Software
Test
10
19.08.2014

Best Service Chris Hein Horns Pro Complete Test

Virtuelle Bläser-Sektion

Ein Spezialist fürs Tuten und Blasen

Die Chris Hein Horns Pro Complete im bonedo-Test: So manches Song-Arrangement kann von clever gesetzten Bläser-Lines profitieren und vor allem, wenn es um Musik mit Jazz-, Funk-, Soul- oder Latin-Anleihen geht, bieten sich die Chris Hein Horns als ein Spezialist für alle Sorten von modernem Gebläse an. Ursprünglich wurde die Library seit 2005 in vier einzelnen Parts veröffentlicht, inzwischen ist aber auch ein Bundle in Form der Chris Hein Horns Pro Complete erhältlich, das mittlerweile mehreren Updates unterzogen wurde. Genau diesem Paket, das bis zum Rand mit Saxophonen, Trompeten, Posaunen und Co. gefüllt ist, legen wir für diesen Test das bonedo-Stethoskop auf die Brust!

Es wird natürlich spannend, denn Blasinstrumente authentisch über Samples zu reproduzieren, ist keine einfache Aufgabe für eine Software. Anders als bei Pianos oder Drums liegt der musikalische Ausdruck nicht nur darin begründet, wie ein Ton angespielt wird, sondern vor allem auch darin, wie er durch den Atem und die Spieltechnik des Musikers beeinflusst wird. Die Artikulationsmöglichkeiten sind in der Realität also nahezu grenzenlos. Viele Librarys setzen daher auf fertig eingespielte Phrasen, die am Rechner nach dem Bauklötzchen-Prinzip zusammengesetzt werden können und machen folglich Abstriche in der musikalischen Flexibilität. Die Chris Hein Horns gehen dagegen einen weit steinigeren Weg. Auch wenn einige Phrasen vorhanden sind, konzentriert sich die Library hauptsächlich auf Einzelsamples des gesamten Tonumfangs der jeweiligen Instrumente bzw. Sections. Für die musikalische Ausdruckskraft sorgt dabei eine mehr als großzügige Auswahl an verschiedenen Spielweisen. Ob die Chris Hein Horns Pro uns gehörig den Marsch blasen können oder vielleicht doch nur aus dem letzten Loch pfeifen, klären wir in diesem Testbericht.

Details

Horns, Horns, Horns!

Gut 45 Gigabyte an Bläser-Samples sind kein Pappenstiel! Die Chris Hein Horns Pro Complete bieten insgesamt 54 Einzelinstrumente und 32 Sections mit bis zu 38 verschiedenen Spielweisen und gleichzeitig bis zu 20 Velocity-Layern pro Note. Insgesamt kommt die Library somit auf etwa 80 000 Einzelsamples, die komfortabel über den kostenlos enthaltenen Kontakt Player 5 oder (wenn vorhanden) natürlich auch über die kostenpflichtige Vollversion von Native Instruments' Sampler abgespielt werden können. Was die Hardcore-Nerds freuen wird: In letzterem Fall ist der Sample-Pool nicht „locked“, wie das für kommerzielle Librarys in der Regel üblich ist, sondern kann frei bearbeitet werden.  

Die Software ist entweder als Download oder als Boxed-Version erhältlich, wobei die Daten auf einem USB-Stick untergebracht sind, was die Installation höchst unkompliziert gestaltet: Einfach alle Files in einem Rutsch von Hand in einen beliebigen Ordner auf die Festplatte kopieren, in der kurzen Wartezeit das Studio putzen, die Add-Library-Funktion in Kontakt zum Lokalisieren verwenden und abschießend die Online-Autorisierung über das NI Service Center vornehmen – fertig. 

Sections, Split-Sections und Soloinstrumente

Was ist alles drin? Die grundlegende Struktur der Library formt sich durch die bereits erwähnten vier verschiedenen Parts, die jeweils unterschiedliche Anwendungsgebiete abdecken. Volume 1 trägt den Untertitel „Solo Instruments“ und bietet jeweils eine hochgradig detailliert gesampelte Trompete und Posaune, ein Alt- und ein Tenorsaxophon sowie eine Querflöte. Wer möglichst authentische Solo-Lines oder beispielsweise einen typischen Funk/Soul-Bläsersatz arrangieren will, ist hier also bestens bedient.

Ein ebenfalls in Volume 1 enthaltener Trompeten-Satz war bei der Erstveröffentlichung wohl als kleiner Appetizer auf Volume 2 gedacht, denn hier werden vorrangig Section-Instrumente geboten, wie sie sich typischerweise in Jazz-Bigbands finden. Da solche Sections in der Praxis allerdings weit mehr können, als immer nur unisono die gleichen Töne zu spielen, wird die Auswahl der „Full Sections“ wiederum durch gesplittete Sections und weiterhin jeweils mehrfache Versionen von einzelnen Trompeten, Tenor- und Bassposaunen und Alt-, Tenor- und Bariton-Saxophonen vervollständigt, mit denen man weitaus freier arrangieren kann. So steht beispielsweise auch einem Shearing-Satz für Saxophone nichts im Wege. Der Detailgrad liegt in Volume 2 allerdings nicht ganz so hoch wie bei den Solo-Instrumenten.

Das Konzept von Sections, gesplitteten Sections und zugehörigen Einzelinstrumenten gilt auch für die weiteren Parts der Library. In Volume 3 werden den Trompeten und Posaunen verschiedene Arten von Dämpfern aufgesetzt. Der vierte und letzte Teil komplettiert die Instrumentenauswahl durch Flügelhörner, Sopran-Saxophone, Klarinetten und Tuben und bietet zudem einige echte Exoten wie ein Bass- und ein Kontrabass-Saxophon oder sogar ein Alphorn. Als Arrangeur muss man also schon sehr weit im Abseits des Gewöhnlichen wandeln, um bei dieser Auswahl noch etwas zu vermissen. Für schnelle Layouts ist außerdem eine Version der abgespeckten Chris Hein Horns Compact im Paket, die wir bereits hier getestet haben.

So viel zum Content. Für alle, die nun neugierig auf den Klang der Library geworden sind, wird auf der nächsten Seite kräftig ins Horn gestoßen!

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare