Hersteller_Yamaha DP_Digitalpiano DP_Kompakt
Test
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28.05.2015

Praxis

Tastatur

Ausgepackt, aufgebaut, angeschaltet. Beim ersten Kontakt mit dem Yamaha P-45 habe ich direkt ein gutes Spielgefühl. Die verbaute Tastatur mit „Graded-Hammer-Standard-Mechanik“ (GHS) gehört natürlich nicht zur Spitzenklasse der Tastaturen und verzichtet auf Merkmale wie z.B. Holztasten und eine Beschichtung aus Elfenbeinimitat, doch sie gibt das Spielgefühl eines Flügels mit Hammermechanik schon ganz gut wieder. Wie viele andere Tastaturen von Yamaha ist auch diese tendenziell etwas schwerer gewichtet, was zum Üben durchaus sinnvoll ist.

Im Verhältnis zum Diskant ist die Gewichtung im Bassbereich etwas schwerer, was zusätzlich ein realistischeres Spielgefühl bewirkt. Beim Spielen über die internen Lautsprecher kommt außerdem hinzu, dass das Piano (ähnlich wie bei akustischen Klavieren) „mitschwingt“. Dieser Effekt ist für viele vielleicht nur sekundär, jedoch finde ich das durchaus als sehr angenehm! In puncto Realismus wäre ein klarer Druckpunkt noch wünschenswert, in dieser Preisklasse kann man das aber bislang nicht erwarten. Insgesamt ist die Tastatur für den geringen Preis des P-45 absolut vorbildlich und hebt sich mühelos von den Mitbewerbern in dieser Preisklasse ab. 

Klang

Nicht nur optisch gibt sich das P-45 spartanisch. Mit seinen zehn Klangfarben bietet es nur wenige Sounds, doch mal Hand aufs Herz: Neben einem brauchbaren Grand-Piano spielen alle weiteren Klänge bei einem solchen Instrument doch sowieso nur eine untergeordnete Rolle. Hören wir uns also zunächst die beiden Grand Pianos an. 

Die beiden Grand Pianos klingen ganz klassisch nach Yamaha: Zwar sind sie relativ hell, doch lassen sie sich sehr dynamisch und ausdrucksvoll spielen. Insgesamt ist Yamaha seit vielen Jahren für einen amtlichen Piano-Sound bekannt (immerhin gehört die Firma auch bei den akustischen Klavieren und Flügeln zur Weltspitze) und so wird man auch beim P-45 klanglich nicht enttäuscht, erst Recht nicht gemessen am günstigen Preis des Pianos.

Im Gegensatz zu teureren Digitalpianos fallen mir aber doch ein paar klangliche Unschönheiten auf: Besonders in den oberen Lagen macht sich ein unnatürlicher Ausklang bemerkbar. Diese sogenannten „Loops“ findet man leider bei vielen günstigen Digitalpianos – etwas unzeitgemäß, wie ich finde, denn zusätzlicher Speicherplatz für längere Samples wäre heute kein großer Kostenfaktor mehr. Ebenso verzichtet Yamaha beim P-45 auf Nebengeräusche und Effekte wie etwa Saitenresonanzen oder das Dämpferpedal-Geräusch.

Das Grand Piano 2 ist im Gegensatz zum ersten Modell etwas heller und poppiger, kann aber leider nicht ganz mit dessen Ausgewogenheit mithalten, weshalb ich persönlich sehr schnell wieder zum ersten zurückgefunden habe. Beim Live-Spiel in einer Band könnte dieser Sound aber für etwas mehr Durchsetzungsfähigkeit sorgen.

Wie bereits erwähnt enthält das P-45 noch eine Handvoll weiterer Sounds, darunter zwei E-Pianos, zwei Pfeifenorgeln, Streicher, Cembalo und Vibraphon. Die beiden E-Pianos, die ein Fender Rhodes und ein DX-Piano imitieren, können klanglich leider nicht so recht überzeugen, was aber in dieser Preisklasse zu verkraften ist. Generell ist zu sagen, dass alle Sounds abseits der Grand Pianos tatsächlich eher als nettes Beiwerk anzusehen sind.

Polyphonie

Eine wesentliche Neuerung im P-45 ist die Verdopplung der Polyphonie von 32 auf 64 Stimmen. Die meisten Digitalpianos verfügen mittlerweile sogar über eine noch höhere Polyphonie (128 Stimmen sind hier typisch) und so habe ich mir einen kleinen Test erlaubt: Stoße ich an die Grenzen des P-45, wenn ich bei gedrücktem Haltepedal einen schnellen chromatischen Lauf über die gesamte Tastatur spiele? Erfreulicherweise ist kein Abreißen der Töne zu hören. Spätestens nach zwei Oktaven verschwimmt alles, etwa wie bei einem echten Klavier – in diesem Sinne darf man also ganz zuversichtlich sagen: 64 Stimmen reichen für die allermeisten Einsatzbereiche wirklich aus. Die Verdoppelung der Polyphonie ist ein großer Pluspunkt im Vergleich zum P-35, dessen 32 Stimmen recht knapp bemessen waren.

Effekte

Das P-45 bietet vier verschiedene Halleffekte, die mittels Function-Knopf und den Tasten C5 bis D#5 aufgerufen werden können. Zu den Halleffekten zählen Room, Hall1, Hall2 und Stage. Mit zwei weiteren Tasten (A4 und B4) kann anschließend die Hallintensität in Plus- bzw. Minus-Schritten eingestellt werden. Mit der Taste E5 wird der Hall ausgeschaltet. Auch der Hall entspricht nicht dem, was man in höherklassigen Pianos mitunter geboten bekommt, reicht aber für etwas Raumeindruck beim Üben aus.

Duo-Modus

Wer das P-45 in einer Musikschule oder generell zu Unterrichtszwecken benutzt, dem wird der Duo-Modus als nützliches Feature gefallen. Der Duo- bzw. Vier-Hand-Modus ermöglicht das Unterteilen der Tastatur in zwei Bereiche mit der gleichen Oktavlage, sodass zwei Spieler nebeneinander im selben Oktavbereich spielen können. Aktiviert wird dieser Modus durch gleichzeitiges Drücken des Function-Knopfs und der Taste D3.

Layer-Modus

Das P-45 ermöglicht es, zwei Sounds übereinander zu schichten (Layer), was mit dem Function-Knopf und gleichzeitigem Drücken zweier Tasten ermöglicht wird. Zurück zum Einzel-Sound gelangt man durch einfaches Drücken des Grand Piano/Function-Knopfes. Einen Splitmodus, der die Tastatur auf zwei Sounds aufteilt, gibt es hier aber leider nicht. Kombinationen à la Linke-Hand-Bass und Piano in der rechten Hand sind mit dem P-45 also nicht zu realisieren.

Bedienung

Trotz der sparsamen Bedienoberfläche ist das P-45 mit dem typischen „Function in Kombination mit Tastatur“-Bedienkonzept recht einfach zu bedienen. Viele Funktionen sind glücklicherweise auf dem Piano aufgedruckt. Etwas unvorteilhaft ist aber, dass manche Funktionen nur im Handbuch zu finden sind. Das ist etwas inkonsequent und schmälert den sonst recht positiven Eindruck des P-45, da gewisse Einstellungen im „Tastenwald“ einfach verborgen bleiben.

Klick-Sound als Bestätigung

Neu im Gegensatz zum Vorgängermodell P-35 ist, dass beim Auswählen einer Funktion mittels Function-Knopf und Tastatur nun ein akustisches Signal als Bestätigung erklingt. Dieser kurze „Klick-Sound“ ist hilfreich und macht deutlich, was vorher oftmals unklar war: „War die Eingabe nun erfolgreich?“ Besonders bei Einstellungen, die schrittweise vorgenommen werden müssen, wie etwa das Transponieren der Tastatur oder das Justieren der Stimmung in 0,2 Hz-Schritten (Tasten G#6/A6 zum Erhöhen/Verringern) ist der Bestätigungston sinnvoll. Möchte man ihn nicht hören – beispielsweise, wenn das Piano auf der Bühne an ein Verstärkersystem angeschlossen ist – so kann man ihn mit der Tastenkombination Function+C7 deaktivieren.

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