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13.07.2016

Hands on: Allen & Heath XONE:PX5

Auf Tuchfühlung im Berghain

4+1 Kanal Clubmixer

Allen & Heath hat am 12. Juli 2016 in der Berliner Berghain Kantine das neueste Modell der XONE DJ-Mixer-Familie vorgestellt, den XONE:PX5. Das Pult bietet digitale Effekte, Filter, Dreiband-EQs und eine interne 20-Kanal 24 Bit/96 kHz USB-Soundkarte. Doch das ist noch nicht alles.

XONE:PX5 ist ein analoger 4+1Kanal Mischer, mit dem bekannten, ebenfalls analogen Allen & Heath-HPF/BPF/LPF Filter mit Resonanz, Effekt-Send pro Kanal und der laut Allen & Heath gewohnt guten Klangqualität. Dazu haben die Engländer ein digitales Effektgerät verbaut, das sowohl als Insert auf einen einzelnen Kanal oder den Master geschaltet, aber auch per Effekt-Send befüttert werden kann. Auch ein Mix aus analogem Aux-Send und internem Digitaleffekt ist möglich.

Es gibt es im Gegensatz zum XONE:92 nur ein analoges Filter, das aber auf einen oder mehrere Kanäle geschaltet werden kann und so sahnig klingt, wie man das von den Filtern der XONE-Familie gewohnt ist. Die zweite große Neuerung: kein Vierbänder sondern ein Dreiband-EQ. Im Kopfhörer-Schnelltest klingt der EQ sehr musikalisch, Frequenzanteile lassen sich schön shapen, ohne dass es unangenehm klingt.

Der XONE:PX5 hat vier vollwertige Mixerkanäle mit 100 Millimeter langen Fadern, die sowohl per Phono-, Line- oder USB-Signal vom Computer gespeist werden können und per Schiebeschalter ausgewählt werden. Anders als die sehr kleinen Metallkippschalter beim XONE:92 sind die Positionen auch auf Distanz gut zu erkennen. Die gleichen Schiebeschalter findet man in den Kanälen noch für die Effekt-Send Zuweisung und Crossfader-Assign.

Das Filter wird ebenfalls nicht mehr per kleinem, fummeligen Kippschalter zugewiesen, sondern mit einem großen blau-illuminierten Button, was der Übersichtlichkeit des neuen Mixer-Designs zugutekommt. Die Fader fühlen sich gut an, auch der Crossfader flutscht schön leichtgängig. Der fünfte Kanal (bzw. der erste, ganz links auf dem Mixer) verfügt über keinen Kanalfader, die Lautstärke muss hier über den Gain oder das angeschlossene Gerät wie z.B. eine Drum-Machine geregelt werden. Der Kanal bietet sich aber auch als Send-Return an.

Die Eingänge des fünften Kanals liegen als XLR (für Mikrofon), Line (zweimal 6,3-Millimeter-Monoklinke) oder eben USB vor. Die digitale Effekteinheit ist die wahrscheinlich spektakulärste Neuerung beim XONE:PX5. Die Effekte werden per Dreh/Druckschalter an- und ausgewählt und decken mit Delays, Flangers, Reverbs die übliche Palette ab. Effekte wie „BBD+Mod“ oder „Space Delay“ klingen sehr spektakulär und lassen sch mit den insgesamt vier Reglern sehr intuitiv und präzise beeinflussen.

„Focus“ erlaubt dabei ein frequenzabhängiges Regeln des Effekts. Die drei Rotary-Regler der Effekteinheit sind zudem mit illuminierten LEDs versehen, um die jeweilige Einstellung auch im dunklen Club sofort erkennen zu können. Die Effektpalette soll laut Allen & Heath per Firmware-Update erweitert werden können. Bereits bis zur Auslieferung des XONE:PX5 im September 2016 sollen noch weitere Effekte dazukommen.

Die Einbindung des digitalen Teils in den analogen Teil des Mixers soll praktisch latenzfrei sein. Wie gesagt kann man den Effekt per Insert zwischen die Kanäle schalten oder auch per Effekt-Send pro Kanal beschicken, was sehr viel Flexibilität im Sounddesign erlaubt, ohne dass es unübersichtlich wird. So kann z.B. schnell mal mit einem kurzen Dreh des Effekt-Send ein Clap aus dem laufenden Track auf ein Delay geschickt werden. Und während das erzeugte Delay-Signal schön moduliert werden kann, läuft der Rest des Tracks unbeeinflusst weiter. Darüber hinaus kann die Effekteinheit als Insert auf die Crossfader-Position gelegt werden.

So findet jeder DJ sehr schnell seine persönliche Lieblingseinstellung. Die eigene Lieblingstretmine kann über den physikalischen Send-Return eingebunden werden. Selbst an einen Insert im Master-Kanal hat Allen & Heath gedacht, sodass auch Effekte von „Fremdanbietern“ eingebunden werden können.

Der „Mode-Schalter“ der Effekteinheit schaltet die beiden darüberliegenden „Cursor-Buttons“ zwischen drei Betriebsarten hin und her. Im ersten Modus kann man zwischen beatgenauen Zeitintervallen wählen, im Nudge-Betrieb kann die Effektzeit kurzzeitig beschleunigt oder gebremst werden und im MIDI-Clock-Betrieb stehen Start, Pause und Stop-Funktionen für die MIDI-Clock zur Verfügung, die an der MIDI-Out-Buchse ausgegeben wird. Die verschiedenen Modi werden gut durch verschiedenfarbige Hintergrundbeleuchtung der Buttons angezeigt.

XONE:PX5 verfügt nur über ein Filter. Filtermixing wie mit dem XONE:92 ist hier nicht möglich. Der intuitiv schaltbare blaue Filterbutton in jedem Kanal (auch im Effekt-Return!) tröstet über diesen Umstand allerdings ein wenig hinweg. Überhaupt hat Allen & Heath dem XONE:PX5 eine sehr schön aufgeräumte Oberfläche spendiert, der DJ findet sich in den Basisfunktionen sehr intuitiv zurecht und die Spezialfunktionen zu erkunden geht schnell und macht Spaß.

Die rückwärtigen Ausgänge sind professionell und vielfältig: Master Out wird über XLR oder Cinch ausgegeben, der Booth Out über 6,3-Millimeter-Klinke, das Feld ist optisch weiß hervorgehoben.

Sehr lobenswert sind zudem die Master Inserts. Der Record-Ausgang liegt als Cinch-Pärchen vor und ist – anders als bei den meisten anderen Mixern – gut zugänglich an der rechten oberen Ecke des Mixers angeordnet. DJs, die ihren mitgebrachten Recorder zur Aufnahme an den DJ-Mixer anschließen wollen, müssen nicht im rückwärtigen Kabelgewirr herumirren.

Es sind diese kleinen Details, die mir ein gutes „Warum-nicht-gleich-so“-Gefühl verschaffen. Praktischerweise wird der Record-Ausgang auch via USB ausgegeben. Ob damit via Apples Camera Connection Kit ein problemloses Aufnehmen aufs iPhone möglich ist, konnte ich leider nicht testen, aber das wäre natürlich wunderbar. Schließlich befindet sich auf der Rückseite noch eine X:Link-Buchse zum Anschluss von XONE:K-Controllern.

Die Kopfhörerausgänge sind links unten auf der Oberfläche des Mixers verbaut und liegen in zwei Größen vor, ebenfalls ein sehr praktisches kleines Detail. Die Einsatzkurven für Fader und Crossfader können dreistufig geschaltet werden.

Resümee

Allen & Heath verbindet hier die besten Eigenschaften der XONE-Serie mit genau den Features, die bisher die Pioneer-Kernkompetenz darstellten. DJs, die bislang Pioneer-Mischpulte vor allem wegen der Effekte und der größeren Übersichtlichkeit bevorzugt haben, könnten vielleicht ins Grübeln kommen und DJs, die im Club-Backstage gern die Klangqualität der Allen & Heath-Mixer hervorheben, werden sich über die flexible Effekteinheit freuen. Allen & Heath bringt im September ein sehr leckeres Pult auf den Markt, auf das ich mich persönlich schon sehr freue. Ein ausführlicher Test folgt.

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