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7 Irrtümer über das Gitarrenspiel

Unabhängig davon, welche Musikrichtung gerade “trendy” oder wie stark ein Geburtenjahrgang ist: Die Popularität der Gitarre ist ungebrochen, an Musikschulen genauso wie im Musikalienhandel. Ob die Begeisterung für dieses Instruments bei Kindern, Jugendlichen oder auch Erwachsenen eher darauf basiert, dass sie als cool gilt, ihr Sound allgegenwärtig ist oder ihre Protagonisten Idole sind, lässt sich manchmal schwer beurteilen.

(Bild: © Shutterstock.com	407596393 Krerkkait Chompuparn)
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Inhalte

  1. Gitarre spielen ist einfach
  2. Es geht auch ohne Lehrer
  3. Es geht nicht ohne Talent
  4. Die Gitarre ist ein Soloinstrument
  5. Man muss mit klassischem Unterricht beginnen
  6. Man ist zu alt, um Gitarre zu lernen
  7. Nur wer schnell spielt, ist gut


Dennoch erlebt man immer wieder, dass vor allem Kinder und Jugendliche das Instrument nach einigen Jahren frustriert an den Nagel hängen und andererseits viele Erwachsene den Schritt in Richtung Gitarre trotz Interesses nicht wagen. Schuld sind häufig falsche Erwartungen und Irrtümer, die mit dem Erlernen des Instrumentes zu tun haben. Wir haben sieben populäre Fehleinschätzungen für euch aufgelistet, mit denen wir heute aufräumen wollen.

Quick Facts:

  • Die Gitarre gilt landläufig als leicht erlernbar, was allerdings nicht der Realität entspricht und deshalb häufig Frust nach sich zieht, vor allem, wenn man tiefer in die Materie eindringen will. Dem beugt man vor, indem man sein Spiel vor allem am Anfang mithilfe eines Gitarrenlehrers auf ein solides Fundament stellt.
  • Wer glaubt, dass man nur in jungen Jahren und mit Talent ein Instrument lernen kann, baut unnötige Blockaden auf. Wille und Fleiß sind häufig wesentlich entscheidender.
  • Mit welchem Gitarrentyp man beginnt, spielt eine untergeordnete Rolle, auch wenn die Konzertgitarre für die ersten Schritte aus diversen Gründen ratsam erscheint.
  • Dass nur der ein guter Gitarrist ist, der möglichst schnell spielt, entspricht nicht der Realität. Schnelligkeit ist kein Muss, auch wenn man gewisse technische Grundfertigkeiten haben sollte.

1. Gitarre spielen ist einfach

Für viele ist die Gitarre das Instrument der Wahl, weil sie günstig in der Anschaffung, portabel und angeblich leicht zu erlernen ist. Für einen kleinen Teilaspekt des Gitarrenspiels mag Letzteres auch zutreffen, denn eine Handvoll Akkorde und ein paar Schlag- und Zupfmuster lassen sich in der Regel nach einem Jahr Unterricht und moderatem Üben meistern. Nur, mit Gitarre “beherrschen” im tieferen Sinne hat das naturgemäß ziemlich wenig zu tun.
Spiele ich einen Griff, reicht mir ein Griffbild, das ich optisch erfasse, ohne wirklich begreifen zu müssen, welche Töne ich tatsächlich spiele. Für Pianisten wäre das ziemlich schwer vorstellbar, die sich genau darüber im Klaren sind, welche Tasten sie gerade herunterdrücken. Vor allem dieses oberflächliche Erlernen macht für viele den Schritt später extrem schwierig, tiefer in die Materie einzutauchen. Geht es nämlich darum, wirklich Stücke nach Noten zu spielen, erkennt man schnell, dass die Gitarren so einige Tücken hat, wie z.B. die Tatsache, dass ein und dieselbe Note an verschiedenen Stellen des Griffbretts sein kann (bis zu fünf oder sechs Möglichkeiten). Auch das Beherrschen von Skalen- oder Arpeggiofingersätzen sowie Akkorden und deren Umkehrungen, die auf der Gitarre in allen Tonarten und Lagen erlernt werden müssen, bringt einiges an Arbeitsaufwand mit sich, denn die Logik des Instruments erschließt sich erst nach sehr gründlicher Betrachtung. Daher würde ich jedem empfehlen, der ernstere Ambitionen hegt: Nehmt euch einen Lehrer, was uns auch direkt zu Punkt 2 bringt.

2. Es geht auch ohne Lehrer

Der Markt ist mittlerweile voll von Büchern und Videotutorials zum Thema Gitarrenspiel, und dennoch würde ich aus den in Punkt eins genannten Gründen stets zu einem Gitarrenlehrer raten. Sowohl bei der Hand- als auch bei der gesamten Körperhaltung gibt es so viele Fehler, die man sich angewöhnen kann und die sich später dann nur noch schwer ablegen lassen. Auch hinsichtlich der Herangehensweise und der ordentlichen Portionierung der Lerneinheiten seid ihr besser beraten und Frust und Überforderung kann vorgebeugt werden. Und das Lernen mit einem Vorbild, das auch korrekte Klangvorstellungen etablieren kann, ist nicht zu unterschätzen, denn Interpretation und Sound werden zum Teil von einer Lehrerfigur übernommen, häufig sogar unterbewusst.

3. Es geht nicht ohne Talent

Der Talentbegriff ist sehr schwammig und steht häufig für ganz unterschiedliche Phänomene. Für das Gitarrenspiel mag es in einigen Punkten eine Rolle spielen, ob jemand musikalisches Potenzial mitbringt oder in einer musikalischen Umgebung aufwächst. Dennoch hat das Erlernen eines Instrumentes eine so große handwerkliche Komponente, dass der Talentbegriff, der ja oft auch als fatalistische Entschuldigung missbraucht wird, eher eine untergeordnete Rolle spielt. Meiner Erfahrung nach lässt sich vieles, was an angeblichem “Talent” fehlt, durch Wille, Liebe zur Sache, Akkuratesse und allem voran natürlich Fleiß wettmachen.

4. Die Gitarre ist ein Soloinstrument

Schaut man sich auf YouTube um, könnte man fast den Eindruck gewinnen, dass die Gitarre ein reines Soloinstrument ist und das Hauptziel sein muss, schnelle Licks abliefern zu können. Das ist natürlich mitnichten der Fall, denn die Gitarre ist eigentlich primär ein Harmonie-Instrument und neben den Tasteninstrumenten (Klavier, Keyboard, Orgel …) und dem Vibraphon (das im Rock/Pop eher selten vorkommt) eigentlich sogar das einzige! Auch wenn Solieren Spaß macht und auch von jedem guten Gitarristen erwartet wird, darf das Rhythmusspiel nicht vernachlässigt werden, denn sehr häufig ist das der Grund, warum man in einer Band gefragt ist.

5. Man muss mit klassischem Unterricht beginnen

Dass man erst mit klassischem Gitarrenunterricht beginnt, ist sicherlich eine kulturelle Tradition, die vor allem in Europa vorherrscht, weltweit jedoch meist etwas lockerer gehandhabt wird, denn selbstverständlich spricht nichts dagegen, gleich mit der E-Gitarre anzufangen.
Ich persönlich habe es in meiner lehrenden Tätigkeit allerdings bisher ebenfalls vorgezogen, den Unterricht mit einer Nylongitarre zu beginnen. Zumindest so lange, bis Handhaltung, die Noten in der ersten Lage und alle Akkorde bis zu den Barrégriffen inklusive einiger Begleitpattern sitzen, bevor ich zum Kauf der E-Gitarre rate, die ja auch mit einer höheren Investition verbunden ist.
Der Begriff “klassischer Unterricht” ist daher auch nicht wirklich wörtlich zu verstehen, denn es geht um die klassische Haltung und die klassische Methodik der Anfangsjahre und nicht primär um Musikstücke dieses Genres. Letztendlich darf man nicht vergessen, dass die klassische Lernmethodik auch auf einige hundert Jahre Erfahrung zurückblickt, wohingegen die Pädagogik des Rock/Pop und damit auch der E-Gitarre noch in den Kinderschuhen steckt.
Fakt ist: Unabhängig davon, mit welchem Instrument man beginnt, kann es auch E-Gitarristen nicht schaden, das akustische Pendant bedienen zu können.

6. Man ist zu alt, um Gitarre zu lernen

Dieser Satz ist schlichtweg falsch. Im Alter lernt man zwar anders als in jungen Jahren, denn vieles läuft über das erfahrungsbasierte Wissen und kann etwas länger dauern. Aber die Anpassungsfähigkeit des Gehirns bleibt erhalten, und auch wenn es mit voranschreitendem Alter schwieriger wird, so kann man dennoch lernen, sein Instrument auf einem sehr hohen Standard zu spielen.
Mehr Infos findet ihr dazu auch in diesem Artikel:

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7. Nur wer schnell spielt, ist gut

Häufig wird in den sozialen Medien die Geschwindigkeit als Gradmesser für die Beherrschung der Gitarre missverstanden – eine vollkommene Fehleinschätzung. Man sollte nicht dem Irrtum unterliegen, dass das, was man dort vielfach sehen kann, in jedem Fall die musikalische Qualität eines Instrumentalisten widerspiegelt, zumal Schnelligkeit ohnehin nur ein kleiner Teilaspekt des Spiels ist.
Ginge es nur darum, würden Gitarristen wie John Scofield, Jim Hall, B.B. King u.v.m. vollkommen durch das Raster fallen. Wer schnell spielen will – was natürlich auch mit intensiverem Übeaufwand verbunden ist – sollte das auch tun. Aber niemand sollte dem Trugschluss erliegen, dass er dies können muss, um als “guter” Gitarrist akzeptiert zu werden. Vergesst nicht: Viele der Gitarristen, die in Deutschland für die großen Künstler spielen, deren Alben aufnehmen und hinter den Kulissen sogar Trends setzen, besitzen nicht einmal einen You-Tube-Kanal, und man muss schon lange suchen, bis man im Internet überhaupt etwas über sie findet.

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von Haiko Heinz

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