Was du über den Shortscale-Bass wissen musst

In den letzten 10 Jahren haben Shortscale-Bässe ein erstaunliches Comeback erlebt und sind heute vermutlich populärer, als sie es jemals waren. Waren sie über Jahre hinweg sogar in Verruf geraten, sind Shortscale-Bässe bei Bassistinnen und Bassisten aller Genres beliebt. Große Companies wie Fender oder Music Man bieten Neuauflagen ihrer klassischen Instrumente an, aber auch viele neue Hersteller – z. B. Sire – oder Boutique-Bassbauer springen auf den Trend auf. Wir wollen heute der neuen Popularität der Shorties auf den Grund gehen, Fragen rund um das Thema „Shortscale“ beantworten, einen Blick in die Geschichte werfen und das aktuelle Angebot auf dem Markt beleuchten.

Feature Shortscale-Bässe
Shortscale-Bässe: In diesem Artikel bekommst du alle Infos über Vor- und Nachteile und historische Facts

Was bedeutet eigentlich „Shortscale-Bass“?

„Shortscale“ (auch „Short Scale“) bedeutet auf Deutsch „kurze Mensur“. Mit „Mensur“ ist dabei die Länge der schwingenden Saite gemeint, gemessen von ihrem Auflagepunkt an der Brücke bis zum Sattel. Bei einem Standard-Bass hat sich eine Mensur von Mensur 864 mm bzw. 34 Zoll etabliert. Alles, was kürzer ist, wird als „Shortscale“ bezeichnet. Die zwei gängigsten Größen sind 32 Zoll (ca. 810 mm) und 30 Zoll (ca. 760 mm).

Übrigens: Weitere Infos rund um das Thema “E-Bass-Mensuren” bekommt ihr in diesem Artikel.

Fender Mustag Bass
Ein wunderschöner Fender Mustang mit PJ-Pickupbestückung.

Wie klingen Shortscale-Bässe?

Auch für Bässe gelten selbstverständlich die Gesetze der Physik: Aufgrund der kürzeren Mensur verringert sich das Verhältnis der Dicke der Saite zu ihrer Länge. Das Resultat: Weniger Saitenspannung, ein fettes und weiches Low End, dafür aber weniger Transparenz und Auflösung im Ton.

Exakt diese Kombination ist in zahlreichen Situationen das, was man sich wünscht: Shortscale-Bässe fügen sich für gewöhnlich sehr homogen und harmonisch in den Band-Mix ein. Wo manch moderne Konstruktion sich klanglich zu sehr nach vorne drängelt, sind die Shorties richtig gute Teamplayer!

Natürlich hängt dies auch stets vom musikalischen Kontext ab – beliebt sind Shortscale-Bässe vor allem in Styles, die man mit dem Attributen „Vintage Sound“ oder „Retro“ in Verbindung bringt. Dazu gehören Blues, Soul, Rock, Indie, Singer/Songwriter etc. Aber auch auf modernen Pop-Produktionen sind Shortscale-Instrumente aufgrund ihres weichen und Mix-freundlichen Sounds häufig zu hören.

Und es gibt noch einen weiteren Vorteil: Vor allem in den mittleren und höheren Lagen besitzen viele Shortscale-Bässe einen ganz eigenen glockig-singenden Sound. Dies ist vermutlich auch der Grund, warum man viele Basslines hören kann, die auf einem Shorty zwischen dem fünften und zwölften Bund eingespielt wurden.

Music Man Sterling Stingray Short
Auch etablierte Companies wie Ernie Ball/Music Man geben den Shorties in den letzten Jahren eine Chance: Hier seht ihr einen schicken Music Man Sterling Stingray Short.

Was sind weitere Vorteile von Shortscale-Bässen?

Eine kürzere Mensur sorgt natürlich für eine komfortable Bespielbarkeit. Dies kommt allen Bassleuten entgegen, die keine großen Hände haben. Neben Kindern und Jugendlichen gilt dies ebenso für viele Erwachsene.

Auch Gitarristinnen und Gitarristen, die gelegentlich gerne zum Bass greifen, wird der Umstieg durch die kürzere Mensur erleichtert, da der Unterschied zur Gitarre nicht mehr so groß ausfällt. Ein weiterer Beitrag zu einer komfortablen Bespielbarkeit ist die geringere Saitenspannung, welche das Zupfen erleichtert.

Doch Shortscale-Bässe besitzen nicht nur eine kürzere Mensur, sondern zumeist auch einen verkleinerten Korpus. Insgesamt erhält man also ein Instrument mit weniger Masse und Gewicht. Zusammen mit den kompakteren Maßen können diese Features massiv den Rücken schonen und stundenlanges Spielen erleichtern. Natürlich lassen sich Shorties aufgrund dieser Eigenschaften auch besser transportieren.

Rickenbacker 4030S MG
Hier seht ihr einen Rickenbacker 4030S MG: Ein weiterer Bass-Klassiker, den es inzwischen in der Shorty-Ausführung gibt!

Ab wann gab es Shortscale-Bässe?

Der erste kommerzielle Shortscale-Bass war der Gibson EB-1, welcher im Jahr 1953 erschien. Drei Jahre später folgte der 500/1 Halbakustik von Höfner. Wie der EB-1 besaß er eine 30-Zoll-Mensur – damals ahnte allerdings noch niemand, welche Bedeutung der Höfner 500/1 einmal in der modernen Musikgeschichte erlangen sollte, schließlich entschied sich kein Geringerer als Paul McCartney von den Beatles für das Modell! Mit dem Danelectro Longhorn kam 1958 noch ein weiterer Mitbewerber ins Spiel, der beispielsweise von dem legendären John Entwistle (The Who) gespielt wurde.

Wirklich massenkompatibel sollte aber erst der Fender Mustang Bass werden, der im Jahre 1966 das Licht der Welt erblickte und ebenfalls mit einer 30-Zoll-Mensur ausgestattet war. Fender dominierte damals ohnehin bereits den Bass-Markt mit dem Precision Bass und dem Jazz Bass – und auch ihr Shortscale-Modell sollte deutlich mehr kommerziellen Erfolg einfahren als die zahlreichen Mitbewerber.

Im Laufe der Jahre gab es von verschiedenen Firmen immer wieder unterschiedliche Modelle, darunter von Duesenberg, Gretsch, Höfner, Epiphone, Höfner etc. Konsequent durchsetzen konnten sich die Shorties aber nicht – viele Modelle verschwanden daher früher oder später wieder aus den Produktsortimenten.

Gibson SG 2018 Walnut Limited Run
Der Gibson EB-3 – heutzutage unter dem Namen SG Bass bekannt – wurde ab 1961 hergestellt und durch Player wie Jack Bruce (Cream) bekannt gemacht. Hier seht ihr ein moderneres Instrument aus dem 2018er Limited Run.

Warum waren Shortscale-Bässe früher nicht so beliebt wie heute?

Auf diese Frage gibt es zwei Antworten: Zum einen haben wir es hier mit der in Musikerkreisen doch sehr verbreiteten Ignoranz beziehungsweise mit falschen Glaubenssätzen zu tun.

Der Fender Precision Bass und der Fender Jazz Bass hatten sich bis Mitte der 60er-Jahre als absolute Standards in Sachen E-Bass etabliert. Dies ging sogar soweit, dass „Fender Bass“ als Synonym für „E-Bass“ benutzt wurde. Shortscale-Bässe gerieten daher schnell in Verruf als Spielzeuge, Schülerinstrumente, Gitarristen-Bässe, etc.

Aber es gab immerhin auch berechtigte Zweifel und Kritik am Shortscale-Konzept. Hersteller besaßen damals noch deutlich weniger Erfahrung und Know How bzgl. der Konstruktion und Bauweise von Shorties. So sorgten qualitativ minderwertige Bassbrücken häufig für massive Probleme mit der Intonation. Auch gab es keine speziell für Shortscale konzipierten Basssaiten, und Tonabnehmer von geringer Qualität lieferten einen eher matschig-mulmigen Sound mit wenig Low End. Dies führte dazu, dass die Shorties unterm Strich in den 80er-, 90er und Nuller-Jahren eher ein Schattendasein führten.

Höfner HCT 500/1 CV Contemporary
Auf den Spuren der Beatles: ein Höfner HCT 500/1 CV Contemporary

Warum erleben Shortscale-Bässe seit einigen Jahren ein Comeback?

Darauf gibt es sicher keine eindeutige Antwort. Ein Grund ist sicher der viel zitierte Zeitgeist: Shortscale-Bässe versinnbildlichen einen Retro-Trend, der sich bekanntlich in regelmäßigen Abständen wiederholt. Zum anderen gibt es seit ca. 20 Jahren eine Bewegung hin in Richtung „klein, leicht und bequem“. Eine der ersten in Musikgeschäften gestellten Fragen ist mittlerweile die nach dem Gewicht eines Instruments – nicht die nach seinem Sound. Hier besitzen die Shorties natürlich ganz klar einen Vorteil, erst recht die halbakustischen Shortscale-Modelle von Höfner, Gretsch, Duesenberg etc.

Ein ganz entscheidender Punkt ist aber sicherlich die Qualität heutiger Shortscale-Bässe. Viele Hersteller haben sich dieses Themas mittlerweile ernsthaft angenommen und ihre Konstruktionen massiv verbessert. Brücken und Tonabnehmer befinden sich heutzutage auf einem vollkommen anderen Niveau und lassen einen typische Shortscale-Probleme vergangener Tage vergessen. Und natürlich gibt es heute auch bereits ein breites Angebot an speziell entwickelten Shortscale-Saiten. Dies alles resultiert in einem deutlich verbesserten Sound!

Nicht zuletzt haben aber auch etliche berühmte Namen zum Comeback der Shortscale-Bässe beigetragen, darunter Pino Palladino und Justin Meldal Johnson mit ihren Mustang-Bässen, Session-Legende Sean Hurley mit einem Guild Starfire, der nimmermüde Paul McCartney mit seinem Höfner 500/1 und einige mehr.

Franz Bassguitars Merak Shortscale
Auf diesem Bild hält uns Xaver Tremel, seines Zeichens Chef von Franz Bassguitars, sein Modell Merak Shortscale vor die Kameralinse. Das Bassmodell verfügt über eine ganz erstaunliche Klangkultur!

Welche Shortscale-Bässe gibt es heute?

Hier findet ihr eine kleine Auswahl dessen, was der Markt aktuell an Shortscale-Bässen hergibt:

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Soundbeispiele Shortscale-Bass

Für meine Soundbeispiele diente mir exemplarisch ein halbakustischer Düsenberg Starplayer Bass mit 30-Zoll-Mensur.

Audio Samples
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Düsenberg Starplayer Bass in einer Soulproduktion Düsenberg Starplayer Bass im Blues Düsenberg Starplayer Bass in modernem R&B
Fotostrecke: 2 Bilder Unser Testobjekt ist ein wunderschöner …

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Artikel etwas für das Thema „Shortscale-Bass“ begeistern. Für mich ist diese Instrumenten-Gattung eine willkommene Abwechslung in meinem Bassisten-Alltag. Vielleicht ja auch für euch?

Bis zum nächsten Mal, Thomas Meinlschmidt

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