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27.12.2015

Geheimtipp: Snare Drum #1 - Sonor D454

Die smarte Stahlschwester

Um den ganzen Hype, der sich um alles was "alt" ist dreht, kommen wir bei bonedo natürlich nicht herum. Warum auch, die Trommeln waren auch vor einigen Jahrzehnten (meistens) rund, und etwas im Geschichtskästchen zu wühlen kann ein unheimlich interessanter Zeitvertreib sein. Besonders drei populäre Drum-Marken fallen mir ein, bei denen die Preise der Gebrauchtinstrumente in den letzten Jahren extrem angestiegen sind (inzwischen normalisiert es sich langsam wieder). Das wären Gretsch, Ludwig und Sonor.

Bei letztgenannter Firma besonders alle Exemplare auf denen Lite, Signature und HiLite draufsteht. Uns interessiert aber hier die Ära davor, denn bevor bei Sonor alles "schwergewichtig" wurde, und massive Hardware und dicke Kessel mit halbbekleideten Gewichthebern als Werbefläche herhielten, hatte die Firma eine Phase, in der es noch galt den Mitstreitern aus den USA, vor allem der unfassbar erfolgreichen Ludwig LM400 Supraphonic Snare, nachzueifern.

Dabei legte Sonor allerdings gänzlich höhere Qualitätsanforderungen an den Tag. Anfang der Siebziger kam die Swinger Linie auf den Markt und im Gepäck war die fünf Zoll tiefe D454. Ferromangan Stahl, nahtlos gezogen und mit einer Innensicke im Kessel. Klingt erst einmal nach nichts besonderem, besonders für alle von euch, die schon mal eine Sonor Stahl Snare in der Hand hatten.

Warum finde ich die D454 so besonders gut?

Erstens: Sie ist günstig. Okay, wer klingt gewinnt (und das tu sie), aber der Anschaffungspreis ist immer ein Argument. Gute D454 Exemplare sind in den einschlägigen Gebraucht-Portalen oft um 100 Euro zu haben (manchmal sogar günstiger). Damit ist sie gegenüber den berühmten Signature-Schwestern ein Super-Schnäppchen.

Zweitens: Sie sieht sexy aus. Ohne Quatsch, den Hebel des Innendämpfers, gepaart mit der Abhebung im Baseball-Schläger-Style und den typischen Lugs finde ich einfach charmant...und sie klingt: durch die reduzierte Hardware (nur 8 Böckchen) und die leichten Spannreifen und Bauteile klingt sie luftig und resoniert wunderbar. Auch wenn sie klanglich keine LM400 Kopie ist, tönt sie dafür eigenständig und wirklich klasse.

Drittens: Sie ist super verarbeitet, auch nach 40 Jahren sieht sie Verchromung mit ein bisschen Putzaufwand besser aus, als das meiste, was uns heutzutage als neu verkauft wird. Wenn du Bock zu putzen hast, tu es, ansonsten hau einfach drauf und freue dich!  

Noch zwei Tipps zum Schluss. Wer von euch mal sehen möchte wie Sonor diese Kessel früher gefertigt hat, schaut mal in dieses Video rein: https://www.youtube.com/watch?v=Tsb1yBtaImc

Und einen Sound-Tipp habe ich natürlich auch noch. Christian Vinne spielt im Questlove Play-Alike so ein D454 Modell, richtig hoch gestimmt und funky. Schaut euch mal die Videos zum Workshop an.

Und jetzt viel Spaß beim Snarekauf! Das drauf Spielen aber bitte nicht vergessen. ;-)

Bis die Tage,

Chris

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