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Yamaha FGC-TA Test

Zwar präsentiert sich die Yamaha FGC-TA ganz unaufgeregt in Gestalt einer Dreadnought, doch das Instrument aus der TransAcoustic-Reihe hat es in sich, genau genommen in der Zarge. Es überrascht nämlich mit einem originellen Preamp, der mit Chorus und Reverb zwei Onboard-Effekte inkludiert hat. Der Sound wird im Inneren des Korpus generiert, sodass dafür nicht unbedingt ein externes Lautsprechersystem aufgefahren werden muss.
Die FGC-TA macht mobil und dürfte vor allem Backpacker, Busker, Camper und überhaupt alle Gitarristen ansprechen, die den Natursound ihrer Gitarre elektroakustisch verstärken und aufhübschen wollen. Und das, ohne sich mit externen Effektgeräten

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und einem Akustikverstärker abmühen zu müssen. Aber wo sind die Tücken? Ist das TransAcoustic System 70 überhaupt tragfähig? Wie es arbeitet, erfährst du in diesem Test.

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Details

Sämtliche Größenverhältnisse bleiben im grünen Bereich der Martin-Norm. Auch formal hat sich der Hersteller an alle Maßgaben gehalten, die das Erscheinungsbild einer Dreadnought bestimmen. Der massige Resonanzkörper bietet optimale Voraussetzungen für einen fulminanten Natursound. Auch der rund geschwungene Cutaway gehört inzwischen zum guten Ton, vermindert aber das Luftvolumen des Klangkörpers. Jedenfalls kann unsere Testkandidatin schon mal auf der akustischen Seite punkten.

Aber wie steht es mit der Ausstattung? Den wichtigsten Beitrag zur Klangentfaltung des Instruments leistet die massive Fichtendecke. Da sie deckend schwarz lackiert ist, muss eine Qualitätsprüfung unterbleiben. Die Decke wurde jedenfalls wunderschön hochglänzend versiegelt und mit einem aufgeklebten Teardrop (hier transparent) vor unkontrollierten Schlagmanövern geschützt. 

Fotostrecke: 5 Bilder Auf den ersten Blick erscheint die Yamaha FGC-TA wie eine typische Westerngitarre im Dreadnought-Stil.
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Der große aufgeleimte Saitenhalter ist aus einem Stück Palisander geschnitzt. Sechs Pins aus ABS (mit weißen Punkteinlagen) haben auf dem rundgeschwungenen Unterbauch Platz genommen. Die Saiten werden konventionell mit den Ball-Ends arretiert. In der Fräsung ruht (wackelfrei) eine einteilige längenkompensierte Stegeinlage aus Urea. Mit einer Nase für die B-Saite wird am Ende ein oktavreiner Ton auf ganzer Länge generiert.

Fotostrecke: 4 Bilder Die Decke und der aus einem Stück Palisander gefertigte Saitenhalter sind miteinander verleimt.
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Eine schlichte Schalllochverzierung besteht aus mehreren konzentrischen schwarzen und weißen Ringen und korrespondiert mit der schwarz-weiß gestreiften Einlage am Deckenrand. Ansonsten hält sich unsere Testkandidatin mit Intarsien und Einlegearbeiten eher bedeckt. Am Ende wirkt das Instrument vor allem im Hochglanzfinish-Look sehr edel.
Der sanft gewölbte Boden und die beiden Zargen bestehen aus laminiertem Mahagoni. Massives Holz kann man in diesem Preissegment natürlich nicht erwarten. Cremefarbenes Binding an den Boden- und Deckenrändern bildet den Übergang zu den Zargen und schützt die Stoßkanten vor Beschädigungen. Die FGC-TA kommt – standardgerecht – mit der langen Normalmensur, die benötigt wird, um den großen Korpus in Schwingung zu versetzen.

Fotostrecke: 3 Bilder Beim Blick durch das Schallloch entdeckt man ein Label mit Angaben zum Produkt.
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Interieur

Die vergleichsweise große Platine in der Zarge fällt sofort ins Auge. Ansonsten bestimmen vertraute Bauformen das Bild. Yamaha hat die Dreadnought eben nicht neu erfunden.

Von außen nicht sichtbar sind die Verstrebungen unter der Decke und im Korpusinneren.
Von außen nicht sichtbar sind die Verstrebungen unter der Decke und im Korpusinneren.

Ein massiver Halsblock aus Mahagoni ist stabil mit der Decke, dem Boden und den Zargen verleimt. Die Decke ist mit einem obligatorischen X-Bracing unterbaut und die Streben im Unterbug sind bogenförmig ausgehöhlt, was man allerdings bei einem Blick ins Schallloch nicht erkennen kann. Das Gleiche gilt auch für die Nebenleisten. Jedenfalls werden die Schwingungseigenschaften der Decke mit dem scalloped X-Bracing noch weiter optimiert, was praktisch zu einer Erhöhung des Dynamikbereichs führt. Drei flache Holzstreifen – tastbar rund um das Schallloch verleimt – stabilisieren den fragilen Deckenbereich. Zur Vergrößerung der Aufleimstellen sind am Boden- und Deckenrand keilförmig gesägte Holzreifchen eingesetzt. Am Boden wurde das obligatorische Leiterbracing (insgesamt vier Querbalken) verbaut, einen Bodenmittelstreifen benötigt die Konstruktion nicht. Mängel konnte ich hier nicht entdecken.

Tonabnehmersystem

Die FGC-TA läuft mit einem Tonabnehmersystem der besonderen Art auf. Das innovative System 70, mit dem sich das Instrument quasi selbst verstärken kann, stammt aus hauseigener Produktion. Im Oberbug sind diskret drei Drehgeber implementiert. Diese beeinträchtigen das ursprüngliche Erscheinungsbild der Akustikgitarre nur geringfügig. Es handelt sich (1) um einen Chorus- und (2) einen Reverb-Controller. Letzterer generiert einen dezenten Raum und produziert in der zweiten Hälfte des Drehwegs einen satten Hall mit einer Hallfahne, die im weiteren Verlauf weiter ausgedehnt wird. Beide Effekte sind separat zumischbar und verschmelzen homogen mit dem Natursound. Einen echten Kathedralhall generiert das System aber nicht. Der dritte Controller im Bunde pegelt die Summe des voreingestellten Effektmix. Mit einem Druck auf den gleichen Button mit Push-Funktion werden die Effekte vom Fleck weg aus dem Signalweg genommen.

Fotostrecke: 4 Bilder Das Highlight ist der System 70 Preamp, der über die Controller in der Zarge gesteuert wird.
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Auf einer großen Bühne benötigt die FGC-TA allerdings eine Verstärkeranlage, denn das interne System 70 ist dann doch nur bedingt tragfähig. Die Effekt-Einstellungen werden natürlich auch am Output übernommen. Der Knopf für den Gurtpin dient dann gleichzeitig als Klinkenausgang. 2 AA-Batterien treiben den Preamp an. Eine Schublade für die Batterien befindet sich am Knopf/Output. Eine Klangregelung gibt es nicht. Dazu später mehr.

Hals, Halsfuß und Griffbrett

Der schlank verrundete Hals (C-Shaping) besteht aus Nato. Das Holz wird in Asien geschlagen und punktet mit ähnlichen Eigenschaften wie Mahagoni, ist aber preiswerter, allerdings angeblich nicht ganz so stabil. Hals und Halsfuß sind deckend matt-schwarz lackiert. Die Übergänge oder Stöße im Kopf- oder im Halsfuß-Bereich bleiben deshalb unsichtbar. Ein eingelegter justierbarer Stahlstab gibt dem dünnen Hals mehr Stabilität, die Halskrümmung im unteren Drittel lässt sich mit dem entsprechenden Inbus justieren. Den Zugang zur Stellschraube verschafft man sich über das Schallloch. Handlungsbedarf besteht nicht, da das Instrument optimal eingestellt aus der chinesischen Werkstatt kommt.
Das Griffbrett aus verwindungssteifem Palisander wurde passgenau aufgeleimt. Mit einem Radius von 400 mm (15 3/4″) ist es eher sanft gewölbt, durch die cremefarbene Griffbretteinfassung fühlt es sich etwas breiter an. Die 20 Bünde sind jedenfalls ordentlich abgerichtet und poliert und treten auch an den Kanten nicht hervor. Zur Orientierung beim Lagenwechsel dienen Punkteinlagen, die ziemlich klein geraten sind, aber unübersehbar das Griffbrett strukturieren. Schwarze Dots auf der Griffbretteinfassung bilden eine sinnvolle Ergänzung. Am Ende des Griffbretts laufen die Saiten über einen sorgfältig gefeilten Sattel aus Urea, der mit einer Breite von 4,3 cm standardgerecht abgemessen ist.

Fotostrecke: 3 Bilder Gitarristen mit Soloambitionen werden sich über das Cutaway freuen, das das Spielen in den hohen Lagen erleichtert.
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Kopfplatte

Die geschlossene Kopfplatte ist mattschwarz lackiert, die Oberfläche hochglänzend versiegelt. An beiden Seiten befinden sich drei geschlossene verchromte Gussmechaniken, die leichtgängig und präzise arbeiten. Im Zentrum schillert ein buntes Palmenmotiv.

Fotostrecke: 2 Bilder Nach Überqueren des Sattels erreichen die Saiten die Kopfplatte der Yamaha FGC-TA.
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