Kaufberater_Drumsticks
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18.05.2016

Kaufberatung Drumsticks

Wissenswertes für Schlagzeuger zum Thema Trommelstöcke

So findet ihr die passenden Sticks

Trommelstöcke werden von einigen Drummern eher stiefmütterlich behandelt, Hauptsache, es sind zunächst einmal überhaupt welche vorhanden, damit man direkt losspielen kann. Zum Objekt der Begierde taugen Drumsticks noch weniger als Fußmaschinen, auch Sammler sind nicht wirklich daran interessiert, es sei denn, Ringo hat mit ihnen seine Instrumente bearbeitet. Kommen die frisch erworbenen Sticks zum Einsatz, setzt zudem schon ihr Verfall ein, denn bei manchen Kollegen halten die Holzstäbchen tatsächlich nur wenige Tage. Und trotzdem sind sie – zusammen mit den Pedalen – unsere wichtigsten Werkzeuge, denn sie stellen die „Übersetzer“ unserer musikalischen Ideen und Übungen dar. 

Ein gemäß dem persönlichen Geschmack und Einsatzzweck ausgewählter Stick bewirkt nicht nur spieltechnisch wahre Wunder im Vergleich zu einem Modell, das vielleicht nicht optimal ist, aber eben im Fünferpack nur 20 Euro gekostet hat. Auf den folgenden Zeilen habe ich euch ein paar Anhaltspunkte zusammen gestellt, die euch dabei helfen sollen, den für euch passenden Stock möglichst schnell zu finden, ohne Unsummen ausgeben zu müssen, bis irgendwann endlich das Traummodell dabei ist. 

Welche Holzarten werden für Drumsticks verwendet?

Amerikanisches Hickory-Holz ist das mit Abstand am häufigsten verwendete Material zum Bau von Trommelstöcken. Das Verhältnis zwischen Gewicht, Stabilität und den Möglichkeiten der Bearbeitung ist hier sehr flexibel. Wem deutlich leichtere Sticks eher zusagen, der findet eine Alternative in Versionen aus Ahorn (Maple). Die Modellauswahl ist hier allerdings wesentlich kleiner. Das trifft auch auf Drumsticks aus Eiche (Oak) zu. Hersteller wie Tama und Pro Mark haben einige Modelle aus diesem Holz im Programm. Der höhere Härtegrad des Eichenholzes führt zu einem etwas helleren und silbrigeren Sound auf Becken, außerdem sagt man Oak-Sticks eine längere Haltbarkeit nach. Wer gerne etwas schwerere, aber eben nicht übermäßig dicke Stöcke mag, sollte ein Modell aus Eiche auf jeden Fall mal ausprobieren.

Exotische Materialien: Carbon, Aluminium

Sticks aus High Tech-Materialien wie Carbon oder Aluminium erfreuen sich insbesondere unter Anhängern lauterer Musikstile ungebrochener Beliebtheit. Einem verhältnismäßig hohen Anschaffungspreis steht hier eine deutlich gesteigerte Haltbarkeit gegenüber. Ob das Spielgefühl dann gefällt, ist wiederum Geschmacksache. Die Aluminium-Sticks der amerikanischen Firma Ahead bieten beispielsweise ein durchaus angenehm „gefedertes“ Spielgefühl, während man sich an die Carbon-Varianten von Herstellern wie Techra doch gewöhnen muss. Beide Materialien erzeugen einen eher harten, schrillen Sound auf Becken, eine unkontrolliert harte Spielweise kann außerdem zu Beschädigungen an den edlen Bronzetellern führen.

Zahlen und Buchstaben: Was bedeutet eigentlich 5A?

Stöcke gibt es in einer schlicht unüberschaubaren Modellvielfalt, eine Gemeinsamkeit findet sich aber bei fast allen Herstellern. Gemeint sind die Bezeichnungen, die ihr auf den Sticks findet: 5A, 2B, 7A und so weiter. Im Gegensatz zur Deutschen Industrie Norm (DIN) handelt es sich bei diesen Zahlen- und Ziffernkombinationen aber nicht um verbindliche Gewichts- oder Längenangaben, sondern um Hersteller-abhängige Bezeichnungen für die jeweiligen Standardmodelle im Sortiment. Oder anders ausgedrückt: ein 5A von Vic Firth sieht anders aus als einer von Pro Mark oder Rohema. Trotzdem helfen euch diese Modellnamen bei der Auswahl. Als grobe Orientierung könnt ihr euch merken, dass die Zahl den Umfang des Sticks beschreibt, allerdings umgekehrt proportional. Je niedriger sie ist, desto dicker ist der Stock. Ein 7A wird also bei allen Herstellern dünner sein als beispielsweise ein 2A-Modell. Es gibt aber Ausnahmen, die die Sache zunehmend verwirrend machen. Dazu zählt das Phänomen, dass ein 8A Stock nicht bei allen Herstellern dünner ist als ein 7A, sondern meist länger. Und ein 1A-Typ dünner als ein 5B. Ihr merkt schon: der Stockkauf rein nach Zahlen führt höchstwahrscheinlich nicht zum Erfolg.

Komplett wird das Chaos, wenn man sich auf die Buchstaben verlässt. William F. Ludwig, Gründer der gleichnamigen Firma, soll sie sich ausgedacht haben, wobei B für „Band“ steht, S für „Street“, also Marching-Anwendungen, und A für „Orchestral“. Ihm soll der Buchstabe A schlicht besser gefallen haben als ein schnödes O. Den Buchstaben S gibt es bei vielen Anbietern mittlerweile gar nicht mehr, A ist hingegen fast immer die kleinere Variante der B-Version. Weitere Buchstaben wie F oder D sind spezielle Produkterweiterungen, die von Hersteller zu Hersteller variieren. Alles klar? Als Einstiegshilfe möchte ich euch trotzdem drei Modelle vorstellen, deren Beschreibungen bei fast allen Herstellern mehr oder weniger exakt zutreffen dürften. 

Die gängigsten Modelle

5A/5B - die Standardmodelle 

Ein 5A Stock darf als die goldene Mitte betrachtet werden, ein Modell, das alle Hersteller so konstruieren, dass es jeder Drummer irgendwie zufrieden stellend benutzen kann. Er ist aus Hickory gefertigt, hat eine normale Länge, eine meist tropfenförmige Spitze, ist lackiert und liegt auch vom Gewicht her im mittleren Bereich. Wer noch nicht recht weiß, welche Sticks wohl am besten passen könnten, sollte hier anfangen. Davon abgesehen, dürften 5A Größen die weltweit am meisten gespielten sein.

Etwas mehr Gewicht und einen größeren Durchmesser bei ansonsten gleichen Eckdaten bietet der 5B-Stock, der ebenfalls als Standardmodell gilt und sich vor allem für Drummer empfiehlt, die in Richtung Rock unterwegs sind.

2B - der Stock für Lautspieler

Von den Gewichts- und Längenverhältnissen her ähneln die 2B Modelle meistens den 5A-Varianten, mit dem großen Unterschied, dass sie deutlich dicker und damit auch schwerer sind. Fans kräftiger Spielweise, die es mögen, wenn der Stick mit Schmackes in die Felle saust, ziehen diesen Stock den dünneren 5er Modellen meistens vor, aber auch Drummer mit größeren Händen fühlen sich mit dem zusätzlichen Volumen oft wohler. Ein weiteres Argument für dickere Stöcke ist die Haltbarkeit. Wer oft lange und laute Gigs oder Proben absolviert, wird sich freuen, wenn im Monat nur einmal ein neues Paar gekauft werden muss und nicht zwei- oder dreimal.

7A - der Stock für filigranere Spielweisen und Drummer mit kleineren Händen

Der 7A stellt das andere Extrem unter den Standardmodellen dar, obwohl es natürlich auch noch dünnere Sticks gibt. Hier werden Spieler bedient, die gerne dosiert spielen und es nicht mögen, wenn der Stock durch sein Gewicht zu stark nach unten drängt. 7A Stöcke sind sehr gut für leisere Musikrichtungen geeignet, Ride-Becken klingen mit ihnen deutlich feiner als mit dickeren Modellen. Aber auch für Drummer mit kleinen Händen oder Kinder sind 7A‘s oft die bessere Wahl.

 

Köpfe, Spitzen, Tips - das obere Ende des Trommelstocks

Neben dem Spielgefühl beeinflussen unterschiedliche Kopfformen den Sound der Trommeln, vor allem aber der Becken. Wer hier bewusst vergleicht, wird schnell einen Favoriten finden. Aber welche Formen gibt es überhaupt?

Tropfen

Die Tropfenform ist sicherlich der am häufigsten anzutreffende Kopf-Typus. Die längliche, sich am Ende zur Spitze hin verjüngende Variante sorgt für einen ausgeglichenen und in vielen Spielwinkeln konstanten Ton auf allen Instrumenten und wird an Sticks aller Gewichts- und Größenklassen verbaut. Aufgrund ihrer Vielseitigkeit ist diese Form an den meisten Standardmodellen fast aller Hersteller zu finden. Mit ihrer großen Kontaktfläche schont sie zudem die Felle, denn die Schlagenergie verteilt sich gleichmäßig.

Kugel

Kugelköpfe sind – wer hätte es geahnt – rund und werden von Trommlern bevorzugt, die gerne einen etwas spezielleren Sound mögen. Mit ihrer geringeren Fläche erzeugt die Kugelform im Vergleich zur Tropfenform einen fokussierten, aber auch etwas weniger bassbetonten Anschlagston auf den Trommeln. Da sich die eingesetzte Schlagenergie beim Spielen auf einen kleineren Punkt konzentriert, steigt  – zumindest für Spieler, die ihre Spieltechnik noch nicht optimal unter Kontrolle haben – auch das Risiko von Dellenbildung in den Fellen. Auf Ride-Becken erzeugen Stöcke mit runden Köpfen einen definierten Ping, der allerdings etwas weniger Mittenrauschen produziert als längliche Formen mit mehr Kontaktfläche. Insgesamt wirken sich unterschiedliche Anspielwinkel bei Kugelformen weniger stark auf den Klang aus.

Fass

Beliebt bei Trommlern sind auch Stocktypen mit Fassform. Hier bieten die Hersteller sehr viele Variationen an. Modelle mit nach außen gewölbten Flanken und einer sich nach oben hin verjüngende Geometrie sind am häufigsten anzutreffen. Sie verbinden die Eigenschaften von Tropfen- und Kugelform, klingen ausgewogen und schonen die Felle. Es gibt sie aber auch mit sehr langen Köpfen, geraden und/oder parallelen Flanken und mehr oder weniger stark konturierten Kanten. Hier sollte man im Auge behalten, dass diese – zumindest in steilen Aufschlagwinkeln und mit kräftiger Hand geführt – eine stärkere Belastung für die Felle darstellen und gleichzeitig etwas diffuser auf Ride-Becken klingen.

Nylon-Köpfe

Eher ein Schattendasein führen Holz-Sticks, die mit Nylonspitzen (in der Produktbezeichnung findet sich meistens der Buchstabe N) ausgestattet sind. Die dafür verwendeten, harten Kunststoffmischungen erzeugen einen helleren und aggressiveren Anschlagston auf Ride-Becken als ihre Kollegen aus Holz, gleichzeitig ist ihre Haltbarkeit deutlich erhöht, wodurch Abnutzungserscheinungen viel später auftreten. Das etwas härtere Spielgefühl sagt allerdings vielen Drummern nicht so zu, und auch der glasige Sound ist Geschmacksache. Wer das generelle Spielgefühl von Holzsticks mag, aber auf einen sehr akzentuierten Ride-Becken-Anschlag steht, sollte sich die „N-Modelle“ genauer ansehen. Auch für das Spiel auf E-Drums sind die abnutzungsresistenten Köpfe eine gute Wahl.

Ist der Trommelstock kopf- oder „griff“-lastig? Die Bedeutung der Schaftform

Einen extrem großen Einfluss auf das Spielgefühl des Stocks hat der Übergang vom Schaft zum Kopf, beziehungsweise zur Spitze. Je später sich der Schaft zum Ende hin verjüngt, desto kopflastiger ist das Spielgefühl. Eine sehr gering ausfallende Verjüngung hat denselben Effekt. Beide Merkmale führen zu einem höheren Gewicht an der Spitze und damit zu Kopflastigkeit. Für uns Drummer heißt das, dass der Stick mit mehr Nachdruck aufs Fell fallen möchte und uns damit auf dem „Hinweg“ etwas Arbeit abnimmt. Die Kehrseite ist natürlich eine erhöhte Trägheit beim Rebound. Mir persönlich sagt Kopflastigkeit bei Stöcken gar nicht zu, denn mir gefällt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Hin-Bewegung und Rebound einfach am besten. Ich neige im Eifer des Gefechts außerdem dazu, den Drehpunkt zwischen Daumen und Zeige- oder Mittelfinger etwas nach hinten zu verlagern. Kommt zu dieser Gewichtsverlagerung noch ein Stock mit schwerem Kopf, drängt mir die ganze Angelegenheit einfach mit zu viel Vehemenz Richtung Fell, und mir geht die Kontrolle über die Bewegung verloren. Analysiert eure Bewegungen und eure Stickhaltung doch auch mal. Was gefällt euch besser? Einige Hersteller haben übrigens Grafiken auf ihren Webseiten, die genau angeben, wie lang die Schaft/Kopf-Übergänge sind.

Besonders schwere oder dicke Sticks zum Üben am Pad verwenden?

Die Frage, ob es sinnvoll ist, sich gesonderte Stöcke für das Spiel auf Übungs-Pads zuzulegen, wird unter Drummern heiß diskutiert. Die einen finden, dass besonders kräftige Modelle zur Stärkung der Handmuskulatur und damit zu mehr Geschwindigkeit und Präzision führen, die anderen befürchten das genaue Gegenteil. Wie so oft, liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, beziehungsweise im persönlichen Geschmack sowie in der bewussten Anwendung. Tatsache ist, dass ein normales Gummi-Pad einen anderen, meistens stärkeren Rückprall (Rebound) erzeugt als ein Fell. Ein schwerer Stock kann durch seine erhöhte Massenträgheit helfen, diese Eigenschaft etwas einzudämmen und das Gefühl natürlicher zu gestalten. Einmal in Bewegung gesetzt, sorgt sie ebenfalls dafür, dass das Verhalten der Sticks konkreter spürbar ist. Richtungsänderungen verlangen daher immer etwas mehr Energie als leichte Modelle. Bei falscher Anwendung steigt bei schweren Sticks allerdings auch das Verletzungsrisiko. Wer seine Bewegungsabläufe nicht anpasst, riskiert, dass die Rückprallenergie stärker in Fingern und Handgelenken abgebaut wird, als dies bei leichten Versionen der Fall ist.  Stellt euch also auf das höhere Gewicht ein, indem ihr euch klar macht, dass ihr auf dem „Hinweg“ weniger Energie braucht als bei leichteren Stöcken.

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