Auf der Reeperbahn. Nachts um 00:30 Uhr. Der DJ droppt den Remix-Edit eines 90er-Soul-Klassikers. Du erkennst die Hook, aber auch nur so irgendwie. Dein Handy kennt eine Datenbank mit 70 Mio. Songs. Viel Spaß beim Suchen!

Musikerkennungs-Apps versprechen hier schnelle Abhilfe zu verschaffen und für einen schnellen „Aha-Moment“ zu sorgen. Aber was passiert wenn die Musik außerhalb des Radios gespielt wird? Und dann vielleicht sogar noch ein einer anderen Version?
Wir haben uns nicht nur verschiedene Apps angeschaut, sondern auch einen kleinen Test für euch erstellt.
Wie kann eine App einen Song erkennen?
Die meisten Dienste funktionieren bei der Song-Erkennung sehr ähnlich: Sie schneiden Audiomotive über das Mikrofon mit, analysieren Frequenzen, Tonhöhen und Rhythmen und gleichen diese mit einer großen Datenbank ab.
Wenn wir jetzt die Studio-Version eines Songs erkennen wollen, ist das anhand dieser Infos oft ein leichtes Spiel, aber wie sieht es aus, wenn jemand anderes den Song singt, er geremixt wird oder komplett anders arrangiert ist?
App Nummer 1: Shazam
Shazam ist wohl die bekannteste App zum Erkennen von Songs. Ein Fingertip auf den blauen Button und die App vergleicht deinen Mitschnitt mit einer riesigen Song-Datenbank. Für klare Studio-Versionen unschlagbar schnell, in der Praxis ist aber nicht immer Verlass:
- Clubtest: Trefferquote okay, aber Remix-Versionen werden kaum erkannt. Der Algorithmus sucht das exakte Original – nicht deinen DJ-Zweitverwertung.
- Autotest: überraschend stabil. Smartphone nahe an den Speaker halten hilft.
- Offline: Shazam speichert Takes, wenn kein Netz da ist und zeigt Treffer, sobald du wieder online bist. Gute Sache.
Bonedo-Fazit: Schnell? Ja. Praktisch im Alltag? Ebenfalls ja. Remix-King? Nope.
App Nummer 2: SoundHound/Midomi
Kann sogar dein schiefes „Dadada“ erkennen
SoundHound und seine Browser-Variante Midomi hören nicht nur auf Frequenzen, sondern erkennen auch Rhythmus und Instrumenten-Merkmale. Für Hörer, die Songs mit „tatata ta ta“ beschreiben gibt es aber auch Hoffnung, denn SoundHound:
- Erkennt zuverlässig Summen & Singen.
- Bezieht Rhythmus, Melodieverlauf und Instrumente in die Analyse ein.
- Clubtest: Bessere Treffer bei Remixes als Shazam, aber auch hier stößt die App an ihre Grenzen.
Bonedo-Fazit: SoundHound ist eine gute App, wenn dir häufig Melodien in den Kopf kommen und du sie nachsummen kannst.
App Nummer 3: Google Assistant
Die bequemste App, da du sie schon auf dem Handy hast
„Ok Google, welches Lied ist das?“ – oft die erste Rettung, wenn du keinen Speicherplatz mehr auf deinem Handy hast oder einfach keine Lust auf eine weitere App. Funktioniert gut, wenn:
- das Mikro klar und nah am Speaker ist
- der Song nicht zu verfremdet ist
- du dich nicht mitten auf dem Karnevalswagen im Windkanal befindest
Bonedo-Fazit: Good to know, kann man gerne ausprobieren ohne Aufwand zu betreiben.
App Nummer 4: Musipedia
Musipedia ist keine App, sondern eine Online-Motiv-Suchmaschine.
Sie schafft manchmal, woran viele Apps scheitern:
- MIDI-Keyboard Einspielungen
- getappten Rhythmus
- gesummte Motive und Melodie-Fragmente
Gerade für klassische Musik und Musical-Fans die interessanteste Option.
Bonedo-Fazit: Super, wenn man sich keine App runterladen möchte und Spezielles sucht. Man kann hier sogar Songs nur anhand von Themen-Motiven finden.
Erkennung durch Wortfetzen?
Wenn du wenigstens ein paar Wörter aus der Hook kennst, wird’s oft einfach:
- Spotify Suchleiste: snippets in Reihenfolge eingeben → Treffer nach Lyrics-Match
- MusiXmatch: kein Melody-Detective, dafür Lyrics-Overlay parallel zu Streamingdiensten
Das sind keine primären Erkennungs-Apps, aber fantastische Hilfen, wenn der Songtext dein einziger Anhaltspunkt ist.
Unser Fazit:
Shazam bleibt die schnellste und bekannteste App für klare Song-Quellen. Aber: Der Alltag gehört nicht immer dem Studio, sondern dem Moment – und da gewinnen oft die Tools, die auch Rhythmus und gesungene Motive verarbeiten können. Wenn dein Ohrwurm kein perfektes WAV Format hat, sondern Gefühl, Groove oder auch nur ein paar Wörter, gibt es Apps und Online Tools, die besser funktionieren, als der Markt-Führer.
FAQ
Kann ich Musik durch Summen erkennen?
Ja. SoundHound und Google Assistant performen hier oft stabiler als Shazam.
Welche App erkennt klassische Musik am besten?
Musipedia per MIDI- oder Motiv-Suche ist für klassische Themen oft zuverlässiger als Apps, die auf Studio-Pop-Songs spezialisiert sind.
Warum werden Remixes schlechter erkannt?
Weil häufig der Pitch verändert ist, andere Akkorde verwendet werden und neue Grooves die Audio-Signatur so verändern, dass das Original kaum mehr das ist, was die Datenbank kennen könnte.
Was tun, wenn die App nichts findet?
Ruhigere Umgebung suchen, Mic näher an Speaker, längeres Motiv aufnehmen, alternativ ein anderes Tool ausprobieren. Oder vielleicht doch einfach der Schwester schnell eine Sprachmemo schicken und fragen, ob die den Song zufällig erkennt.






















