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Workshop Software für Live-Keyboarder #10: Freeware, Tools und Resümee

In den bisherigen Folgen der Serie Software für Live-Keyboarder haben wir uns ausführlich den wichtigsten Plug-in Hosts für PC und Mac gewidmet. Zum Abschluss der Serie möchte ich euch nun noch einige Freeware-Alternativen und andere nützliche Tools für Live-Keyboarder vorstellen.

Software_fuer_Live-Keyboarder_Freeware-Tools-Resuemee


Als ich anfing diesen Workshop zu schreiben und mir im Netz einen Überblick über die erhältlichen Live-Hosts verschaffte, war ich erstaunt, wie viele Programme dieser Art es jenseits der “Großen” wie MainStage sonst noch gibt. Nach weiterer Recherche stellte sich jedoch heraus, dass viele dieser Hosts nicht mehr erhältlich oder nicht mehr lauffähig waren oder aber mit aktuellen Plug-ins Probleme hatten. So hat z.B. Cantabile mittlerweile keine kostenfreie Version mehr im Angebot… schade! Aber es gibt nach wie vor eine Reihe von zum Teil kostenlosen Tools, die beim Live-Einsatz eines Computers nützlich sein können. Hier findet ihr eine kleine Auswahl.

VSTHost – Hermann Seib

Gibt man bei Google als Suchbegriff „VST Host“ ein, so landet man früher oder später bei dem kostenlosen Programm VSTHost von Hermann Seib. Wahrlich… als Schönheit entpuppt sich das Windows-Programm sicher nicht. Dennoch ist die Oberfläche nach kurzer Eingewöhnung übersichtlich und vor allem sachdienlich strukturiert.
Der Name Hermann Seib war mir schon vorher geläufig. Startet man nämlich auf der Seelake AudioStation den ASHost, so taucht dieser Name in den Credits auf. Wenn man mit der Oberfläche des ASHost vertraut ist (siehe Workshop), entdeckt man schnell einige Parallelen wie z.B. die Fenster „Fernbedienung“ und „Parameter–>MIDI“. Sogar eine OSC-Unterstützung scheint hier (im Gegensatz zum ASHost) integriert zu sein. Bravo! 

Fotostrecke: 2 Bilder Das Programm VSTHost von Hermann Seib ist ein kostenloser VST Host.
Fotostrecke

SAVIHost

Neben dem VSTHost gibt es ein weiteres nützliches Tool von Hermann Seib: Der SAVIHost. Nach dem Download des Programms wird die Datei savihost.exe in den Plug-in-Ordner gepackt und nach dem Plug-in benannt, welches man öffnen will. Benenne ich die savihost.exe z.B. in FM8.exe um, so öffnet sich sofort der FM8 beim Ausführen dieser Datei. So kann man Plugins ohne weiteren Host problemlos und schnell “stand-alone” öffnen und spielen. 

Der SAVIHost für Windows erzeugt aus Plug-ins im Handumdrehen Stand-alone-Programme.
Der SAVIHost für Windows erzeugt aus Plug-ins im Handumdrehen Stand-alone-Programme.

Audiffex inTone Solo

Den größeren Bruder von inTone Solo haben wir in Folge 8 dieses Workshops vorgestellt. inTone Solo ist kostenfrei und plattformübergreifend erhältlich. Dabei ist die Solo-Version im Funktionsumfang nicht eingeschränkt, lediglich die Zahl der Tracks ist erheblich reduziert. So bietet inTone Solo lediglich einen Audio-Track, einen Instrumenten-Track, einen Track-Player und einen Aux-Track. 

inTone Solo ist eine in der Trackanzahl reduzierte, kostenlose Version von inTone (hier im Bild).
inTone Solo ist eine in der Trackanzahl reduzierte, kostenlose Version von inTone (hier im Bild).

Big Tick Audio Zen

Zen ist kein Live-Host, in dem man seine Songs verwalten kann. Dennoch möchte ich das Programm hier aufführen. Es handelt sich bei Zen um einen Preset-Manager. So scannt Zen den Computer nach VSTs und lädt daraufhin die dazu passenden Presets aus dem Netz (was eine Weile dauern kann). Nun kann man alle (!) VSTs auf einen Schlag mit den Argumenten durchsuchen, die man in Zen auswählt. Wähle ich also z.B. Synth Pad, so tauchen alle Presets von allen Plug-ins auf, die damit getaggt worden sind. Das erleichtert die Suche nach dem richtigen Sound ungemein. Darüber hinaus ist Zen nicht nur als Standalone-Programm, sondern auch als Plug-in verfügbar und lässt sich so in Hosts wie z.B. MainStage integrieren. Übrigens: BigTick Audio arbeitet mittlerweile eng mit AKAI und seinen Geschwisterfirmen Alesis und M-Audio zusammen, weshalb sich dieses System auch in der VIP-Software für die Controllerkeyboards AKAI Advance, Alesis VX49 und M-Audio CTRL49 wiederfindet. 

Big Tick Audio Zen ist ein Preset-Manager für Plug-ins.
Big Tick Audio Zen ist ein Preset-Manager für Plug-ins.

Plogue Bidule

Dieses Tool der französischen Softwareschmiede Plogue ist nicht kostenfrei erhältlich, erweist sich aber als sehr nützlich. Bidule versteht sich als modulares Baukastensystem und kann nicht nur MIDI, sondern auch Audio verarbeiten. Die Software kann entweder stand-alone oder als Plug-in eingesetzt werden. Ich habe damit z.B. Text an die Lemur-App auf dem iPad gesendet und mir so die Channelstrips beschriftet. Oder ich nutzte Bidule als MIDI-Filter um sicherzugehen, dass MainStage ausschließlich Noten vom angeschlossenen Keyboard empfängt. Auch kann man mit Bidule sehr leicht den MIDI-Kanal das Keyboards umschalten. 

Plogue Bidule ist ein modularer Baukasten für Audio und MIDI.
Plogue Bidule ist ein modularer Baukasten für Audio und MIDI.

Resümee

Im Verlauf dieses Workshops habe ich viel Neues ausprobiert und auch Programme kennengelernt, die ich sonst vielleicht nicht getestet hätte. Welche Software die beste für den jeweiligen Zweck ist, bleibt am Ende immer auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Daher möchte ich kurz meine eigene Erfahrungen schildern.
Auch wenn die Workshop-Folge zur Seelake AudioStation recht überschwänglich war und ich zeitweilig glaubte, mein endgültiges Setup gefunden zu haben, bin ich mittlerweile wieder davon abgekommen. Dies hatte drei Gründe:
Da ich mir Anfang des Jahres mit einem Kollegen eine Tour teilte und er keine AudioStation hatte, musste ich dies auf MainStage programmieren. Schlagartig wurde mir wieder bewusst, wie schnell man mit MainStage ans Ziel kommt. Screen Controller sind ratz-fatz zugewiesen und stehen in jedem Patch wieder zur Verfügung. Auch scheint sich seit meinem MainStage-Workshop einiges getan zu haben, denn MainStage lief ohne Probleme stabil und ist im Verlauf der Tour nicht ein einziges Mal abgestürzt. Übrigens ist die Geschwindigkeit der Patch-Erstellung der Hauptgrund dafür, dass ich persönlich MainStage allen anderen getesteten Programmen vorziehe.
Der zweite Grund war das Equipment an sich. Während ich das MacBook immer und überall hin mitnehmen kann, war das bei der AudioStation anders. Bildschirm, Maus, Tastatur, Stromversorgung / Stromfilter, etc. – da kommt einiges an Gepäck zusammen. Auch hat die AudioStation eine recht hohe Einbautiefe, wodurch das entsprechende Rack groß und auch schwer wird.
Der dritte Punkt war die Backup-Möglichkeit. Zwar bietet die AudioStation die Möglichkeit, intern ein Backup auf einer zweiten Festplatte zu erzeugen. Das bringt aber wenig, wenn z.B. das Netzteil einen Defekt hat. Eine Spiegelung auf eine externe Festplatte wäre ebenso sinnlos, denn der ASHost ist unmittelbar mit der integrierten Soundkarte gekoppelt und kann nicht ohne diese betrieben werden. MacBooks sind weit verbreitet, mit entsprechender Vorbereitung kann man hier recht einfach für ein Backup sorgen und ein Ersatzgerät lässt sich im Falle des Falles schneller organisieren.
Geteilter Meinung bin ich über MainStage’s Speicherverwaltung. Es ist einerseits ungemein nützlich, jeden im Konzert befindlichen Song sofort und ohne Ladezeit verfügbar zu haben. Auf der anderen Seite braucht MainStage für das Laden des Konzerts je nach Umfang entsprechend lang und „pumpt“ den Speicher voll. Wenn man mit vielen sehr großen Sample Librarys arbeitet, kann das zum Problem werden.
Am Ende noch ein paar Gedanken zum Thema Hardware vs. Software. Einen grundlegenden Vorteil kann man der Hardware einfach nicht absprechen: Hardware, und dabei ist es egal, ob Workstation oder Stagepiano, lädt zum Spielen und Ausprobieren ein. Bis das MacBook aufgebaut, mit der Soundkarte und dem Masterkeyboard verkabelt, ein Konzert mit dem Sound erstellt und Effekte zugewiesen sind, ist zumindest bei mir die Lust am Musikmachen gedämpft. Setze ich mich z.B. an einen Korg Kronos oder einen Yamaha Montage, ist das Spielgefühl unmittelbarer. Anschalten und loslegen.
Software bietet natürlich eine ungleich größere Auswahl an Sounds und Librarys. Mittlerweile sehe ich dies jedoch mitunter auch als Nachteil: Weniger kann manchmal mehr sein! Die überwältigende Vielfalt von Sounds in einer typischen VST-Sammlung kann schnell zum Kreativitätskiller werden. Wer feststellt, dass er sich bei der Suche nach Sounds gern verzettelt und das Musikmachen darunter leidet, sollte versuchen, sich auf weniger Plug-ins zu beschränken und sich mit diesen umso intensiver zu beschäftigen.
Einen anderen Einwand, den Hardware-Fans gelegentlich äußern, kann ich hingegen nicht bestätigen. Software wird manchmal nachgesagt, dass sie nicht „durchsetzungskräftig“ sei und klanglich nicht mit Hardware-Klangerzeugern mithalten könne. Wenn man sich mit den besten Plug-ins ausführlich beschäftigt, kann man auch mit Software wunderbare Soundwelten erschaffen, die die Basis jedes Songs bilden können und auch auf der Bühne gut funktionieren. Wenn man die Kritieren Soundvielfalt, Inspiration, Flexibilität und Bühnentauglichkeit miteinander verbinden möchte, könnte am Ende also eine Kombination beider Welten die richtige Lösung sein.

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von Christian Radtke

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Torben sagt:

#1 - 13.10.2016 um 09:33 Uhr

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Zu vsthost habe ich einige Anmerkungen:"Abgesehen von einigen Kleinigkeiten wie z.B. der Beschränkung auf 128 Programme,"Das ist nur zum Teil korrekt.Es stimmt zwar, dass man nur 128 Programme hat. Dafür hat man aber 16384 Bänke mit jeweils 128 Programmen.
Wenn es das Masterkeyboard zulässt, hat man also Zugriff auf über 2 Millionen Programme... ;-)
Ich denke, das sollte erst einmal ausreichen.Ich bin Keyboarder in der Band Die Seelen (www.DieSeelen.com).vsthost in DAS Herzstück auf der Bühne. Neben dem X32-Rack.Es sind insgesamt 4 Keyboards mit vsthost verbunden. Gerade die MIDI-Filter-Sektion von vsthost ist so mächtig, dass die wildesten Tastatur-Layer und -Splits realisiert werden können.Darüber hinaus sind der Audio- und MIDI-Player Gold wert.Der Audio-Player spielt - wie soll es bei einer Synth-Band anders sein - die Backing-Tapes.Der MIDI-Player dagegen hat mehrere Aufgaben:
1. Jeder Song sendet am Anfang einen Midi-Trigger zum Starten der Video-Screens / Lichtshow
2. In den Songs, in denen ich Gitarre spiele, sendet der Midi-Player dann auch noch Programm-Changes an meinen Gitarren-Amp. Ich muss also keinen Steptanz mehr aufführen, um die Programme umzuschalten. Das passiert alles automatisch.Zugegeben, vsthost sieht auf den ersten Blick aus wie Kinderkram aus der Windows 95 Zeit.
Das Teil ist aber sowas von mächtig!
Kein Wunder, dass ich gerade letztens 50,- $ gespendet habe.Gruß
Torben
(www.DieSeelen.com)

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