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Ketron SD7 Test

Praxis

Bedienung

Das Ein- und Ausschalten erfordert beim Ketron SD7 etwas Geduld: Ich habe 42 Sekunden für das Hochfahren und 12 Sekunden für das Ausschalten gemessen! Ein schneller Neustart auf der Bühne ist damit nicht möglich – ein unglücklicher, aber wohl unvermeidlicher Umstand, den das SD7 mit den meisten anderen aktuellen Oberklasse-Keyboards gemeinsam hat.
Nach dem Einschalten wird man mit dem Hauptfenster begrüßt. Hier hat man alles Wichtige im Blick. Im oberen Bereich des Displays erkennt man links den aktuellen Style und rechts die Voice der rechten Hand. Tippt man auf das entsprechende Feld, so ändert sich das Fenster in ein Auswahlfenster für Styles bzw. Voices. Im Style-Fenster sieht man auf der rechten Seite die Schaltflächen der Style-Familien (BALLAD bis FOLK), links werden acht Styles der gewählten Kategorie dargestellt. Durch mehrmaliges Tippen auf die Style-Familien oder durch Betätigen der ENTER-Taste scrollt man durch die vorhandenen Styles. Bei der Auswahl der Klangfarben ist es ähnlich: Im rechten Teil des Bildschirms erkennt man die Sound-Kategorien (PIANO bis BASS SFX), links erscheinen neun Schaltflächen einzelner Voices, die sogar ein detailliertes Foto des Instruments zeigen. Wählt man eine Voice durch Tippen aus, wird ihr Name rot unterlegt. Diese Art der Menüführung ist sehr übersichtlich und durch das große iPad-mäßige Display intuitiv und komfortabel.
Die grafische Umsetzung des SD7 ist wirklich gelungen und macht Spaß! So ist für das Drum-Set ein Schlagzeug abgebildet, durch Berühren der einzelnen Instrumente auf dem Touch-Screen kann man die Sounds anhören, editieren und Änderungen abspeichern. Im EFX-Bereich wird eine ganze Armada bunter Bodentreter dargestellt, die sich intuitiv bedienen lassen. 

Fotostrecke: 4 Bilder Die grafische Bedienoberfläche ist liebevoll gestaltet.
Fotostrecke

Voices

Das SD7 besitzt eine Polyphonie von 128 Stimmen und ist 48-fach multitimbral. Werksseitig sind 368 Voices und 543 GM-Sounds vorhanden. Drückt man länger auf eine ausgewählte Voice, so erscheint das Voice Edit Menü. Hier erkennt man, dass eine Voice eine Kombination aus maximal vier übereinandergelegten Klängen ist. Voices können weitreichend verändert und im User-Bereich abgespeichert werden. Der vierte Layer-Sound ist dabei immer die sogenannte 2nd VOICE, die über eine Hardware-Taste aktiviert und per Fader in der Lautstärke geregelt wird. So kann man beim Spielen schnell eine Klangvariation hinzufügen.
Außer den normalen Voices bietet das SD7 auch 46 sogenannte RAM SOUNDS, die besonders aufwändig gesampelt und hochwertig sind. Im Folgenden einige Audiobeispiele – die Pianos können überzeugen, vor allem die Rhodes- und DX7-Voices gefallen mir sehr gut:

Audio Samples
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Classic Piano 1 Electric Piano DX Piano 1

Die Orgeln und Akkordeons sind von hoher Qualität. Dabei gefällt mir der RAM-Sound einer Hammond besonders gut. Die Geschwindigkeit des Rotary-Effekts lässt sich durch Bewegen des Joysticks nach hinten ändern.

Audio Samples
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A Whiter Organ Church Organ Akkordeon Mix

Von den Gitarren gibt es ebenfalls nur Gutes zu berichten:

Audio Samples
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Nylon Banjo Distortion Mandoline

Die Strings, Pads und Chöre können auch überzeugen:

Audio Samples
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Arco Strings Fiddle Hornpad Echodrops Tooh

Die Bläser gefallen mir sehr gut. Die Synthies sind zwar fett, es fehlt ihnen aber ein bisschen an Aktualität. 

Audio Samples
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Pop Brass Dynabrass Contralto OBX Poly Chiff

Styles

Ein Style besteht im SD7 aus insgesamt acht Spuren: zwei für Schlagzeug und Percussion, eine für den Bass und fünf für Akkordinstrumente. Zusätzlich lassen sich zwei Lower-Sounds live spielen. Dabei können die Lautstärkeverhältnisse zwischen den vier Bereichen Drums, Bass, Chords und Lower mit den Fadern links vom Display jederzeit komfortabel geregelt werden. Es gibt für jeden Style drei Intros, drei Endings, vier Variationen, vier Fills und vier Breaks.
Das Besondere an den 260 Styles des SD7 sind sicherlich die Audio-Drums. Es handelt sich also nicht um programmierte MIDI-Beats, sondern um tatsächlich live eingespielte Grooves. Dadurch sind die Styles lebendiger und klingen authentischer. Gerade bei Balladen und Grooves, die mit Besen gespielt wurden, wirken die Drums sehr natürlich: 

Audio Samples
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Moderato Jazz Waltz 8 Beat 1 Bluegrass 2

Beim Spielen der Styles fand ich es sehr praktisch, dass man die Chord-Spuren mit dem Fader herunterregeln kann. Dadurch ist der Style nicht so überladen und klingt wirklich wie eine kleine, aber feine Band. Der Bass ist im SD7 insgesamt auch sehr gelungen und klingt fett! Zusammen mit den tollen Audio-Drums hinterlässt der Style-Bereich beim SD7 einen guten Eindruck. Allerdings eiert der Arranger beim Wechsel von einem Style zu einem anderen etwas. Erst beim Beginn des neuen Styles sitzt das Timing wieder. Hoffentlich wird das mit einem Update noch in Ordnung gebracht.

Audio Samples
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Acoustic Pop Vinyl R&B Rumba & Swing Reggae 1 Triplet

Auch moderne Beats und Sounds sind kein Problem für das SD7, die Drums sind druck- und geschmackvoll.

Audio Samples
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70’s Revival Lounge 2 House Parade
Fotostrecke: 3 Bilder Die Styles des Ketron SD7 basieren auf Audio-Drums.
Fotostrecke

Mithilfe der Style-Modeling-Funktion kann man einen vorhandenen Style mit Elementen eines anderen Styles versehen und so einen neuen Groove kreieren. Im Folgenden Beispiel änderte ich die Bass-Spur des Styles “Dance 1” während der Aufnahme und wählte als neues Bass-Pattern “Salsa6Bass”. Das Ergebnis ist ein Latin-Dance-Style. Natürlich kann man solche Änderungen auch als User-Style speichern.

Audio Samples
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Dance mit Salsa-Bass

Mit der Funktion LIVE EFX lassen sich interessante, DJ-mäßige Effekte erzielen, indem ein Lowpass-Filter auf die Drums gelegt und mithilfe der Fader auf der rechten Seite in Cutoff-Frequenz und Resonanz beeinflusst wird. Dieser Effekt ist auch auf den (Song-)Player und/oder die Right-Voice anwendbar. Man kann sogar die einzelnen Parts des Arrangers getrennt zuweisen. 

Audio Samples
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Live EFX

Ähnlich der OTS-Funktion anderer Hersteller gibt es auch bei Ketron die Möglichkeit, den Style-Variationen A, B, C und D bestimmte Voices der rechten Hand zuzuordnen (VOICE TO ABCD). Beim Wechsel zu einer anderen Variation ändert sich dann automatisch auch die Voice für die rechte Hand. Auch das ist selbstverständlich speicherbar. Hier noch ein paar letzte Audio-Beispiele des sehr gelungenen Style-Bereichs: 

Audio Samples
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Seashore Tune Salsa Caliente Bayerisch March

Player / Recorder

Mit dem Media-Player können zwei Files parallel abgespielt werden. Das Ketron SD7 gibt sich polyglott und erkennt eine Menge Dateiformate: WAV, MID, MP3, MP4, AVI, MOV, FLV, CDG, JPG, TXT und PDF. Die drei USB-Ports an der Vorderseite des SD7 bieten genug Anschlussmöglichkeiten für externe Speichermedien, um das Gerät mit Daten zu füttern. Der ohnehin schon üppige interne Speicher (SSD mit 5 GB) kann optional durch eine zweite Festplatte des Typs SATA 2/3 2.5 erweitert werden. Mit den Funktionen Juke Box und DJ stehen zwei Werkzeuge zur Verfügung, die das Abspielen von Songs komfortabler machen.
Der Recorder kann MIDI- und Audio-Aufnahmen (WAV) machen. Alle Audiobeispiele in diesem Test wurden auf diesem Wege erstellt.

Mikrofoneingang

Das SD7 besitzt einen Mikrofoneingang und einen separaten Input, an dem ein zweites Mikrofon oder ein Instrument, z.B. eine Gitarre angeschlossen werden kann. Diese Signalwege werden mit den Tastern MICRO und INPUT freigeschaltet. Drückt man länger auf diese Taster, so öffnet sich ein Fenster, in dem die Einstellungen für die beiden Signale vorgenommen werden können. Für das Mikrofon lassen sich die Effekte Noise Gate, Equalizer, Kompressor und Echo verwenden. Auch ein Pitch-Shifter ist an Bord, um lustige Verfremdungen zu erzielen. Mit dem eingebauten Voicetron Harmonizer können Chöre erzeugt werden, die zum gespielten Akkord passen. Die Lautstärken von Mikro und Voicetron werden mit zwei Hardware-Fadern komfortabel angepasst. Das so bearbeitete Mikrofon-Signal kann über den Ausgang MICRO OUT separat abgegriffen werden, beispielsweise um es auf einen getrennten Mischpult-Kanal zu legen.  

Audio Samples
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Pitch Shift Voicetron

Betriebssystem

Die Menüstruktur in Verbindung mit dem großen Touchscreen ist schon innovativ, das muss man Ketron lassen. Ein paar Kritikpunkte gibt es aber zu erwähnen, denn das Betriebssystem wirkt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ganz ausgereift. Während des Tests stürzte das SD7 zweimal plötzlich ab und musste komplett neu hochfahren. In beiden Fällen war das Umschalten eines Sounds der Auslöser. Das darf bei einem professionellen Keyboard natürlich nicht passieren!
Genauso ärgerlich ist die Tatsache, dass es beim SD7 Betriebszustände gibt, in denen man den Arranger nicht stoppen kann. Aus bestimmten Untermenüs heraus ist ein Betätigen der STOP-Taste einfach nicht möglich. Dieser Mangel war mir übrigens auch schon beim Test des Ketron Audya 5 aufgefallen.
Ein weiterer Punkt: Mein Versuch, den Panorama-Wert der Audio-Drums in einem Style so zu verändern, dass sie nur noch rechts oder links zu hören sind, schlug fehl. Zunächst klappte es, aber spätestens zu Beginn einer neuen Variation rutschte das Panorama wieder in die Mittelposition. Dabei stand im Display immer noch der gewünschte Wert, den ich global eingestellt hatte, der also für den gesamten Style galt.
Gelegentlich ist es bei der Bedienung des SD7 mühsam, in ein bestimmtes anderes Menü zu wechseln. Man braucht dann mehrere Anläufe z.B. über die EXIT- oder HOME-Taste, um zum Ziel zu kommen.
Insgesamt würde ich das Betriebssystem zum jetzigen Zeitpunkt als etwas hakelig und nicht ganz stabil bezeichnen, es wirkt einfach noch nicht ganz fertig. Dazu passt auch die Art und Weise, wie das Benutzer-Handbuch aufgebaut ist. Während Firmen wie Yamaha ein detailliertes, systematisches User-Manual und oft auch noch ein Referenz-Handbuch mit Beschreibungen aller Eventualitäten bereitstellen, ähnelt das Handbuch des Ketron SD7 eher einer amateurhaft programmierten Homepage. Das Manual liegt weder in gedruckter Form noch als PDF vor. Es ist im HTML-Format auf der Internet-Seite von Ketron mit einem Browser zu lesen und in gleicher Form auch im Menü des SD7 zu finden. Ein Register gibt es nicht, nur ein grobes Inhaltsverzeichnis ohne erkennbares System. 

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Ronny Funk sagt:

#1 - 13.04.2017 um 12:19 Uhr

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Da ja das SD-40 noch nicht getestet wurde, aber es mit dem SD-7 identisch ist, kann man diesen Test als SD-40 Test werten.
Ich bin am Überlegen, ob das SD-40 oder das Roland BK7m das Richtige wäre. Beim Roland haben manche Sounds enge Grenzen, Bedienung ist kompliziert, dafür ist der Preis niedrig, beim SD-40 hat dagegen die gewöhnungsbedürftige Bedienungsanleitung und die Fehlfunktionen einen unschönen Beigeschmack, nebenbei pflegen die Musikändler in Norddeutschland das Fabrikat Ketron zu sabotieren, so dass ein unverbindliches Ausprobieren nicht möglich ist, es sei denn, man möchte eine kleine Reise machen.
In meiner Überlegung ist auch noch, nur den Drumsounds auf die Sprünge zu helfen mit einem Boss Dr. Rhythm, aber da setzt die Drumbelegung enge Grenzen, ich müsste die Styles anpassen und das dürfte ohne Spezial-Tool komplizierter werden.

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    Facundao Lang sagt:

    #1.1 - 31.12.2017 um 04:19 Uhr

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    Wie wäre es mit der Kombination aus Varranger2, einem SD1000, einem Masterkeyboard und zusätzlich NI Maschine? (Existenz eines Laptops angenommen).
    Ich mache das so, OK ich habe auch NI Komplete 11 U, aber vom Sound und der Flexibilität schlägt das jeden Hardware Arranger, da Varranger2 auch VST Integration anbietet, was den Grundsound des SD1000 enorm aufwertet. Zudem gibts zu Varranger2 tausende Tyros5, SD1, PaX4, BK7m usw Styles gratis dazu...

    Antwort auf #1 von Ronny Funk

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    Rob F sagt:

    #1.2 - 03.04.2020 um 20:21 Uhr

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    Das SD40 ist nicht ganz mit dem SD7 identisch. Es enthält keine RAM-Sounds und auch nicht das Spezial-Drumkit, jedenfalls nicht als anwählbares Kit. Es hat aber ein Drumset, welches auf der Snare 3 Zonen hat, auf der Hi Hat 2 Zonen.

    Antwort auf #1 von Ronny Funk

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Rob F sagt:

#2 - 03.04.2020 um 20:18 Uhr

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Ich machte einen logischen Fehler und brachte eine Fehlinformation zu den Audio Styles.
Richtig ist:1)Die besten Resultate erziele ich, wenn ich das Originaltempo benutze (gilt auch bei Yamaha)
2)Die zweitbesten Resultate, wenn ich das Tempo erhöhe (gilt ansatzweise für Yamaha)
3)Verlangsamung bringt Ergebnisse, die je nach Beschaffenheit des Rhythmus und ob Parts dabei sind, die es maskieren können, unterschiedlich ausfallen, aber besser sind, als bei Yamaha, da klingt es, wie wenn man ein YouTube-Video mit Musik langsamer abspielt.

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