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Ketron SD7 Test

Die italienische Firma Ketron bringt mit dem SD7 eine weitere Arranger-Workstation auf den hart umkämpften Markt der Entertainer-Keyboards. Das neue Flagschiff der SD-Serie kommt mit einigen Besonderheiten daher, die es bisher in dieser Preisklasse nicht gegeben hat: Ein 7“-Touchscreen-Farbdisplay mit übersichtlicher Benutzeroberfläche, jede Menge live eingespielte Audio-Drum-Styles und hochwertige Sounds machen neugierig!

Das Ketron SD7 klingt sehr gut – leider wirkt es aber noch nicht ganz ausgereift.
Das Ketron SD7 klingt sehr gut – leider wirkt es aber noch nicht ganz ausgereift.


Neben den Audya-Keyboards und -Expandern, die für ihre realistischen Audio-Drums bekannt sind, und den MIDJAY- bzw. MIDJPRO-Modulen, die komplette Multimedia-Player mit Arranger-Funktionen darstellen, bestimmt die 2001 eingeführte SD-Serie die Produktpalette von Ketron. Das SD1 war ein Verkaufsschlager und ist noch heute bei vielen Keyboardern und Entertainern sehr beliebt. Ketron bot damals Features, die andere namhafte Hersteller erst später in ihre Geräte einbauten: Es gab z.B. einen vollwertigen Sampler und die Möglichkeit, Audio-Loops in MIDI-Files und Styles zu integrieren. Mit knapp 2.700 Euro liegt der Neuling in der Keyboard-Oberklasse, ist aber rund 500 Euro günstiger als das Korg Pa3X und 1.200 Euro günstiger als Yamahas Tyros5. Damit richtet sich Ketron mit dem SD7 sowohl an den Profi als auch an den ambitionierten Hobby-Keyboarder. Kann das SD7 klanglich überzeugen? Und wie bewährt sich die neue Benutzeroberfläche in der Praxis? Dieser Test gibt Antworten! 

Details

Aufbau

Das Ketron SD7 hat ein stabiles Metallgehäuse mit Kunststoff-Seitenteilen und ist in dunklem Anthrazit gehalten – bisher glänzten Ketrons Produkte in hellem Metall. Mit 15 kg ist das Instrument noch gut zu transportieren. Das Design möchte ich als wirklich gelungen bezeichnen. Das liegt einerseits an den harmonischen Rundungen des Gehäuses und zum anderen am aufgeräumten und übersichtlichen Bedienfeld. Durch den geradezu riesigen, 7 Zoll großen Touchscreen konnte Ketron auf viele verwirrende Taster verzichten. Durch die Touch-Bedienung der Menüs fallen viele der sonst üblichen Cursor- und Auswahl-Tasten rund um den Bildschirm weg. Dafür besitzt das SD7 insgesamt 11 Fader, die hauptsächlich als Lautstärkeregler für die einzelnen Parts dienen.
Die anschlagdynamische 61-Tasten-Klaviatur mit Aftertouch ist leicht gewichtet und gut spielbar. Links ist ein Joystick verbaut, der gleichzeitig als Pitch-Bend- und Modulations-Regler fungiert. Rechts von der Klaviatur befinden sich an der Frontseite des Gehäuses gleich drei (!) USB-Host-Slots. 

Fotostrecke: 5 Bilder Das Ketron SD7 besitzt ein stabiles Metallgehäuse.
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Anschlüsse

Die Rückseite ist recht umfangreich bestückt. Neben dem Ein/Aus-Schalter und dem Anschluss für das leider externe Netzteil liegen die Buchsen für das optionale Sustain- und Volumen-Pedal sowie ein SUB-D-Anschluss für einen speziellen Fußschalter, wie z.B. den FS6/FS13 von Ketron. Die Polarität des Sustain-Pedal-Anschlusses ist übrigens nicht einstellbar. Das SD7 hat unzählige Einstellmöglichkeiten, aber ausgerechnet diese nützliche und manchmal entscheidende Funktion ist nicht vorhanden.
Über den Fuß-Controllern findet man den obligatorischen USB-Device-Port zur Verbindung mit einem Computer und einen digitalen DVI-Anschluss für einen externen Monitor, beispielsweise zur Darstellung von Karaoke-Songtexten. Das ist lobenswert, denn die Konkurrenz verbaut oft nur einen analogen RGB-Port, der eine schlechtere Bildqualität liefert.
Die vier MIDI-Buchsen bestehen neben OUT und THRU aus zwei separaten MIDI-Eingängen: An einen Port kann ein gesondertes Keyboard angeschlossen werden, der andere Eingang ist für den Empfang von GM-Daten, z.B. von einem externen Sequencer. Über den MIDI-Buchsen befindet sich ein kleines Rad zur Einstellung der Display-Helligkeit.
Neben den Main-Out-Buchsen RIGHT und LEFT ist der Kopfhöreranschluss verbaut. Er kann auch als separater Ausgang zweckentfremdet werden, beispielsweise um einen Klick an den Band-Schlagzeuger zu schicken. Meine Idee, Bass und Schlagzeug getrennt über diesen Aux-Weg auszugeben, schlug aber leider fehl.
An die XLR/Klinke-Kombibuchse MICRO IN kann ein dynamisches Mikrofon angeschlossen werden, dessen Pegel sich mit dem Regler GAIN MICRO einstellen lässt. An der MICRO OUT-Buchse liegt dann das verarbeitete und evtl. mit Effekten versehene Mikrofonsignal an, um es ggf. auf einen separaten Mischpultkanal schicken zu können. Über die INPUT-Buchse (Mono) kann ein zusätzliches Instrument, z.B. eine Gitarre oder ein zweites Mikrofon angeschlossen werden. Die eingebauten Lautsprecher des SD7 lassen sich durch einen Schalter auf der Rückseite ein- und ausschalten. 

Fotostrecke: 5 Bilder Die Rückseite des Ketron SD7 ist gut bestückt.
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Frontpanel

Das Bedienfeld wird von den beiden Lautsprecher-Einheiten eingerahmt. Es sind jeweils ein Mid Range Speaker und ein Tweeter verbaut, mit einer Gesamtleistung von 2x 20 Watt. In der Mitte strahlt das große Farbdisplay, das mit dem Datenrad und den Tastern ENTER, EXIT und SAVE eine Einheit bildet.
Wie gemeinhin üblich liegen links vom Display alle Bedienelemente, die mit dem Arranger und dem Media-Player zu tun haben. Mit den Tasten PLAYER 1 bzw. 2 wählt man einen der beiden Audio/MIDI-Player an. Die Tasten rechts daneben aktivieren wichtige Funktionen des Arrangers: Mit PIANIST wird die Akkorderkennung auf den gesamten Tastaturbereich erweitert, mit LOWEST wird der tiefste Ton des gespielten Akkords als Basston generiert, mit MANUAL aktiviert man die sehr praktische Manualbass-Funktion, bei der man den Bass mit der linken Hand spielt, und mit SPLIT kann man schnell den Splitpunkt zwischen den Lower- und Right-Voices einstellen.
Die Taster oben links steuern Funktionen bei der Wiedergabe von Songs. LEAD MUTE schaltet die Melodie-Spur bei MIDI-Files aus. Bei Audio-Songs wird versucht, die Gesangsstimme so gut wie möglich zu unterdrücken, um selbst mitsingen zu können. LYRIC erlaubt die Darstellung von Texten von Karaoke-Files, mit JUKEBOX wird die Songliste in Form von großen Schaltflächen auf dem Bildschirm dargestellt und mit XFADE werden zwei Songs ineinander überblendet. SEARCH erlaubt eine komfortable Suchfunktion zum Aufspüren beliebiger Dateien. Mit GM verschafft man sich Zugriff auf die Verwaltung der Sounds eines MIDI-Files.

Fotostrecke: 5 Bilder Das Bedienfeld ist aufgeräumt und für ein Keyboard dieser Klasse regelrecht sparsam.
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Die Fader auf der linken Seite stellen im Style-Modus ein Mischpult für die einzelnen Arranger-Spuren dar. Mit STYLE wird die Gesamtlautstärke, mit DRUM, BASS, CHORD und LOWER die Lautstärke der entsprechenden Gruppe eingestellt. Unter dem Display liegen alle Tasten, die nötig sind, um den Arranger zu steuern: Es gibt drei Taster für Intros und Endings sowie vier für die Variationen des Styles, die bei Ketron „Arranges“ heißen. Taster mit der Bezeichnung FILL, BREAK, KEY START, KEY STOP, START/STOP, TEMPO+/- und HOLD erklären sich von selbst. Mit PAUSE hält man im Songmodus den Song an einer Stelle an und kann ihn dort weiterlaufen lassen. Im Style-Modus wird mit derselben Taste ein Einzähler gestartet oder, wenn der Style schon läuft, ein neuer Taktanfang gesetzt.
Rechts vom Display dreht sich alles um die live gespielten Sounds. Mit REGS gelangt man ins Register-Menü, um Komplettregistrierungen des SD7 abzurufen. Es können vier Bänke mit je 1024 Einträgen gespeichert werden. Drückt man VOICE, erscheint das normale Auswahl-Menü für Klänge der rechten Hand. VOICE LIST öffnet eine Liste mit den Sounds, die man vorher als Favoriten gespeichert hat, um schnell eigene Lieblingsklänge aufzurufen. Mit RAM SOUND können besonders hochwertig gesampelte Sounds ausgewählt werden. Rechts oben liegen die Bedienelemente, die für die Transpose-Funktion und die Oktavlage der rechten Hand zuständig sind. Mit LIVE EFX wird ein Effekt aktiviert, der z.B. DJ-mäßige Filterfahrten des Beats oder einer Voice erlaubt. Mit DOUBLE wird der Sound der rechten Hand oktaviert wiedergegeben. Der 2ndVOICE-Taster legt einen Layersound unter die aktuelle Voice, DRUMS lässt die Klaviatur zum Schlagzeug werden, mit DSP gelangt man in die Welt der digitalen Effekte und mit der Taste REC öffnet man das Menü für den MIDI- oder Audio-Recorder.
Die fünf Fader auf der rechten Seite regeln die Lautstärkeverhältnisse der Voice und 2ndVoice der rechten Hand sowie den Pegel für das Mikrofonsignal und den Vocalisten. Ganz rechts außen liegt – recht ungewöhnlich – der Master-Volume-Regler. Mit der Taste HARMONY aktiviert man den gleichnamigen Effekt für die Voice der rechten Hand. TALK schaltet die Mikrofon-Einstellung so um, dass der Hall aus oder kürzer ist, damit das gesprochene Wort bei Ansagen besser zu verstehen ist. Mit MICRO und INPUT werden die entsprechenden Audio-Eingänge aktiviert und Menüs für ihre Einstellungen aufgerufen. FADE lässt das Gesamtsignal des SD7 langsam aus- oder wieder einfaden. 

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Ronny Funk sagt:

#1 - 13.04.2017 um 12:19 Uhr

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Da ja das SD-40 noch nicht getestet wurde, aber es mit dem SD-7 identisch ist, kann man diesen Test als SD-40 Test werten.
Ich bin am Überlegen, ob das SD-40 oder das Roland BK7m das Richtige wäre. Beim Roland haben manche Sounds enge Grenzen, Bedienung ist kompliziert, dafür ist der Preis niedrig, beim SD-40 hat dagegen die gewöhnungsbedürftige Bedienungsanleitung und die Fehlfunktionen einen unschönen Beigeschmack, nebenbei pflegen die Musikändler in Norddeutschland das Fabrikat Ketron zu sabotieren, so dass ein unverbindliches Ausprobieren nicht möglich ist, es sei denn, man möchte eine kleine Reise machen.
In meiner Überlegung ist auch noch, nur den Drumsounds auf die Sprünge zu helfen mit einem Boss Dr. Rhythm, aber da setzt die Drumbelegung enge Grenzen, ich müsste die Styles anpassen und das dürfte ohne Spezial-Tool komplizierter werden.

    Profilbild von Facundao Lang

    Facundao Lang sagt:

    #1.1 - 31.12.2017 um 04:19 Uhr

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    Wie wäre es mit der Kombination aus Varranger2, einem SD1000, einem Masterkeyboard und zusätzlich NI Maschine? (Existenz eines Laptops angenommen).
    Ich mache das so, OK ich habe auch NI Komplete 11 U, aber vom Sound und der Flexibilität schlägt das jeden Hardware Arranger, da Varranger2 auch VST Integration anbietet, was den Grundsound des SD1000 enorm aufwertet. Zudem gibts zu Varranger2 tausende Tyros5, SD1, PaX4, BK7m usw Styles gratis dazu...

    Antwort auf #1 von Ronny Funk

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    Profilbild von Rob F

    Rob F sagt:

    #1.2 - 03.04.2020 um 20:21 Uhr

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    Das SD40 ist nicht ganz mit dem SD7 identisch. Es enthält keine RAM-Sounds und auch nicht das Spezial-Drumkit, jedenfalls nicht als anwählbares Kit. Es hat aber ein Drumset, welches auf der Snare 3 Zonen hat, auf der Hi Hat 2 Zonen.

    Antwort auf #1 von Ronny Funk

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Rob F sagt:

#2 - 03.04.2020 um 20:18 Uhr

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Ich machte einen logischen Fehler und brachte eine Fehlinformation zu den Audio Styles.
Richtig ist:1)Die besten Resultate erziele ich, wenn ich das Originaltempo benutze (gilt auch bei Yamaha)
2)Die zweitbesten Resultate, wenn ich das Tempo erhöhe (gilt ansatzweise für Yamaha)
3)Verlangsamung bringt Ergebnisse, die je nach Beschaffenheit des Rhythmus und ob Parts dabei sind, die es maskieren können, unterschiedlich ausfallen, aber besser sind, als bei Yamaha, da klingt es, wie wenn man ein YouTube-Video mit Musik langsamer abspielt.

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