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24.08.2017

5 Songs für den Bass-Workout mit der rechten Hand

Mit diesen Songs könnt ihr euren Wechselschlag verbessern!

Im stressigen Alltag mit Beruf und Familie ist die Zeit, sich ausgiebig dem Bass zu widmen, oft viel zu knapp bemessen. Wenn man schon mal Zeit dafür findet, hat man in der Regel nicht auch noch Lust, konzentriert Tonleitern zum Metronom zu üben, sondern möchte einfach Spaß haben und spielen. Um trotzdem kontinuierlich Fortschritte zu machen, ist es sinnvoll, Üben und Spaß in ein Paket zu schnüren.

Jeder Song, ob eigener oder von deiner Lieblingsband, kann zu einer Übung werden, wenn man den Fokus auf die entsprechenden Aspekte legt. Ich habe heute fünf Songs für euch ausgewählt, die sicher jeder kennt und die aus verschiedenen Gründen eine Herausforderung für unsere Anschlagshand sind. (Solltet ihr Linkshänder sein, so fühlt euch bitte nicht diskriminiert, dass ich gewohnheitsmäßig hier meistens "rechte Hand" schreibe!) 

Die zentralen Themen beim Wechselschlag sind Gleichmäßigkeit in Timing und Sound, Geschwindigkeit, Artikulation und String Skipping (also das Überspringen von Saiten, z.B. bei Oktaven). Jeder der hier vorgestellten Songs beinhaltet einen oder mehrere dieser Aspekte. Erleichternd kommt hinzu, dass bei den vorgestellten Basslinien wenig Bewegung in der Greifhand stattfindet, wir können uns also voll auf unseren Anschlag konzentrieren.

Wie schon gesagt: man kann im Grunde jeden Song zu einer Übung machen. Ob ich eine langweilige Wechselschlagübung mit Leersaiten aus einem Buch mache oder ob ich bei dem Song, den ich ohnehin gerne spielen möchte, den Fokus auf den Wechselschlag lege ‑ beides sind gute Übungen, nur die letztere macht deutlich mehr Spaß.

In diesem Video findest du für jeden der fünf Songs eine langsame Version, so kannst du die Abfolge der Finger gut nachvollziehen. Weiter unten stelle ich jeden Song einzeln vor, mit einem verlinkten YouTube-Original sowie einer PDF-Datei zum Downloaden mit Noten und TABs.

 

Van Halen: Why Can't This Be Love

Van Halens Megahit von der Platte "5150" ist hervorragend geeignet, um Gleichmäßigkeit, Artikulation und Kondition zu trainieren. Michael Anthony spielt wie bei vielen anderen Van-Halen-Songs nahezu durchgängig Sechzehntel. Dabei betont er dezent jede Viertel und erzeugt damit einen treibenden Puls. Das Tempo ist dankenswerterweise noch sehr moderat. "Why Can't This Be Love" ist ein richtiger Feelgood-Song und macht höllisch Spaß. Ich habe für euch Intro/Vers und Chorus notiert.

VIDEO: Van Halen - Why Can't This Be Love

 

KISS: I Was Made For Loving You

Wie bei so vielen Bands hat der größte Hit kaum etwas mit dem eigentlichen Repertoire zu tun. Die Rockband Kiss versuchte sich mit "I Was Made For Loving You" bei der zur damaligen Zeit populären Disco-Musik anzubiedern. Der monetäre Erfolg gab ihnen Recht, während echte Kiss-Fans schockiert waren. Uns kann das zum Glück reichlich egal sein, denn die Bassline ist eine Herausforderung in gleich mehrerer Hinsicht: Gleichmäßigkeit, String Skipping und Tempo.

Hinzu kommt ein Aspekt, der gerne übersehen wird und oft eine Groove-Bremse ist: In den Takten 7/8 und 15/16 muss man aufgrund der gebundenen Note einen Finger wiederholen, um wieder in der richtigen Reihenfolge zu sein. Ansonsten stolpert man eine Weile herum, was für den Groove natürlich kontraproduktiv ist.

VIDEO: Kiss - I Was Made For Loving You

 

Billy Cobham: Stratus

Billy Cobhams Jazzrock-Kracher "Stratus" wird mit einer geradezu ikonischen Bassline veredelt. Kein Geringerer als Basslegende Lee Sklar zeichnet dafür verantwortlich. Eine zwei Viertel lange Phrase wiederholt sich dabei ständig und erzeugt eine hypnotisierende Wirkung. Wieder einmal stehen Gleichmäßigkeit, Artikulation und Kondition im Mittelpunkt. Diesmal wird jedoch der Backbeat (die Zählzeiten 2 und 4) betont. Das wirkt etwas jazziger/funkiger als die Betonung jeder Viertel.

Vorsicht beim Wechsel auf die E-Saite: Hier neigt man gerne dazu, den Finger einfach "durchzuziehen" (Raking). Das ist bequem, killt aber den Groove, da man sonst bei jedem Durchgang mit einem anderen Finger auf den Vierteln landet. Das führt zu einem schwammigen, eiernden Feeling. Und das macht den Lee ganz traurig! ;-)

VIDEO: Billy Cobham - Stratus

 

Iron Maiden: Number Of The Beast

Zugegeben, jeder Iron-Maiden-Song ist eine brutale Herausforderung für die Anschlagshand. Steve Harris ist einfach gnadenlos gut und vermutlich einer der einflussreichsten Rock/Heavy-Bassisten aller Zeiten. Das Intro zu "Number Of The Beast" beinhaltet gleich mehrere interessante Aspekte für uns: Gleichmäßigkeit, Ausdauer (sportliches Tempo!), den 5/4-Takt, die Wechsel zwischen D- und G-Saite (nicht Finger durchziehen, sonst ist man verloren!) und die Betonung der Melodie zusammen mit dem Gesang.

VIDEO: Iron Maiden - The Number Of The Beast (Official Video)

 

Tower Of Power: What Is Hip

DER Fingerstyle-Klassiker schlechthin vom Meister Francis Rocco Prestia persönlich! Wer diesen Song bewältigt, braucht sich keine Gedanken mehr um seinen Wechselschlag zu machen. Gerade der Vers beinhaltet alle Aspekte, die wir bisher angesprochen haben. Deshalb habe ich diesen zu einer Übung geloopt. Er ist sozusagen eine Zusammenfassung aller Punkte, nur in einem höheren Tempo. Aufgrund der permanenten Sechzehntel stehen auch hier wieder Gleichmäßigkeit und Ausdauer auf den Plan.

Zusätzlich kommen das Wiederholen eines Fingers nach einer gebundenen Note hinzu (siehe "I Was Made For Loving You") und jede Menge String Skipping. Als wäre das nicht genug, wird für ein luftig-funkiges Feeling der Backbeat (die Zählzeit 2 und 4) betont. "What Is Hip" ist definitiv eine Jahrhundert-Bassline. Sicherlich erst einmal eine harte Nuss - aber dafür wird man mit jeder Menge Spaß belohnt!

VIDEO: Tower of Power - What is Hip (Album Version)

Ich hoffe, diese fünf Songs machen euch genauso viel Freude wie mir! Sie zeigen gut, dass sich Üben und Spielspaß durchaus hervorragend kombinieren lassen. Man muss oft nur seinen Fokus auf das entsprechende Detail legen und schon kann aus nahezu allem eine tolle Übung werden. Demnächst folgt das Gleiche für unsere Greifhand.

Bis bald, euer Thomas Meinlschmidt

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