bei dieser Variante neben der unvermeidlichen Latenz auch immer das Damoklesschwert des Absturzes über dem Live-Act: Selbst wenn man wie empfohlen Hardware-Geräte dabei hat, werden diese nicht unbedingt nach einem Computerabsturz zu hören sein, wenn das Audiointerface keinen Direct-Thru hat.

Also: Gönnt euch einen Hardware-Mixer auf der Bühne, schon allein wegen der besseren Haptik und der überzeugenderen Show. Wenn der Mixer eine interne Soundkarte hat, lässt sich der Eingang meist abgreifen und zurück in die DAW führen, wo er nur aufgenommen, aber nicht erneut auf den Mixerausgang geschickt wird.

Mischpult digital

Mischpulte kann man sich leihen: Fast jeder Club verfügt über aktuelle Pioneer oder Allen & Heath DJ-Mixer mit eingebauter Soundkarte. Wenn ihr einen Mixer wie beispielsweise den DJM-900NXS2 bereits von euren DJ-Gigs in- und auswendig kennt und euch die vier Kanäle, die Klangqualität und die internen Effektoptionen für die Performance genügen, lasst euch einfach einen für den Gig stellen, verbindet euren Laptop mit einem USB-Kabel und ordnet die Tracks den einzelnen Kanälen zu.

Dieser Mixer sollte nur euch zur Verfügung stehen und nicht noch von anderen DJs oder Liveacts genutzt werden. Glaubt mir: Chaos wäre vorprogrammiert.

Wichtig: Ihr benötigt für viele Mixer einen Treiber, den ihr euch unbedingt vorher installieren solltet.

Behaltet einen aktuellen Treiber-Installer für potenzielle Mietmixer auf eurem Performance-Rechner für den zugegebenermaßen sehr seltenen Fall, dass der installierte Treiber crasht.

Ich habe mit DJM-900NXS2 und seinem Vorgänger DJM-900NXS und Ableton schon einige Live-Gigs absolviert.

Bei der STEM/DJ-Variante sah das Routing wie folgt aus:

  • Kanal 1: Drums
  • Kanal 2: Bass
  • Kanal 3: Keys
  • Kanal 4: SFX & Vocals

Dazu habe ich auch den Mikrofoneingang genutzt und die Beat-FX-Unit meist exklusiv auf das Mikro geroutet. Die Color-FX standen dann für die Kanäle zur Verfügung. Wenn neben den Sounds vom Laptop noch Hardware am Start ist, kann es an einem DJ-Mixer auch schon schnell mal eng werden und ihr müsst entscheiden, welche Instrumentengruppen zusammengelegt werden dürfen. In jedem Fall muss das Latenzproblem geklärt werden, wenn Drummachines oder Bass-Sequencer per MIDI-Sync mitlaufen. Um die Latenz der Soundkarte korrekt einzustellen, liefert Ableton seit Jahrzehnten ein Treiberfehler-Kompensations-Set mit, das in der Hilfe-Ansicht unter „Audio Ein-/Ausgabe Seite 8 > Treiberfehler-Kompensation“ abrufbar ist. Dann nur noch in den MIDI-Präferenzen die korrekte MIDI-Clock-Sync-Verzögerung einstellen, bis der Fuhrpark synchron läuft und los geht’s.

Auch der Allen & Heath Xone:96 steht in den meisten größeren Clubs oder über einen Verleiher zur Verfügung und eignet sich hervorragend als Mixer für hybride Live-Sets mit Laptop und Hardware-Instrumenten.

Die beiden Extrakanalzüge sind perfekt geeignet, um eine zusätzliche Drummachine oder ein Mikrofon anzuschließen und die sahnigen Filter klingen schöner als beim Pioneer. Für Acts, die vieles Filtern und keine Onboard-Effekte benötigen, wahrscheinlich die bessere Wahl.

Ein Digitalpult

... mit interessanten Extra-Funktionen ist das Roland AIRA MX-1. Eigentlich ist es mit seinem synchronisierbaren Effekt-Step-Sequencer fast schon ein „Groove-Effekt“. Bis zu vier AIRA-Geräte, aber auch wenigstens ein Roland Boutique-Synth können an vier USB-Kanäle angeschlossen werden, wobei einer der USB-Ports auch Buspower sendet (z. B. für den Boutique-Synth oder die TB-3). Ohne angeschlossene AIRAs stehen in Ableton insgesamt sechs zuweisbare Stereokanäle mit Volume-Fader und Gain zur Verfügung. Leider bietet das MX-1 nur sehr rudimentäre One-Knob-Preset-Equalizer an, echtes EQ-Tweaking geht damit nicht. In jedem Fall sollte die amtliche Abmischung bereits vorher im Studio erfolgt sein, egal ob ihr Ableton als Clipschleuder oder mit Plug-in-Instrumenten nutzt, denn die Bühnenmonitore stellen keine optimale Abhöre dar.

Ein kompakter Geheimtipp

... ist nach wie vor der Keith McMillen K-Mix. Nach etwas Einarbeitungszeit lernt man den kleinen Mixer sehr schnell als superflexible Audioschaltzentrale schätzen, auch wenn der Zugriff nicht ganz so direkt ist wie bei Mixern mit „richtigen“ Potis und Fadern.

Schließlich noch der Hinweis auf „richtige“ Bühnenmixer. Hier benötigt ihr eine eigene Soundkarte, habt aber direkten Zugriff auf Lautstärke, Panorama und EQs. Wenn ihr viele Hardware-Geräte mitbringt, ist dies oft immer noch die beste Wahl. Seit vielen Jahren haben sich Mackie-Mixer bewährt, exemplarisch sei hier der kompakte Mackie 1202VLZ mit je vier Mono- und Stereokanälen genannt, den es mittlerweile in der vierten Generation gibt. Mein originaler 1204VLZ aus den frühen Neunzigern funktioniert immer noch einwandfrei und ist immer dann dabei, wenn ich nur mit Hardware-Geräten performe.

Live-Vocals

Wenn ihr nur hier und da eine Ansage machen wollt oder lediglich Effekt-Vocals einsetzt, reicht der Mikrofoneingang am Performance-Mischpult eigentlich völlig aus. Spielt ihr mit richtigem Gesang auf der Bühne, müsst ihr Vorkehrungen gegen Feedback und für besseres Monitoring treffen, damit sich die Sängerin oder der Sänger auch optimal hören kann. In-Ear-Monitoring sollte hier der Weg sein.

Auf Bonedo findet ihr viele Tipps und Trick zum Thema:

In-Ear-Monitoring: Tipps zum Umstieg auf In-Ear-System

In-Ear-Monitoring on stage: ein Langzeiterfahrungsbericht

In-Ear-Monitoring auf kleinen Bühnen

Außerdem sollten Live-Lead-Vocals in größeren Locations möglichst vom FOH-Desk gemischt werden, um gezielt störende Frequenzen zu eliminieren, was einen zusätzlichen Tontechniker erfordert.

Der Laptop

Mit acht Tracks und einer überschaubaren Anzahl an Plug-ins werden keine großen Anforderungen an den Live-Laptop gestellt. Es muss also nicht unbedingt das neueste und schnellste Modell sein, der abgelegte alte Laptop reicht häufig völlig aus, zumal eine schwitzige Bühne kein guter Ort für den teuren Haupt-Laptop ist.

STEM-Recording und Live-Set-Erstellung

Die verschiedenen Stems für diese Anwendungen erstelle ich in eigens dafür angelegten Subgruppen in Ableton Live. Bereits in der Produktionsphase ordne ich die einzelnen Spuren vier Bus-Tracks zu, die zunächst lediglich als Monitorkanäle dienen: DRUMS, BASS, KEYS und PADS-VOX-FX. Diese sind auf den Master geroutet. Wenn die Produktion steht, werden die Stems zusammen mit dem Stereo-Mix aufgenommen und können danach beispielsweise zum Mastering-Engineer für das Stem-Mastering geschickt, in Traktor-STEMS umgewandelt oder eben für die Live-Performance aufbereitet werden. Für die abgespeckteren Drum-Stems bounce ich die Drums noch einmal mit gemuteter Bassdrum und Drums, wenn diese wie bei unserer „STEMS & More-Variante“ von einer externen Drummachine oder einem internem Ableton Drum-Rack kommen.

Als nächstes speichere ich das Projekt in den Live-Performance-Folder auf meinem Computer und lösche alle nicht relevanten Spuren, also fast alle.

Übrig bleiben die Stem-Tracks und die MIDI-Spuren für Bassdrum und Drums, Bassline und Moog. Nun definiere ich im Track logische Cue-Punkte, markiere die Parts und exportiere diese in die Session View. Einerseits geht das sehr einfach mit dem Befehl „Zeit zu neuer Szene konsolidieren“ im „Erzeugen“-Menü. Allerdings konsolidiert man hier möglicherweise auch sehr lange Drumparts, wo evtl. ein eintaktiger Loop ausreichen würde und weiterhin werden beim Konsolidieren ja bekanntlich die neu entstandenen Audiofiles normalisiert und im Gain angepasst. Das kann zu völlig unterschiedlichen Gain-Settings führen. Wer diese beiden Phänomene vermeiden möchte, schneidet die Stem-Clips im Arrangement und bringt sie mit dem Befehl „Sample stutzen“ im Clip-Kontext-Menü auf die gewünschte Länge. Der Vorteil: Die Gain-Struktur der Clips aus einem kompletten Stem-Clip bleibt ebenso erhalten wie der gewählte Warp-Algorithmus. Wenn sich der neue Clip wiederholen soll, muss jedoch „Loop“ aktiviert und der Loop-Bereich nachjustiert werden.

Nach ein wenig Planung und Handarbeit habe ich am Ende dann eine Matrix mit maximal acht Scenes in der Session View vorliegen.

Dieses Ableton Live Arrangement speichere ich self-contained in einen speziellen Folder und lade mein Liveplay-Arrangement. In dieses kann ich nun alle benötigten Spuren aus der gerade erstellten neuen Live-Version über den Ableton Browser in das Haupt-Projekt ziehen, die Clips den entsprechenden Live-Kanälen zuordnen und die gerade importieren und jetzt leeren Tracks wieder löschen. 

Die Ableton Scenes haben ein ganz spezielles Feature, das manchmal nützlich sein kann: Wenn man sie mit einer BPM-Zahl benennt, z. B. „128 bpm“, dann spielt Ableton die gesamte Clipreihe der Scene auf ebenjener Geschwindigkeit ab. Eine Supersache, um in jedem Song klare BPM-Verhältnisse zu haben oder nach BPM-Veränderungen wieder auf eine definierte Geschwindigkeit zu kommen.

Abletons Scenes sind elementare Werkzeuge für Live-Auftritte, denn hier können wir immer wieder alle Clips einer Reihe von vorne starten. Die Clips selbst können natürlich verschiedene Längen haben. 

Ich hoffe, ich konnte euch hier ein paar Anregungen geben. Wie bereitet ihr euch auf Ableton Live Gigs vor? Ich freue mich auf eure Kommentare.

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