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24.04.2018

Erste Hilfe für Keyboarder bei Keyboard-Pannen

Tipps & Hilfen zur Vorsorge für den Keyboarder bei Equipmentausfall

Was machen, wenn das Keyboard kaputt geht?

Endlich Tour-Start! Die Packliste wurde abgearbeitet, alles ist bereit für den Tour-Bus und die Bühnen der Republik. Und dann: Bei der letzten Generalprobe fällt unvermittelt das Haupt-Keyboard zu Boden und gibt keinen Ton mehr von sich. Als wäre das nicht schon genug, brennt das Spezial-Netzteil des MIDI-Controllers durch und ist hinüber - zwei Tage vor Tour-Start. Derartige Dilemma passieren äußerst selten, aber manchmal eben doch. Und was dann? Während Gitarristen sich schnell eine beliebige Ersatz-Gitarre leihen können, sind Keyboarder ohne ihre individuellen Sounds oft aufgeschmissen. Ein guter Notfall-Plan kann unter Umständen ganze Konzert-Tourneen retten. Wie ihr als Keyboarder einer Equipment-Katastrophe vorbeugt und sie im Zweifelsfall gekonnt meistert, haben wir in diesem Artikel zusammengetragen.

Zweckdienliche Ersatzteile in Reserve haben

Gerade Keyboard-Zubehöre wie Pedale, Kabel und Netzteile sind besonders anfällig für einen unvermittelten Funktionsausfall. Da derartiges „Klein-Besteck“ aber häufig nicht die Welt kostet, ist es stets ratsam und meist finanzierbar, einen Ersatz im Erste Hilfe-Schrank zu haben. Es kann das günstige Sustainpedal von der Online-Shop-Hausmarke sein - Hauptsache, im Notfall ist erst einmal schnell Abhilfe geschaffen. Mit der Größe des Equipments wächst meist auch die Relevanz im Setup und die Not im Falle eines Defektes. Das unerwartet demolierte, kostspielige Stagepiano steht nämlich nicht unbedingt ein zweites Mal im Proberaum. Für solche Geräte sollte man andere Lösungen in der Hinterhand haben ...

Datensicherung: Das 'A' und 'O' nicht nur des Keyboarders

Häufig investieren Keyboarder Jahre, um ihre Sounds bis ins letzte Detail zu programmieren, damit sie exakt ins Arrangement oder in den Live-Mix passen. Umso ärgerlicher ist es also, wenn das geliebte Keyboard den Geist aufgibt und einem für die anstehende Tournee plötzlich jeglichen Zugang zu den mühevoll erstellten Sounds verweigert. Auf derartige Situationen kann man sich mit ein wenig Extra-Arbeit vorbereiten: 

Einfaches Daten-BackUp auf Speichermedium

Moderne Synthesizer, Workstations, Stagepianos und Stagekeyboards bieten Möglichkeiten der Datensicherung auf einem einfachen USB-Stick. Das ist eine praktische Sache, denn es kann durchaus passieren, dass durch einen dummen Zufall Sounds durch Herumspielen und für den Bühneneinsatz zerstört wurden. Da reicht schon ein Dritter, der sich nicht auskennt … Hier steht der gut da, der eine Komplettsicherung des benötigten Sets auf einem USB-Stick gemacht hat. Den darf man dann nur nicht zu Hause vergessen. 

Sounds nachbauen

Wer im Besitz eines Laptops (z. B. MacBook) ist, dem stehen eine Reihe an Möglichkeiten zur Verfügung, um mit ‚Plan B‘ wirkungsvoll gegen das Keyboard-Desaster anzutreten. Gerade hier gibt es eine Reihe an Möglichkeiten, um auf der Bühne nicht ohne seine Sounds dazustehen.

Um für den Notfall gerüstet zu sein, lassen sich die benötigten Sounds in etwa mit gängigen DAWs (z. B. Main Stage, Cubase … ) mit entsprechenden Plug-Ins nachbauen, sodass man im Notfall eine adäquate Spiegelung des Original-Setups auf eurem Rechner hat. Ein MIDI-Keyboard zum Ansteuern des Rechners könnte Teil des mitgeführten Equipments sein, ist im Gegensatz zum Stagepiano-Flaggschiff schnell geliehen, oder auch verhältnismäßig günstig zu erwerben. Anschließen, Spielen, Auftritt gerettet.

Arbeitet man ohnehin schon mit Plug-Ins und Rechner - für die Bühne eignen sich Laptops am besten - reicht zunächst eine Sicherung des Sound-Setups auf einer externen Backup-Festplatte, die sind heutzutage nicht teuer. Von dieser aus lässt sich dann von einem Ersatzgerät auf die jeweiligen Sounds zugreifen.

Das eigene Soundset sampeln

Gestaltet es sich besonders schwierig, eure Lieblingssounds aus dem Hardware-Keyboard nachzubauen, gibt es noch eine weitere Möglichkeit, auf die man bei einem Ausfall der Technik zurückgreifen kann. Programme wie „Sample Robot“ von Skylife ermöglichen ein unkompliziertes Sampeln der jeweiligen Sounds auf euren Rechner. Die Samples werden dann intelligent angelegt und zu einem Instrument zusammengefasst, um in verschiedenen Formaten gesichert zu werden. Die Daten lassen sich dann in anderen Keyboards mit der Möglichkeit Samples nachzuladen verwenden, oder in herkömmlichen Sample-Playern für den Rechner, wie etwa dem Kontakt Player, oder DAW-interner Software nutzen.

Ist das zu sampelnde Gerät mit MIDI ausgerüstet, kann "Sample Robot" sogar ohne eure manuelle Mithilfe automatisch die jeweiligen Sounds/Instrumente sampeln, indem entsprechende MIDI-Befehle an die Geräte gesendet werden. Schließlich habt ihr dann eure Hardware-Sounds nahezu 1:1 auf euren Laptop / Rechner geklont. Das Sampling erschwert natürlich die nachträgliche Bearbeitung von Sounds, deswegen bieten viele Sample-Player bieten auch hier vielseitige Möglichkeiten der Klangbearbeitung. Das ist eine tolle Lösung um auch teure Synthesizer zu Hause zu lassen, wenn man deren Sounds auf der Bühne einsetzen möchte.

Software-Editor Backup

Viele Hardware-Hersteller (Clavia, Korg, Yamaha, … ) bieten „Editor“-Programme an, womit die Parameter eines Hardware-Sounds im Detail auf dem Rechner bearbeitet werden können. Ein nettes Zusatz-Feature ist hierbei, dass sich ganze Sound-Banks aus einem Keyboard im Rechner abspeichern und dann übertragen lassen, z. B. auf ein Ersatzgerät - dieses hat man aber meist ebenso wenig in der Hinterhand, wie einen Zweit-Laptop. Je nach Schadensfall kommt ihr also nicht drum herum, euch ein Gerät zu leihen.

Instrument vom Backliner leihen

Ein kommerzieller Backline-Verleih kann unter Umständen schnell kostspielig werden. Macht euch deshalb am besten schon beim Kauf eures Instrumentes Gedanken, wer aus dem lokalen Musiker-Freundeskreis ein gleiches oder ähnliches Instrument besitzt und euch zur Not Ersatz stellen könnte. Entsprechende Nummern speichert ihr in eurem Handy ab, um im Ernstfall direkten Kontakt aufnehmen zu können. Das Gleiche gilt für professionelle Backline-Firmen. Ein gut ausgestatteter Backliner bringt euch nichts, wenn ihr nur seine selten besetzte Festnetznummer aus dem Internet kennt. Macht euch schlau über kompetente, zuverlässige Backline-Firmen in eurer Nähe und besorgt euch die jeweiligen Handynummern, damit ihr die Personen im Notfall auch außerhalb der Geschäftszeiten erreicht. Je nach Dauer der Leihgabe erhaltet ihr meist faire Discounts, was sich gerade bei längeren Tourneen sehr lohnen kann.

Einen guten Schrauber kennen

Manche Unfallschäden bei Keyboards lassen sich unerwartet schnell von einem 'Schrauber' reparieren. Die Rede ist hierbei von einem (Hobby-)Elektriker, der reichlich Know-How im Audiobereich hat. Befinden sich in eurem (Musiker)-Freundeskreis Technik-Nerds, die beispielsweise ihre eigenen Effektpedale bauen? Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie mit ihrem Werkzeug und Wissen auch bei Keyboard-Equipment behilflich sein können. Spezialisierte Elektriker und Schrauber-Freunde in eurem Kontakt-Verzeichnis zu haben, ist also keine schlechte Idee. Sowohl beim Verleih, als auch beim Elektriker kommt es meist zu Kosten, die extrem hoch und vor allem unerwartet sein können. Damit dann die nächste Monatsmiete nicht in Gefahr gerät, gibt es glücklicherweise einen Rückhalt ...

Instrumentenversicherung 

In Deutschland gibt es verschiedene Anbieter, bei denen ihr zu sehr fairen Kursen eure Instrumente unter anderem gegen Unfallschäden oder auch Diebstahl versichern lassen könnt. Die Versicherungssätze variieren hierbei selbstverständlich je nach Wert, Menge und Versicherungsumfang des Equipments. Eine detaillierte Übersicht, worauf ihr beim Versichern eurer Instrumente achten solltet, haben wir in einem ausführlichen Artikel zusammengetragen. 

Welche der verschiedenen Möglichkeiten im Schadensfall optimal ist, hängt stark von eurem individuellen Setup und auch der finanziellen Absicherung ab. Versucht, aus den verschiedenen Punkten euren ganz eigenen Backup-Plan zu bauen, der euch auch im absoluten „Worst Case“ noch professionell dastehen lässt. Eine Instrumentenversicherung würde ich euch allerdings in jedem Fall ans Herz legen, da sie zusätzlich auch beim Verlust eines Instrumentes existenziell sein kann. 

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