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Test
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12.11.2021

ARP 2600 M Test

Analoger Desktop-Synthesizer

Eine (kleine) wiedergeborene Legende

Im September 2021 feierte der ikonische ARP 2600 seinen 50. Geburtstag. Im Jahr 1971 ging die erste Version des von Alan R. Pearlman entworfenen Mono-Synths in Produktion. Bis in die späten 1970er hinein wurden mehrere Iterationen gebaut, dann wurde er eingestellt. ARP als Hersteller konnte mit neuen Produkten nur bedingt an den Erfolg des heute legendären 2600 anknüpfen und ging 1981 in Insolvenz.

Im Zeitalter des Retro-Booms hat Korg nicht nur die Reinkarnation einer eigenen Legende, den MS-20 mini geschaffen, sondern involviert sich auch in Neuauflagen von ARP-Synthesizern wie den ARP Odyssey, der 2015 auf den Markt kam und den 2020 vorgestellten ARP 2600 FS – eine limitierte Fullsize-Version des klassischen 2600 mit Keyboard und passendem Transport-/Flightcase für den man knapp 4.000 € hinlegen musste. Nun folgt der ARP 2600 M zum Jubiläum, eine kompakte Version des großen Über-Synths. Ebenfalls mit Transportcase und mitgeliefertem Controller-Keyboard, aber um einiges günstiger als der 2600 FS, was den Behringer 2600-Nachbau im eigenen Rackdesign jedoch wie ein Schnäppchen aussehen lässt. Wir haben uns den 2600 M einmal genau angesehen.

Details

Erscheinung

Der auf vier Standfüßen im Metallgehäuse verbaute ARP 2600 M ist mit seinem schlichten Design optisch ein klassischer Fall von „Understatement“. Ganz im Sinne des Erfinders Pearlman ergänzt hier die Form die Funktion und nicht umgekehrt. Das gilt zusätzlich im Vergleich zur Größe des Vorgängers: Die geschrumpfte Version entspricht ca. 60% des in Originalgröße gebauten ARP 2600 FS (nur 520 mm breit, 311 mm hoch und 129 mm tief) und passt selbst im ansprechenden Transportkoffer mit Orange-farbigem Griff in mehr Kofferräume als der Fullsize-ARP.

Klassisches Panel mit Signalpfad-Aufdruck

Das angeschrägte Panel des ARP 2600 M erlaubt einfachen Zugriff auf alle Fader, Knöpfe und Buchsen des Synthesizers. Das Layout ist originalgetreu, inklusive Aufdruck. Der ist durchweg gut lesbar, was den Einstieg in den Signalfluss des Synths erleichtert. Alle Anschlüsse vorn und auch links sind sehr zugänglich verbaut. Bedeutet: Die zehn mitgelieferten grauen Patchkabel rasten gut ein, ohne dass das Gehäuse gefährlich kippelt, und man muss nicht hinter den Tisch kriechen, um einen USB-Controller mit dem ARP 2600 M zu verbinden.

Das Synthesizer-Gehäuse verfügt über USB-Ports und MIDI, eine sinnvolle Ergänzung der Ist-Zeit. Korg liefert den 2600 M daher auch mit deren hauseigenen MicroKey2-37 USB/MIDI Keyboard Controller aus. Der bietet 37 angenehm spielbare Mini-Tasten und sein Pitchwheel ist intern mit der Tonhöhe der Oszillatoren verdrahtet.

Die MIDI-Integration ist ein Statement hinsichtlich des Einsatzes: Dieser Synth will in modernen Szenarien genutzt werden und ist kein Museumsstück. Praktisch ist auch, dass alle Buchsen des ARP 2600 M 3,5 mm-Miniklinken sind, was ihn kompatibel mit Eurorack-Modulen, insbesondere –Sequenzern macht. Wenn irgendwo ein Korg SQ-1, ein SQ-64 oder ein ähnliches Pendant greifbar sein sollte – einfach verkabeln und los geht’s. Dazu aber später mehr.

Die Klangerzeugung

Im Vergleich zum Original - und die unterschiedlichen Versionen berücksichtigend - liefert der Bereich der Klangsynthese drei analoge VCOs, ein Filter (jetzt umschaltbar mit den Filtertypen 4012 und 4072), zwei Hüllkurven und einen integrierten echten Federhall, Merkmale, die das klassische Design des Originals beschreiben. Hinzu gesellen sich Rauschen, Ringmodulation und Sample & Hold für ein komplexeres Sounddesign. Ein eigenständiger LFO ist nicht an Bord, dafür können jedoch die Oszillatoren mit einem Schalter neben ihren vier FM-Modulationsfadern in solche verwandelt werden. Dann wird allerdings einer tonal „geopfert“.

Abgerundet wird das Ganze mit einem Input plus Envelope Follower, einer Multiple-Sektion und einem „Voltage Processor“ zum kreativen Verarbeiten von Steuerspannungen. Letzterer erlaubt das Invertieren von Spannungen und das Erstellen von Glides bzw. Slews. Das fertige Signal verlässt auf mehreren Wegen den Synthesizer: Vorne aus zwei Lautsprechern (wie im klassischen ARP Design) mit eigener Pegelsteuerung, einem Kopfhörerausgang und Miniklinken-Outs. An der Seite finden sich zwei 6,3 mm-Klinkenausgänge für Mixer und Interfaces. Das Mastersignal kann noch mit dem eingebauten Federhall verschönt und mit einem „Pan“-Regler frei auf den linken oder rechten Ausgang verteilt werden. 

Übrigens: Die einzige visuelle Status-Anzeige des ARP 2600 M ist rot und über dem „On“-Schalter. Sie leuchtet, wenn das Gerät eingeschaltet ist. Ansonsten zeigt sich alles Schwarz, Grau und Silber. Understatement eben. 

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