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Reverb Foundry Tai Chi Test

Tai Chi ist das neuste und damit dritte Produkt der Reverb Foundry, die neben der schicken Plugin-Remote für den Bricasti M7 auch das HD-Cart im Angebot hat. Letzteres ist eine weitere Plugin-Variante der Legende Lexicon 480L, hier allerdings mit der raren „Surround HD Reverb Cartridge“ ausgestattet, einer ganz besonderen Erweiterung mit quadrofonen Algorithmen sowie dem extrem dichten High-Density Mode. Kein Lexicon-Preset hat je stärker moduliert!

ReverbFoundry_TaiChi_Test
Der Tai Chi in der Standard-Version.


Hinter dem Ganzen steckt der Brite Matt Hill, der übrigens auch die Geschäfte von LiquidSonics führt. Dahinter verbirgt sich wiederum ein Anbieter für post-pro-orientierte Surround-Reverbs, die überwiegend auf Faltung basieren. Darunter befindet sich auch der Seventh Heaven, eine IR-Kopie des M7. Schon sonderbar, diese Aufteilung, aber nun gut. Man kann mutmaßen, dass bei Foundry die algorithmischen Prozessoren und bei Liquidsonics die Convolution-Reverbs geparkt werden. Genauso gut könnte man sagen, dass es auch um mehr Kreativität, modernisierten Vintage-Fetisch sowie aber vor allem Musik geht und weniger um nüchternen Hyper-Realismus und Produktivität. Wie dem auch sei: Es wird Zeit für den Test!

Details

Standard und Lite

Tai Chi ist ein algorithmisches Reverb-Plugin für die bekannten Formate VST(3), AU und AAX. Es werden zwei Ausbaustufen angeboten: Tai Chi Standard für 199 USD und Tai Chi Lite für 99 USD. Bis zum 20.12.2021 gilt außerdem ein Einführungsangebot für die Hälfte des Preises.

Tai Chi Lite ist vor allem hinsichtlich der Bedienung einfacher gehalten.
Tai Chi Lite

Klares Design, viele Details unter der Haube

Im unteren Teil der Standard-GUI befindet sich die Steuerung der MULTIPLIER. Mit bis zu vier Bändern kann die REVERB-TIME frequenzmäßig relativ zur globalen Decay-Zeit angepasst werden; entweder mit den entsprechenden Reglern oder direkt in der Grafik. Jedes Band wird dabei individuell berechnet. Eine CONTOURING Sektion mit traditionellen Pass-Filtern kommt außerdem noch hinzu. Damit kann zusätzlich oder auch ausschließlich das Dämpfungs- bzw. Abklingverhalten beeinflusst werden kann, und zwar getrennt für Treble und Bass.

Fotostrecke: 3 Bilder Die Multiplier ermöglichen unterschiedliche Reverb Times pro Band.
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Alles unter Kontrolle – der Master-Tab

Der MASTER-Tab vereint das globale Decay als REVERB TIME, was die angesprochenen Multiplier beeinflusst. Oben drauf kommen das klassische, syncbare PRE-DELAY und ein WIDTH-Regler für den Reverb-Tail. Die REFLECTIONS bieten einen eigenen ROLL-OFF sowie verschiedene PATTERN, welche die Raumstruktur hinsichtlich ihrer Entfernung und ihres Reflexionsverhaltens definieren. SPACING kontrolliert den Abstand zwischen den Reflexionen und sorgt mit Zunahme für einen noch größeren Raumeindruck. Der TYP kann selbstverständlich auch gewählt werden: Room, Hall, Church, Garage und Stadium stehen zur Auswahl.

Fotostrecke: 2 Bilder Der Master beherbergt die üblichen groben Parameter …
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„Bigger than life“– der Advanced-Tab

Der ADVANCED-Tab beinhaltet wichtige Einstellungen zur Diffusion und Dichte des Raumes sowie die mächtigen Chorus/Modulation-Settings der vielen kleinen „Delays im Netzwerk“. Mit der Mod-Rate bestimmt man grob die Modulationsgeschwindigkeit und Glide-Zeit der verschiedenen Delays, aus denen der Reverb zusammengesetzt wird. 
Innerhalb des Algorithmus kreiseln diese Deals aber ohnehin mit leicht abweichenden Zeiten im Raum umher, anmutig wie die Bewegung beim Tai Chi. Verschiedenen Unterarten spielen mit den Modulationen von subtil bis drastisch. Sie heißen ENRICH, DRIFT und DETUNE. THICKEN CHORUS aktiviert den Turboboost sozusagen. Dann gibt es noch den WANDER-Parameter, der die Delays außerdem smoother bzw. faded durch den Raum schwirren lässt. Insbesondere diese Settings sorgen für eine fette Breite und flauschige Hall-Wölkchen; „Bigger than life“.

Die Advanced Settings sorgen für den fetten Chorus innerhalb des Netzwerkes.
Advanced-Tab

More Modulation and Fizzyness

Unter FIDELTIY finden wir einen Bit-Crusher, der die „Unzulänglichkeiten“ alter Digital-Hardware perfekt simulieren dürfte: Die Quantisierung lässt sich von full, d. h. von 18 Bit, auf 6 Bit herunterschrauben und sogar getrennt für Output, Reverb und Reflections bestimmen. So sorgt sie für die gewisse „gritty roughness“. 

Fidelity bietet viele Möglichkeiten der Bit-Reduction innerhalb des Signalpfades.
Fidelity-Tab

EQ und Kompressor

Dynamics und Equalizer erklären sich von selbst. Sie mögen in Anbetracht der zuvor genannten Features allerdings fast lahm erscheinen. Aber das täuscht: Der Kompressor kann nämlich wahlweise auf das gesamte Wet-Signal oder nur auf die isolierte Hallfahne, ohne Reflections, angewandt werden. Ferner leitet der DUCK- oder COMPRESS-Mode das Detektorsignal vom Input bzw. dem Reverb selbst ab, womit Hallsuppe beispielsweise galant in Signalpausen nach oben gepumpt werden kann. Ansonsten kennt der Kompressor die üblichen Parameter. 

Fotostrecke: 3 Bilder Die Dynamics bieten tolle Möglichkeiten die Hallsuppe nach oben zu bringen.
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Der EQ ist ähnlich praktikabel designt und stellt damit kein Overkill dar: Low-Shelf, High-Shelf sowie Low-Cut und High-Cut aka „Roll-Off“ finden sich hier. Die Cut-Filter sind in den Flanken zwischen 6, 12, 18 und 24 dB/Oct. umschaltbar. 
Ein letztes Schmankerl des Profi-Tools ist – neben dem Resize-fähigen GUI – der Parameter-Lock, womit sich jeder erdenkliche Parameter sperren lässt und nach dem Presetwechsel erhalten bleibt. Hat man also gute Teilsettings gefunden, kann man bedenkenlos rumspielen ohne bei null anfangen zu müssen. 

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