Hersteller_Korg
Test
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15.01.2018

Praxis

Klang

In der Standardversion bietet das Pa700 mehr als 1.700 Klangfarben, in der Oriental-Version sind es sogar über 1.850. Damit ist wirklich für alles gesorgt. Die Basis der 128-stimmigen Klangerzeugung ist die EDS-X Engine, wie sie auch beim Pa4X zum Einsatz kommt. Das Paradestück ist der Flügelklang „Concert Grand“, der neben zahlreichen Dynamikstufen über Dämpfer- und Gehäuseresonanzen verfügt und es durchaus mit aktuellen Digital- und Stagepianos aufnehmen kann. Aber auch die anderen Klänge des Pa700 haben einen durchweg sehr guten Eindruck hinterlassen. Hervorzuheben sind die zahlreichen DNC-Klänge, die sich mit verschiedenen Instrumenten-typischen Spielweisen, die über die drei dafür vorgesehenen Buttons aktiviert werden, sehr ausdrucksstark spielen lassen. Auch die Simulation einer Zugriegelorgel macht einen guten Eindruck und ermöglicht authentische Orgelsounds, obwohl sich bei der etwas fummeligen Bedienung der Drawbars über das Display kein wirkliches Orgelfeeling einstellen mag. Aber man kann sich einen individuellen Orgelsound mit den typischen Effekten basteln und diesen beim Spielen in Echtzeit beeinflussen. Im Synthesizer-Bereich überzeugt das Pa700 mit zahlreichen aktuellen Sounds, die eine stilechte Darbietung moderner Hits ermöglichen.

Wem der interne Klangvorrat nicht reicht, der kann den Sample-Speicher nutzen, um eigene Sounds zu laden. Neben dem proprietären KORG-Format lädt das Pa700 Samples in den Formaten WAV, AIFF und SoundFont. Samples können direkt am Instrument bearbeitet und zu Multisamples zusammengesetzt  oder als Drumsamples verwendet werden. Der 128 MB große Speicher arbeitet mit einer Datenkompression; laut Korg entspricht die Kapazität etwa 256 MB linearem Sample-Material. Viel Platz ist das trotzdem nicht; hier möchte Korg wohl dem Pa4X keine interne Konkurrenz machen. Wer viel mit eigenen Sample-Sounds arbeitet, wird auch weiterhin zum Flaggschiff greifen müssen.

Die gut klingende Effektsektion hat einen großen Anteil am sehr guten Grundsound des Pa700. Für die Keyboard-Parts stehen ein Insert- und zwei Master-Effekte mit jeweils 148 Effekttypen zur Verfügung. Zwei weitere Inserts und zwei Master-Effekte sind für die Style- bzw. Song-Wiedergabe reserviert. Schließlich gibt es noch einen Limiter und einen Master EQ, mit denen sich das Gesamt-Ausgangssignal beeinflussen lässt, und gesonderte Effekte für den Mikrofon- bzw. Gitarreneingang. Damit ist man für die üblichen Anforderungen eines Auftritts bestens gerüstet.

Begleitautomatik

Die guten Klänge des Pa700 machen sich auch bei der Style-Wiedergabe bemerkbar. Der Arranger hat einen druckvollen, lebendigen Grundsound und die meisten Styles sind sehr stilsicher programmiert. Vor allem die knackigen Drums und die inzwischen wirklich sehr gut umgesetzten Gitarrenparts sind maßgeblich für den guten Sound der Begleitautomatik verantwortlich. Noch vor wenigen Jahren musste man sich fast schämen, einen Rocksong auf einem Arranger-Keyboard zu intonieren – mittlerweile klingen die Gitarren so gut, dass man sich das durchaus guten Gewissens erlauben kann. Auch für moderne Dance-Tracks hält das Pa700 viele frische Styles bereit, wobei sich die angesagten Stile in diesem Bereich so schnell ändern, dass man auf Dauer nicht darum herumkommen wird, aktuelle Styles für die neuesten Hits nachzuladen.

Viele Styles lassen schon am Namen erkennen, welcher Hit bei der Programmierung Pate stand. Der entsprechende Song lässt sich dann sehr authentisch interpretieren, andererseits sind diese Styles oftmals zu speziell, um sie auch für andere Titel einsetzen zu können. Bei 370 Werks-Styles (520 in der Oriental-Version) geht dem Pa700 aber nicht so schnell die Puste aus, und wer das Gesuchte nicht findet, kann Styles nachladen, in allen Details editieren oder komplett selbst erstellen und auf 1152 Benutzer-Speicherplätzen ablegen. Zusätzlich gibt es wie beim Pa4X eine Funktion, die aus einer MIDI-Datei einen Style erzeugen kann, wobei das Ergebnis hier stark von der Qualität des verwendeten MIDI-Files abhängt.

Jeder Style verfügt über drei Intros, vier Variationen, vier Fill-Ins, einen Break und drei Endings. Außerdem gibt es zu jedem Style vier vorbereitete Keyboard-Sets, die sich auf Wunsch mit den Variationen umschalten lassen. Die Funktionen Bass Inversion, Manual Bass und Accompaniment Mute erhöhen die Flexibilität des Arrangers zusätzlich. Sehr praktisch ist auch der Chord Sequencer, mit dem man eine Akkordfolge aufzeichnen und wiederholen lassen kann, um dann beide Hände zum Solieren frei zu haben. Akkordsequenzen lassen sich in Styles und Songbook-Einträgen speichern, damit man sie nicht jedes Mal neu aufzeichnen muss.

Song-Player und Recorder

Der Song-Player des Pa700 spielt MIDI- und MP3-Songs aus dem internen Speicher, von einem USB-Stick oder von einer SD-Karte ab. Die lesbaren Dateiformate sind MID, KAR, MP3+Lyrics und MP3+G. Sofern die betreffende Datei diese enthält, können Lyrics und/oder Akkorde angezeigt werden. Auch TXT- und CDG-Dateien werden vom Pa700 gelesen. Bei der MIDI-Wiedergabe lassen sich Tempo und Transposition einstellen und auch MP3-Songs können in gewissen Grenzen in Tonhöhe und Tempo justiert werden, was aber naturgemäß zu Qualitätseinbußen führt. Selbstverständlich kann man zur Song-Wiedergabe auf dem Keyboard spielen, wobei es immer wieder praktisch ist, das Verhältnis zwischen dem Song und den Live-Parts mit dem Balance-Drehregler im Handumdrehen anpassen zu können.

Mit dem umfangreich ausgestatteten MIDI-Sequenzer mit 16 Spuren kann man eigene MIDI-Songs erstellen. Dafür stehen verschiedene Aufnahme-Modi zur Verfügung. Im Multitrack-Modus lassen sich alle 16 Spuren einzeln nacheinander aufnehmen, wobei auch ein Step-Verfahren angewendet werden kann. Der einfachere Modus „Backing Sequence“ erlaubt es, die Melodiestimme und einen Style aufzuzeichnen. In beiden Modi können die KAOSS-Effekte mit aufgenommen werden. Songs lassen sich detailliert bearbeiten, bis hin zur Bearbeitung einzelner Noten auf der Event-Ebene. Obwohl das über den Touchscreen recht flott von der Hand geht, reicht der Komfort beim Editieren aber natürlich nicht an eine DAW heran.

Außerdem gibt es einen MP3-Recorder, der nicht nur das Ausgangssignal des Keyboards (Songs, Styles und Sounds inkl. KAOSS-Effekte) aufzeichnet, sondern auch die Signale vom Audioeingang. Sowohl die Gitarren- als auch die Gesangseffekte werden mit aufgezeichnet, sodass es durchaus möglich ist, ohne Zuhilfenahme von weiteren Gerätschaften komplette Audio-Demos zu produzieren. Indem man einen aufgenommenen MP3-Song vom Player abspielen lässt und erneut dazu spielt bzw. singt, lassen sich auch Overdubs erstellen. Das Handbuch weist jedoch richtigerweise darauf hin, dass dabei die Qualität nachlässt, weil eine komprimierte Audiodatei erneut komprimiert wird. Für derartige Aufgaben sollte man also besser auf eine DAW zurückgreifen.

Songbook und Setlist

Das Songbook ist ein unersetzlicher Helfer bei der Organisation der persönlichen Einstellungen für das gesamte Repertoire. Komplette Registrierungen inkl. Styles, Keyboard Sets, Effekte, MIDI- oder MP3-Songs, Pad-Phrasen, Tempo und Transposition etc. lassen sich als Songbook-Einträge speichern und dann anhand verschiedener Kriterien sortieren, filtern und beim Auftritt schnell wiederfinden. Ab Werk liegen bereits Hunderte Einträge für diverse alte und neue Hits im Speicher, die einen guten Startpunkt bilden und oftmals tatsächlich recht authentisch klingen. 

Neu in dieser Klasse ist die Setlisten-Funktion, die sich an der gleichnamigen Funktion des KRONOS orientiert und beim Pa4X erstmals Einzug in die Pa-Serie gehalten hatte. Songbook-Einträge lassen sich in Setlisten sortieren, um schnell die Einstellung für den nächsten Song parat zu haben. Jeweils neun Einträge einer Setlist können über die Keyboard-Set-Taster direkt angewählt werden, außerdem kann man natürlich im Display eine Auswahl treffen und durch die Setliste blättern. Das ist ein sehr praktisches Feature, das die Vorbereitung von Auftritten enorm erleichtert und auf der Bühne die Pausen kurz hält.

KAOSS-Effekte

Mit dem 1999 erstmals vorgestellten KAOSS Pad ist Korg ein moderner Effektklassiker gelungen, der bei Keyboardern, Produzenten und DJs gleichermaßen beliebt ist. Seit dem Betriebssystem-Update 2.0 ist auch der Pa4X mit den Touchpad-Effekten ausgestattet, und nun gibt es sie auch im Pa700. Grundsätzlich stehen zwei Typen von KAOSS-Effekten zur Verfügung. Mit den „Transformation“-Effekten lassen sich Styles und Songs während der Wiedergabe in Echtzeit „verbiegen“. So ist beispielsweise ein Morphen zwischen Variationen oder Drumkits per Fingerstreich möglich, was zu interessanten rhythmischen Ergebnissen führen kann und bei geschicktem Einsatz eine sehr lebendige Performance erlaubt. „Arpeggiator“-Effekte beziehen sich auf die in der Upper-Zone gespielten Noten und lassen variantenreiche und in Echtzeit beeinflussbare Arpeggios entstehen. Außerdem gibt es noch einen Bandecho-Effekt, der sich über das Pad modulieren lässt. Am meisten Spaß machen die KAOSS-Effekte bei modernen Dance-Tracks, wo sie tatsächlich etwas DJ-Feeling aufkommen lassen.

Zum Wesen der KAOSS-Effekte gehört, dass man nicht immer ganz genau planen bzw. vorhersagen kann, was genau passieren wird. Inwieweit das im Entertainer-Alltag praktikabel ist, muss jeder selbst entscheiden. Fest steht: Wer sich traut, den Dingen ihren Lauf zu lassen und seine Performances mit einem gewissen Überraschungsmoment zu würzen, findet in den KAOSS-Effekten ein mächtiges, inspirierendes Werkzeug, das immer wieder zu neuen, unerwarteten Ergebnissen führt.

Tipp: Mehr zur Funktionsweise der KAOSS-Effekte und einige Beispiele findet ihr in unserem Workshop Korg Pa4X-Serie OS 2.0 #2: KAOSS-Funktion. Da die Funktion beim Pa700 identisch mit der des Pa4X ist, lassen sich die Beispiele auch auf dieses Modell anwenden – wie übrigens auch viele andere Inhalte dieser Workshop-Reihe.

Gitarren- und Gesangseffekte

An die linke Buchse des Stereo-Audioeingangs kann wahlweise ein dynamisches Mikrofon oder eine E-Gitarre bzw. ein E-Bass angeschlossen werden. Als Stereo-Eingang steht der Input dann natürlich nicht mehr zur Verfügung. Für Gesang und Gitarre bietet das Pa700 jeweils einen eigenen Effektweg. Die Gesangseffekte umfassen einen 3-Band-EQ, einen Kompressor und ein Gate sowie einen Prozessor mit verschiedenen Hallräumen, Modulationseffekten und Delays. Nicht enthalten ist allerdings der TC Helicon Voice Processor aus dem Pa4X – dieser bleibt für's Erste dem Flaggschiff vorbehalten. Gitarristen dürfen sich über mehrere Amp-Simulationen und die ganze Palette von Bodeneffekten wie Distortion, Delays und Modulationseffekte freuen. In beiden Bereichen gibt es etliche Presets und je 64 Speicherplätze für eigene Kreationen. Die Effekteinstellungen für Gesang oder Gitarre lassen sich zudem mit Songbook-Einträgen sichern. Die Effekte klingen sehr gut und ermöglichen es in vielen Fällen, auf externes Equipment zu verzichten. 

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