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Waves Nx Test

Waves Nx war eine der ersten Plugins auf dem Feld der virtuellen Mixing Rooms. Kopfhörerkalibrierung, virtuellen Mixing Rooms, wie das Studio von Chris Lord-Alge, Ocean Way Nashville und Abbey Road Studio 3, und als Besonderheit einen Bluetooth Head Tracker sind dabei. Dieser verfolgt die Kopfbewegung und verändert dementsprechend das Stereobild. Mixt man mit Nx besser?

Waves_Nx_01_Aufmacher_Test


Bei Waves hat man die Zeichen der Zeit erkannt und sich mit den letzten Plugins eher an Sounddesigner und Home Producer als an Studios gewandt. Ihre Software „Nx“ richtet sich mit dem „Virtual Mix Room“ ebenfalls eher an die Laptop-Generation. Das Ziel: die Einschränkungen kompensieren, die beim Mixing mit Kopfhörern entstehen. 

Details & Praxis

Eine der größten Kritikpunkte der ersten Generation von Nx war die Einschränkung auf nur einen virtuellen Studioraum. Deshalb hat Waves in den letzten Jahren weitere virtuelle Mixing Rooms nachgelegt. „CLA Nx“ ist eine Simulation vom Mixing-Studio von Chris Lord-Alge. Dazu gibt es mit „Nx Ocean Way Nashville“ und „Abbey Road Studio 3“ noch zwei weitere, separat erhältliche Raumsimulationen für Nx. Alle kommen mit der Head Tracking Technologie und Kopfhörer-Profilen. 

Die NX-App startet automatisch, sobald ihr eines der Nx-Plugins in der DAW ladet.
Die NX-App startet automatisch, sobald ihr eines der Nx-Plugins in der DAW ladet.

Waves Nx – Professionelles Mixing auf Kopfhörern? 

Nx will dabei unterstützen, bessere Mixentscheidungen zu treffen. Denn so gut Mixing-Kopfhörersein mögen, einen linearen Frequenzgang haben sie selten. Zu starke Anhebungen im Bass oder unsaubere Darstellung der Höhen führen zu einer verfälschten Frequenzwahrnehmung und damit zu Mixes, die im Auto oder auf Earbuds nicht ansatzweise so klingen, wie den heimischen Kopfhörern. Nx hat zwölf Kalibrierungsprofile von verbreiteten Mixing-Kopfhören mit dabei. Mit diesen kann man, falls man eines der zwölf Modelle besitzt, der verfälschten Wahrnehmung mit einer entsprechenden EQ-Korrektur-Kurve entgegenwirken. 

Fotostrecke: 2 Bilder Über EQ-Solo kann die Kalibrierung unabhängig vom „Ambience“-Parameter abgehört werden.
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Head Tracking für ein realistischeres Stereopanorama 

Drehen wir unseren Kopf, wenn wir vor Monitorboxen im Stereodreieck sitzen, verändert sich unsere Wahrnehmung von Stereopanorama und Räumlichkeit – physisch bedingt. Der Abstand jedes Ohrs zur Schallquelle und den Raumreflexionen verändert sich. Außerdem spielt unser Kopf beim Dämpfen und Verändern von Schallwellen, die auf unsere Ohren treffen, eine wichtige Rolle. Man spricht von der „Head Related Transfer Function“ (HRTF). Eine Software allein kann aber weder die Größe unseres Kopfes noch den Abstand unserer Ohren, geschweige denn die Kopfposition (gerade oder gedreht) erraten.

Fotostrecke: 4 Bilder Das Webcam-Tracking in der NX-App.
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Der Bluetooth-Dongle – Head Tracking Deluxe 

Ist der Tracker angebracht, drückt man einmal den kleinen Bluetooth-Knopf auf dem Dongle und teilt der Software mit, dass man ihn nun einsetzen möchte. Laut Waves lassen sich bis zu sechs Head Tracker mit einer Nx-Instanz verbinden. So könnte theoretisch also eine ganze Band bei Aufnahmen mit dem Tool arbeiten. Der Tracker bietet gegenüber der Webcam-Nutzung einige Vorteile: dauerhaft laufende Webcams sind bei Laptops ein ordentlicher Stromfresser. Außerdem bringen schlechte Lichtverhältnisse das Webcam-Tracking in Nx schnell an seine Grenzen. Webcam und Bluetooth-Tracker können übrigens für eine noch höhere Genauigkeit im „Sensor Fusion“-Modus kombiniert werden.

Das Beste aus beiden Welten: Sensor Fusion!
Das Beste aus beiden Welten: Sensor Fusion!

Head Modeling und Mixing Rooms in Nx

Stichwort Genauigkeit: Was Nx (und bisher jede andere Virtual Mixing Software) nicht automatisch erkennen kann, sind unser individueller Kopfumfang und der Ohrabstand. Beide spielen bei der HRTF eine ebenso wichtige Rolle, wie die Position des Kopfes. Für das „Head Modelling“ gibt es in Nx die Option für beide Faktoren (Umfang und Abstand) Maße zu nehmen und diese einzugeben. Also schnell das Maßband gezückt und meinen Dickkopf vermessen. Die Ergebnisse: 59 cm Umfang, 26 cm Ohrabstand. Ich drehe den Kopf mit aktiviertem Head Tracker und den neuen Maßen und das Stereopanorama verschiebt sich fast ohne Verzögerung. Was anfangs als Gimmick wirken mag, führt im Mixing durch das gesteigerte Räumlichkeitsempfinden schnell zu besseren Mixentscheidungen. 

Nur echt mit goldener Schallplattensammlung: Oben sind die riesigen „Mains“ zu sehen, auf der Konsole die weißen CLA-10-Monitore von Avantone.
Nur echt mit goldener Schallplattensammlung: Oben sind die riesigen „Mains“ zu sehen, auf der Konsole die weißen CLA-10-Monitore von Avantone.

CLA Nx – Mixing im Studio von Chris Lord-Alge 

Hat man bereits den Virtual Mix Room installiert und dort das Head-Tracking und die Kopfmaße dort eingerichtet, ist „CLA Nx“ schnell aufgesetzt. Der Bluetooth Tracker wird erkannt, die Kopfmaße können direkt als Preset geladen werden – los geht’s. Man blickt auf Lord-Alges riesige Mixing-Konsole. In der Mitte ist der aus Nx bekannte Gitterkopf zu sehen, der die eigenen Kopfbewegungen nachanimiert. Auch im Bild: zwei Monitorpaare. Da sind einmal riesige Far-Field-Monitore, dem Handbuch nach handgefertigte Ocean Way HR1, und auf dem Pult liegend Near-Field-Monitore, CLA-10 Avantones. Zwischen beiden kann im Plugin gewechselt werden. 

Dreht man sich um 180°, sind nicht nur die Equipment-Racks von CLA zu sehen, sondern oben links auf dem Rack auch die kleine „Boombox“, die zum Abhören genutzt werden kann.
Dreht man sich um 180°, sind nicht nur die Equipment-Racks von CLA zu sehen, sondern oben links auf dem Rack auch die kleine „Boombox“, die zum Abhören genutzt werden kann.

Nx Ocean Way Nashville und Abbey Road Studio 3 

Zweites legendäres Studio zum virtuellen Mixen: Ocean Way Nashville. Wem der Name bekannt vorkommt: Universal Audio hat den Aufnahmeraum des Ocean Way aus L.A. bereits seit 2013 als Studio-Reverb im Programm. Nun gibt es die Zweigstelle aus Nashville als virtuellen Mixing Room. Funktionen und Oberfläche ähneln der von „CLA Nx“ sehr. Wieder kann aus zwei Monitorpaaren ausgewählt werden, wieder kann man sich im Kreis drehen, um die Anlage auch einmal hinter sich zu hören, wieder werden Head Tracker und Kopfmaße aus den anderen Nx-Plugins übernommen. Beide Monitormodelle klingen um einiges transparenter als die aus „CLA Nx“, dafür fehlt ihnen die Basspräsenz der CLA-Monitore. 

Fotostrecke: 2 Bilder Auch im Ocean Way Nashville Studio kann sich um 360° gedreht werden.
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Praktischer Nutzen der Nx-Plugins

Wie klingt es denn nun? Was bringt eines der Nx-Plugins, was bringen alle? Die Unterschiede zwischen „Virtual Mix Room“ einerseits und den drei Nachbildungen andererseits sind deutlich hörbar. Werte von mehr als 30% bei „Room Ambience“ erzeugen mit Ersterem einen derart reflektierenden Raum, dass man schnell das Gefühl bekommt, man mixe im Badezimmer. Andererseits ist das Head Tracking hier am deutlichsten hörbar. Die drei virtuellen Studios unterscheiden sich auf meinen drei Kopfhörern (Beyerdynamic DT-770 Pro 250 Ohm, Sennheiser HD 280 Pro, Slate VSX) klanglich nur in Nuancen. Hier kommt es sehr auf den persönlichen Hörgeschmack, aber auch auf das Genre an, das man hauptsächlich mixt.  

Am besten testet man jedes NX-Studio vorher als Demo, um das zum eigenen Geschmack passende Tool zu finden.
Am besten testet man jedes NX-Studio vorher als Demo, um das zum eigenen Geschmack passende Tool zu finden.

Jeweils ein EDM-, ein Rock- und ein Acoustic-Pop-Track wurde nacheinander mit jedem der vier Nx-Plugins grob abgemischt. Dazu wurden vier Referenztracks („Power“ von Kanye West, „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana, „Glory Box“ von Portishead“, „Beyond Beliefs“ von Ben Böhmer) mit allen vier Varianten lautstärkeangepasst gegengehört. Wenig überraschend ist der drückende Bass- und Mittenanteil aus „CLA Nx“ am besten für wummernde Hip-Hop-Tracks, knarzenden Rock und peitschenden Grunge am besten geeignet. Der Acoustic-Pop-Track wurde am klarsten in der „Nx Ocean Way Nashville“-Emulation abgebildet. Und die glasklare Darstellung der Mitten und Höhen in „Abbey Road Studio 3“ war am ehesten für EDM und das zarte Arrangement von „Glory Box“ geeignet. 

Fazit

Waves Nx hat mit dem Head Tracking ein Feature, das es von der Konkurrenz abhebt.. Die drei Studioräume „CLA NX“, „NX Ocean Way Nashville“ und „Abbey Road Studio 3“ sind je nach Genre hervorragende Mixing-Tools. 
Warum es allerdings nur zwölf Kopfhörer-Kalibrierungsprofile gibt, ist genauso schleierhaft, wie die Aufteilung in vier Plugins. Will ich Mixing-Räume vergleichen, artet das in mühsame Bypass-Klickereien aus. Viel einfacher wäre ein Plugin mit verschiedenen Mixing-Rooms. Auch das Fehlen einer Systemwide-App schmerzt: Will man neben dem Mixing kurz ein Tutorial oder eine Referenz im Streamingdienst der Wahl gegenhören, geht das nur über einen umständlichen Workaround samt Drittanbietersoftware. Wer aber in die Welt des Kopfhörer-Mixings einsteigen möchte, für den ist die NX-Reihe eine echte Empfehlung. Nutzt man eines der Plugins dauerhaft, kann ich den Bluetooth-Tracker nur empfehlen, er ist einfach genauer und ressourcenschonender.

Pro
  • Webcam Head Tracker erkennt (bei gutem Licht) die Kopfposition.
  • Bluetooth Head Tracker ist einfach eingerichtet.
  • Sehr realistische Darstellung des Stereopanoramas bei Kopfbewegungen
  • Mehrere Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Monitormodellen
  • Virtuelle Studioräume bilden Mixe realistisch ab
Contra
  • Keine System-Wide-App
  • Nur zwölf Kalibrierungsprofile für Kopfhörer
  • Mühsames Umschalten beim Einsatz mehrerer Nx-Plugins
Features
  • Simulation von echtem Stereopanorama durch Head Tracking und Studioakustik
  • Headtracking durch eigene Webcam oder zusätzlichen Bluetooth-Dongle
  • HRTF kann durch Eingabe der Kopfmaße individuell angepasst werden
  • Virtual Mix Room: Winkel und Position der Monitore wählbar.
  • CLA Nx: Zwei Monitorgrößen (Cla-10+Sub und Mains) und eine Boombox wähbar, dazu 360°-Drehung um den Mixing Spot. Raumanteil einstellbar.
  • Nx Ocean Way Nashville: Zwei Monitorgrößen (HR1 und HR5) wählbar, dazu 360°-Drehung um den Mixing Spot. Raumanteil einstellbar.
  • Abbey Road Studio 3: Drei Monitor-Größen (Near, Mid und Far) wählbar, dazu 360°-Drehung um den Mixing Spot.
Systemvoraussetzungen
  • Windows: Ab Intel Core i5, i7, i9, Xeon oder AMD Quad Core, Windows 10 64 bit, Windows 11 (Build 22000.194)
  • Mac: Intel Core i5, i7, i9, Xeon oder Apple M1, MacOS-Versionen: 10.14.6, 10.15.7, 11.5.2, 12.0.1
  • Speicher Minimum: 8 GB RAM (16 GB empfohlen), HDD: 16 GB Speicher auf der Systempartition,
  • Für Bluetooth Head Tracker: Bluetooth 4.0 oder höher mit BLE-Modus (Bluetooth Low Energy)
Preis
  • Waves Nx Virtual Mix Room: 29 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Im Bundle mit Head Tracker: 69 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Waxes CLA Nx 29 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Im Bundle mit Head Tracker: 99 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Waves NX Ocean Way Nashville: 29 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Im Bundle mit Head Tracker: 99 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Waves Abbey Road Studio 3: 49 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Im Bundle mit Head Tracker: 129 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Waves NX Head Tracker für Headphones 89 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)

Unser Fazit:

Sternbewertung 4,0 / 5

Pro

  • Webcam Head Tracker erkennt (bei gutem Licht) die Kopfposition.
  • Bluetooth Head Tracker ist einfach eingerichtet.
  • Sehr realistische Darstellung des Stereopanoramas bei Kopfbewegungen
  • Mehrere Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Monitormodellen
  • Virtuelle Studioräume bilden Mixe realistisch ab

Contra

  • Keine System-Wide-App
  • Nur zwölf Kalibrierungsprofile für Kopfhörer
  • Mühsames Umschalten beim Einsatz mehrerer Nx-Plugins
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von Julian Schmauch

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