Hersteller_Korg
Test
3
06.08.2009

Praxis

Die M50 hat jede Menge Sounds an Bord:

512 Combisounds
640 Programs
48   Drumkits / 1077 Drumsamples
256 GM Sounds


Alle Sounds sind in Bänken „A bis E“ a 127 Sounds verteilt und über die Instrumentenkategorien einfach aufzufinden und auszuwählen:

Keyboard
Organ
Bell / Mallet
Strings
Vocal/ Airy
Woodwinds
Guitar/ Synth Bass
Slow Synth
Fast Synth
Lead Synth
Motion Synth
SFX
Short Decay/ Hits
Drums



Hören wir doch mal in ein paar Kategorien rein.

In der Kategorie „Keyboard“ findet sich auf dem ersten Speicherplatz der neue Klaviersound von Korg. Dieser wird firmenseitig,  „...auf Grund seines auf drei über den Anschlag wählbaren Stereo Samples und jeweils einem extra Sample für die Dämpfersimulation.“  , besonders hervor gehoben.

Der Klang an und für sich ist sehr authentisch und schön geworden, was in der Vergangenheit bei Korg leider nicht immer der Fall war. Am Rande offenbart sich jedoch ein Manko der „kleinen“ Workstation: insgesamt stehen den anspruchsvollen Grand Piano Samples 80 Stimmen zur Verfügung. Diese sind durch das hohe, gleichzeitige Sampleaufkommen jedoch schnell aufgebraucht. Insbesondere dann, wenn man auch ein Sustain Pedal benutzt, was für anspruchvolles Klavierspiel natürlich unerlässlich ist!

Greift man zur nächst größeren Workstation von Korg, der M3, bekommt man zum Preis von 3800 €, neben anderen Features, auch sofort 120 Stimmen geliefert. Ein VW Golf hat eben auch weniger Raum als ein Passat, aber deswegen muss er nicht schlecht sein. Der Klaviersound ist sehr gut, aber wenn man in die Vollen greift, geht das Klangerlebnis auch schnell in die Knie. Das äußert sich in Form des allseits bekannten „Stimmenklau“ Effektes, wobei, wie auch in meinem Soundbeispiel, die Bässe als erstes dran glauben müssen. Dies kann natürlich auch bei komplexeren Combi-Klängen zu einem Problem werden, nutzt man die volle Bandbreite von 16 Instrumenten gleichzeitig.

Die E-Piano Sounds klingen allesamt etwas nach dem Charme der 80er Jahre, nach der Zeit, in der das Monopol für synthetische Pianoklänge in Fernost lag. Heutzutage sind diese Klänge zwar mehr Kult als „Cutting Edge“, gehören aber auch ins Repertoire einer Workstation mit  ganzheitlichem Anspruch. Zeitgemäße, authentische Rhodes-Sounds suche ich in der M50 jedoch leider vergeblich. Vielmehr werden hier mit Effekten aufpolierte E-Piano Klänge geboten, die für sich genommen gut sind und in einer modernen Tanzkapelle sicherlich reichlichen Einsatz finden. Das meine ich ganz ohne Polemik! Unter diesem Aspekt gesehen, sind die E-Piano Sounds einwandfrei und hochwertig.

Am Beispiel der Orgelklänge läßt sich sehr schön darstellen, wie die Philosophien des Instrumentenbaus auseinander gehen. Kommt es dem einen auf eine möglichst authentische, genaue Simulation der klassischen Orgelmodelle und deren Bedienungsarchitektur an, setzt der andere auf eine Fülle von Presets, die alle etwas klingen wie die Originale, aber keiner so richtig. Da ich eher ein Anhänger erstgenannter Philosophie bin, will bei mir an dieser Stelle keine ausgelassene Freude aufkommen.

Streicherklänge sind oft Geschmacksache. Die Korg Strings Library muss man mögen. Für meinen Geschmack sind die meisten Presets ein wenig zu höhenlastig programmiert. Korg liefert auch in dieser Kategorie eine üppige Anzahl von Streicherklängen, die jedoch oft ähnlich klingen. Aber ich sitze ja vor einer Workstation, die mehr kann als Presets abfeuern. Wer konkrete Soundvorstellungen hat, kann und soll hier Hand anlegen und selber basteln!

Für Layersounds gibt es die Kategorien Slow Synth und Motionsynth. Wenn auch das Verwechslungspotential hier groß ist, gehören diese Sounds eindeutig zu den Stärken der M50: schöne, interessante Trance-Klänge und viele butterweiche Padsounds!

Es ist natürlich im Rahmen eines Tests nicht möglich, auf jede einzelne Kategorie und erst recht nicht auf alle Sounds einzugehen. Fakt jedoch ist, dass das Soundangebot des M50 sehr groß ist und die Qualität der Klänge von „ambitioniert“ bis „sehr gut“ reicht.

 

 

 

Die Stärken liegen meines Erachtens bei den Flächen und Synthsounds. Aber das ist vielleicht auch einfach eine Geschmacksfrage.

Der Filmkomponist der leichteren Muse oder auch ein Schlagerproduzent wird im Soundangebot in Verbindung mit den voreingestellten Arpeggio und Drumsequenzen fündig werden. Bei den Natur- und Gitarren- Sounds wird es für meinen Geschmack kritisch, aber das trifft genau so auf die Klänge der Konkurrenz zu. Diese Sounds gehen leider nur als Klischee durch.

Effekte
Bei dem Angebot an Effekten und Verschaltungsmöglichkeiten, bleiben bei Korg´s M50 keine Wünsche offen. Die Workstation ermöglicht fünf Insert Effekte und zwei Mastereffekte nebst so genanntem „Total Effect“ und einer 3-Band EQ Einstellung je Program. Im Combi Modus wird der Kuchen dann aber unter der Anzahl der eingebundenen Sounds aufgeteilt, was natürlich, je nach Komplexität des Multisounds, zu Abstrichen führt. Da klingt ein aus dem „Program Modus“ stammender Sound mitunter nicht ganz so fett, wie er werksseitig einmal erstellt wurde. Aber das kann man nicht als Makel werten.

Um diesen Umstand zu mildern ist es auf der Effektpage des jeweiligen Combi Sounds möglich, den Insert Effekt eines bestimmten Programms 1:1 zu kopieren. Hier darf der User viele Stunden am gewünschten Effekt werkeln, bis auch der letzte Parameter den Vorstellungen entspricht - die nötigen Vorkenntnisse in Sachen Effekteinstellungen vorausgesetzt. Insgesamt stehen 170 verschiedene Effekte zur Verfügung, die allesamt als Insert-, Master-, oder Total Effekt (TFX) nutzbar sind. 

Die Effekte klingen zum überwiegenden Teil hochwertig. Enttäuscht bin ich allerdings von der Umsetzung der „Programmpunkte“ Verzerrung und Overdrive. Sie klingen einfach nicht schön, wie das Beispiel unten zeigt. Aber auch bei den meisten anderen Herstellern überzeugt dieser Effekt oft nicht. Je mehr Overdrive-Pegel ich ins Spiel bringe, um so größer wird meine Angst um meine Abhöre. Der Effekt wirkt aufgesetzt und nervig. Schmutzige Orgel- oder E- Piano Sounds sind deshalb kaum realisierbar – zumindest nicht in einer ansprechenden Qualität. Stärken des M50 sehe ich eher bei den Delay-, Modulations- und Chorus/ Flanger Effekten. Auch die Reverbs klingen für ein Instrument dieser Preisklasse hochwertig.

Gute Übersicht!

Beim Korg M50 bekommt man wirklich selten den Eindruck, sich in der Parameterflut zu verirren oder gar ganz verloren zu gehen. Die Arbeit mit der Workstation ist wirklich beispielhaft und weitestgehend intuitiv. Durch das berührungsempfindliche Display der M50 . entfällt, anders als bei anderen Workstations ,das lästige Scrollen und Tippen, um gewünschte Parameter auszuwählen. Hier tippt man einfach mit der einen Hand auf einen virtuellen Knopf, auf einen Slider oder auf einen Namen, und die andere Hand ist bereits an dem Hardware Slider, am Rad oder an den Up and Down Tastern. So wird editieren leicht und schnell gemacht und bereitet wirklich Freude! Das kleine Flipmenü auf jeder Menüseite des Displays ist im Handumdrehen aktiviert und der User kann seinen Sound sofort speichern.

 

Auch die Suche nach einem bestimmten Sound ist denkbar einfach. Oberhalb des Programmnamens oder Combi Sounds findet man im Display das Fensterchen für die verschiedenen Categories. Eine kleine Berührung darauf - und „Simsalabim“ habe ich alle Instrumenten Kategorien auf einen Blick im Display.

An den beiden Seitenrändern der Display Darstellung finde ich die unterschiedlichen Namen der Kategorien. Ein weiterer Finger-Tipp auf die gewünschte Kategorie zeigt mir einen Überblick aller Sounds, die in dieser Kategorie geordnet sind. 

Natürlich hat  der User die Möglichkeit, dieser (oder einer eigenen) Kategorie selbst kreierte Sounds zuzuordnen und abzuspeichern. Darüber hinaus können alle Presets sowie alle Settings der M50 überschrieben werden.

 

Im Combi Modus erlaubt Korg´s M50 die Steuerung von externen Klangerzeugern. Aktiviere ich über die „Page Select“ Taste das „Timbre Menue“ im Display, kann ich den Status verändern und zwischen internen und externen Soundquellen wählen. Das bedeutet, dass die M50 sehr gut als Masterkeyboard einsetzbar ist. Dieses Ferature ist natürlich nicht neu, aber immer wieder effektiv. In meiner aktiven Zeit als Keyboarder einer Cover-Combo habe ich die Vorzüge meines damaligen Keyboards, eines Korg Triton Pro mit Sample Option, sehr zu schätzen gelernt. Mit einer einfachen Zusatztastatur ohne Sounds konnte ich die Möglichkeiten der Workstation voll auskosten und erweitern, da selbst mit einer gesplitteten 88er Tastatur die Range der zu spielenden Sounds eines Coversongs manchmal nicht ausreicht. Zumindest wenn man eine möglichst große Authentizität beim Vortrag gewährleisten möchte. Und besonders Studioproduktionen können  den Keyboarder einer Coverband ganz schön ins schwitzen bringen, da gerade dort oft keine Rücksicht auf die Livetauglichkeit der aufgenommenen Sounds genommen werden muss.  Außerdem bietet eine optionale Synthezisertastatur erheblich mehr Komfort bei Synthi-Solos, dies fällt auf der gewichteten Tastatur mitunter doch schwerer.


Apropos Sample Option: die gibt es bei der M50 leider nicht. In diesem Zusammenhang verweise ich hier wieder auf die große und mehr als doppelt so teure Schwester des M50, das Korg M3 Xpanded.

 

M50-88 als Stagepiano
In der Praxis ist die M50 Workstation also sehr gut und variabel einsetzbar, aber wie steht sie im Wettbewerb mit Stagepianos da? Wie im Intro bereits erwähnt, stellt Korg diesen Einsatznutzen ja explizit heraus. Nun, grundsätzlich ist jedes Keyboard, das über eine gewichtete Tastatur verfügt und Piano- und E-Pianosounds an Bord hat, als Stagepiano einsetzbar. Und somit auch die M50. Aber die Qualifikation als ein solches, setzt für meine Begriffe voraus, dass Klänge beim live Spielen intuitiver und spontaner verändert werden können. Bei der M50 ist in Sachen „Soundschrauben“ natürlich sehr viel möglich, Editierungen an der Workstation empfehlen sich aber aufgrund ihrer Komplexität mehr fürs Studio oder das eigene Kämmerlein. Zwar lassen sich Effekteinstellungen auf die frei konfigurierbaren Controller-Regler legen, „echte“ Stagepianos haben jedoch in dieser Disziplin eindeutig die Nase vorn. Denn dort habe ich mit "1-Funktion-Reglern" immer sofortigen Zugriff auf die wichtigsten Parameter. Korg´s  M50 ist als Workstation prinzipbedingt komplexer aufgebaut und für intuitive Eingriffe während der Performance daher weniger geeignet. Wer allerdings live nicht „schrauben“ will und einen vielseitigen Allrounder mit guter Flügeltastatur und akustischem Flügelsound sucht: die M50 wäre keine schlechte Wahl!

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