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Audiovergleich – AmpliTube 5 vs. Line6 Helix Stomp vs. Fractal Audio AxeFx III

Das analoge oder digitale Nachbilden von Gitarrenverstärkern mit dem Zweck, die schweren Boliden in ein handliches Format bannen zu können, blickt bereits auf eine lange Geschichte zurück. Seit den 80er Jahren bemühen sich diverse Hersteller, das Verhalten von echten Röhrenamps mit Transistor- oder Digitaltechnik umzusetzen, allerdings schien die Gitarrenwelt diese Entwicklung bis vor kurzem zwar mit Interesse zu verfolgen, aber dennoch nach einem kurzen Liebäugeln wieder auf ihre Echt-Amps und “the real thing” zurückzuspringen.
Diese Haltung nahm jedoch um die 2010er Jahre eine rasante Wendung, als mit dem Avid Eleven Rack, dem Kemper Profiler oder dem Fractal Audio Axe Fx die ersten digitalen Amps in den Profi-Racks anzutreffen waren, die eine ernstzunehmende Alternative zu echten Röhrenverstärkern boten.
Drei aktuelle digitale Amp-Modeller wollen wir euch im folgenden Audiovergleich vorstellen, die preislich in drei vollkommen unterschiedlichen Ligen spielen, nämlich den IK Multimedia Amplitube 5, den Line6 Helix Stomp und den Fractal Audio Axe Fx III

amplitube5-vs-axefxiii-vs-hxstomp-vergleich-comparison-amp-modeling

. Auch wenn diese drei Produkte mit hervorragenden Effektsektionen glänzen können, möchte ich mich hier ganz konkret nur auf die Abbildung der Ampsounds fokussieren und der Frage nachgehen, inwieweit sich die Testkandidaten unterscheiden.

Inhalte

  1. Kurze Geschichte des Modellings
  2. Testaufbau
  3. Klangbeispiele
  4. Fazit
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Kurze Geschichte des Modellings

Ihren Anfang nahm diese Entwicklung bereits in den frühen Achtzigerjahren, als Roland mit dem GP 8, Tom Scholz mit dem Rockman oder Rocktron mit dem Pro G. A. P. digitale oder Transistorgerätschaften auf den Markt brachten, die entweder als Taschenverstärker oder als 19″ Preamp das Röhrentopteil analog oder digital ersetzen sollten. In den 90ern erschien mit dem Zoom 9002 bereits ein winziger digitaler Übungsverstärker im Handyformat, der zwar nicht als Live-Amp konzipiert war, aber immerhin von Joe Satriani für den Song “Crying” eingesetzt und dadurch salonfähig wurde. Einen richtigen Boost erfuhr der Trend jedoch 1998, als Line 6 mit dem POD einen Digital-Amp mit diversen Effekten, Amp- und Cabinet-Modellen auf den Markt brachte. Die Begeisterung in der Gitarrenwelt war anfangs groß, fand jedoch bald ihre Ernüchterung in der Tatsache, dass sich diese digitalen Sounds deutlich schwerer im Mix unterbringen ließen und ihnen die nötige Durchsetzungskraft fehlte. Was für kleine Übungsamps oder Schülerverstärker eine tolle und kostengünstige Bereicherung war, eignete sich für den Band-, geschweige denn für den Semiprofi- bis Profibereich nur schwerlich. Erst um die 2010er Jahre erschienen mit dem Avid Eleven Rack, dem Kemper Profiler oder dem Fractal Audio AxeFx hochpreisigere Digitallösungen auf dem Markt. Ab diesem Zeitpunkt konnte und musste man anfangen, die Entwicklung ernstzunehmen, zumal angesagte Bands nicht mehr davor zurückschreckten, diese Produkte auch live einzusetzen. Gründe für diesen Evolutionssprung waren zum einen die wachsende Prozessorleistung, aber auch der Einsatz sogenannter Impulsantworten, die eine noch realistischere Abbildung einer abgenommenen Gitarrenbox ermöglichen. Auch wenn die digitalen Ampmodelle immer noch nicht ganz auf dem Level des Analog-Amps angekommen sind, wird der Abstand doch merklich kleiner und man kann gespannt auf die Entwicklung der nächsten 10 -20 Jahre blicken.

Testaufbau

Verglichen werden soll hier zum einen die neuste Version vom IK Multimedia AmpliTube 5 (Stand 1/2021), das Line6 HX Stomp mit FW 3.00 und das Fractal Audio Axe Fx III mit FW 15.01. Wie eingangs erwähnt, handelt es sich dabei um einen reinen Software- und zwei Hardware-Modeller, die preislich sehr unterschiedlich liegen. Schlägt das AmpliTube MAX für runde 300 Euro zu Buche, muss man für das HX Stomp schon knapp unter 600 Euro in der Standardausführung hinblättern. Der Platzhirsch Axe Fx III schließlich geht für über 2500 Euro über die Ladentheke. Die Preise sind jedoch nicht ausschließlich in der Soundqualität begründet, sondern Konnektivität und weitere Features dürften hier einen gehörigen Einfluss haben.

Fotostrecke: 3 Bilder IK Multimedia AmpliTube 5
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Betrachtet man die Komponenten eines Modelling-Amps, so setzen sich diese aus zwei Grundelementen zusammen: Einerseits der digitalen Abbildung des non-linearen Verstärkers mitsamt seinem dynamischen Verhalten, der Reaktion der Endstufe, der Röhren etc., und andererseits der linearen Abbildung des abgenommenen Gitarrenlautsprechers. Letztere wird bei der neuen Generation von Modellern, wie bereits erwähnt, durch sogenannte Faltungen, bzw. Impulsantworten oder IRs realisiert, die man auch nach Belieben austauschen kann.
Um den Versuchsaufbau so realistisch wie möglich zu halten, werden dieselben IRs sowohl in Amplitube als auch im Helix Stomp sowie im Axe Fx eingesetzt, sodass wir uns ganz alleine auf den Ampsound konzentrieren können.

Folgende IRs kommen zum Einsatz:
  • Fender Deluxe Reverb:
    Faltung von 2×10″ Jensen C10 Speakern in einem Open Back-Gehäuse
  • Fender Bassman, Marshall Plexi, Soldano SLO100:
    Faltung eines Marshall 4×12 Cabinets mit Pre-Rola Celestion T1221 Greenback Speakern mit 75Hz Leadcones
  • VOX AC30:
    Faltung eines AC30 Combos aus den 60ern mit Pulsonic Cones

Da bei allen drei Modellern leichte Unterschiede in den zugrundeliegenden Ampmodellen vorliegen und bekanntermaßen manchmal schon zwei Amps der gleichen Serie unterschiedlich klingen, ist der Vergleich sicherlich mit einer Prise Vorbehalt zu genießen. Ein absolut identisches Matching sollte man also nicht erwarten, vielmehr geht es darum, Plastizität, Authentizität, Dynamik und Ansprache der drei Probanden einander gegenüberzustellen. Auch wichtige Faktoren wie z.B. Spielgefühl und Direktheit lassen sich über Audiofiles sicherlich nur schwer transportieren und unterliegen einer gewissen Subjektivität. Die Effekte bleiben vollkommen unangetastet, lediglich ein Hauch Reverb wird in der DAW identisch für alle Modeller eingesetzt.

Klangbeispiele

1. Fender Deluxe Reverb – Clean

Hier hört ihr den cleanen Sound eines Fender Deluxe Reverb Combos, gespielt mit einer Fender Stratocaster.

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2. Fender Bassman – Crunch Riff

Der Bassman gilt als Urvater des Rock’n’Roll, und daher hört ihr hier eine leicht crunchige Variante, ebenfalls mit einer Stratocaster.

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3. Vox AC 30 – Riff

Nun wird es britisch und ich stöpsele meine Fender Telecaster virtuell in einen AC30, den ich ordentlich aufreiße.

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4. Marshall Plexi – Rockriff

Wir bleiben geografisch auf der Insel und es kommt ein 100W Marshall Plexi zum Einsatz, wobei die Gitarre immer noch eine Telecaster in der Halsposition ist.

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5. Marshall Plexi – Dynamic Picking

Nun erhöhe ich den Gain etwas und switche zu einer Ibanez Artist mit Humbuckern. Ihr hört hier den Stegpickup mit einem dynamischen Picking und der Verwendung des Volume-Potis an der Gitarre.

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6. Soldano SLO 100 – Drop D

Jetzt wird es etwas härter und ich wechsele zu einem Soldano SLO100 und stimme die E-Saite meiner Ibanez Artist auf D herunter.

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7. Soldano SLO 100 – Lead

Hier kommt ein Sololick, ebenfalls mit einer Ibanez Artist, gespielt über einen Soldano SLO100.

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8. Praxisbeispiel

Zum Abschluss soll es um die Gretchenfrage gehen: Wie verhält es sich im Mix? Hier hört ihr alle drei Modeller hintereinander in der Reihenfolge unseres Testaufbaus. Für die Rhythmusgitarre kommt eine Fender Stratocaster mit dem Fender Deluxe Reverb zum Einsatz, während der Solosound von einer Ibanez Artist über einen AC30 stammt.

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Praxisbeispiel

Fazit:

Keine Frage, mit allen drei Produkten lassen sich tolle Gitarrensounds gewinnen, und auch wenn es kleine Unterschiede im Grundcharakter der Amps gibt, bin ich doch erstaunt, wie ähnlich sich die Sounds bei drei grundlegend unterschiedlichen Produkten hindrehen lassen. Die Hauptursache dürfte in der jeweils identischen Speakerfaltung liegen, die in der Ohren vieler Gitarristen, mich eingeschlossen, häufig einen größeren Einfluss auf den Sound hat, als der Amp selbst. Betrachtet man das Gesamtpaket, wird das Axe FX sicherlich als Gewinner aus unserem Vergleich hervorgehen. Auch wenn man die drei Modeller auf den reinen Ampsound reduziert, spüre ich beim Fractal Audio die größte Direktheit in der Ansprache und die Amp-Modelle klingen für mich hier auch am natürlichsten. Nichtsdestotrotz überraschen mich HX Stomp und AmpliTube 5 in der direkten Gegenüberstellung extrem und ich würde bedenkenlos auch diese beiden Ampsimulationen in einem Live- oder Recording-Szenario als Ergänzung einsetzen.

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von Haiko Heinz

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Ben sagt:

#1 - 28.03.2021 um 13:29 Uhr

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Haiko, Danke für den wie immer tollen & hochwertigen, klasse
formulierten Test. Auch die Auswahl finde ich gelungen, Top End
Device, Plugin und ein bezahlbares Multieffekt. Im Test wird ja die
Soundnachbildung der Originalamps beurteilt. Ich hätte hieraus nun als Hobby Gitarrist mal folgende konkrete Fragestellung an den Profi: Die genaue Soundnachbildung des Originalamps interessiert mich
nicht so sehr sondern vielmehr eher das wuchtige, mächtige
Spielgefühl, Direktheit, "Resonanz", ich weiß gar nicht
wie man es genau formuliert. Im Proberaum nutze ich einen 5150 III 50
Watt an einer Marshall V30 4x4. Den Amp erfinde ich als Hammer direkt, d.h. auch wenig Fehler verzeihend. Aber im Proberaum bei
höheren Lautstärken (ProgMetal, auch mal Ambient Clean, lauter
Schlagzeuger) liebe ich es wenn der EVH über die 4 x 12 wirklich die
Hosenbeine flattern lässt weil wirklich massiv Luft verschoben wird.
D.h. ich spüre den Sound auch körperlich sozusagen. Das Spielgefühl
ist eine Wucht, kein Vergleich zu Daheim bei kleinen Übungsamp mit
Helix und Zimmerlautstärke. Nun die Frage: Könnte ich im Proberaum
mit Helix, Poweramp/Endstufe in Marshall 4x4 ein ähnliche
Spielgefühl, d.h. Resonanz, Direktheit, Dreidimensionalität des Sounds
erreichen? Ich habe bisher immer den eigenen Test wegen der
notwendigen Investition in die Endstufe vermieden.

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    Haiko Heinz sagt:

    #1.1 - 28.03.2021 um 19:05 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Hallo Ben, vielen Dank für Deinen netten Kommentar! Ein satte Röhrenendstufe macht natürlich schon extrem viel von dem Druck aus, den Du beschreibst. Ich hatte leider bis jetzt nur beim Axe FX das Vergnügen, über eine Röhrenendstufe zu spielen, und hatte in der Kombination wirklich das Gefühl, komplett analog zu sein. Die Direktheit im Spielgefühl, und auch wie der Modeller reagiert hat auch viel mit der Latenz zu tun, die sich für mich aber sowohl bei Line6 als auch bei Fractal oder Kemper in einem akzeptablen Rahmen bewegt - jedes digitale Bodenpedal addiert ja ebenfalls eine gewisse Latenz und jeder Meter, der du vom Amp entfernt stehst erzeugt einen ähnlichen Effekt. Für mich ist das Helix eine tolle Lösung, wenns DI sein sollen und bis zu einem gewissen Rahmen, wirst du mit ihm mit einer guten Mosfet oder Röhrenendstufe auch einen guten Druck erhalten, dennoch haben Fractal und Kemper für mich ganz subjektiv hier die Nase noch etwas vorne. Du kannst aber einfach mal den Cabblock im HX deaktiveren und in den Return deines 5150 spielen um einen Klangeindruck zu erhalten?

    +1
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