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Test
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01.08.2013

Korg volca bass Test

Analoger Bass-Synthesizer mit Sequencer

Vielseitiger Blubber-Zwerg

Als Spezialist für die tiefen Töne gesellt sich der Korg volca bass zu seinen Kollegen volca beats und volca keys. Der analoge Bass-Synthesizer im Taschenformat ruft mit seinem Step-Sequencer sofort eine gewichtige Assoziation auf den Plan: Da gab es doch in den frühen Achtzigern mal diesen Bass-Synth von Roland, der ganze Genres der elektronischen Musik prägte und um den sich heute noch alle reißen!

Und tatsächlich scheint der volca bass auf den ersten Blick ziemlich genau in die 303-Kerbe zu schlagen. Bei genauerem Hinsehen wird aber schnell klar, dass wir es keineswegs mit einem reinen Klon(-Versuch) zu tun haben: Mit seinen drei Oszillatoren unterscheidet sich der volca nämlich schon in der Grundstruktur deutlich von der TB-303. Wenn er gut klingt und die klassischen Zwitscher-Patterns einigermaßen hinbekommt, dürfte er aber zum famosen Preis von knapp 140 Euro auch unter den Acid-Jüngern viele Fans gewinnen. Das ist nämlich nicht mal ein Zehntel dessen, was man derzeit auf dem Gebrauchtmarkt für eine funktionierende, 30 Jahre alte TB-303 hinblättern muss, nur um das mal ins (groteske) Verhältnis zu setzen! Mindestens ebenso gespannt sind wir aber auf den eigenständigen Charakter des volca bass und darauf, was er sonst noch so drauf hat. Also los!

Details

Konzept und Klangerzeugung

Das Konzept ist schnell erfasst: Der volca bass ist ein analoger (Bass-)Synthesizer mit einem integrierten Sequencer mit 16 Steps. Über einige Potis kann man unkompliziert und in Echtzeit am Sound schrauben. Per Analog-Sync lässt sich der volca bass mit den anderen volcas oder beispielsweise einem Korg Monotribe synchronisieren. Spannend wird es bei der Struktur der Klangerzeugung, denn da hat der volca bass eine echte Überraschung im Gepäck. Zunächst einmal besitzt er drei Oszillatoren, die jeweils Sägezahn oder Rechteck liefern können, ein analoges 12dB-Tiefpassfilter, einen LFO (Dreieck, Rechteck) und eine einfache Hüllkurve mit Reglern für Attack und Decay/Release sowie schaltbarem Sustain. So weit, so gut.

Aber ist er nun monophon, wie es in vielen Ankündigungen heißt? Nicht ganz, und damit sind wir bei einem der spannendsten Features des Synths: Die drei Oszillatoren können in verschiedenen Kombinationen gemeinsam oder unabhängig voneinander gespielt werden. Natürlich kann man alle drei gemeinsam ansteuern und gegeneinander verstimmen, um einen fetten Unisono-Sound zu bekommen. Es ist aber auch möglich, die drei VCOs mit unterschiedlichen Sequenzen zu steuern, wodurch auch polyphone Akkordpatterns, Kombinationen von Bass und Lead oder dergleichen machbar sind. Den volca bass über eine Tastatur (intern oder extern) polyphon zu spielen, geht hingegen nicht – die getrennte Ansteuerung funktioniert ausschließlich über den internen Sequencer. Es handelt sich also um eine etwas eigenwillige Mischform zwischen monophon und polyphon. Der volca bass ist nichts davon wirklich, aber ein bisschen von beidem. Was man damit in der Praxis so alles anstellen kann, werden wir später natürlich genau untersuchen.

Äußerlichkeiten

Wie die anderen volcas steckt der bass in einem schwarzen Kunststoffgehäuse mit Alu-Panel, das in seinem Fall silbern glänzt. Das obere Viertel des Bedienfelds beherbergt den Netzschalter und die Anschlüsse. Neben einer Buchse für das optional erhältliche Netzteil findet man hier einen Kopfhörerausgang (Miniklinke) und zwei Sync-Buchsen (In/Out, ebenfalls Miniklinke). Daneben hat ein MIDI-In Platz gefunden, über den sich der volca bass via MIDI ansteuern und zu einer MIDI-Clock synchronisieren lässt. Dazwischen haben die Entwickler vier Potis für das Tempo und die Hüllkurve gequetscht. Der mittlere Bereich bietet über eine Reihe von Potis Zugriff auf die Klangerzeugung. Die wichtigsten Regler sind mit größeren Kappen ausgestattet, während sich andere mit nackten Potiachsen wie beim Monotron begnügen müssen. Diese sind dafür transparent und effektvoll von unten beleuchtet. Von links nach rechts findet man hier Potis für die Oktave (1-6), die Filterresonanz (Peak), Cutoff, LFO Rate, LFO Intensität, Pitch für alle drei Oszillatoren sowie die Gesamtlautstärke. Die Potis fühlen sich leider etwas fragil an – unterwegs sollte man den volca bass zu ihrem Schutz unbedingt in eine Tasche oder Schachtel stecken. Leider wird keine passende Hülle mitgeliefert.

Das vierstellige LED-Display dient hauptsächlich dazu, den jeweiligen Betriebszustand und das Tempo anzuzeigen. Rechts daneben folgt eine Reihe von Tastern für die Programmierung und Bedienung des Sequencers sowie die Auswahl des zu bearbeitenden Oszillators. Auch ein „FUNC“-Button befindet sich hier, über den man die Zweitfunktionen zahlreicher Taster erreicht. I feel FUNCy!

Im unteren Bereich befindet sich eine Art Touch-“Tastatur“ mit 16 „Tasten“. Darüber kann man den volca bass live spielen, wobei das Treffen der einzelnen Tasten etwas Fingerspitzengefühl erfordert. Gleichzeitig dienen die Tasten im Step-Eingabemodus als Step-Taster sowie in Verbindung mit dem Function-Button als Schalter für diverse Parameter. Es gibt keine spürbare Abgrenzung zwischen ihnen, wodurch man quer über die Tastatur wischen und auf diese Weise zum Beispiel viele Steps gemeinsam aktivieren kann. Für jeden Step gibt es zwei LEDs, die nicht nur Auskunft über die Sequencer-Steps geben, sondern auch den Status verschiedener Funktionen anzeigen.

An der Unterseite des volca bass befindet sich ein kleiner Lautsprecher, der vielleicht das „Spielzeugmäßigste“ an diesem Instrument ist. Der Speaker ist praktisch, um im Tourbus mit dem neuesten Pattern anzugeben, quäkt aber zu sehr, als das man ihn wirklich gebrauchen könnte, vor allem bei einem Bass-Synth. Daneben liegt das Fach für die sechs mitgelieferten AA-Batterien, deren Laufzeit Korg mit etwa zehn Stunden angibt. Beim Einschalten des volca bass wird der Zustand der Batterien von den Step-LEDs angezeigt – super! Ein Netzteil ist leider nicht dabei, kann aber als Zubehör erworben werden. Hier wird deutlich, dass die volcas ausdrücklich zum Mitnehmen gedacht sind.

Im Lieferumfang befindet sich außerdem ein kurzes Sync-Kabel, mit dem der volca bass zum Beispiel mit einem anderen volca oder einem Monotribe verbunden werden kann. Die Bedienungsanleitung ist vom Format her ein Witz – wenn man das winzig bedruckte Faltblatt einmal ausgebreitet hat, informiert es aber kurz, treffend und verständlich über alle Funktionen. Nicht lange lesen, sondern ausprobieren!

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