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12.07.2019

6 Tipps, wie dein Video viral gehen wird

DOs und DON'Ts für den schnellen Erfolg

„In the future everyone will be world-famous for 15 minutes“, erklärte Andy Warhol 1968. Und niemand konnte ahnen, wie sehr er damit Recht behalten würde. Heutzutage ist der Fame dank dieses Internets genauso schnell zu erreichen, wie er wieder vorbei sein kann. Die verrücktesten und überraschendsten Bilder und Videos verbreiten sich rasend schnell im Netz. 2015 rätselten Millionen Menschen über die Frage, ob „the dress“ blau-schwarz oder weiß-gold wäre. „Charlie bit my Finger - again“ ist wohl das bekannteste Video über die Beißkraft eines Babys. Und unzählige Menschen kennen sich dank Judson Laipleys „Evolution of Dance“ nun bestens in der jüngeren Geschichte des Tanzes aus.

Besonders auch im Bereich der Musik gibt es eine Flut an Videos, die uns täglich über Social Media erreichen. Bonedo berichtet regelmäßig über die spannendsten Trends. Kennst du schon Yohan Kim, der mit einem Keyboard sämtliche Schlagzeuger in den Schatten stellt? Hast du gesehen, wie der Schiri Denis Aytekin auf einem Festival zum DJ wurde? Und das Video des Samba-tanzenden Bassisten kann dir auf keinen Fall entgangen sein! Wer weiß, vielleicht bist du der nächste Musiker, der im Internet groß herauskommt. Hast du Blut geleckt? Hier erfährst du, wie dein Video viral steil gehen wird!

 

Was ist dieses „viral“ genau?

Der Duden verrät uns: wenn Dinge besonders durch Kontakte in Social Media schnell eine weite Verbreitung im Internet finden, titulieren wir dies als „viral“. Das Wort wird übrigens auch in der Medizin gebraucht, wenn beispielsweise eine Krankheit durch einen Virus verursacht wurde. Es geht also um eine schnelle Verbreitung - in unserem Fall um ein Video, welches das ganze Netz infizieren soll. Virale Videos haben bereits eine Reise durch sämtliche Netzwerke hinter sich, auf der sie von Millionen von Menschen gesehen wurden.

Jede Minute werden 48 Stunden Videomaterial auf YouTube hochgeladen, von denen natürlich nur wenige Videos Viral gehen. Um dort herauszustechen, muss sich dein Video von der Masse abheben. Wir sprechen hier über „user created content“, denn jeder Benutzer kann selbst an der Internetkultur mitwirken und seinen eigenen Beitrag ins Netz laden. Natürlich gibt es auch professionell produzierte Musikvideos, die viele Klicks erreichen. Die lassen wir aber nun mal außen vor und konzentrieren uns auf dein Video. Beachtest du diese sechs Punkte, kannst du dich bald vor Likes nicht mehr retten.

 

1 - Der schlimmste Fehler: Langeweile

Ein kurzer Exkurs in die Aufmerksamkeitsökonomie: wir sprechen hier von einem Modell, in welchem die Aufmerksamkeit von Menschen als knappe Ressource betrachtet wird. Man muss sich also etwas besonderes einfallen lassen, um die Aufmerksamkeit der Social Media-Nutzer zu wecken. Der schlimmste Fehler, der dir hier passieren kann, heißt Langeweile. Denn genau so schnell, wie Leute auf ein Video klicken, klicken sie auch schon wieder weiter zum nächsten. Ist der arglose Nutzer also erst einmal auf deinem Video gelandet, heißt es, ihn so lange wie möglich dabei zu behalten.

Das funktioniert am besten mit Emotionen. Konntest du dich dem Hüftschwung des Samba-tanzenden Bassisten entziehen? Bleibt dir der Mund offen stehen bei Davidlaps Erfinderreichtum? Oder kannst du etwa die aufkommenden Elterngefühle beim Anblick dieser zwei süßen Kids unterdrücken? Emotionen fesseln uns und wecken außerdem den Wunsch, diese Gefühle mit unseren Freunden zu teilen. Und was kann dir besseres passieren, als eine Dominokette aus Empfehlungen? Einmal angestoßen, läuft sie weiter und weiter. 

2 - Kurz und knackig

Angenommen in deinem Feed taucht ein Video auf. Was machst du als erstes? Checkst du die Zeitanzeige? Und wenn es länger als 5 Minuten ist, siehst du es die überhaupt an? Die Chancen stehen wahrscheinlich sehr schlecht. Wir sind wieder bei der Aufmerksamkeit angekommen. Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist nämlich nicht besonders lang, besonders bei überaus langweiligem Inhalt. Dein Ziel also: knackig-unterhaltender Content in einem beschränkten Zeitrahmen.

Videos von zehn Minuten kannst du also gleich schon mal vergessen. Bei zwei Minuten sind die Chancen da sicher höher. Auf den Podestplatz kommen jedoch die 30-sekündigen Videos - eine halbe Minute ist ja nichts. Da klickt man dann gerne auch ein zweites oder drittes Mal. Versteife dich nicht auf den Gedanken, einen kompletten Song darbieten zu müssen. Überlege dir gut, was das Kernstück deiner Performance ist und konzentriere dich darauf. Hast du dennoch zu viel Content, ohne den dein Video nicht auskommt? Versuche trotzdem, die Zahl an der Zeitleiste möglichst klein zu halten. Dabei zählt jede Sekunde. 1.58 Minuten lesen sich da schon besser als 2:05 Minuten. 

  

3 - Expect the Unexpected

„(…) When the surprise is a twist, that is, when the unexpected ending is, in itself, the highlight of the story“, erklärte einst Filmlegende und Master of Suspension Alfred Hitchcock. Was bei Hitchcocks Filmen gut funktionierte, hat jedoch nichts ein deinem Video zu suchen. Denn Hitchcock gibt dem Publikum Informationen, er ermöglicht ihnen, anders als den Personen in der Geschichte, die Ereignisse vorherzusehen. Funktioniert gut im Kino, aber weder auch Instagram noch auf Facebook. Vorhersehbarkeit ist dein größter Feind, du möchtest Überraschung und Innovation auf deiner Seite. Das beste Beispiel dafür liefert Ariane Gozing.

Konkret bedeutet das: Das Internet kennt unzählige Teenager, die mit ihrer Gitarre im Kinderzimmer sitzen und bekannte Hits covern. Nichts daran ist überraschen, neu oder gar spannend. Stelle dir also lieber die Frage, was du kannst, das niemand sonst kann. Wie man kreativ mit deinem Instrument umgehen kann. Welcher Sound wie produziert werden kann. An dieser Stelle sei nochmal auf den einfallsreichen Davidlap verwiesen. Viral zu gehen, heißt kreativ zu sein. 

Beachtest du diese Faustregeln, gewinnt dein Video schon einmal erheblich an „Spreadability“, wird also tendenziell eher in sozialen Medien geteilt. Hinter dem großen Erfolg stecken aber noch viel mehr Arbeit und Faktoren.  Denn für viralen Durchbruch ist nicht nur der Inhalt deines Videos entscheidend. Genauso wichtig ist, was du daraus machst und wie du es verkaufst.

 

4 - Nutze den Fame der Anderen

Egal, wie du sie nennst. Influencer, Tastemaker, Trendsetter. Für uns steckt dahinter der selbe Nutzen. Denn diese Personen haben meist viele Follower in den sozialen Netzwerken und somit eine hohe Reichweite im Internet. Dieses Video von gleich zwei Regenbögen kursierte schon lange im Netz, wurde aber erst erfolgreich, als Jimmy Kimmel, ein US-amerikanischer Comedian und Moderator, dieses Video auf Twitter mit seinen damals 90.000 Follower teilte. Plötzlich ging der Clip steil, und das alles nur wegen eines kleinen Tweets. 

Mit ein bisschen Hilfe von followerstarken Persönlichkeiten kann dein Video also auch den Sprung schaffen. Dabei solltest du dich jedoch keinesfalls auf den Zufall verlassen. Gehe sicher, dass dein Video in allen sozialen Netzwerken vertreten ist und bitte schon einmal deine Freunde, es zu teilen. Schicke es an Stars deines Lieblingsgenres. Sende es News-Seiten und Blogger. Kurzum: sende es an jeden, der nur ein minimales Interesse daran haben könnte.

Verlinke zudem in der Videobeschreibung sämtliche Firmen, die mit dem Video in Verbindung gebracht werden. Von welchem Hersteller stammt dein Instrument? Mit welchem Gerät hast du das Video aufgenommen? Hast du eine App oder Software verwendet? Schicke das Video an all diese Firmen, denn auch in ihrem Interesse liegt es, der Welt die Vielseitigkeit ihrer Produkte zu zeigen.

 

5 - Der Zweck heiligt den Titel

Bevor du das Video veröffentlichst, solltest du dir auch Gedanken zum Titel machen, denn dieser kann mitunter für den Erfolg entscheidend sein. Verzichte auf lange Wörter oder gar Sätze. Überlege dir lieber eine kurze Headline. Diese sollte den Inhalt auf den Punkt bringen und vor allem neugierig machen. Verrate nicht zu viel, denn wie du oben bereits gelernt hast, gehört die Vorhersehbarkeit im Internet zu den Todsünden des Videostars.

Du solltest auch Acht geben, dass du nicht in den Bereich des Clickbaitings kommst. Darunter versteht man das Ködern (engl. „to bait“) von Klicks, meist mit übertrieben aufgebauschten Schlagzeilen. „14 Kinder, die ihre Eltern verzweifeln lassen“, „23-jährige dehnte ihren Nacken und ist danach gelähmt“ oder „Lehrerin muss wegen Foto gehen - Kollegen ziehen blank“ - du merkst, wie der Hase läuft. Seit 2014 schon geht Facebook jedoch gegen Clickbaiting vor. Posts, die als solches erkannt werden, werden weniger häufig im Newsfeed angezeigt - das willst du aber um jeden Preis vermeiden. Überlege dir den Titel gut, denn hast du das Video einmal veröffentlicht, gibt es kein Zurück mehr. 

 

6 - Pünktlichkeit wird belohnt

Auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung spielt eine erhebliche Rolle. Oft funktionieren Videos sehr gut, die zeitnah auf unerwartete, große Ereignisse reagieren. Das erfordert natürlich eine große Spontanität. Erinnerst du dich an das Bild eines Eis, welches Anfang des Jahre in den sozialen Medien kursierte? Dieses Ei hatte Kylie Jenner vom Thron des meist-gelikten Instagram-Posts verdrängt. Durchschnittlich erfolgreich, jedoch sehr am Puls der Zeit war Mr. Grande daraufhin mit seinem Video „If Kylie Jenner And The Egg Had A Rap Battle:“

Du kannst natürlich auch ein Video unabhängig aktueller Ereignisse veröffentlichen. Dies solltest du aber auf keinem Fall am Wochenende tun. Denn weißt du, wann die meisten Leute sich durch soziale Netzwerke klicken? Genau, während der Arbeitszeit. Veröffentlichst du dein Video am Wochenende, läufst du in Gefahr in den Untiefen des Internets zu verschwinden, bevor du überhaupt die ersten Klicks erhaschen konntest. Überprüfe auf jeden Fall die Ferienzeiten und auch die aktuellen Nachrichten. Neben der großen Newsstory ist dein Video unbedeutsam und am Strand sieht es sich auch niemand an.

Du merkst, das Timing ist eine delikate Angelegenheit. Weiterhin solltest du nämlich beachten, dein Video nicht an einem Montag zu veröffentlichen. Das ist nämlich der fleißigste Tag der Woche. Jeder ist beschäftigt, die Aufgaben zu erledigen, welche sich seit Freitag Mittag aufgestaut haben. Veröffentlichst du das Video am Dienstag, ist der Schreibtisch schon wieder leerer und trotzdem haben alle Menschen noch die ganze restliche Arbeitswoche Zeit, das Video mit Kollegen und Freunde zu teilen. 

Nach all der Planung und Aufregung kommt doch dann schlussendlich der Punkt, an welchem du das Video veröffentlichst und es hoffentlich Viral geht. Sei dir bewusst, dass, so viele Fans du auch haben magst, es immer Leute gibt, welche Erfolg und Beliebtheit neiden. Konstruktive Kritik ist besonders unter Musikern hilfreich, aber sinnlose negative Kommentare solltest du dir nicht zu Herzen nehmen. 

Und last, but not least: Viele Faktoren spielen zwar in den Erfolg deines Videos, letzten Endes ist aber viel dem Zufall überlassen. Wichtig ist, dass du dich wohl fühlst und zufrieden mit dem Ergebnis bist.  

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Doch lieber Bühne statt Video? Entdecke hier die kreativsten Möglichkeiten, einen Taschensender zu tragen

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