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TC Electronic System 6000 Native Series Bundle Test

Praxis

Mut zur Lücke

Ohne Zweifel sind MD4 HD Native und VSS4 HD Native die absoluten Highlights der neuen TC Electronic System 6000 Native Series, da es den VSS3 schon länger gibt bzw. es ihn und MD3 sowie Nonlin 2 im Bundle fast gratis dazu gibt, schenk ich mir deren ausführliche Betrachtung, auch weil es den Rahmen sonst sprengen würde. 

Kurz und knapp

Der MD4 HD macht so was von schnell, sprich unkompliziert, transparent, laut und dicht – es ist ein wahrer Genuss! Und der VSS4 HD Reverb erst: fluffig, breit, tief, und sehr liebkosend für den Mix – es ist ein Träumchen! Mit dem Nonlin 2 kann man durchaus experimenteller arbeiten, es bleibt aber immer noch halbwegs natürlich – allzu krasse SFX darf man nicht wirklich erwarten, die würden in dem Paket aber auch wenig Sinn ergeben.
Genug gesabbelt, hören wir uns das Ganze im Kontext einmal an. Der Song ist von Kollege Bassel und wurde schon an der einen oder anderen Stelle zum Test für Demo-Mixe benutzt, so gut wie hier klang er aber bisher nicht. 
Im ersten Beispiel hört man die trockenen Percussions und Gitarren, die „Deko“ hab ich dabei noch weggelassen – dazu später mehr. Im zweiten Beispiel kommt dann EINE Instanz VSS4 HD im Send/Return hinzu, um das Ganze in eine räumliche Dimension zu packen, ohne besonders effekthascherisch vorzugehen. Wie man hört, klappt das allein mit der einen noch recht subtilen Instanz sehr gut: Die Summe wird eins und es klingt nicht „zusammengebastelt“.

Audio Samples
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1: Stripped – Dry 2: Stripped – 1* VSS4HD im globalen Send 3: Stripped – 1* VSS4HD im globalen Send, 1* VSS4HD im Solo-Insert 4: Full Mix – Uncompressed 5: Full Mix – MD4 HD im Master

Im dritten Beispiel bekommt die Hauptklampfe zusätzlich zu der bereits verwendeten Send/Return-Instanz eine eigene Instanz als Insert spendiert, die mehr wabert und das einzelne Instrument breit und auch etwas diffus macht, damit es weniger heraussticht und sich noch besser „einbettet“. 
Im vierten Beispiel habe ich dann die restlichen Spuren hinzugeschaltet. Es dient dabei hauptsächlich als Ausgangspunkt für das fünfte Beispiel, in dem ich den mächtigen MD4 HD Multi-Band-Compressor/Limiter im Master benutzte, um alles kräftig aufzublasen, ohne dabei komplett gegen die Wand zu fahren. Man beachte wie tight und dick der Bass dadurch wird. Beispiel 4 ist außerdem normalisiert, damit der Lautstärkezuwachs im finalen Beispiel Nummer 5 besser beurteilt werden kann. 
Und wenn wir schon einmal dabei sind, hören wir uns auch den NonLin2 an, der mir einzeln besonders gut auf den Doubles gefällt – zusätzlich auf der Solospur im vollen Mix (Beispiel 7) ist das aber schon etwas zu krass. Aber es beweist auch, wie allein der richtige Reverb  – bzw. in dem Fall der falsche – einen ganzen Song ändern kann. In Beispiel 7 und 8 hört ihr nochmal das Solo-Instrument mit den VSS4-Effekten jeweils einmal aktiviert und deaktiviert, während in Beispiel 9 und 10 die Doubles dementsprechend mit dem zusätzlichen NonLin2 in den Sends zu hören sind. 

Audio Samples
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6: Full Mix – 1* VSS4HD & 1* NonLin2 im globalen Send, 1* NonLin2 im Insert; MD4 HD im Master 7: Solo – Dry 8: Solo – 1* VSS4HD im Send, 1* VSS4HD im Insert 9: Doubles – Almost Dry 10: Doubles – 1* VSS4HD & 1* NonLin2 im globalen Send 11: Techno – Dry 12: Techno – VSS3 Earlys 13: Techno – MD3 Expander

Ferner der Hinweis, dass ich mich am Anfang bewusst für eine etwas gestrippte Variante des Playbacks entschieden habe, damit man den subtilen „Klebe-Effekt“ des VSS4 besser beurteilen kann, weil die später hinzukommenden Spuren teils Samples sind und bereits eigene Räume (wenn auch sehr dezent) mitbringen.
Zu guter letzt gibt es noch ein Techno-Beispiel (11), bei dem ich nur die Earlys des VSS3 (12) benutzt habe um ihn etwas Dimension zu geben. Außerdem hab ich den MD3 Expander benutzt (13), um ihn wieder etwas “atmen” zu lassen. 

Was gibt es zu kritisieren?

Grundsätzlich kann ich mich mit der Bedienung des Plugins gut arrangieren, auch wenn es etwas unnötig scheint, sie so zu designen, als gäbe es eine Remote, die es dann aber doch (noch) nicht gibt. Ich wünsche mir deshalb einen alternativen GUI-Mode, in dem alle Parameter mit einem Mal sichtbar sind und man sich nicht unbedingt durch die etwas verschachtelten Kategorien vor und zurück klicken muss, was mich besonders beim MD3 und MD4 HD nervt 
Mittels Assign-Funktion gibt es zwar einen Umweg, um die wichtigsten sechs Parameter in das untere Bedienfeld zu mappen, eine echte Hilfe ist das beim Designen aber nicht – vielleicht aber beim Fine-Tuning? Ausgerechnet bei den Multiband-Settings gibt es diese Funktion dann aber überhaupt nicht. Why? Ferner vermisse ich beim MD3 und MD4 HD schmerzlichst die Solo-Buttons für die einzelnen Bänder – ich habe mich über den Make-up-Gain der Bänder beholfen, umständlich ist aber auch das. 
Und wo wir gerade beim Thema Fehlen sind: Einen Analyzer im EQ gibt es ebenfalls nicht. Selbst die grafische Mausbedienung ist nicht vollständig und lässt beispielsweise die Unterstützung der Mausradfunktion für den Q-Faktor vermissen; der Umweg über die sechs Regler im unteren Bereich beim integrierten EQ wirkt unnötig umständlich. Letztlich ist das alles aber Jammern auf hohem Niveau, zumal ich den integrierten EQ nur als Zugabe statt als Alleinstellungsmerkmal begreife – bei einem Preis von 699 US-Dollar für das Bundle bewegen wir uns nun aber auch auf gehobenem Niveau.
Die Ernüchterung kommt mit der eingeforderten Leistung: Selten hab ich etwas so CPU-Verfressenes gesehen wie den VSS4 HD. Ich möchte TC wirklich nicht zu nahe treten, aber von einer CPU-Optimierung des DSP-Codes kann hier keine große Rede sein, da hat man sich beim VSS3 noch mehr Mühe gegeben. Wahrscheinlich wurde der Ursprungs-Code „einfach nur“ in einen entsprechenden „Cross-Compiler-Wrapper“ gepackt. Oder anders ausgedrückt: Erst in der Retrospektive wird die Macht des alten DSP-Kastens verständlich und sein damaliger Preis von 16 Riesen gerechtfertigt – gleich mal auf Ebay Kleinanzeigen glotzen, was!? 
Folgende Werte sind jedenfalls exemplarisch für meinen Mac Pro mit 6-Core Xeon 3,5 GHz und der ableton-live-11-eigenen CPU-Anzeige bei 256 Samples – pro einzelner Instanz, erst für 44,1 kHz und dann schließlich für 96 kHz zu. Am besten probiert man das vor dem Kauf erst einmal mit den Demos auf dem eigenen Rechner selbst aus, nicht dass euch die Ernüchterung einholt.

  • VSS4 HD: 27% und 36%
  • NonLin 2: 9% und 14%
  • MD4 HD: 8% und 16%
  • MD3: 6% und 12%
  • VSS3: 5% und 11%
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Profilbild von Harry

Harry sagt:

#1 - 10.09.2022 um 16:17 Uhr

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TC Electronic System 6000 Native Series Bundle Test Eigentlich klanglich super! Bei der grafischen Oberfläche habe ich keinen Zugang, die fnde ich unglücklich erstellt!

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