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Test
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09.07.2018

Elektron Digitone Test

Digitaler FM Synthesizer

Es weht ein kühler Nordwind!

Elektron drückt ordentlich aufs Gas und bringt konstant neue Kisten heraus. Der Trend scheint zu “kompakter und günstiger” zu gehen, wenn man sich Digitakt und Analog Heat anschaut. Und unser heutiger Kandidat, der Digitone, bildet da keine Ausnahme. Allerdings bedeutet kompakter nicht unbedingt weniger Funktionen – und so ist Elektrons Alleinstellungsmerkmal, der beste Sequenzer der Welt, auch hier en vogue. 

Bei Elektron-Fans der ersten Stunden werden sowieso Revival-Gefühle aufflammen, denn FM-Algorithmen gab es bereits im ersten Synth der Schweden, der Monomachine.

Details

Der Kreis schließt sich

Der Elektron Digiton ist ein achtstimmiger, digitaler Synthesizer mit integriertem Sequenzer. Und wer Elektron kennt, weiß, dass dieser Sequenzer nicht nur Gimmick, sondern Hauptfeature ist! 


Das Ganze steckt in der gewohnt soliden Stahlblech-Kiste, die ca. 1,5 kg wiegt und 215 x 176 x 63 mm groß ist. Das entspricht demselben Formfaktor wie Analog Heath und Digitakt, hinzu kommen 100 mm VESA Mounting Holes auf der Rückseite.

Achtspur Sequenzer

Der Digitone bietet insgesamt vier Synth-Spuren – alle mit einem variablen FM-Algorithmus ausgestattet – sowie vier zusätzliche MIDI-Tracks. Die MIDI-Tracks können jeweils bis zu acht Noten pro Akkord sowie Velocity, Length, Pitch Bend, Aftertouch und CC senden – ähnlich wie bei dem Elektron Digitakt, wobei dieser acht Tracks mit maximal vier Noten pro Akkord anbot.


Ganz simpel gesprochen kann der Digitone selbst also gleichzeitig vier verschiedene Sounds abspielen und vier weitere externe Geräte steuern. Die Polyphonie ist variabel und nicht den einzelnen Stimmen fix zugeordnet. Und das kann man pro Step variieren! Soll heißen: Im ersten Step mag Sound A vierstimmig sein und Sound B zweistimmig, im nächsten Step kann es aber schon wieder anders sein. Das ist flexibel und reizt die DSP-Power clever aus.

Es war einmal: Die Frequenzmodulation

Grundsätzlich gibt es zwei Hauptarten der Klangsynthese: Subtraktiv und Additiv. Bei ersterer nimmt man einer Klangquelle mit vielen Informationen im Klangspektrum über Filter nicht benötigte Informationen weg (Subtraktion). Bei der additiven Synthese hingegen läuft es genau andersherum: Man fügt also so lange etwas hinzu, bis man eine Oberton-Struktur erhält, die gefällt. Und die FM-Synthese ist die klassische additive Synthese. Hier bedient man sich im einfachsten Fall bei einem simplen Sinus und moduliert dessen Frequenz mit einem weiteren Sinus. Dabei dürfen diese nicht nur statisch verheiratet werden, sondern können über Amp-Envelopes auch weitergehend modifiziert werden. Den „Grundton“ nennt man dabei Träger bzw. Carrier, die modulierenden Frequenzen hingegen Moderatoren – und beide zusammen werden wiederum als Operatoren bezeichnet. So viel Theorie muss sein!

Digitone FM-Synthese: Altes mit neuem Alten kombiniert 

Es dürfen sich natürlich auch mehr als zwei Operatoren modulieren. Die verschiedensten Verschaltungen dieser wiederum nennt man dann FM-Algorithmus. So weit so gut – und bei anderen Synths auch nicht grundsätzlich anders gelöst. Was der Digitone allerdings ganz anders macht, ist die Nachschaltung klassischer, subtraktiver Methoden, um dem Signal auch wieder “ganz klassisch” Informationen entziehen zu können – Stichwort Filter. Der Signalfluss sieht damit wie folgt aus:

Zu den acht verschiedenen FM-Algorithmen mit jeweils vier Operatoren gesellt sich pro Track noch ein Multimode Filter, ein Base/Width-Filter, ein Overdrive, eine Amp/Mixer-Sektion sowie zwei LFOs. Hinzu kommt ein Chorus, ein Saturator-Delay und ein Reverb im Send/Return-Verbund für alle Voices sowie ein Master-Saturate-Effekt. Das ist mittlerweile der Elektron-Standard.

Ausgewachsener Sequenzer

Ebenfalls Elektron-Standard – aber bei weitem kein allgemeiner Standard – ist der ausgefuchste Sequenzer. Nochmal: Es gibt vier Spuren für die vier Synth Voices sowie vier Tracks für die zusätzlichen MIDI-Tracks. Jeder dieser acht Tracks bietet einen Arpeggiator, individuelle Track-Längen sowie polyphones Sequenzieren, Micro-Timing, Trigger-Conditions und natürlich Parameter Locks. Letzteres bedeutet, dass jeder Parameter automatisiert und pro Step geändert werden kann. Das wiederum bedeutet, dass man pro Step grundsätzlich einen gänzlich anderen Sound abfeuern kann!

Hardware-Fakten

Eingangs habe ich es bereits erwähnt, der Digitone teilt sich den Formfaktor mit Digitakt und Analog Heath. Mit ersteren teilt er sich auch das DSP-Environment, soll heißen: 48 kHz und 24 Bit Auflösung in den A/Ds und D/As sowie ein 128 x 64 Pixel OLED-Screen. Wer aufmerksam ist, wird schlussfolgern können, dass es neben den symmetrischen Stereo 6,35-mm-TRS-Outs auch noch einen Eingang auf großer Klinke gibt.

Für die Lauscher gibt es obendrauf einen 6,35-mm-Kopfhörer-Ausgang. Overbridge-Support gibt es zwar auch, allerdings ist dieser noch nicht verfügbar– eine zugegebenermaßen echt merkwürdige Praxis von Elektron.

Die Computer-Anbindung wird via USB-2 etabliert. MIDI gibt es via I/O/Thru, Din-Sync kann der Digitone aber auch, was Roland-Vintage-Liebhaber freuen solle. Das Netzteil ist universal und gehört zum Lieferumfang, genau wie ein USB-Kabel, 3 Jahre Garantie und ein paar schicke Aufkleber.

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