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Masterwork IRIS Test

Praxis
Angesichts einer ganzen Cymbal-Bundestagsfraktion und in Ermangelung einer derart großen Anzahl von Stativen muss das Testspiel in zwei Durchläufen stattfinden. Selbst wenn ich mir Stative und X-Hats zusammengeliehen hätte – ich heisse weder Nick Bozzio noch Nick Octopussidis. Ich habe mich zuerst für die Platzspar-Version mit den geringeren Durchmessern entschieden.

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Set 1 (Take 1) Set 1 (Take 2) 8″ Splash 10″ Splash

Neben allen Splashes habe ich auf die 13”-Hi-Hat, das 20” messende Ride, 14er und 16er Crash und das kleinste China eingedroschen. Die bei geringeren Durchmessern und Gewichten naturgemäß kürzeren Sustains verleiten zum schnellen, frickeligen Spiel, was sich vor allem mit Hi-Hat und Splashes gut macht. Die Splashbecken klingen spritzig und pusten ausreichend schnell ihr Spektrum in die umgebende Luft. Es fällt allerdings auf, dass sie erst bei recht harten Schlägen “umkippen”, also auch den obersten Frequenzbereich stark bedienen. Das klingt zwar toll, aber ich finde es immer angenehmer, wenn sich das durch die verschiedenen Dynamikbereiche eines Beckens ankündigt – es ist dann schlicht und einfach besser steuerbar. Das Matching der drei Minibecken ist ordentlich, wenn auch nicht perfekt. Eine Aussage hierzu wäre allerdings zu sehr Geschmackssache: Ich hätte vielleicht etwas anders zusammengestellt, ausserdem weiss ich natürlich nicht, welche Becken zum Versand an unsere Redaktion zur Verfügung standen und welche Kriterien bei der Auswahl Priorität hatten. Es gibt diesbezüglich aber keinen Grund, unzufrieden zu sein. Bezüglich des Benjamins unter den Splashes gibt es diesen aber doch: Das acht Zoll messende Instrument weist einen herausstechenden Glockenton auf, der verhältnismäßig tief liegt und das Gesamtbild stört. Das Splash klingt dadurch deutlich fehlerhaft. Die Tatsache, dass dieser Ton durch das im Spektrum leider unregelmäßige Sustain nach einem Schlag recht lange überlebt, macht die Sache natürlich nicht gerade besser. Der Tontechniker schreit schon nach der Notwendigkeit eines Notch-Filters…

Die kleine Hi-Hat ist crisp, wie man es von ihr erwartet. Schnelle Folgen mit den Tips klingen kontrolliert, die Zonen auf dem Top klingen wie von den Schlagzeuglehrern dieser Welt beschrieben, also ideal. Die Bell lädt nicht nur optisch zum Bespielen ein, spätestens nach dem ersten Schlag wird man dies öfters tun wollen. Ich habe schon so einige Hi-Hats gespielt, die definitiv als “Second Hats” konzipiert sind.

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13″ Hi-Hat 14″ Hi-Hat 15″ Hi-Hat

Nicht so die Iris 13”: Sie kann halb oder weit geöffnet gegen die Standardgröße anstinken und ordentlich Rotz in die Umwelt pusten! Respekt! Bei diesem Instrument zeigt sich etwas, was für alle Becken der Iris gilt: Es sind keine Spezialisten, denn ich wüsste nicht, in welchen Musikstilen ich mir die Instrumente nicht vorstellen könnte. Ob alle Cymbals dem Stalinorgel-Getrommel eines wütenden Deathmetal-Drummers auf lange Sicht standhalten, konnte ich nicht ausprobieren. Dazu fehlen mir die Kondition und die schlechte Laune (das zugehörige Corpse-Paint hätte ich hinbekommen). Wie die 13” Hat ist auch die 14” messende Standard-Hi-Hat für Feinheiten genauso geeignet wie für kräftiges Scheppern, ohne dabei an den berüchtigten “Kochtopf-Sound” zu erinnern. An dieser Stelle wäre es interessant, die 14” Heavy HiHats zu testen, ich habe allerdings leider keine Exemplare zur Verfügung gestellt bekommen. Das “Chick” der getretenen Becken ist ausreichend kurz, aber die Becken haben etwas Zeit, ihren Charakter zu transportieren. Mit stark angewinkeltem unteren Becken finde ich alle drei Pärchen besonders gut, vor allem beim langsamen Schliessen nach einem Schlag.

Die Rides sind eine Offenbarung. Würde ich einen anderen Ausdruck wählen, würde ich untertreiben. Alle drei Rundlinge klingen ausgesprochen ausgewogen, sie sind komplex, jedoch ohne aufdringlich zu sein. Selbst wenn ich den Tip eines 7A-Sticks aus einem halben Zentimeter Höhe durch die Schwerkraft auf den Rand fallen lasse, antwortet jedes Ride mit einem klaren, charaktervollen und definierten Ping, der so schnell nicht in anderen Signalen untergehen kann. Es ist, als würden die Becken nur darauf warten, berührt zu werden, als hielten sie Energie zurück, die sie dann schlagartig freigeben. Alle Zonen der Rides reagieren ideal, in der Nähe der Kuppen gesellen sich die üblichen tonalen Bestandteile dazu, die der “Glocke” ihren Namen geben. Die Bells selbst klingen durchsetzungsstark, aber nie aufdringlich. Wichtig zu wissen: Eine Variation der Kraft oder des Ziels eines Schlages auf die Kuppe wirkt sich sofort auf den Klang aus. Einerseits ist das angenehm, da programmiert klingende Ride-Pattern so gut wie ausgeschlossen sind, andererseits verlangt es dem Schlagzeuger viel Können, Kontrolle und Treffsicherheit ab.

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20″ Ride 21″ Ride 22″ Ride

Alle klanglichen Merkmale der Rides lassen sich beim größten Vertreter in der absoluten Idealform bestaunen: Besonders das Washing dieses fast 56 cm durchmessenden Instruments ist absolut meisterhaft. Mit ausserordentlich langsamem Attack gesellt sich ein leicht rauschiger Klangteppich hinzu, der sich wie ein mystisches Pad unter die Attacks legt. Bei stärkerem Anschlag erweitert sich das Spektrum nach oben, gecrasht schiebt das Ride seine massive Klangwand mit der Geschwindigkeit und der Kraft von Kontinentaldrift in die Ohren des Trommlers und in die Mikrofone. Durch die Rauschhaftigkeit und den damit verbundenen leichten China-Charakter erinnert vor allem das 22”-Ride an ein Tam-Tam. Ich wiederhole mich wissentlich: Es ist einfach grandios, dieses Becken alleine ist Musik! Chapeau, Masterwork!

Masterwork_Iris__096

Was für die Splashes und die Rides gilt, führen die Crashes weiter: Je größer, desto besser! Die Becken verfügen nicht über eine lineare Hüllkurve, sondern setzen Einzelteile des Spektrums in leichter zeitlicher Staffelung frei. Dies lässt sie bei niedriger und mittlerer Dynamik nicht so stark schneiden, aber das kann durchaus gewünscht sein. Der Attack ist dadurch zudem recht interessant. Das vollständige Explodieren erfolgt erst bei verhältnismässig starkem Anschlag. Leider tritt das Umkippen auf der Range der möglichen Dynamikstufen einigermaßen sprunghaft ein und benötigt einen doch enormen Peitschenhieb durch den Trommler. Der durchweg positive Charakter und das ausgewogene, aber nie langweilige Spektrum der Crashes manifestiert sich besonders bei den beiden größeren Becken. Es scheint fast so, als hätten Masterwork den momentanen Trend zu höheren Durchmessern ins Rollen gebracht. Zwar ist die Abstimmung der vier Cymbals recht ordentlich, doch im direkten Vergleich zeigt sich, dass 14er und 16er in einer niedrigeren Klasse spielen als 18er und 20er. In mir kribbelt es, ich werde aufgeregt: Wie wohl ein 22” Iris-Crash klingt? Bitte, Leute, schmiedet es: Ich kaufe es sofort!

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14″ Crash 16″ Crash 18″ Crash 20″ Crash

Vielleicht hat es schon jemand geahnt: Ja, mit den Chinas verhält es sich genauso. Leider ist es nicht wie bei den Rides, sondern eher wie bei den Splashes: Auch hier klingt der Junior mit den 14 Zoll eher fehlerhaft durch einen sicher ungewollten, dunklen Ton.

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14″ China 16″ China 18″ China Hat-Piggyback Splash-Piggyback

Das 16” wird dem Anspruch an die hohe türkische Beckenschmiedekunst weit besser, das 18” sogar mehr als gerecht. Dennoch: Das dreckige “Kch!” der Instrumente mit dem umgeklappten Kragen ist vielseitig einsetzbar, ist in der Zeit- und der Frequenzdomäne reichhaltig und abwechslungsreich und macht sowohl sanft auf die Wulst getippt wie mit voller Breitseite am Rand gecrasht eine gute Figur. So sollte es sein. Diese “Vielseitigkeit” bedeutet natürlich gleichzeitig, dass vor allem das typische Metaldrums-Schmatzen mit diesen Instrumenten kaum machbar ist. Auch im Piggybacking-Betrieb können diese “türkischen Chinas” (so grotesk das auch klingt) überzeugen!

Soso: Ein "China" aus der Türkei.
Soso: Ein “China” aus der Türkei.

“The bigger, the better”: Hier könnt ihr euch ein Set mit Becken der größeren Durchmesser anhören:

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Set 2

Bei der Iris gilt etwas, das sich fast alle Beckenhersteller fragen lassen müssen: Ist es die richtige Entscheidung, die “Familienzugehörigkeit” aller Becken einer Serie mit den Nachteilen einer identischen Optik zu erkaufen? Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass zum Beispiel geringeres Abdrehen den Hat-Bottoms oder dann und wann eine abgedrehte Kuppe gut getan hätte.

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