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Workshop Software für Live-Keyboarder #8: Audiffex inTone

Audiffex inTone ist noch nicht so bekannt wie die meisten anderen Programme, die wir im Workshop Software für Live-Keyboarder unter die Lupe genommen haben. Als Plug-in Host für Keyboarder kann es die Software mit einigen Konkurrenten auf der Windows-Plattform aber zweifelsohne aufnehmen. Außerdem ist inTone der einzige Live Host, der sowohl für Mac OS X als auch für Windows zum Download bereit steht. Dieser Workshop wurde mit der Version für OS X erstellt.

Software-fuer-Live-Keyboarder_Audiffex_InTone


Obwohl Audiffex inTone bislang wohl nur wenigen Kollegen geläufig sein dürfte, handelt es sich dabei inzwischen um eine ausgewachsene und solide Software. Günstig ist es dazu: inTone 2 wird für schlappe 49 US-Dollar angeboten. Enthalten sind 36 Effekte, Sounds sind dem Programm jedoch nicht beigelegt und müssen separat beschafft werden. Weiterhin bietet Audiffex auch eine kostenfreie Version an, in der nur drei Tracks zur Verfügung stehen (mehr dazu siehe unten). Unter Windows unterstützt inTone VST Plug-ins, auf dem Mac ausschließlich AudioUnits (kein VST). Darauf solltet ihr also beim Kauf von Plug-ins achten.

Audiffex inTone ist wie ein Mixer aufgebaut.
Audiffex inTone ist wie ein Mixer aufgebaut.

Aufbau

Beim Start von inTone wird man direkt von einer Mixer-ähnlichen Oberfläche begrüßt. Wie der AudioStation Host und MainStage basiert auch inTone auf Channel Strips (hier „Chain“ genannt), die abgespeichert und aufgerufen werden können. In inTone steht nur ein Slot pro Chain für ein Instrument zur Verfügung. In jeder Chain können allerdings bis zu acht Effekte eingeladen werden (Vergleich: die AudioStation erlaubt nur maximal vier Slots, wobei hier aber Instrumente und Effekte gemischt werden können). Die ersten neun Chains können als Instrument, als Audioeingang oder als Trackplayer verwendet werden. Es folgen zwei Aux-Busse und die Master-Sektion.

Presets und Chains

In inTone gibt es Presets und Chains. Unter Chain versteht man einen Channel Strip (Instrument, Audioeingang oder Track Player) inklusive der Insert-Effekte sowie Aux- und Mastervolume-Einstellungen.
Das, was bei MainStage ein Patch und bei der AudioStation eine Performance ist, also in der Praxis zumeist die Einstellung für einen Song, nennt sich in inTone Preset. Ein Preset kann aus zuvor gespeicherten Chains zusammengebaut werden. Werden Änderungen an einer Chain vorgenommen und anschließend im übergeordneten Preset gespeichert, bleibt das ursprüngliche Chain-Preset unberührt. Klingt komplex, ist aber im Prinzip einfach: Verwende ich zum Beispiel in zwei Presets die gleiche Chain mit einem Piano-Sound, ändere bei einer Chain die Lautstärke und speichere es als die gleiche Chain ab, ändert sich zunächst nichts am Piano-Sound im zweiten Preset. Erst wenn die Chain hier erneut hinein geladen wird, werden die Änderungen übernommen.
In jeder Chain gibt es einen Lock-Slider. Die Stellung des Sliders bestimmt, welche Komponenten beim Wechseln der Chain oder des Presets geladen werden. „No“ lädt die Chain so, wie sie gespeichert wurde. „I/O“ lässt die Input- und Output-Einstellungen unverändert und lädt lediglich die Effekte. „Lock“ lässt die ursprüngliche Chain unverändert. Beispiel: Wir haben ein Preset mit einem Piano und einem EQ in einer Chain. Das danach geladene Preset hat auf der gleichen Chain (= Channel Strip) einen Synthesizer mit einem Chorus liegen. Steht der Lock-Slider auf „No“, so werden  beim Presetwechsel der Synth und der Chorus geladen. Mit dem Slider auf „I/O“ bleibt das Piano hingegen erhalten, nur der EQ wird vom Chorus ersetzt. Bei „Lock“ bleiben sowohl Piano als auch EQ erhalten, die Chain wird quasi vom Presetwechsel ausgenommen.

Fotostrecke: 2 Bilder Das MIDI-Routing wird zentral für das gesamte Preset eingestellt: Für Noten …
Fotostrecke

MIDI Routings und Controller-Zuweisungen

Alle MIDI Routings für ein Preset werden in einem einzigen Fenster aufgelistet. So können schnell Änderungen vorgenommen oder neue Routings erstellt werden, ohne den Überblick über andere Zonen zu verlieren. Auch können Controller wie z.B. Expression skaliert und mit wenigen Klicks einem Parameter eines Plug-ins zugewiesen werden. 

Track Player

Der integrierte Track Player spielt MP3, AAC, WAV und AIFF ab. Jeder Track Player kann ein Audiofile wiedergeben. Für einen Multitrack müssen demnach mehrere Channelstrips geopfert werden. Neben den üblichen Funktionen bietet der Track Player auch die Möglichkeit, das Tempo und auch die Tonhöhe des abgespielten Tracks zu verändern (letzteres in Halbtonschritten). Für jeden Track in der Playlist lässt sich die Lautstärke separat justieren, die mit der Playlist zusammen gespeichert wird. Abgerundet wird das Angebot von einer einfachen Loop-Möglichkeit.
Natürlich bietet inTone auch die Möglichkeit, einen Mitschnitt aufzunehmen. Der Track Recorder kann entweder den gesamten Mix (=Master), ein einzelnes Instrument oder einen Aux-Bus aufnehmen. 

Organisation von Songs

Zur Organisation von Songs gibt es den Preset Manager. Hier können Presets in Listen sortiert und abgerufen werden, ähnlich des Prinzips des Scene Managers in Brainspawn Forte.
inTone lief im Praxis-Test auf dem Mac stabil und zuverlässig, hat allerdings einen großen Nachteil: Es kann kein MIDI senden. Damit entfallen sowohl MIDI-Feedback bei Controller-Zuweisungen (wie z.B. Lautstärkeregler im Mixer) als auch die Integration von externen Instrumenten. Als Schaltzentrale für ein größeres Hardware-Setup mit externen MIDI-Klangerzeugern ist es daher ungeeignet.

Im Preset Manager kann man die Presets für einen Gig sortieren.
Im Preset Manager kann man die Presets für einen Gig sortieren.

Fazit

Bei Audiffex InTone handelt es sich um einen soliden Plug-in Host, der stabil läuft und sich funktional durchaus mit einigen namhafteren Programmen messen kann. Mit 49 Dollar ist die Software erfreulich günstig, zudem ist sie für Mac und Windows erhältlich. Das MIDI Window bietet dem Benutzer eine schnelle Übersicht über die Zonen und Controller. Ich konnte nur einen gravierenden Nachteil entdecken: Die fehlende „external MIDI“-Funktionalität, die die Einbindung externer MIDI-Instrumente verhindert. Laut Entwickler soll diese zwar nachgereicht werden, allerdings gibt es hierfür noch kein Release-Datum.

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von Christian Radtke

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