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Ketron Audya Test

Details

Aufbau
Das Audya 5 hat ein silberfarbiges Metallgehäuse mit stabilen Aluprofilen an den Seiten. Im Gegensatz zum bisherigen Spitzenmodell Audya (76 Tasten) hat das Audya 5 nur 61 Tasten, wiegt 1,5 kg weniger, bietet aber unter der Haube ansonsten dieselben technischen Details. Im Audya 5 läuft das neueste Betriebssystem 4.1, das auch für den „alten“ Audya zur Verfügung steht. Hardwaremäßig wurde jedoch beim kleinen Bruder eine Neuerung verbaut: 16 „assignable Tabs“ direkt oberhalb der Tastatur im Bereich der linken Hand.

Die Tastatur des Audya 5 mit Aftertouch ist bedingt durch die leicht rauen Oberseiten der schwarzen Tasten griffig und leicht spielbar, macht dabei aber keinen besonders wertigen Eindruck. Beim Testgerät klapperten die Tasten der mittleren Oktave hörbar! Im Mittelpunkt des Bedienfeldes thront leicht erhaben das farbige TFT-Display mit einer Auflösung von 320 x 240 Pixel. Es kann in der Neigung nicht verändert werden.

Um das Display herum liegen die Taster, mit denen die Menü- und Parameter-Einstellungen vorgenommen werden können. Rechts vom Display parkt ein Datawheel mit Cursortasten. Links befinden sich Taster mit der Überschrift „Play Control“. Hier werden Einstellungen wie beispielsweise Transpose, Oktavlage des Sounds der rechten Hand, Rotorgeschwindigkeit der Leslie-Simulation, aber auch Manualbass, Splitpunkt, Pianist-Einstellung usw. direkt angewählt. Darunter liegen neun Schieberegler, die für die Lautstärkemischung der gespielten Voices und der Bereiche Drums, Bass und Chords des Arrangers benutzt werden. Ein frei programmierbarer Slider ist auch dabei. Im Drawbar-Modus dienen diese neun Regler als Zugriegelersatz für die Orgel-Simulation.

Unter dem Display hat Ketron viele kleine Taster für die Steuerung des Arrangers und seiner Styles untergebracht. Auf der rechten Seite werden die Styles ausgewählt, unterteilt in 12 grobe Musikrichtungen von „Ballad“ bis „Ballroom“, rechts daneben liegt der Bereich der Voices. Sie sind in 16 Gruppen, den sogenannten Instrumentenfamilien, sortiert. Darunter lauern die Taster und Schieberegler für die Steuerung des Mediaplayers, mit dem WAV-, MP3- und MIDI-Files abgespielt werden können. Der Mix von Mikrofon- und Vocalizer-Signal und die Gesamtlautstärke wird mit weiteren Slidern geregelt.

Links neben der Klaviatur ist ein Pitch- und Modulation-Joystick angeordnet, der keinen stabilen Eindruck macht und auch nicht sonderlich ergonomisch wirkt.

Die Anschlussmöglichkeiten des Ketron Audya 5 sind sehr umfangreich: Neben den Stereoausgängen stehen vier weitere frei belegbare Klinkenausgänge zur Verfügung. Leider ist auch der Kopfhörerausgang auf der Rückseite angebracht. Zwei Cinch-Buchsen dienen als Audioeingang zum Einspeisen externer Klangquellen. Des weiteren gibt es einen digitalen Ein- und Ausgang (S/PDIF) sowie zwei (!) dynamische Mikrofoneingänge in Form zweier XLR-Klinke-Kombibuchsen, deren Empfindlichkeit direkt daneben mittels Gain-Potis eingestellt wird.

Die MIDI-Buchsen-Phalanx  wird – neben dem üblichen IN, OUT, THRU – durch einen zusätzlichen IN2(Keyb.) Eingang ergänzt, um hier optional eine zusätzliche MIDI-Tastatur oder z.B. ein MIDI-Akkordeon anzuschließen.  An die VGA-Schnittstelle kann ein externer Monitor angeschlossen werden, um Lyrics oder auch die Menüseiten des Displays größer darzustellen. VGA ist wesentlich besser als das von vielen Herstellern bereitgestellte Video (RGB)-Signal.

Ein USB-Device-Anschluss auf der Rückseite dient der Verbindung mit einem PC, um Daten auszutauschen. Eine spezielle Foot-Switch-Buchse ist für einen (optionalen) speziellen Mehrfach-Fußtaster zur Steuerung vieler interner Funktionen vorgesehen. Auch Sustain- und Volume-Pedale können angeschlossen werden. Ganz links außen auf der Vorderseite des Audya 5 befinden sich zwei USB-Buchsen (Typ A). Sie bieten die Möglichkeit, USB-Sticks oder andere Speichermedien anzuschließen. Gerade für den Live-Betrieb ist die ausgewählte Stelle allerdings extrem ungünstig, da man Gefahr läuft, den Stick im Vorbeigehen abzuknicken bzw. zu beschädigen.

Voices
Neben den 512 GM2-Sounds sind 430 Presets an Bord, die Ketron „Stereo Orchestral Presets“ nennt. Jedes Preset ist eine Soundkombination aus bis zu 3 Voices. Das Audya 5 besitzt eine neue, verbesserte Sound-Engine, die eine neues Feature mitbringt: Die „Voice Character Emulation“ (VCE). Sie ermöglicht musikalische Ausdrucksmöglichkeiten, die den Klang im Vergleich zu früheren Ketron-Keyboards realistischer machen.
Will man eine eigene Soundkombination kreieren oder ein Werks-Prest verändern, hat man die Möglichkeit, ein sogenanntes „Program“ zu erstellen und zu speichern. Jedes der maximal 300 Programs besteht aus 3 Voices, die jeweils editiert, gesplittet und gelayert sowie mit Effekten versehen werden können. Auch zahlreiche Control-Parameter werden erfasst. Parameter z.B. für Velocity-Switch, Morphing – also die Überblendung von einer Voice in eine andere durch Betätigung des Modulationsrades – und Harmony- bzw. Duet-Funktionen sind hier detailliert einstell- und speicherbar.  
 Jedem Preset bzw. Program für die rechte Hand wird automatisch ein zweites Instrument aus dem GM-Bereich zugeordnet (2nd Voice), das über den entsprechenden Slider unter den Basic-Sound gemischt wird. So liegt beispielsweise unter dem Piano automatisch ein breites Stringpad. Diese 2nd Voice kann ausgetauscht werden. Drückt man die Taste „RAM INS/SUPERSOLO“, so wird ein Sound in den flüchtigen 64MB-Arbeitsspeicher geladen, der bis auf 256MB vergrößert werden kann. Entweder man greift auf beliebige WAV-Dateien zurück, die man z.B. selbst am Computer erstellt hat (gesetzte Loop-Punkte werden erkannt), oder man nimmt direkt über den Line- oder Mikro-Eingang Signale selbst auf. Mit dem grafischen Wave Editor und der Multisample-Funktion (MSP) im Audya 5 stehen dem Benutzer alle Möglichkeiten zur Verfügung, um komplette eigene Sample-Sounds herzustellen. Auf der Festplatte stellt Ketron eine Vielzahl von Werkssamples zur Verfügung. Besonders interessant sind hier die SUPERSOLO-Sounds, die aufwändiger gesampelt wurden. 

Audio Samples
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Supersolo Sax

Neben den gesampelten Orgeln in der Voice-Gruppe „Organ“ gibt es eine Orgelsimulation, die mit der Taste „DRAWBARS“ aufgerufen wird. Im Drawbar-Modus dienen die Schieberegler links als Zugriegel. Man kann den Sound in allen wichtigen Parametern editieren und speichern, vom Volume des Key-Klicks bis zum Verzerrungsgrad des Overdrives.
Es gibt die Option, 16 eigene „Voice-Lists“ zu erstellen, in denen man jeweils 20 Presets oder Programs ablegt und so einen schnellen Zugriff auf seine „personalisierten Sounds“ erhält. Die nagelneue Funktion „User Voice Lists“ geht einenentscheidenen Schritt weiter: Nachdem eine solche Liste von Sounds erstellt wurde, kann sie mit einem Style oder sogar einem Song (MID, WAV oder MP3) verknüpft und danach automatisch aufgerufen werden. Vergleichbar mit dem OTS (One Touch Setting) von Yamaha stehen so zum Style passende Sounds schnell zur Verfügung. 9999 solcher User Voice Lists sind möglich.
Styles
570 Styles stehen im Arranger zur Verfügung. Das wirklich Besondere am Audya 5 ist die Tatsache, dass viele dieser Styles mit live eingespielten Audio-Drum-Sequenzen plus Percussion-Sequenzen (Live Drums) versehen sind. Bieten andere Hersteller nur MIDI-gesteuerte Drumsamples einzelner Schlagzeuginstrumente, so hat Ketron hier Wert darauf gelegt, dass der Live-Charakter eines real eingespielten Schlagzeug-Grooves zum Tragen kommt.

Audio Samples
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Pop Live Drums

Dadurch klingt der Style lebendiger und nicht so clean wie bei reinen MIDI-Styles. Die Drums sind sehr gut gesampelt und haben viel Druck. Natürlich muss man bei diesen Audio-Drum-Styles darauf achten, dass das Tempo nicht zu stark nach oben oder unten variiert wird, da sonst hörbare Verzerrungen bei der Wiedergabe entstehen. Außer den Drums wurden auch die Gitarren „live“ umgesetzt. 159 Live-Guitar Begleitungen, die in allen Tonarten und mit der charakteristischen Technik akustisch oder elektrisch eingespielt wurden, bieten musikalische Nuancen, die als MIDI-Spuren in dieser Form nicht umsetzbar gewesen wären. Neue Audio-Drums und Live-Guitars (vom Anwender importiert oder von Ketron angeboten) können in den RAM- Bereich geladen und mit den Styles und MIDI-Daten synchronisiert werden.

Das „Audio Style Modeling“ ist das Steuerungssystem der gesamten Struktur des Audya Styles. Hier kann mit Hilfe des Menüs „Style View“ der jeweilige Style regelrecht zusammengebaut werden, indem man die ursprünglichen Style-Parts durch neue Parts aus der internen Bibliothek ersetzt. Will man beispielsweise die Schlagzeugspur ändern, wählt man einfach eine neue Audio-Drum-Datei aus den 370 auf der Festplatte vorhandenen Files aus. Das Gleiche gilt für die Live-Guitar, die Bass-Spur oder die anderen Arranger-Parts. Bei den Drums muss man allerdings den Arranger kurz stoppen, bevor man die neuen Audio-Drums einsetzen kann, die übrigen Parts lassen sich sofort Probe hören. Den geänderten Style kann man anschließend im Anwenderbereich abspeichern.
Natürlich gibt es neben diesen Audio-Styles auch die althergebrachten rein MIDI-basierten Varianten, die den Vorteil haben, dass man einzelne Drum-Instrumente stummschalten oder mit Hilfe des Drum Mixers z.B. in der Lautstärke oder Effektanteil beeinflussen kann.
Es stehen vier Variationen pro Style zur Verfügung, 4 Fills, 4 Breaks, 3 Intros und 3 Endings. Interessante Features sind für das Livespiel gedachte Funktionen wie z.B. die Möglichkeit, einen Fill durch Aftertouch auszulösen (After Fill), beide Hände bleiben dabei auf der Tastatur; oder die Manual-Bass-Funktion, bei der der vom Style benutzte Basssound als Handbass weitergespielt werden kann, wichtig bei Intros oder Endings, wenn man nicht die „Maschine“ laufen lassen will.

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