Feature
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22.08.2011

Yoav: Looper & Effekte als Performancetools

Live-Beats mit Akustik-Gitarre und Effekten

Yoav ist ein Ausnahmekünstler, der einen sehr eigenen Stil kultiviert: Seine Musik besteht fast ausnahmslos aus live gelooptem Material, alles erzeugt durch kreativen Umgang mit seiner Akustikgitarre und Effekten. Wer jetzt abgedrehte Noise-Musik erwartet liegt allerdings ziemlich daneben! Seine Songs sind sehr zugänglich, und wie der Titel seines Debüt-Albums von 2008 irgendwie "Charmed and Strange".

Im Laufe seiner Karriere hat der in Südafrika aufgewachsene israelische Musiker auch schon in London und New York gelebt und produziert - ein musikalischer Cosmopolit. In New York entwickelte Yoav auch seine Liebe zu sehr unterschiedlichen Musikrichtungen. Im Interview erzählt er, dass es zuhause eigentlich nur Klassik gab – klar, die Mutter war ja auch Opernsängerin. Die ersten Gehversuche auf der Akustikgitarre mussten dementsprechend noch heimlich erfolgen. Vielleicht mit ein Grund, warum er sich traut, einen radikal eigenen Weg zu gehen! Im Frühsommer 2011 spielte er unter anderem auf den Hurricane und Southside Festivals, wohnte in der Zeit in Berlin. Eine gute Gelegenheit für uns, ihn nach Hamburg einzuladen und in der Lounge seines Labels Warner ein Workshop-Interview zu führen! Die Filme sind wie immer auf englisch – aber in den Einleitungen zum jeweiligen Clip gibt es eine kurze Inhaltsangabe: 

Zur Person

Yoav erzählt von seinen Wurzeln: Vom heimlichen Gitarre spielen bis zur ersten Band, in der er – wie im Klischee – nur mitspielen durfte, weil er eine eigene PA besaß... der Traum Rockstar zu werden, brachte ihn auf die Reise und hielt ihn bei der Stange. Das Songschreiben "fand" ihn einfach - er setzte sich irgendwann hin und begann!

Die Entdeckung des Loopers

Im Rahmen seiner Live-Gigs entwickelt Yoav den Aufbau seiner Songs jedes mal aus dem Nichts – mithilfe seiner Looper. Durch einen "Unfall" mit einem Echoeffekt begann er mit elektronischen Percussionsounds zu experimentieren. Dann entdecke er die Boss Loopstations. Als er während eines Urlaubs in Südafrika eine spontane Gig-Anfrage bekam, seine Band aber nicht verfügbar war, setzte er sich kurzerhand mit der Akustikgitarre, einem Delay und einem Looper hin und übte einen Solo-Gig ein. Der Grundstein war gelegt! Seine modernen Beats entwickelte er dann in seiner Zeit in New York, als er im Park saß und plötzlich Kids um ihn herum tanzten, als er einen Drum & Bass Beat auf dem Body seiner Akustikgitarre jammte.

Wie findet man seine Richtung als Künstler?

Yoav hat einen sehr eigenen Stil: Moderne Popmusik mit Beats aus der Akustikgitarre. Wie hat er diesen Stil entwickelt, und was für Tipps hat er für andere Künstler ihren individuellen Weg zu finden? Im Clip gibt er zu bedenken, dass man gern vergisst, dass sogar die Beatles zunächst einmal abgelehnt wurden – hart war der Weg eigentlich schon immer. Das gute alte Mantra aus Dranbleiben, Weitermachen, Weiterentwickeln (und dann das Ganze von vorn) ist auch sein Rezept ...

WORKSHOP: Working the Beast!

Yoav und seine Looper: Jetzt wird's ernst. Yoav zeigt, wie er mit seinem Arsenal aus verschiedensten Effekten komplette Songs mit Beat und allen Schikanen entstehen lässt. Am Anfang war die Stille ... aber nicht lange!

Das Effektboard: Natürlich wollten wir uns von Yoav sein Effektboard  genauer erklären lassen. Was hat er da alles unter seinen Füssen? Zum Stepptanz laden ein: Ein Electro Harmonix Hog, 2 Boss RC Looper, verschiedene Distortion- und Modulationseffekte - und natürlich Hall. 

Live Performance Songs

Als besonderes Schmankerl performte Yoav am Ende unseres Meetings noch zwei Songs. Los geht es mit der treibenden Nummer "We are all Dancing". Faszinierend zu sehen, wie er seine Klangwelten durch unterschiedliche Spielweisen und den Einsatz von Effekten, quasi aus dem Nichts entstehen lässt. Sehr deutlich wird hier die Wichtigkeit des Reverse Hall Effektes als Soundgestaltungstool bein Melodiehook.

Bei "Beautiful Lie" baut Yoav zunächst einmal einen sehr rhythmischen Beat auf. Mit Einsatz der Vocals fährt er den Song dann auf einen Hauch von Nichts herunter, um ihn anschließend mit sehr hookigen gezupften Echogitarrenlicks zu unterlegen. Trotz dieser Berg- und Talfahrt verliert die Nummer nie den Faden.

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