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Masterwork Jazz Master Cymbal Set Test

Heute hat sich wieder einmal ein Beckenset im Teststudio eingefunden, diesmal kommt es von der Firma Masterwork und hört auf den Namen Jazz Master Cymbal Set. In Deutschland ist es um das in Istanbul beheimatete Unternehmen in den letzten Jahren etwas ruhiger geworden, daran haben auch die Schlagzeuger-freundlichen Preise nichts geändert. In Sachen Produktion hält man sich bei Masterwork an jene Rezepte, mit denen man in der Türkei seit Jahrhunderten Becken produziert. Dazu gehört eine hochwertige B25-Bronzelegierung, welche in weitgehender Handarbeit zu klingenden Blechen verarbeitet wird. Hier macht man auch keine Unterschiede bei den günstigeren Serien, was insbesondere der Einsteiger-Baureihe Troy zu großer Beliebtheit verholfen hat. 

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Interessanterweise liegt der Preis des Jazz Master Sets nur unwesentlich über jenen der Troys, was natürlich die Frage aufwirft, ob die Instrumente mit den teils mehr als doppelt so teuren Oberklassebecken der großen Hersteller mithalten können. Durch die Bezeichnung „Jazz“ wird die Erwartung natürlich noch gesteigert, schließlich sind Freunde dieser Musikrichtung für besonders empfindliche Ohren bekannt, wenn es um ihre Zimbeln geht. Auf den folgenden Zeilen findet ihr die Antwort. 

Details & Praxis

Drei Instrumente und eine Tasche gehören zum Cymbal Set

Wie es sich für ein „echtes“ Beckenset gehört, kommen auch die drei Masterwork-Instrumente in einem entsprechenden Karton, der sicherstellt, dass die klanglich selektierten Exemplare – ein 20er Ride, ein 16er Crash sowie eine 14“ Hi-Hat – auch bis zum Drummer zusammen bleiben. Damit jedoch nicht genug, denn Masterwork legt sogar noch eine einfache Nylontasche bei. Auch vom Inhalt bin ich sehr angetan, denn die erste Inspektion ergibt eine sehr saubere Verarbeitung, die sich vor jener deutlich teurerer Becken nicht verstecken muss. Die Jazz Master Modelle bestehen aus B25-Bronze, welche hier in eine traditionelle Form gebracht wurde. So besitzen alle Becken eine klassische Anatomie und vollflächig abgedrehte Spiel- und Rückseiten. Spezialitäten wie roh belassene Oberflächen oder gar Löcher finden sich an keinem der Instrumente. Ein Detail fällt jedoch ins Auge, und das ist das zusätzliche Abdrehmuster, welches sich in Ringen über die gesamte Oberfläche einschließlich der Kuppen erstreckt. 

Fotostrecke: 5 Bilder Die Hi-Hats besitzen eine etwas stärkere Hämmerung und kleine Kuppen.
Fotostrecke

Das Ride und das Crash sind nicht besonders leicht

Sehen wir uns nun zunächst die beiden aufgehängten Modelle an. Gemessen an der Bezeichnung „Jazz“ fällt beim Ride zunächst die recht große Kuppe auf. Die trägt maßgeblich zur Durchsetzungsfähigkeit bei – je größer sie ist, desto klarer projiziert das Becken den Klang. Dass Masterwork hier tatsächlich nicht auf Fans extrem warmer und komplexer Rides abzielt, wird auch beim Gewicht klar. Gute 2200 Gramm liegen schon fast im Medium-Bereich, wer es also gern „wobbeln“ sieht beim Swingen, dürfte hier nicht auf seine Kosten kommen. Auch das Crashbecken zählt mit seinen 970 Gramm sicherlich nicht zu den Paperthin-Typen, sondern eher zu den soliden Thin Crashes. Anatomisch gibt es hier keinerlei Auffälligkeiten, das Instrument besitzt gewohnte Proportionen mit einer mittelgroßen Kuppe und einem leicht gewölbten Profil.

Die Hi-Hat-Becken sind am stärksten gehämmert

Obwohl sich auch die Hi-Hat nicht durch ungewöhnliche Bearbeitungsspuren abhebt, fällt doch die  etwas dichter gesetzte, teilweise auch minimal tiefere Hämmerung auf. An manchen Stellen scheint daher auch noch die dunklere Färbung des Rohzustands durch. Auch die Kuppen wirken etwas kleiner als jene der meisten Allround-Modelle. 990 Gramm zeigt die Waage beim oberen Becken an, das untere ist mit 1200 etwas schwerer. Auch hier wäre ich nicht unbedingt auf Jazz als bevorzugtes Einsatzgebiet gekommen, die Gewichtung findet man woanders auch bei leichteren Medium-Hi-Hats. 

Fotostrecke: 5 Bilder Zum Lieferumfang gehört auch eine einfache Beckentasche.
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Sehr vielseitig einsetzbar, minimal „rauchig“ im Ton 

Die Größen und die Gewichtung unseres Testsets haben es im Grunde schon vorweg genommen: So richtig jazzig klingen die Jazz Master Becken nicht. Wer hier den Charakter und das Spielgefühl sehr dünner Becken erwartet, ist an der falschen Adresse. Das heißt aber nicht, dass die Becken nicht wirklich gut klingen, im Gegenteil. So überzeugt zunächst die Abstimmung des Sets mit einer harmonischen Abstufung. Insgesamt lassen die Becken einen angenehmen Ton mit einer leicht rauchigen Note hören, ohne jedoch trashig zu wirken. Beim ersten Einsatz ging mir der Begriff „klassisch“ durch den Kopf.  

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Das Ride klingt leichtfüßig mit guter Definition

Sehr ausgewogen und musikalisch kommt das 20er Ridebecken daher, denn es verbindet eine gute, minimal glasige Stockdefinition mit einem komplexen, aber nicht verwaschenen Sustain. Gleichzeitig hat es etwas Schwebendes, Unaufdringliches an sich. Auch die Kuppe erweist sich als absolut praxistauglich – eine Eigenschaft, die vielen Rides der dünnen Kategorie abgeht. Damit ist das Jazz Master Ride hervorragend für Drummerinnen geeignet, die bei Gigs zwischen Jazz, Pop und Latin wechseln und einen Allrounder brauchen, der alles abdecken kann. 

Einfach ein gutes Crash ohne Schnörkel

Manche Becken fallen dadurch auf, dass sie kaum auffallen. Das Masterwork Jazz Master Crash gehört dazu. Es spricht schnell an, entwickelt einen komplexen, aber nicht trashigen Ton und klingt mittellang aus. Damit empfiehlt es sich – ähnlich wie das Ride – für alle Stilistiken, die weder die typisch dreckige Modulation vieler heutiger Trash Crashes, noch die scharfe Durchsetzungsfähigkeit lauter Stile benötigen. Ich persönlich hätte mir für dieses Set allerdings ein etwas größeres Becken gewünscht, welches im Zweifelsfall auch als Ride fungiert. Aber dies ist, wie so oft, Geschmacksache.

Audio Samples
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Alle Becken im Set 20″ Ride 16″ Crash 14″ Hi-Hat

Die Hi-Hats sind hervorragende Allrounder

Mein persönliches Lieblingsinstrument des Jazz Master Cymbal Sets ist zweifellos die Hi-Hat. Sie besitzt alles, was eine gute Hi-Hat braucht, angefangen bei einer hervorragenden Definition auch beim schnellen Spiel. Dank der stärkeren Hämmerung liefert sie gleichzeitig diesen speziellen, etwas „brüchigen“ Klang, der sich sehr gut in viele Musikstile integriert. Aufzieher sprechen schnell an und klingen angenehm komplex ohne metallische oder scharfe Anteile. Damit machen die Becken auch im Studio Spaß, wenn ein milder, nicht zu dominanter Puls gefragt ist. Gleichzeitig liefern sie auch getreten einen soliden Chick, was auf das nicht zu geringe Gewicht zurückzuführen ist. 

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