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Morrissey wehrt sich gegen Rechtsextremismus Vorwürfe – und widerspricht sich dabei selbst

Der ehemalige Sänger der legendären Band The Smiths, Morrissey, wehrt sich mal wieder dagegen, rechtsextrem zu sein und wittert dabei eine Verschwörung gegen sich selbst. Die Schuld für seine angebliche Verbannung haben natürlich die Cancel Culture sowie die ähnlich funktionierende Musikindustrie.

FOTO: Charlie Llewellin

Morrissey wittert mal wieder eine Verschwörung gegen sich selbst. Eigentlich ist das nichts neues. Bereits seit Jahren wettert er vor allem gegen Medien, die Musikindustrie und vor allem sein (Ex-)Label BMG. Journalisten warf er 2020 vor, ihn falsch zitiert zu haben, als er angeblich Harvey Weinstein und Kevin Spacey verteidigt und Berlin als “Vergewaltigungshauptstadt” bezeichnet haben soll. Seinem Label wiederum wirft er seit Jahren vor ihn und seine Musik zu benachteiligen, weil neue Manager das Label angeblich diverser aufstellen wollen würden und seine Musik deshalb nicht mehr in das Roaster passe.

Medien und Labels verschwören sich gegen Morrissey

Das Statement, das auf einer Fan-Seite namens Morrissey Central erschien, wurde mit einer Illustration unterlegt, welche Morrissey gefesselt und in Flammen. Allgemein veröffentlicht Morrissey Statements oder andere News und Interviews nur noch über Morrissey Central, die von seinem Neffen geführt wird. Mit traditionellen Medien redet er nicht mehr. In seinem neusten Statement macht der mittlerweile 63-Jährige deutlich warum: Sein schlechter Ruf komme von “vier männlichen Personen, die alle prominente Positionen in den sozialen Medien innehaben”. Diese würden dann immer wieder schreiben, dass Morrissey rechtsextrem sei um ihn zu canceln.

Namen nennt der Sänger nicht. Er sagt lediglich, dass alle vier einmal starke Hoffnungen auf eine enge Freundschaft mit ihm gehabt hätten und nun auf Rache aus und zudem neidisch auf ihn seien. Die Verschwörer würden von dem Ziel angetrieben, eines Tages auf Wikipedia als die Person aufgeführt zu werden, die für Morrisseys Untergang verantwortlich ist.

Die Cancel Vultures wollen Morrissey rechtsextrem aussehen lassen

Ebenfalls neidisch auf Morrissey seien zudem sogenannte “Cancel Vultures”, also die Schergen der Cancel Culture, die es laut Eigenaussage ebenfalls auf den Sänger abgesehen hätten und deshalb immer wieder betonen, dass Morrissey rechtsextrem sei. Der Grund für das abermalige Statement von Morrissey sind übrigens diverse Artikel in den englischen Medien, in denen es um Miley Cyrus Wunsch geht, nicht auf dem neuen Morrissey Album stattzufinden.

Eigentlich hatte die US-Amerikanische Sängerin Backing-Vocals für den noch unveröffentlichten Song “I Am Veronica” aufgenommen. Über Weihnachten hatte Morrissey in einem Statement geschrieben, dass Cyrus nun doch nicht mehr auf dem Album stattfinden möchte. Die Sängerin hat sich selbst noch nicht zu der Thematik geäußert. Stein des Anstoßes für Morrisseys neues Statement sind nun anscheinend Hinweise auf verschiedenste verbale Entgleisungen seitens des Sängers, die es ebenfalls in die News-Artikel zu Cyrus Aus auf “I Am Veronica” geschafft hatten.

Angeblich behaupten die Medien so Cyrus wolle wegen Morrisseys politischer Ansichten nicht mehr auf dessen Album stattfinden. Tatsächlich findet sich im Netz unter den diversen Artikeln zu dem Thema keiner, der dies direkt behauptet. Es werden lediglich, wie im Journalismus üblich, die jüngsten Meldungen zur betreffenden Person, also Morrissey, am Ende des Artikels verlinkt. Diese beziehen sich aufgrund der eher unrühmlichen jüngeren Vergangenheit des Sängers nunmal auf dessen Unterstützung der rechtsextremen “For Britain” Partei.

Wie rechtsextrem ist Morrissey wirklich?

So weit, so verschwörungstheoretisch. Nachdem Morrissey also klarstellt, dass Cyrus wegen einem privaten Streit mit einer Person aus Morrisseys engstem Kreis nicht auf dem Album vertreten seien möchte, holt der Sänger zum großen Wurf aus und versucht zu argumentieren, dass seine politischen Ansichten nicht “far right”, was auf deutsch sowas wie rechtsextrem bedeutet, seien. Wit­zi­ger­wei­se argumentiert Morrissey dabei quasi nach dem Lehrbuch neurechter, populistischer und verschwörungstheoretischer Argumentationslogik.

Zum einen beschwört er immer wieder die sogenannte Cancel Culture und die unbenannten “Cancel Vultures”, die eine persönliche Vendetta gegen ihn planen, nur um gleichzeitig zu erkennen, dass er ja noch immer in den Medien stattfindet, also gar nicht gecancelt ist. Wie genau funktioniert dann bitte Cancel Culture und warum ist Morrissey angeblich so schlimm davon betroffen? Auch sich selbst in diese krasse Opfer-Rolle zu flüchten, passt perfekt in diese Strategie, die immer wieder von rechten Politikern oder Berühmtheiten genutzt wird. Hierzulande lässt sich das sehr gut bei diversen AfD-Politikern beobachten. Wenn jemand aus der Partei was rassistisches sagt, sind am Ende immer andere Schuld, die Medien sowieso.

Die Verschwörung der Musik-Manager

Weiterhin wittert Morrissey eine Verschwörung innerhalb der Musik-Industrie. Dass über den Erfolg von Musik nicht mehr die Menschen bestimmen, sondern Musikindustrie-Manager, behauptet der Sänger ja eh bereits seit Jahren. Nun setzt er noch einen drauf: Niemand aus der Industrie habe große Musiker wie Bowie oder die Sex Pistols kommen sehen und dennoch seien sie groß geworden. Heutzutage könnten Künstler nur noch den Durchbruch schaffen, wenn die den Regeln der Industrie folgen. „Songs haben Zuhörer für Jahre beschäftigt, aber das wurde ersetzt durch verdächtige und sofortige Berühmtheit für alle, die dazu bereit sind zuzustimmen, dass Babys natürlicherweise aus dem linken Ohr geboren werden.“ Künstler würden nur noch Managern nachplappern und dürften einfach keine eigene Meinung mehr haben und nicht anecken. “Musik als Kunst wurde zerstört,” schlussfolgert der Sänger. Warum seine Musik, wie er selbst immer wieder betont, dann trotz dieser Mechanismen der Industrie noch immer so erfolgreich sei, erklärt Morrissey nicht.

Zu seiner politischen Gesinnung schreibt er nebenbei, dass er noch nie gewählt habe oder irgendeiner politischen Partei beigetreten sei. Tatsächlich könnte das stimmen. Dass er sich in den vergangenen Jahren mehrmals öffentlich und sogar über dieselbe Seite, auf der nun dieses Statement erscheint, für die Politikerin Anne Marie Waters stark gemacht hat, verschweigt er hier. Es scheint, als habe selbst Morrissey mittlerweile – Waters Partei “For Britain” hat sich in zwischen aufgelöst – begriffen, dass die Politikerin zutiefst rechtes Gedankengut vertritt.

Wer ist eigentlich Anne Marie Waters?

In einem Interview aus dem Juni 2019, das ebenfalls auf Morrissey Central erschienen ist, sagte der ehemalige The Smiths Sänger noch klipp und klar, dass er die Partei “For Britain” unterstütze. Für einen unpolitischen Menschen, der angibt gar nicht zu wählen, klingt das schon komisch. Weiterhin behauptet Morrissey in dem Interview, dass Anne Marie Waters keine Rassistin sei und er sie noch nie etwas rassistisches habe sagen hören. Jemanden als Rassisten zu bezeichnen sei laut Morrissey heutzutage lediglich das letzte Mittel, wenn man sonst keine Argumente mehr gegen einen politischen Gegner findet. Klingt wieder mal sehr stark nach AfD-Politiker.

Wenn man das so ließt scheint es so, als habe Morrissey bei öffentlichen Auftritten von Waters einfach nicht ganz so genau zugehört. Es finden sich unzählige rassistische und islamfeindliche Aussagen der Politikerin vor laufender Kamera. 2017 wollte Waters beispielsweise die Geburtsraten von islamischen Kindern reduzieren, da sie fürchtete, Groß Britannien werde zu einem islamischen Staat. 2015 rief sie dazu auf Immigration aus islamischen Ländern zu stoppen, Menschen, die bereits von dort migriert sind, zu deportieren und Moscheen zu schließen. “Es müsse tough werden,” sagte sie doppeldeutig dazu.

Morrisseys Album auf unbestimmte Zeit verschoben

Entweder hatte Morrissey also diese Aussagen nicht mitbekommen, oder er ordnet sie einfach nicht als rassistisch und rechtsextrem ein. Letzteres ist dabei deutlich wahrscheinlicher, wenn man sich so die restlichen Aussagen des Sängers anschaut. Für ihn scheint es wahrscheinlich auch nicht rassistisch zu sein, die Covid-Maßnahmen mit der Sklaverei gleichzusetzen. Ebenfalls sagt er in dem Interview von 2019, dass ja schließlich jeder Mensch seine eigene Rasse bevorzuge und deshalb am Ende ja alle Rassisten seien müssten. Klingt tatsächlich ganz schön rassistisch.

Sein fertiges Album “Bonfire of Teenagers” scheint derweil auf unbestimmte Zeit im Giftschrank der Industrie zu verschwinden. Obwohl bereits erste Singles erschienen sind, habe BMG die Veröffentlichung, die eigentlich für dieses Frühjahr geplant war, bis auf weiteres verschoben.

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von Niklas Wilhelm

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Profilbild von Oliver

Oliver sagt:

#1 - 17.01.2023 um 12:30 Uhr

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Ist dieser Artikel mit Autoübersetzung entstanden? Irre, wie viele grammatikalische Fehler und seltsame Formulierungen sich da finden lassen…

Kommentare vorhanden
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