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B.log – Remembering Trevor Bolder

Ich weiß, ich weiß, liebe Besucher des bonedo-Bassbereichs: “Trevor WER?”, werden sicherlich Einige unter euch fragen. Und gerade WEIL Trevor Bolder leider niemals der Bekanntheitsgrad vergönnt war, den er verdient gehabt hätte, möchte ich heute an ihn erinnern: Für mich war Bolder nicht weniger als einer der besten Rockbassisten aller Zeiten, der eigentlich in einem Atemzug mit Legenden wie Chris Squire oder John Entwistle genannt werden müsste! Am 9. Juni wäre der ehemalige Bassist der Spiders from Mars (der ehemaligen Begleitband von David Bowie zu seligen Ziggy Stardust-Zeiten) und Uriah Heep 65 Jahre alt geworden. Leider verstarb Bolder bereits am 21. Mai 2013 an einem Krebsleiden. Anlässlich seines Geburtstages werfe ich einen Blick zurück…

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Bolder wurde im britischen Kingston upon Hull, Yorkshire, geboren. Seine Familie war sehr musikalisch, Bolders Vater war Trompeter, und auch Trevor selbst spielte schon früh Kornett und Trompete in der Schulband und lokalen Bands. 1964 wechselte er zum Bass, inspiriert durch die Beatles. In einer Band namens The Rats lernte er den Gitarristen Mick Ronson kennen, der 1970 zur Begleitband von David Bowie wechselte.
Nur ein Jahr darauf folgte ihm Trevor in die Gruppe, die kurz darauf als The Spiders from Mars internationale Berühmtheit erlangen sollte. Bolder setzte mit seinem kraftvollen Bassspiel (gelegentlich spielte er sogar zusätzlich Trompete) wichtige Impulse für die Band. Obwohl er nie sonderlich glücklich mit den obligatorischen Glamrock-Kostümen von Bowies Ziggy Stardust-Ära war, verewigte er sich auf den Alben “Hunky Dory” (1971), “The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars” (1972), “Aladdin Sane” (1973) sowie “Pin Ups” (1973). Im Jahr 1974 spielte er auch auf dem Soloalbum “Slaughter on 10th Avenue” von Mick Ronson.
1976 trat Bolder Uriah Heep bei und spielte auf den Alben “Firefly” (1976), “Innocent Victim” (1977), “Fallen Angel” (1978) und “Conquest” (1980). Da die Band aufgrund von Umstrukturierungen im Lineup kurzzeitig auf Eis gelegt werden musste, nahm Bolder ein Angebot der britischen Band Wishbone Ash an. Er spielte 1982 das Album “Twin Barrels Burning” ein, ehe er schon 1983 wieder zu Uriah Heep stoßen sollte. 1991 tat sich Bolder sogar als Produzent des Heep-Albums “Different World” hervor. Am 21. Mai 2013 starb der legendäre Bassist im Krankenhaus Cottingham viel zu früh an Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Im Jahr 2008 hatte ich selbst einmal die Ehre, Bolder backstage kennenzulernen, als ich als Bassist in der Band des Ex-Scorpions-Gitarristen Uli Jon Roth auf einem Festival in Süddeutschland spielte. Bolder war ganz britischer Gentleman und hielt einen interessanten “Bass Talk” mit mir. Uriah Heep waren an diesem Abend Headliner, und das ungemein powervolle Spiel Bolders auf seinem Fender Precision sorgte dafür, dass ich den kleinen Bassisten (er reichte mir gerade einmal bis zu den Schultern) während seines Gigs später am Abend wie gebannt von der Seitenbühne aus beobachtete. Mit einem erdbebenartigen Sound verband er erdiges und songdienliches Rockbassspiel mit tollen virtuosen Parts, garniert mit einer Prise Showmanship. Ich war wie versteinert und weiß seither: Wer wissen möchte, wie man Rockbass spielt, der braucht nur Trevor Bolder zu studieren!
Überzeugt euch doch einfach selbst anhand der nun folgenden Internet-Fundstücke!
Den Anfang macht ein von einem Fan gedrehtes Video, welches Bolder im Jahr 2011 bei einem Gig in Los Angeles zeigt. Für die Nicht-Kenner des Repertoirs von Uriah Heep: der performte Song heißt übrigens “July Morning” und stammt vom 1971er-Album “Look At Yourself”. Obwohl ich den Clip schon sehr oft gesehen habe, bekomme ich noch immer jedes Mal eine Gänsehaut!
https://www.youtube.com/watch?v=6PdyeYSK8ow
Und hier ein Blick zurück: Erlebt noch einmal David Bowie als Ziggy Stardust mit Trevor am Bass (und mit seinen damals für ihn typischen unglaublichen Koteletten!), der besonders am Schluss vor Spielfreue geradezu zu sprühen scheint! Wir schreiben das Jahr 1973, gefilmt wurde ein Auftritt im Londoner “Marquee Club”:
https://www.youtube.com/watch?v=pXSGocWifAg
Noch ein Jahr älter ist diese Aufnahme: “Starman” war im Jahr 1972 ein Hit. Trevor bedient auch hier seinen Gibson EB-3-Bass mit “Slotted Headstock”, den er damals bevorzugt einsetzte:
https://www.youtube.com/watch?v=4B5zmDz4vR4
Dass es auch durchaus mal ein wenig ruhiger zugehen konnte, zeigt dieses Video von Uriah Heep aus dem Jahr 2001. Bei dem umwerfenden Song “Come Back To Me” brilliert Bolder geschmackvoll auf einem Akustikbass:
https://www.youtube.com/watch?v=xrObcJyXNMM
Danke, dass du der Welt gezeigt hast, wie man Rockbass spielt, Trevor!

Bis ganz bald im bonedo-Bassbereich!
Lars Lehmann (Leiter Bassredaktion)

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von Lars Lehmann

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Profilbild von Tom

Tom sagt:

#1 - 22.06.2015 um 19:36 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Moin Lars..,
schön das Du in der Zeit von Hektik und viel nervigen "Gelärme" noch den leisen und tiefen Ton triffst.
Toller Artikel und sehr Einfühlsam interessant geschrieben.
Danke..mehr davon;-)
Tom aus Basche

Profilbild von lars.bonedo

lars.bonedo sagt:

#2 - 23.06.2015 um 06:39 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Hallo Tom!Vielen Dank für dein Feedback, das freut mich sehr! Hast Recht, die heutige Zeit ist meistens in der Tat zu laut und zu hektisch. Gerade deswegen finde ich es wichtig, auch mal hin und wieder einen Blick zurück zu werfen und an Musiker wie Trevor zu erinnern.Schöne Grüße und weiterhin viel Spaß im bonedo-Bassbereich!Lars

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