Test: Warm Audio Reamper – Cleveres Reamping-Multi-Tool für Recording und Mixing

Der Warm Audio Reamper erweist sich im Test als durchweg sinnvolles Tool mit diversen interessanten und praxisgerechten Features. Reamping ist eine feine Sache, aber nur, wenn das dazu notwendige Equipment passt. Der Warm Audio Reamper kümmert sich genau um diesen Einsatzbereich, wobei er weit mehr ist als eine simple Reamping-Box. Dass er zusätzlich in der Lage ist, diverse Szenarien im Aufnahmebereich abzudecken, macht ihn als Multi-Tool für Recording und Mixing interessant.

Warm Audio Reamper bonedo Test
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • hochwertige Bauteile und Verarbeitung
  • CineMag-Transformatoren auf jedem Signalweg
  • verschiedene Routing- und Einsatzmöglichkeiten
  • Tone-Shaping bei der Aufnahme des direkten Gitarrensignals
  • Load-Funktion
Contra
  • Load-Funktion nur bis 50-Watt-Amps

Warm Audio Reamper – Das Wichtigste in Kürze

  • Was ist der Warm Audio Reamper? Vom Hersteller wird der Warm Audio Reamper als Routing-Hub für Gitarrenaufnahmen bezeichnet, und tatsächlich vereint er mehrere Funktionen unter einem Dach. Der primäre Einsatz ist das Aufnehmen direkter Gitarrenspuren und das Reamping in unterschiedlichen Amp/Effekt-Konstellationen.
  • Wie nehme ich eine direkte Gitarrenspur auf? Der Reamper bietet die Möglichkeit, das Signal zu splitten. Das Reamper-Signal geht an den Amp, während das direkte Gitarrensignal (ohne Amp) über den Line-Out an das Audio-Interface geschickt wird.
  • Welche Regelmöglichkeiten gibt es beim Reamping? Der Eingangspegel für den Gitarren-Amp kann mit dem Reamp-Out-Regler angepasst werden. Der Imped-Regler justiert die Eingangs-Impedanz, damit der Amp auf das Line-Signal ähnlich reagiert wie auf die Pickups der Gitarre.
  • Was muss man bei Verwendung der Load-Box-Funktion beachten? Wenn man einen Röhren-Amp ohne Cab mit dem Reamper betreiben möchte, darf nur der Amp-In des Reampers vom Speaker-Out des Amps belegt sein. Maximal 50 Watt sind möglich und der Ausgang muss auf 8 Ohm eingestellt sein.
  • Was sagt der Test? Der Warm Audio Reamper überzeugt als vielseitiges Reamping- und Recording-Tool mit sehr guter Ausstattung, starkem Klang und flexiblen Einsatzmöglichkeiten. Lediglich die auf 50 Watt begrenzte Load-Funktion trübt ein wenig den ansonsten durchweg positiven Gesamteindruck.

Was macht den Warm Audio Reamper besonders?

Der Reamper ist ein analoges Multi-Tool für Aufnahme und Reamping von Gitarren-Signalen. Er verfügt über einen internen Preamp mit CineMag-Transformatoren in jedem Signalweg (Input und Output). Zum Silent-Recording von Röhrenamps ohne Cab bietet das Gerät eine Load-Box-Funktion für Amps bis 50 Watt und einer Impedanz von 8 Ohm. Pegel können optimal angepasst werden, einerseits für das Reamping und auch beim Einsatz externer Effektpedale in der Recording-Kette. Bei der Aufnahme des direkten Gitarrensignals lässt sich die Impedanz des Signals variieren, damit der Amp beim Reamping auch ähnlich reagiert wie auf die Pickups einer direkt angeschlossenen Gitarre.

Der Warm Audio Reamper und seine Konnektivität

Auf der Frontseite finden sich 6,3-mm-Klinkenbuchsen (TS) für Instrument In, Instrument Out und Thru. Die Rückseite bietet mit Line-In (Klinke & XLR), Line-Out (Klinke & XLR), Amp-In (vom Amp-Speaker-Out – Klinke) und Thru (zur Lautsprecherbox – Klinke) Anschlüsse für Amp und Audio-Interface.

Was sind die typischen Eigenschaften des Warm Audio Reamper?

Dazu zählen auf jeden Fall die verschiedenen Regelmöglichkeiten und Schaltoptionen, mit denen man das Signal noch besser anpassen kann. Für Preamp-Out und Reamp-Out stehen jeweils große Regler zur Verfügung, dazu das bereits erwähnte Impedanz-Poti.

Der Eingang lässt sich wahlweise auf Instrument oder Amp umschalten. Dazu kommen ein Schalter für den Preamp (JFET/OPAMP) und einer für die Phasenumkehr des Instrumenteneingangs. Letzterer steht separat auch für den Line-In bereit. Die Sektion Instrument-Out wird von einem Inst-In/Line-In- und einem Groundlift-Schalter flankiert. 

Fotostrecke: 4 Bilder Der Warm Audio Reamper ist ein analoges Multi-Tool für Aufnahme und Reamping von Gitarren-Signalen.

Insgesamt zeigt sich die gesamte Ausstattung des Warm Audio Reampers inklusive Metallgehäuse hochwertig und robust. Ein Rackeinbau ist nicht vorgesehen, aber mit seinen vier rutschfesten Gummifüßen findet er auch Platz auf jeder stabilen Rackschublade.   

Entspricht das Angebot dem Preis?

Der Reamper ist mit einem Verkaufspreis von rund 500 Euro kein Schnäppchen und nichts, was man mal eben so einkauft. Außerdem steht das Gerät auch für einen recht speziellen Anwenderkreis. Aber die Qualität des Gehäuses und der Bauteile spricht für sich. Dazu kommen die diversen Funktionen, die ihn recht vielseitig machen und den Preis insgesamt doch rechtfertigen.


Aufnahmen mit dem Warm Audio Reamper

Im Praxisteil stelle ich euch nun einige Möglichkeiten vor, wie und wozu man den Warm Audio Reamper einsetzen kann. Für die Aufnahmen kommt dabei ein Ceriatone OTS 50 zum Einsatz, der an ein The Valve 4×12 Cab (Celestion V30) angeschlossen ist. Die Speaker werden mit einem Royer R-10 und einem Shure SM-57 abgenommen.

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Aufnahmen von direkten Gitarrenspuren mit dem Reamper

Um das Reamping zu nutzen, muss natürlich erst einmal eine „nackte“ Gitarrenspur aufgenommen werden. Das ist mit dem Reamper problemlos möglich, auch mit einigen zusätzlichen Optionen. Die Gitarre wird direkt an den Reamper angeschlossen und ihr Signal wird aufgesplittet: Über den Thru-Out geht es unverfälscht an den Amp, dessen Cab mikrofoniert aufgenommen wird. Über den Line-Out wird das direkte Gitarrensignal an das Audio-Interface gesendet, von wo aus diese sogenannte „Sicherheitsspur“ zum späteren Reamping aufgenommen werden kann. Das ist auch hier der Fall, wobei ich die „Direkt-Gitarre“ wieder per Reamping an den Amp geschickt habe, um die Klangqualität und Übertragung der Anschlagsdynamik beim Reamping zu testen. Im besten Fall, wenn die Pegel stimmen, erhält man einen identischen Sound, und das ist hier der Fall.

Audio Samples
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Amp-Recording Direkte Gitarrenspur Reamping mit gleichen Amp-Settings

Welche Optionen beim DI-Recording und Reamping stehen zur Verfügung?

Jetzt gehen wir etwas weiter ins Detail, denn der Warm Audio Reamper bietet einige Optionen, die man beim Aufnehmen der Direkt-Gitarre für ein besseres Ergebnis beim Reamping einsetzen kann. Zum einen ist da der JFET/OP-AMP-Schalter, der dem Signal  in der Stellung JFET über den internen Preamp noch etwas analogen Mojo hinzufügt: Das Signal wird etwas fetter (Bsp. 4) im Vergleich zum eher neutral klingenden OP-AMP-Mode (Bsp.5). Der Impedance-Regler verleiht dem DI-Signal etwas mehr Nähe zum Impedanzverhalten der Gitarrenpickups.

Dazu gibt es folgende Beispiele: Einmal den Amp direkt mit der Gitarre gespielt (Bsp. 6), dann per Reamping, wobei die DI-Spur mit Impedance-Off aufgenommen wird (Bsp. 7). Schließlich per Reamping mit einer DI-Spur, die mit einer Impedanc-Reglereinstellung von ca. 13 Uhr (ca. 500 kΩ) aufgenommen wurde. Das ist in Bsp. 8 zu hören und kommt meines Erachtens der Originalaufnahme von Amp und Gitarre etwas näher. 

Audio Samples
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Reamping – JFET Mode (DI-Aufnahme) Reamping – OP Amp Mode (DI-Aufnahme) Amp-Recording Reamping – No Impedance Reamping – Impedance 13 Uhr

Silent-Recording mit interner Load-Box

Ein weiteres Feature des Reampers ist die integrierte Load-Box-Funktion, die man zum Silent-Recording nutzen kann. Ein Röhrenamp wird direkt an den Reamper angeschlossen. Dessen Lastwiderstand sorgt dafür, dass der Amp nicht zu Schaden kommt, auch wenn er ohne Cab betrieben wird. Allerdings gibt zwei wichtige Faktoren zu beachten: Der Amp darf nicht mehr als 50 Watt Leistung haben und am Speaker-Out muss eine Impedanz von 8 Ohm eingestellt sein. Das wird zwar alle 100-Watt-Amp-User nicht unbedingt begeistern, aber so sieht es leider aus. Soundmäßig muss das Ganze dann noch in der DAW aufbereitet werden, denn der Amp ohne Cab ist nicht gerade ein klangliches Gourmet-Erlebnis. Aber mit einem IR-Loader-PlugIn kommt man durchweg auf gute Ergebnisse. Es ist natürlich auch möglich, die Loadbox-Funktion mit einem Amp beim Reamping zu benutzen. 

Audio Samples
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Amp ohne Cab Amp mit Cab-IR aus der DAW

Szenario 4: Einbindung von Effektpedalen in den Mix

Möchte man nachträglich sein Effektpedal-Arsenal mit der bereits getätigten Aufnahme verknüpfen, kann das ebenfalls über den Reamper laufen. Zwar sieht das erstmal einfach aus: Aufnahme aus der DAW ins Pedal und wieder zurück. Aber für ein optimales Ergebnis sollten die Pegel und Impedanzanpassungen beim Einsatz von Effektpedalen mit Line-Signalen aus der DAW stimmen. Und hier erweist sich der Reamper als gutes und hilfreiches Werkzeug, um Effektpedale in diesen Workflow einzubinden. Den vorher aufgenommenen Gitarrenpart habe ich nun an ein Eventide H90 geschickt und neu aufgenommen, hier ist das Ergebnis:  

Audio Samples
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Aufnahme von externem Effektpedal

Welche Alternativen und Mitbewerber gibt es?

Eine Reamping-Box mit diesem Umfang an Features ist meines Wissens ansonsten nicht auf dem Markt. Eine hochwertige Reamping-Box bietet United Studio Technologies mit der Replay Box an. Etwas kleinere Reamping-Boxen sind die Palmer River Trave Reamping Box, die Radial Pro RMP oder die Walrus Audio Canvas Reamp.

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Fazit

Der Warm Audio Reamper ist ein äußerst vielseitiges Tool für Reamping und Gitarrenrecording – und definitiv weit mehr als nur eine einfache Reamping-Box. Die Ausstattung ist mit Phasenumkehrschalter und Ground-Lift sowie zusätzlichen Tone-Shaping-Optionen für die Aufnahmen von direkten Gitarrenspuren sehr gut. Eine Load-Funktion zum Recording von Röhrenamps ohne Cab ist ebenfalls an Bord. An der Klanggüte der aufgenommenen Spuren und dem Sound beim Reamping gibt es nichts zu beanstanden. Der einzige wirkliche Kritikpunkt ist aus meiner Sicht die Leistungsbegrenzung der Load-Funktion auf 50 Watt bei Gitarrenverstärkern. Preislich bewegt sich der Reamper zwar nicht im Low-Budget-Bereich, aber angesichts seiner Qualität und der flexiblen Einsatzmöglichkeiten halte ich den Preis für durchaus gerechtfertigt.

Artikelbild
WA-RA Reamper
Für 499,00€ bei
  • Hersteller: Warm Audio
  • Modell: Reamper
  • Typ: Routing-Hub für Gitarrenaufnahmen
  • Regler: Preamp-Out, Reamp-Out, Impedance
  • Anschlüsse Front: Inst-In, Inst-Thru, Inst-Out
  • Anschlüsse Rückseite: Line-In (Klinke & XLR), Line-Out (Klinke & XLR), Amp-In, Amp-Thru
  • Maße: 288 × 157 × 100 mm (B × T × H)
  • Gewicht: 1638 g
  • Verkaufspreis: 499,00 Euro (Juni 2026)

Herstellerseite: https://warmaudio.com/

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