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DiGiGrid IOS XL Test

Praxis

Wie bereits beschrieben, lässt sich der IOS XL mit allen Waves-SoundGrid-Applikationen wie eMotion LV-1, SuperRack oder SoundGrid Studio verwenden. Dazu benötigt der Anwender neben der Software-Applikation einen Waves Server und mindestens ein SoundGrid-IO-Device. Unser Testkandidat erfüllt diese Minimalanforderungen problemlos. Für den Praxistest verbinde ich den IOS XL mit einem CAT5e-Kabel mit dem Host-Computer. In unserem Fall ein Intel NUC Hades Canyon, auf dem der Waves eMotion LV-1 Softwaremixer installiert ist. Die Einrichtung ist denkbar einfach. Man startet den LV-1 Mixer und öffnet über die Setup Page das „System Inventory“. Hier lassen sich alle Hardware-Gerätschaften eines SoundGrid-Setups von Hand hinzufügen. Alternativ nutzt man die Auto-Konfiguration. Diese Funktion scannt automatisch das gesamte Netzwerk und fügt selbstständig alle SoundGrid-fähigen Geräte dem Netzwerk hinzu. Das klappt in der Tat auf Anhieb.
Generell zeigt sich, dass SoundGrid sehr bedienerfreundlich angelegt ist. Das Netzwerk erkennt beispielsweise automatisch, ob die Firmware bei einem oder mehreren SoundGrid-Geräten in puncto Firmware veraltet sind, und bietet in diesem Fall ein automatisches Firmware-Update mit nur einem Mausklick an. Komfortabel und schnell! Mein eMotion LV-1 Mixer befindet sich auf dem aktuellen Firmware-Stand und moniert daher bei dem IOS XL eine veraltete Firmware. Mit einem Mausklick auf das kleine „FW“-Icon wird die Firmware aktualisiert, und die Hardware initialisiert sich nach erfolgreichem Update selbstständig. Wir sind einsatzbereit.
Für den IOS XL gibt es in der „System Inventory“ gleich zwei Einträge. Einmal als „IOS-XL-1“ unter Rack I/O Devices und einmal als „SG Server“ unter der Rubrik Server. Als nächsten Schritt wählt man die passende Samplerate und wechselt eventuell noch das Gerät, das die Master Clock vorgibt. In der Auto-Konfiguration vergibt der Waves LV-1 die Master Clock immer an das I/O Device, das als erste im Device Rack gelistet ist. Das lässt sich allerdings mit einem Mausklick ändern. Nun braucht man nur noch die Ein- und Ausgänge über das Patch-Fenster zu routen und das System ist betriebsbereit. 

Fotostrecke: 4 Bilder Der IOS XL erzeugt gleich zwei Einträge in der System Inventory
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Im Inneren das IOS XL werkelt ein Extreme Server, der aus Standard-PC-Bauteilen besteht. Allerdings ist es DiGiGrid beim IOS XL gelungen, die Lüftergeräusche auf ein Minimum zu reduzieren und trotzdem eine hohe Kühlleistung zu garantieren. Selbst unter Volllast bleibt der Kandidat ruhig und die Temperaturanzeige der CPU zeigt erfreulich niedrige Werte an. Ein weiterer Beweis für die uneingeschränkte Road-Tauglichkeit der DiGiGrid-Hardware.
Die Leistungsfähigkeit der Server-Einheit ist identisch mit einem regulären Waves V3 Extreme Server. Somit kann der Anwender selbst die 64-Kanal-Version des Waves eMotion LV-1 Mixers mit reichlich Plug-ins nutzen, ohne sich Gedanken über den CPU Headroom zu machen. Eng wird es nur, wenn die 64-Kanal-Version mit 96 kHz laufen soll und neben den Standard-Plug-ins noch mehr als zwei, drei Instanzen besonders CPU-hungriger Plug-ins zum Einsatz kommen. Besonders die Abbey Road Plates und das Waves H-Reverb verlangen der verbauten i7-CPU deutlich mehr ab als die übrigen Waves-Plug-ins. Wer mit diesen beiden Plug-ins sparsam umgeht, dürfte in der Praxis kein Performance-Probleme im 96-kHz-Betrieb haben. Die Server-Last wird als Balkenanzeige mit Ampel-Farbkodierung (grün, gelb, rot) angezeigt. In der Praxis zeigt sich, dass der Server dauerhaft im gelben Bereich mit kurzen roten Peaks betrieben werden kann, ohne dass es zu Artefakten oder gar Aussetzern kommt. 

Fotostrecke: 4 Bilder Der Waves eMotion LV-1 Mixer ist nur eine SoundGrid-Applikation, die der IOS XL verwalten kann
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Die DiGiGrid-Hardware lässt sich sowohl im Tonstudio (SoundGrid Studio), bei Streams, als auch für Broadcast- und Live-Anwendungen (LV-1, SuperRack) verwenden. Daher auch der auf den ersten Blick etwas ungewöhnliche Mix von unterschiedlichen Anschlussarmaturen. Mit diesem Mix wird DiGiGrid aber den meisten Tasks gerecht, und dank der vier verbauten RJ-45-Netzwerkbuchsen sind zumindest bei kleineren Bühnen und im Studio keine weiteren Switches für die Verkabelung notwendig. So akzeptieren die verbauten Netzwerkbuchsen des IOS XL Kabellängen von bis zu 50 Metern, was in der Praxis in den meisten Fällen ausreichen dürfte. Ansonsten kann ein SoundGrid zertifizierter Switch (Artikelnummer 465947) weitere hundert Meter Signalweg bereitstellen.
Was die Klangqualität der verbauten Mikrofonvorverstärker betrifft, habe ich keine Fragen. Diesen stammen aus der SD-Serie von DiGiGo und arbeiten dementsprechend auf höchstem Niveau. Selbst sehr hohe Eingangspegel (Mikrofon bis +26 dBu, Line bis +36 dBu) sind für den IOS XL kein Problem, auch das Rauschverhalten ist exzellent. Bei leisen Signalquellen und gleichzeitig hoher Verstärkung (z. B. bei Klassik-Aufnahmen) zeigen die DiGiGrid-Mikrofonvorverstärker, was in ihnen steckt. Auf vergleichbarem Niveau operieren auch die verbauten Kopfhörerverstärker. Diese sind bei Bedarf extrem laut und klingen zudem sehr gut, sodass man ihnen getrost das Attribut „Hi-Fi“ anhängen darf.
Dazu passt die geringe Geräuschentwicklung des Kandidaten, wodurch er sich souverän einen exponierten Platz im Regieraum sichert. Egal ob Regieraum oder FoH-Platz, dort machen sich die I/O-Möglichkeiten des Kandidaten bezahlt. Die meisten Eingänge fallen auf der Bühne oder im Aufnahmeraum an, in der Regie oder am FoH reicht dagegen eine Handvoll Eingänge für einzelne Instrumente, Talkback-Mikro, Zuspieler. Der IOS XL bietet zudem zwei Kopfhörerausgänge und kann einen Summenmix entweder analog oder digital übergeben. Das macht ihn zu einer universell einsetzbaren Kompaktlösung im Waves-SoundGrid-Universum.

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