Harley Benton CLD-60SMCE NT Test

Die Harley Benton CLD-60SMCE NT ist eine Vollmahagoni-Dreadnought, die sich mit ihrem passablen Tonabnehmersystem auch im Bandkontext durchsetzen kann. Unsere Testkandidatin wurde für den Einsteiger konzipiert und überrascht mit einem stimmigen Preis-Leistungs-Verhältnis. Vollmahagoni-Gitarren befinden sich übrigens zurzeit auf der Überholspur.
Das Schwestermodell, die CLD-60SCE NT

– baugleich, aber mit massiver Fichtendecke, – stellte sich im November 20 im bonedo-Studio vor und erhielt herausragende Kritiken. Wie die Vollmahagoni-Version abgeschnitten hat, werdet ihr in diesem Test erfahren.

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Details

Korpus

Zu den Vorfahren der CLD-60SMCE gehören sicherlich auch die Vollmahagoni-Dreadnoughts, die Martin in den 30er-Jahren produzierte. Deshalb bleiben die Unterschiede, rein äußerlich betrachtet, überschaubar. Der Korpus unserer Probandin kommt nicht nur mit den altbekannten Proportionen, sondern auch mit den standardgerechten Abmessungen. Die eckigen Schultern und die breite Taille geben der vergleichsweise großen Bauform das unverwechselbare Aussehen. Ein rundgeschwungener Cutaway für den Single-Line-Spieler gehört, wie bei diesem Instrument, inzwischen zum guten Ton einer Dreadnought. Dieser fügt sich optisch ansprechend in das Design ein.
Die tief ausgeschnittenen Zargen leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Erhöhung des Luftvolumens und deshalb darf man auch bei diesem Modell mit einem fetten Sound rechnen. Einen besonderen Einfluss auf den Ton nehmen natürlich auch die verbauten Hölzer. Der Hersteller hat, wie angedeutet, die CLD-60SMCE NT mit einer massiven Mahagonidecke bestückt. Massives Deckenholz kann man in diesem Preissegment eigentlich nicht erwarten. Die rot und dunkelbraun strukturierte Oberfläche besteht jedenfalls aus zwei gleich großen, aber nicht unbedingt symmetrisch gemaserten Teilstücken. Die mittig verlaufende Nahtstelle kann man hier nur erahnen.

Fotostrecke: 5 Bilder Im günstigen Preissegment tummelt sich die Harley Benton CLD-60SMCE NT,…
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Der Hersteller hat ansonsten auf Holzarten wie Palisander oder Ebenholz verzichtet und baut auf Hölzer, die noch reichlich verfügbar sind. Der große konturierte Saitenhalter besteht aus einem Stück Roseacer, einer Wortschöpfung für thermisch behandeltes Ahorn (Acer). Das künstlich getrocknete Holzprodukt ähnelt zumindest optisch echtem Palisanderholz (Rosewood).
Die Saiten werden konventionell mit elfenbeinfarbenen Pins und Ball-Ends arretiert und laufen über eine längenkompensierte Stegeinlage aus ABS, die wackelfrei in der Ausfräsung ruht. Zur Verbesserung der Oktavreinheit wurde die B-Saite mit einer „Nase“ befeilt und leicht rückversetzt. Die Intonation bleibt jedenfalls auf ganzer Länge erfreulich stimmig.
Ein authentischer schwarzer Teardrop schützt die Decke vor unkontrollierten Schlagmanövern und eine schlichte Schalllochverzierung, die aus zwei konzentrischen Ringen besteht, umrundet das Schallloch. Ansonsten setzt die CLD-60SMCE NT wie alle Gitarren in diesem Preissegment wenig preistreibende Glanzlichter.
Ein cremefarbenes Binding bildet an Decken- und Bodenrand den Übergang zu den Zargen und schützt die Stoßkanten vor Beschädigungen. Damit unterscheidet sich die CLD-60SMCE NT auch nicht von einer alten Martin aus den 30er-Jahren.

Fotostrecke: 5 Bilder Zum Einhänge eines Gurtes sitzt in der unteren Zarge mittig ein passender Gurtknopf.
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Ein cremefarbenes Binding bildet an Decken- und Bodenrand den Übergang zu den Zargen und schützt die Stoßkanten vor Beschädigungen. Damit unterscheidet sich die CLD-60SMCE NT auch nicht von einer alten Martin aus den 30er-Jahren.
Massives Holz kann man natürlich nicht überall erwarten. Boden und Zargen bestehen aus laminiertem Holz mit Sichtfurnieren, was aber den Naturklang kaum trüben sollte, da sich Boden und Zargen bei der üblichen Haltung der Gitarre viel weniger in den Gesamtklang einmischen.
Der Korpus wurde abschließend komplett transparent versiegelt, sodass überall die Strukturen durchschimmern. Unsere Testkandidatin kommt mit einer langen Mensur von 643 mm, wodurch die entsprechende Saitenspannung aufgebaut wird, die nötig ist, um einen größeren Korpus in Schwingung zu versetzen.

Elektronik

Kaum zu glauben, aber wahr! Unserer Testkandidatin läuft sogar mit einem Tonabnehmersystem auf und kann deshalb auch im Bandkontext munter werden. Der Preamp, ein hauseigener HB-03, ist in der oberen Zarge verbaut. Das Paneel bietet mit einem 3-Band-EQ und einem Volume-Controller die wichtigsten Steuerelemente, ein Tuner und ein Phasenumkehrschalter sind ebenfalls an Bord. Eine 9-V-Batterie ist im Lieferumfang enthalten, das Batteriefach befindet sich in der unteren Zarge direkt neben der kombinierten Gurtpin-Klinkenbuchse. Ein unsichtbar unter der Stegeinlage versteckter Transducer sendet seine elektroakustischen Signale an den Preamp.

Fotostrecke: 4 Bilder In dieser Preisklasse eine Überraschung ist das eingebaute Tonabnehmersystem, dessen Preamp in der Zarge sitzt.
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Interieur

Im Innenraum geht alles ganz konservativ zu. Das Herzstück bildet ein schmaler Halsblock aus Mahagoni, der Zargen, Decke, Boden und Halsfuß zusammenhält.
Das obligatorische X-Bracing sorgt dafür, dass sich die Decke nicht durch die Saitenspannung aufwölbt. Der Schnittpunkt der beiden Streben aus Fichtenholz liegt tastbar hinter dem Schallloch. Diese sind im Unterbug bogenförmig ausgehöhlt und ermöglichen der Decke deshalb ein gesteigertes Schwingungsmoment. Decke und Boden sind mit den Zargen verleimt. Zur Vergrößerung der Aufleimstellen ist rundum am Boden- und Deckenrand eine Verstärkung aus keilförmig gesägten Holzecken eingesetzt. Die Bodenhälften werden von vier kräftigen Querstreben zusammengehalten, einen Bodenmittelstreifen gibt es nicht.
Der fragile Bereich rund um das Schallloch wird außerdem mit schmalen Holzstreifen verstärkt. Wie üblich ist auch hier der Innenraum nicht lackiert. Mängel konnte ich, soweit das Auge reicht, nicht entdecken.

Fotostrecke: 4 Bilder Ein authentischer schwarzer Teardrop schützt die Decke vor Kratzern und…
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Hals, Halsfuß und Griffbrett

Hals, Kopfplatte und Halsfuß aus Mahagoni sind stabil miteinander verleimt. Die Stöße, wenngleich im Kopfbereich besser kaschiert, kann man noch lokalisieren. Der spitze Halsfuß ist mit dem Halsblock im Innenraum verzapft und verleimt, eine Schwalbenschwanzverbindung, die sich nicht ablösen kann.
Die Halskrümmung lässt sich im unteren Drittel mit einem eingelegten Dual-Action Truss-Rod korrigieren. Dieser Metallstab verleiht auch dem Hals mehr Stabilität. Die Stellschraube befindet sich im Schallloch unter dem Griffbrett. Der Inbusschlüssel ist im Lieferumfang enthalten, aber der Hals wurde werkseitig optimal eingestellt, sodass kein Handlungsbedarf besteht.
Das Griffbrett aus Roseacer ist passgenau auf den Hals geleimt, wobei eine cremefarbene Einfassung in diesem Preissegment überrascht. 20 Vintage-Size-Bünde bevölkern das Griffbrett, das mit kleinen Punkteinlagen strukturiert ist. Der Oktavbund ist mit einem Doppel-Dot optisch hervorgehoben. Entsprechende Punkteinlagen auf der weißen Einbindung bilden eine sinnvolle Ergänzung.
Leider treten die Bundstäbchen bei diesem Modell auf ganzer Länge an der Unterkante und zum Teil an der Oberkante aus, sodass bei einem ausladenden Slide in die höheren Lagen Verletzungsgefahr droht. Hier sollte unbedingt eine Korrektur/Reparatur erfolgen. Eine sanfte Wölbung erleichtert das Spiel mit großen Barrégriffen. Das Griffbrett überlappt standardgerecht am 14. Bund die Decke.
Die Saiten laufen über einen sorgfältig gefeilten und ausgerichteten Sattel aus ABS und bleiben auch bei harten Anschlägen in den Kerben. Der Sattel ist mit einer Breite von 4,3 cm normgerecht bemessen.

Fotostrecke: 3 Bilder Ein großzügiges Cutaway erlaubt auch mal Solo-Ausflüge in die hohen Lagen.
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Kopfplatte

Um die Saitenspannung und den Anteil der Obertöne zu erhöhen, ist die Kopfplatte angewinkelt am Hals angesetzt. Auch diese Maßnahme entspricht gängiger Praxis. An der Unterseite sind drei geschlossene Gussmechaniken mit griffigen Stimmflügeln in 3: 3 Anordnung verschraubt. Die Kapseln sind mit Schmierfett gefüllt und schützen das Zahnrad und die Gewindeachse vor Verunreinigungen. “Die-Casting” ist im Übrigen der Name eines Druckguss-Verfahrens.
Die Mechaniken arbeiten präzise und lassen sich leichtgängig bedienen. Die Oberfläche der Kopfplatte ist mit einem hauchdünnen Furnier verblendet und natürlich prangt dort auch das HB-Logo.

Fotostrecke: 2 Bilder Die angewinkelte Kopfplatte trägt sechs geschlossenen Gussmechaniken mit griffigen Stimmflügeln,…
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