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Test
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29.02.2012

DJ-Tech X10 Test

Zweikanal DJ-Mixer mit Audio-Interface und USB-Hub

Oldschool meets Nuschool

DJ-Tech X-10 ist ein analoger „Zweikanäler“ nach klassischem Vorbild. Dabei hat er es als solch ein Zweikanal-Mixer deutlich schwerer als noch in der letzten Dekade. Verband man den DJ in den 90ern und um die Jahrtausendwende grundsätzlich mit zwei Turntables oder CDJs, die einen Zwei- oder Dreikanal-Mixer flankieren, weht der Wind heute ein wenig anders. In einigen musikalischen Genres gehört der Clubmixer für Track- und Sample-Feuerwerke zur Grundausstattung, Protagonisten ziehen mit Soundkarten bewaffnet und MIDI-Controllern im Gepäck durch die Lande. Oftmals reicht ein All-in-One-Controller zur Beschallung der Lokalität schon aus, sei es Club, Kiezbar oder Hochzeitsveranstaltung. Mal abgesehen von der Scratch-Fraktion scheinen harte Zeiten für den klassischen Battlemixer anzubrechen. Doch vielleicht trügt dieser Schein.

Das besondere Markenzeichen des analogen „Zweikanälers“ DJ-Tech: In seinem Inneren werkelt ein USB-Audio-Interface und er hat zwei zusätzliche USB-Schnittstellen an Bord, die als HUB für MIDI-Controller oder Sticks dienen können. Er verfügt über umfangreiche Kanal- und Crossfader-Kontrollen für Scratch-Artisten, einen Mikrofoneingang, separat regelbare Master- und Booth-Ausgänge sowie Faderstart-Optionen, was wiederum Mobile- und Working-DJs ansprechen dürfte. Ob sich der kleine Allrounder in der Praxis behaupten kann und das Zeug dazu hat, potenziellen Käufern 335 Euro UVP zu entlocken, muss er jedoch noch unter Beweis stellen.

DETAILS

Bevor es ans Eingemachte gehen kann, ist erst einmal Auspacken angesagt. Der überwiegend schwarz gehaltene Karton fördert eine gut gegen Transportschäden verpackte X10-Einheit, ein USB-Kabel und ein Stecker-Netzteil zutage. Ferner ist dem Mischpult eine verständliche, mehrsprachige (auch deutsche) Bedienungsanleitung und eine DJ-Software in Form von Deckadance LE beigelegt.

Der Asiate misst 204 x 99 x 246 Millimeter bei einem Gewicht von 1,85 Kilogramm - ein bekanntes Format. Das Innenleben sitzt in einem schwarzen, sauber verarbeiteten und kompakten Metallchassis. Die Lackierung ist korrekt aufgetragen und erweist sich als kratzfest. An den Seiten der Faceplate sind Aussparungen zum Pult- oder Rack-Einbau ausgefräst, doch macht sich der Kandidat auch auf dem Tisch ganz gut. Vier Gummifüße an der Unterseite verhelfen zu einem sicheren Stand, sollte es im Eifer des Gefechtes mal gröber zur Sache gehen. Sämtliche Anschlussbuchsen sitzen fest im Gehäuse, die Potis besitzen Metallachsen. Sämtliche 45-Millimeter-Fader gleiten dem Verwendungszweck entsprechend leichtgängig, ohne dass sie ein sonderliches Spiel aufweisen. Kurz gesagt: Die Bedienelemente hinterlassen im ersten Trockenlauf einen durchaus passablen Eindruck. Nur die grob geriffelten Kunststoff-Potikappen und die Cue-Buttons sind nicht mein persönlicher Favorit.

Vorderseite

Das vordere Anschlussfeld entpuppt sich als wahres Mekka für Deejays mit notorischem Kurven-Fummelzwang. Vier extragroße Drehregler dirigieren die Flankencharakteristika der Flachbahnregler. Für den Crossfader lassen sich beide Blendrichtungen separat zwischen Punch und Fade variieren, zudem ist ein Hamster-Switch nebst Status-Lämpchen für den Reverse-Betrieb verbaut. Den Kanälen A und B stehen ebenfalls getrennte Kurven-Potis zur Auswahl, sodass sich der Lautstärkenzuwachs in Abhängigkeit der Fader-Position für beide Busse auch asynchron einstellen ließe. Auch die Channelfader sind mit einer Reverse-Funktion bedacht, die auf der zugehörigen Seite mittels Tastendruck eingeschaltet wird. Bedeutet: Fader oben, Sound aus. Eine rote LED liefert hierzu ein optisches Feedback. Großes Kino in dieser Baugruppe, also.  

DJ-Tech verbaut Alpha-VCA-Fader, die einen entkoppelten Spannungsregler zur Steuerung der Kanallautstärke und des Crossfades verwenden. Der Überblendregler lässt sich austauschen, jedoch ist hierzu die Faceplate abzunehmen und demzufolge zuvor drei Fadercaps und sechs Schrauben. Dauert keine zwei Minuten und schon liegt der Bursche frei und kann im Falle eines Defektes ersetzt werden.

Maximal zwei Kopfhörer klinken sich am Frontpanel ins laufende Geschehen ein, wahlweise als 6,3 mm oder Miniklinke. Einen Pegelabfall im Betrieb mit zwei Einheiten konnte ich nicht feststellen. Das Kopfhörersignal ist klar ohne einen bestimmten Frequenzanteil überzubetonen. Der Ausgang verfügt über ausreichend Saft für kleinere Clubs, die mobile Diskothek oder die Kiezbar. Mikrofone kommen über eine etwas dünn umrandete XLR-Kombo-Buchse (ohne Haltefeder) ins Spiel.    

Hinten

Links sitzt die Aufnahme für das Stecker-Netzteil mit samt zugehörigem Einschaltknopf. Zwei Faderstart-Buchsen ermöglichen die Fernsteuerung kompatibler Geräte per Cross- oder Linefader. Jeder der beiden Mixerkanäle ist in der Lage, eine von zwei extern zugeführten Audioquellen in den Mix zu integrieren. Am hinteren Anschlussfeld befinden sich zu diesem Zweck jeweils ein Block mit Cinch-Anschlüssen für je einen CD-Spieler sowie eine Line-Quelle oder einen Plattenspieler via optional zuschaltbarem Phono-Vorverstärker. Eine Erdungsschraube steht an jedem Kanal gesondert zur Verfügung. Alternativ kann das Signal der DJ-Software über das interne Interface ausgegeben werden.  

In der oberen Mitte haben drei USB-Ports Platz gefunden. “To Computer” bezeichnet eine Typ-B-Schnittstelle zur Verbindung mit dem „Rechenknecht“. USB1 und USB2 sind vom Typus A und nehmen USB-Gerätschaft in Empfang. Dazu mehr im Praxisteil. Ausgangseitig stehen ein geklonter Master (symmetrische Klinke/Cinch) und ein Cinch-Booth für die heimische Stereo-Anlage, aktive Monitorboxen und PAs bereit. Man ist also für die meisten Fälle gut aufgestellt. Der Sound ist ausgewogen und zudem recht druckvoll.

Bedienoberfläche

Übersichtlich und aufgeräumt gibt sich die Bedienoberfläche. Sie beginnt auf der linken Seite mit dem rot markierten Booth-Knopf (der Master ist auch rot). Es folgt eine Mikrofonsubgruppe, die neben dem obligatorischen Level-Regler einen zweibändigen Treble-Bass-EQ vorweisen kann, dessen Cut/Boost standesgemäß bei plusminus 12 dB für beide Bänder liegt. Der Klang ist als natürlich und ziemlich rauscharm einzustufen und lässt sich mit dem EQ an die Umgebungsanforderungen anpassen. Recht so. Ferner ist ein Kippschalter verbaut, der das Mikrofonsignal störfrei der Summe zufügt und in Stellung Talkover die Musik um zwanzig Dezibel absenkt, wenngleich dies recht abrupt passiert. Wer zur Moderation neigt, findet also alle nötigen Features vor, um nicht bei jeder Ansage aufs Neue ein- und auszupegeln. Talkover an, Ansage, Faderstart. Ab dafür. Eigentlich schade, dass keine Effekte oder ein Filter mit an Bord sind.

Im Zentrum des Mixers sehe ich die üblichen Werkzeuge zur klanglichen Anpassung der Hauptkanäle sowie zum Blenden, Cutten und was man sonst noch mit dem X10 anstellen möchte. Ein Kanalzug beginnt mit Gain gefolgt von einem Dreiband EQ, welcher mit einer maximalen Absenkung von 26 dB und einer größtmöglichen Anhebung von 12 dB arbeitet. Eine Kill-Funktion ist nicht implementiert. Wirft man einen Blick auf alte Haudegen und aktuelle Konkurrenten (Xone22, DJM-250, M207, VMC002) wird manchem Anwender die Positionierung der Aufholverstärkung neben dem Hi-Q etwas ungewöhnlich erscheinen. Auch die Kanalwahlschalter und Cue-Tasten zum Vorhören befinden sich nicht wie so oft in einer vertikalen Achse zum EQ, sondern sind unter dem Gain positioniert, was allerdings im Nu verinnerlicht ist. Wir haben nachstehend die Equalizer bei der Arbeit aufgezeichnet.

Der zugegebenermaßen etwas kleine Stellschalter zur Anwahl der Signalquellen kennt drei Positionen für Phono, CD und Computer, welche im laufenden Betrieb nach „gut Dünken“ gewechselt werden können. Die Monitoring-Sektion präsentiert sich gut ausgestattet, bietet sie doch neben umschaltbaren zehnschrittigen, ampelfarbenen Pegelmetern (Master/Channel) gleichfalls ein stufenloses Cuemix-Poti und eine Split-Cue-Option. Da könnte sich mancher MIDI-Controller eine Scheibe von abschneiden. In Stellung „Ch1/2“ werden die Signalpegel der Eingangsquellen (pre-Fader/post-EQ) angezeigt, in Stellung „Master“ wird der Pegel post-Fader ausgegeben und ist zudem von der tatsächlichen Ausgangslautstärke gemäß Master-Poti beeinflusst. So soll es sein. Die Farbcodierung lautet sechsmal grün, zweimal gelb, zweimal rot. In Mittenstellung aller Regler dringt das Phono/Line-Signal in den orangenen Bereich zwischen null und fünf vor. Der nachfolgende Praxistest zeigte auf, dass hier durchaus noch ein paar dB mehr drin sind, bevor es hörbar übersteuert.

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